Aedes japonicus überträgt in Ostasien die Japan-Encephalitis - Chancen auf weitere Ausbreitung in Österreich "leider sehr gut"
Wien - Die ungewöhnlich hohen Temperaturen Anfang Oktober haben auch den hiesigen Gelsen eine unverhoffte Saisonverlängerung beschert. Sollten sich die Plagegeister demnächst nach wintersicheren Quartieren in Kellern, Scheunen und Kanälen
umsehen, könnte sich zu den heimischen Arten auch ein exotischer Gast gesellen:
Der Ökologe Bernhard Seidel hat erstmals in Österreich die Japanische
Buschmücke, auch Japanischer Felsentümpel-Moskito (Aedes japonicus) genannt,
nachgewiesen. Der Fund ist dabei nicht nur von zoologischem Interesse, immerhin
überträgt diese Gelsenart in Ostasien die Japan-Encephalitis.
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von Aedes japonicus war Japan, Korea
und Südostchina, inzwischen ist sie jedoch bereits in diversen anderen Regionen
der Welt und auch in Europa gefunden worden, erklärte Seidel.
Bei der kürzlich in Budapest stattgefundenen Tagung der "European Mosquito
Control Association" hat der Wissenschafter seine Ergebnisse vorgestellt.
Klassischer
Kulturfolger
Nach den bisherigen Untersuchungen Seidls ist die Art ein klassischer
Kulturfolger, die etwa in Regentonnen und anderen länger mit Wasser gefüllten
Behältern oder in abgelegten alten Autoreifen brütet. Sie komme aber auch im
Freiland in Höhenlagen bis über 600 Meter vor. Bevor sich die zuständigen
Bundesstellen nicht mit den Ämtern der betroffenen Landesregierungen über die
weitere Vorgangsweise beraten haben, will Seidel nicht sagen, wo er die
Buschmücke nachgewiesen hat.
Seidel glaubt nicht, dass die Ausbreitung dieser Art im Zusammenhang mit der
Erderwärmung steht. "Die aktuellen Daten belegen eindeutig, dass diese Art eine
überaus robuste Form darstellt, die selbst Wintersituationen in Hügel- und
Berglandgebieten besser meistern kann als die eingesessenen Gelsentypen", so der
Wissenschafter. Ihr Nachweis sei vielmehr im Zusammenhang mit dem globalen
Handel und als "Anzeiger der geringen hygienischen und qualitativen Sicherungen
im Bereich der Einfuhren und des Transitwesens".
Gute Chance auf Ausbreitung
Die Chancen auf eine weitere Ausbreitung in Österreich bewertet Seidel als
"leider sehr gut". Auch bei den heimischen Gelsen gebe es nur punktuell
brauchbare Gegenmaßnahmen. Seidel verweist in diesem Zusammenhang darauf hin,
dass "Aedes japonicus" in Ostasien die Tropenkrankheit "Japan-Encephalitis"
überträgt. Das tut auch die "Asiatische Tigermücke" (Aedes albopictus), die mit
Glücksbambus verstärkt nach Europa und auch Österreich importiert wird, wie die
Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) vor zwei Jahren gewarnt
hatte. (red/APA)