Lohnschere, nach einzelnen Branchen aufgeschlüsselt

3. Oktober 2011, 12:38
2 Postings

Besonders große Differenz bei FreiberuflerInnen - Schwentner: "Jede Lohnrunde muss eine Frauenlohnrunde werden"

Wien - Ab morgen arbeiten Frauen - statistisch gesehen - gratis. Die Grünen haben sich die Einkommensschere je nach Branche angeschaut und den Equal Pay Day für die einzelnen Branchen berechnet. Herausgekommen ist laut Frauensprecherin Judith Schwentner, dass es keine einzige Branche ohne geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede gibt.

Spitze der Differenz bei 56,3 Prozent

Basis der Berechnungen ist die Lohnsteuerstatistik 2009 der Statistik Austria. Zu beachten ist, dass die Daten nicht teilzeitbereinigt sind. Demnach gibt es die größten Einkommensunterschiede in der Branche der freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (zum Beispiel Werbebranche, Rechtanwaltskanzleien, Ingenieurbüro, SteuerberaterInnen) mit einem Frauenanteil von 56,3 Prozent: Diese hätte den Equal Pay Day schon am 23. August gefeiert, meinte Schwentner.

Mit 48,3 Prozent ebenfalls sehr hoch ist die Einkommensdifferenz bei den sonstigen Dienstleistungen (FriseurInnen, KosmetikerInnen etc.), der Frauenanteil beträgt hier 71,1 Prozent. Bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (Frauenanteil 52,2 Prozent) beträgt die Einkommensdifferenz den Grünen zufolge 46,6 Prozent.

Die geringsten Einkommensunterschiede gibt es in der Branche Beherbergung und Gastronomie mit einem Frauenanteil von 61,2 Prozent - hier wäre der Equal Pay Day am 5. November. Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen kommen auf eine Einkommensdifferenz von 26,2 Prozent (Frauenanteil 45,6 Prozent). In der Baubranche verdienen Frauen um 29 Prozent weniger als Männer - der Frauenanteil beträgt aber nur 12,6 Prozent.

Genau hinschauen

"Es gibt also Branchen, die Frauen im Verhältnis zu ihren männlichen Kollegen besonders schlecht entlohnen", erklärte Schwentner. Sie sieht daher die Sozialpartner bei den kommenden Lohnverhandlungen besonders gefordert: "Jede Lohnrunde muss eine Frauenlohnrunde werden." Der von Frauenministerin Heinisch-Hosek präsentierte Gehaltsrechner reicht der Grünen Abgeordneten nicht: Man dürfe nicht nur individuell ansetzen, sondern müsse die Sozialpartner in die Verantwortung nehmen.

Gerade bei den Kollektivverträgen gäbe es ein enormes verstecktes Diskriminierungspotential, etwa bei der Bewertung von Tätigkeiten sowie die Art der Zuschläge und Zulagen. "Hier müssen die Verantwortlichen endlich genau hinsehen," betonte Schwentner. Außerdem fordern die Grünen eine paritätische Zusammensetzung von KV-Verhandlungsteams sowie einen gesetzlichen Mindestlohn von 1.300 Euro. (red/APA)


Equal Pay Days nach Branchen

  • 23.08. Freiberufl., wissenschaftl. u. techn. Dienstleistungen
  • 28.08. Sonst. Dienstleistungen
  • 08.09. Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
  • 02.09. Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen
  • 09.09. Kunst, Unterhaltung und Erholung
  • 15.09. Energieversorgung
  • 19.09. Herstellung von Waren
  • 20.09. Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden
  • 20.09. Wasserversorgung; Abwasser- u. Abfallentsorgung und Beseitigung v. Umweltverschmutzungen
  • 21.09. Information und Kommunikation
  • 05.10. Private Haushalte mit Hauspersonal; Herstellung v. Waren u. Erbringung v. Dienstleist. durch priv. Haushalte für den Eigenbedarf ohne ausgeprägten Schwerpunkt; Exterritoriale Organisationen und Körperschaften
  • 08.10. Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
  • 09.10. Öffentl. Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung; Erziehung und Unterricht; Gesundheits- und Sozialwesen
  • 11.10. Verkehr und Lagerei
  • 18.10. Bau
  • 25.10. Sonst. wirtschaftlichen Dienstleistungen
  • 05.11. Beherbergung und Gastronomie

  • Der Gehaltskuchen.
    foto: die grünen

    Der Gehaltskuchen.

Share if you care.