Segeln aus einer neuen Welt, Österreicher mittendrin

2. Oktober 2011, 19:49
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Hagara/Steinacher kämpfen in Extreme Series um Reputation, haben America's Cup im Visier

Nizza - Die Extreme-Sailing-Series mit ihren aus dem einst olympischen Tornado weiterentwickelten 40-Fuß-Booten segelt in der aktuellen Form in ihrem bereits fünften Jahr. Österreichs Doppel-Olympiasieger Roman Hagara/Hans Peter Steinacher bestreiten ihre zweite volle Saison, haben mit einem zweiten Platz in Singapur und einem dritten im Oman bisher zwei Podestplätze geholt. Die beiden haben auch immer noch den America's Cup 2013 im Visier. 

Platz sechs vor Nizza

In Nizza, dem drittletzten Event der Extreme-Sailing-Serie 2011 reichte es schlussendlich nur für Rang sechs. Steinacher war am heißen und trotz des erneuten Schwachwindes turbulenten Schlusstag vor Nizza wegen seiner am Vortag erlittenen Kopfverletzung nicht mehr unter der vierköpfigen Besatzung des österreichischen Katamarans, der nach zwei Renntagen noch geführt hatte.

Ein rabenschwarzer dritter Tag hatte den Rückfall eingeläutet. Am Samstag folgte der Unfall Steinachers, der über Bord gegangen war und sich dabei durch das Ruderblatt eine klaffende Kopfwunde und einen Krankenhaus-Aufenthalt eingehandelt hatte. Mit Ersatzmann Matt Adams gab es im Finish kein Vorwärtskommen mehr. Zudem musste die internationale Crew von Red Bull Extreme Sailing am Ende durch zweifelhafte Ereignisse in der letzten, mit doppelten Punkten versehenen Wettfahrt sogar noch Platz fünf abgeben.

"Ich habe im Moment solche Kabel", machte Skipper Hagara am mit fast 30 Grad heißesten Oktober-Sonntag an der Cote d'Azur seit 80 Jahren aus seiner Enttäuschung kein Geheimnis. Die Jury war wegen der "Bootsknäuel" an den Wendebojen offensichtlich überfordert, verteilte Penaltys nach Gutdünken. Umgekehrt hatte man eine Wettfahrt mit den Österreichern in Führung wegen angeblichen Windwechsels abgebrochen.

Am Donnerstag hatten die Österreicher vor Rothschild und Artemis noch geführt, nach fünf Segeltagen beendeten diese beiden Teams die siebente von neun Veranstaltungen auf den Positionen eins und zwei. "Nach einem so starken Beginn kann man mit dem Ende natürlich nicht zufrieden sein", gab sich Hagara trotz seines Ärgers auch selbstkritisch. Der zum Zuschauen verurteilte Taktiker Steinacher litt am Ufer demensprechend mit. "Wenn die zweitwichtigste Person an Bord fehlt, kommt man auf diesem sportlichen Niveau eben ins Straucheln", meinte Hagara seufzend.

Während Romans um zwei Jahre älterer Bruder Andreas vor kurzem beim chinesischen Syndikat andockte und damit als erster Österreicher wettkampfmäßig das Boot eines America Cup-Teams steuerte, konzentrieren sich Hagara/Steinacher vorerst weiter ganz auf die Extreme-Series. "Wir sind immer noch die Underdogs hier. Aber uns hilft die Erfahrung am Katamaran. Was uns die anderen voraushaben, sind in erster Linie Geld und Ressourcen", erklärte der 45-jährige Steuermann Hagara den noch fehlenden Gesamtsieg.

Die Serie hat den Anspruch, die Außenwahrnehmung des Segelsport verändert zu haben. Die besten Segler aus America's Cup, Ocean Race und Olympia treten hier an, die Fokussierung auf die Zuschauer verdeutlicht sich durch Segeln in Stadion-Atmosphäre mit kurzen aber dafür gleich bis zu 30 Wettfahrten pro Veranstaltung. Dies hat der Serie auch einen Sonderstatus beim Segelweltverband (ISAF) eingebracht.

Seit diesem Jahr ist Multihull-Segeln ohnehin wieder das große Großboot-Thema, weil die Vorbereitungs-Weltserie auf den America's Cup (AC) 2013 ebenfalls auf Katamaranen stattfindet. Die Boote sind etwas größer (45 Fuß), um die Teams auf die letztlich 72 Fuß langen Cup-Prototypen vorzubereiten.

Gleichzeitig nehmen AC-Herausforderer wie Artemis (Schweden) oder New Zealand auch an der Extreme-40 teil, weil sie seglerisch hier auf härtere Konkurrenz treffen. Angeblich will deshalb auch AC-Titelverteidiger Oracle mit dem 40 Milliarden Dollar schweren Besitzer Larry Ellison 2012 ein Team hier stellen.

America's Cup Top-Team als Ziel

Dass die Hagara-Brüder (waren gemeinsam im Tornado Welt- und Europameister) aber auch viele andere rot-weiß-rote Segler seit Jahrzehnten als Binnenland-Segler in der Weltelite mitfahren, ist bemerkenswert genug. Nun spielt man sogar in der Großbootszene eine zunehmend gewichtige Rolle. "Wen man den gleichen Aufwand betreibt wie die Großen, ist alles möglich", weiß Roman Hagara aus seiner Olympia-Zeit.

Dem gebürtigen Wiener ist freilich bewusst, dass es schwierig wird, bei einem der drei America's-Cup-Giganten Fuß zu fassen. Das Ziel hat man deshalb aber nicht aus den Augen verloren. "Derzeit gibt es bei den Top-Teams keine Chance. Aber einige bekommen schon kalte Füße, vielleicht greifen in Zukunft auch diese Teams mehrheitlich auf Multihull-Segler zurück", so Hagara.

Ziel ist aber eindeutig ein Topteam mit Chancen, vorne mitzufahren. "Nur dabei zu sein war uns schon in der olympischen Klasse zu wenig! Wir sind dran und versuchen rein zu kommen. 2012 kommen auch neue Teams. Unsere Hauptserie ist und bleibt aber die Extreme."

Die neue "Konkurrenz" tut offenbar beiden Serien gut. Was Ellison im AC ist, ist Ernesto Bertarelli in der Extreme. Der Italo-Schweizer hat mit Alinghi zwei Mal den "Cup" geholt und steht jetzt hinter dem Luna-Rossa-Team. Hagara hat Respekt vor dem, was Ellison mit dem "neuen" America's Cup vorhat. "Er bringt das Segeln auf ein neues Level. Das ist gut für den Sport und gut auch für unsere eigene Serie." (red/APA)

  • Österreichs
Doppel-Olympiasieger Roman Hagara/Hans Peter Steinacher erlebten vor nizza alle Höhen und Tiefen.
    foto: red bull

    Österreichs Doppel-Olympiasieger Roman Hagara/Hans Peter Steinacher erlebten vor nizza alle Höhen und Tiefen.

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