Auftakt für den großen Rapid-Prozess im Wiener Landesgericht: 160 Fans der Grün-Weißen hatten 2009 am Westbahnhof Austrianer "empfangen" und randaliert. 80 von ihnen wurden identifiziert und angeklagt
Wien - Sie sind eine bunte Mischung, quer durch die Gesellschaft: Studenten, ein Diplomingenieur, ein Rauchfangkehrer, ein Trafikant, ein Leitungstechniker, Angestellte, mehrere Arbeitslose - und der eine oder andere von ihnen ist mit einer "einschlägigen" Vorstrafe belastet im Wiener Landesgericht erschienen.
28 Beschuldigte haben am Montagmorgen nach strengsten Sicherheitskontrollen im Großen Schwurgerichtssaal auf der Anklagebank Platz genommen. Und das ist erst die erste Tranche von insgesamt rund 80 angeklagten Fans im großen Rapid-Prozess, der in den nächsten Wochen - mindestens bis in den November hinein - in drei Teilen abgehandelt werden muss.
Es geht um den 21. Mai 2009 - die Rapid spielte (und verlor) damals daheim gegen Mattersburg. Diese Niederlage trübte die Stimmung der Fans. Und dazu kam noch eine weitere Niederlage, die zwei Rapid-Fans Anfang Mai 2009 erlitten hatten. Nicht in St. Hanappi - sondern auf den Straßen von Wien, wo sie von Austrianern verprügelt worden waren. Ein Grüner hatte danach ein veilchenfarbiges Knie - die Violetten hatten ihm die Kniescheibe zertrümmert.
Kurz: Einige der Fans waren an diesem Maitag entsprechend aufmunitioniert und gaben die Parole aus: Am Abend werden die Austria-Fans am Westbahnhof "empfangen", wenn sie von ihrem Auswärtsspiel in Linz zurückkehren.
Sie wollten "Präsenz" und "Flagge zeigen", berichtet ein Angeklagter. Und "mit Schlachtgesängen die gegnerischen Fans demoralisieren". Traditionellerweise sind das Gesänge wie "schwuler, schwuler FAK" oder "Musst du mal sch... und weißt nicht wohin, dann sch... auf die Fahne von Austria Wien".
Von dieser Aktion hatte allerdings auch die Exekutive Wind bekommen - woraufhin die Wega und sämtliche Einsatzkräfte der umliegenden Kommissariate am Westbahnhof aufmarschierten.
Als der Zug mit den Austrianern eintraf, ging trotzdem die Post ab. Zuerst hätten die Violetten "Bengali geworfen" (bengalische Feuer), berichten die Grünen. Mehrere der rund 160 Rapidler versuchten die Wega-Kette zu durchbrechen. Es flogen Bierflaschen und Mistkübel. Laut Anklage entstand ein Sachschaden von rund 6500 Euro. Danach zog ein Teil des grün-weißen Empfangskomitees via Mariahilfer Straße ab.
Die Anklage gegen die Fans lautet nun nicht nur Körperverletzung, schwere Sachbeschädigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt - sondern auch Landfriedensbruch (siehe Wissen).
Wobei die Verteidigung die Höhe der Schäden und somit auch die schwere Sachbeschädigung bezweifelt. "Und das im Westbahnhof, der kurz darauf abgerissen wurde", gibt Verteidiger Werner Tomanek zu bedenken. Überdies: "Ja, es gab auch Radikale mit Sturmmasken - aber die sitzen nicht hier, weil sie nicht identifiziert wurden."
Der Prozess wird fortgesetzt. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 4. Oktober 2011)