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Abc-Schütze beim flächendeckenden E-Learning: Keimzelle einer zukunftsweisenden Hochschulorganisation?
Herr Matznetter erfreut die Unis in seinem Standard-Kommentar ("Reform statt Beschränkung") u. a. mit der nicht sehr neuen Forderung, die Lehre doch über den vermehrten Einsatz von E-Learning-Programmen zu rationalisieren - offenbar über das bereits längst praktizierte Ausmaß hinaus: "flächendeckend", weil nur so "kostensparend". Ich habe einen vergleichbaren, weil sehr kostengünstigen Vorschlag an alle Gärtner, wie sie des Unkrauts auf den Grünflächen Herr werden: Betoniert sie zu! B(eton)-Gardening! Flächendeckend!
Beides sind legitime Vorschläge - nur sollte man genau sagen, was eigentlich gemeint ist: Mit Beton wird nicht nur das Unkraut, sondern auch die Grünfläche selbst eliminiert. Buchstäblich flächendeckend. Ebensolches E-Learning an den Unis mag nicht nur Kosten reduzieren, sondern spart die Uni als Lehrinstitution selbst ein.
Über die Aufforderung zur Selbstabschaffung kann man natürlich diskutieren. Wir sollten uns nicht auf die Position zurückziehen, die Welt würde untergehen, gäbe es keine universitäre Lehre mehr. Das Internet ist mittlerweile voll von mehr oder weniger gut aufbereiteten Wissensquellen, beginnend mit Literaturdatenbanken bis zu hochprofessionellen Videos, in denen Nobelpreisträger ihre Sicht des Standes der Wissenschaft darlegen. Was könnte eine Linzer Professorin oder ein Wiener Dozent da noch beitragen?
Eines kann jedenfalls festgehalten werden: Müßig ist es, die Universitäten damit zu beschäftigen, neben dem hundertsten Youtube-Video noch eines hochzuladen, dem tausendsten E-Learning-Programm noch eines hinzuzufügen, nach dem millionsten Wikipedia-Beitrag noch eine Internetseite zu gestalten, nur um die "eigenen" Studierenden zu versorgen. Der virtuelle E-Learning-Raum kennt keine Grenzen und daher auch keine Universitäten mit einer abgrenzbaren Identität in der Lehre. Warum sollte man also Studierende österreichischer Unis künstlich auf provinzielle E-Learning-Programme einschränken?
Aus Kostengesichtspunkten gibt es eine einfache Lösung: Stellt Budgets zur Verfügung, die den Studierenden Zugang auch zu allenfalls kostenpflichtigen Ressourcen der renommiertesten internationalen Universitäten verschaffen. Dazu ein Internetzugang, eine bequeme Wohnzimmercouch, die Füße hochgelagert - fertig ist die virtuelle "E-Learning-Weltklasseuniversität".
Oder war da vielleicht noch etwas anderes? Über dieses "andere", etwa über die Idee der Universität als Treffpunkt junger Menschen, die sich in der direkten Auseinandersetzung mit Wissenschaftern entwickeln können, wurde bereits viel geschrieben. Das muss nicht wiederholt werden. Wir sollten aber diskutieren, ob diese Idee der Universität heute noch Gültigkeit hat. Darauf verzichtend, lehnt die Forderung nach flächendeckenden E-Learning-Programmen zur Kosteneinsparung diese Idee implizit bereits ab. Sie geht von einem mechanistischen Trichtermodell der Wissensvermittlung aus.
Zur Zurechtrückung, was mit "flächendeckend" und "kosteneinsparend" gemeint ist: E-Learning kann eine sinnvolle Ergänzung sein. Viele haben in der Lehre neue Medien, Videos, Internetplattformen längst integriert, dort wo sie etwa reine Frontalvorlesungen überflüssig machen und wo es die Interaktion zwischen Studierenden und Lehrenden fördert, statt zu ersetzen. Wer das macht, weiß auch, wie aufwändig der Einsatz dieser Technologien ist, soll er die Qualität der Lehre steigern. Müsste dieser Mehraufwand bezahlt werden, die Kosten würden höher statt niedriger. Wie überall: Qualität bedeutet Aufwand. Qualität der Lehre bedeutet Aufwand der Lehrenden und der Studierenden. Dies gilt übrigens auch für die von Matznetter zitierten "Werksstudenten", egal ob sie Kurse im Seminarraum oder am Büro-Computer belegen.
Sicherlich gibt es viele erfolgreiche Menschen, welche zu ihrem akademischen Grad neben einer vollen beruflichen Tätigkeit gelangten und welche die Präsenz an der Universität nur als lästige Störung empfunden hatten. Vielleicht können nicht nur solche Studenten auf die Universität verzichten, vielleicht sollte sich auch die Universität primär auf jene Studierenden konzentrieren, die sich mehr von ihr erwarten als einen bloßen "Wissensbrowser". Vielleicht sind auch in der zweiten Gruppe einfach die Unbequemeren, die Kritischeren, solche, die mehr Demokratie und Innovation einfordern, statt nur davon zu reden. Und vielleicht mag die Gesellschaft auf diese Gruppe verzichten. Ich hoffe nicht. (Johannes M. Lehner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.10.2011)
Autor
Johannes M. Lehner lehrt und forscht am Institut für Organisation an der Johannes-Kepler-Universität Linz.
Meiner Ansicht nach sind Vorlesungen kaum zu ersetzen; sie müssten allerdings - wenigtens zum Teil - aufgezeichnet und allen Interessierten zum Download angeboten werden.
Ein herausragender Vorreiter in dieser Richtung ist etwa die Uni Yale, wo man "Einführung in XY ... für Studierende aller Fakultäten" herunterladen kann, als Video mit Transcript, Kursunterlagen, Prüfungsmaterial, ...
http://oyc.yale.edu/
... aber die Verfügbarkeit solcher exzellenter VLs ergänzt Seminare und andere Kleingruppenveranstaltungen, kann sie aber nie vollständig ersetzen.
Der Text enthält eigentlich keine Aussage, außer alles soll so bleiben wie es ist.
Wie wärs mal damit, dass die Literatur endlich mal kostenlos zum Download bereitsteht? Aber hach das würde ja bedeuten, dass die Profs. auf ein Zusatzeinkommen verzichten müssten, obwohl sie die Bücher eh in ihrer Dienstzeit! geschrieben haben.
Zb. eine VO oder ein KS mit teilweise mehreren hundert Teilnehmern braucht niemand als Präsenzveranstaltung. Es reicht das ganze einmal aufzunehmen und erst alle paar Semester wenn sich etwas am Stoff ändert halt diesen Teil zu ändern.
Die einzigen Lehrveranstaltungen die nicht komplett online gemacht werden können, sind LVA in Kleingruppen oder mit wirklichem "Praxis"anteil, zb. im Labor.
bringt uns auch nicht weiter. Informieren Sie sich besser!
copyright, sagt Ihnen das was? Das ist der Grund wieso man Literatur nicht "einfach so" ins Netz stellen kann. (Geschützt geht es schon und wird auch gemacht).
Weiters gibt es eine Einrichtung auf Unis die heisst "Bibliothek".
ad "in ihrer Arbeitszeit". Sie wissen schon, dass Wiss. MitarbeiterInnen hauptsächlich für Forschung angestellt werden. Forschungsoutput erkennt man u.a. an den Veröffentlichungen.
ad Geld: für Artikelpublikationen erhält man kein Geld.
ad "VO & KS aufnehmen". "und wenn sich was ändert". Hmhm. DAS ist nicht Ihr Ernst. Gute Vortragende bemühen sich ständig was zu verbessern.
Die meisten Skripten sind als PDF Dateine heute schon verfügbar. Das Problem ist meiner Erfahrung nach eher, dass sie von Studenten nicht gelesen werden.
Auf Vorlesungen kann ich gerne Verzichten, wenn Studenten und Politiker dies nicht wünschen. Mache gerne dann mit einer kleinen Gruppe exzellenter Studenten die *wirklich* Interesse haben ein kleines Projekt oder Seminar.
Dazu reicht aber fast immer auch eine aufgezeichnete LVA.
Dieses Wissen aber dann anzuwenden, dazu braucht es dann die Kleingruppen, Seminare etc.
"Beides" gehört mehr ausgebaut. Derzeit werden die Resourcen doch hauptsächlich in KS und VO gesteckt. Anstatt hier "richtiges" und nicht pseudo E-learning einzusetzen und damit Ressourcen für viel mehr Kleingruppen und Seminare etc. freizubekommen. Daran mangelt es nämlich derzeit an unseren Unis. Es mangelt an der "Praxis"!
-und seien wir doch mal ehrlich zu uns selbst - DAS GIBT ES HEUTE AN DEN UNIS NICHT MEHR
Damit löst sich das ganze Argumentieren das Artikels in Luft aus. Selbstverständlich können sich die Studenten eines E-Learning Kurses auch selbst so organisieren dass sie sich in Cafes ihrer Wahl treffen und kritisch diskutieren.
Allenfalls wird die Quintessenz sogar Teil einer Seminararbeit sein die man hochladen muß (vielleicht als Team)
Das gibt es alles schon - die Unis als Standorte der Lehre haben ausgedient ausser wenn es um die wirkliche wissenschaftliche Ausbildung (das Handwerk) geht.
Selbst das findet aber heute auch schon meist ohne Betreuung (bzw. minimal) statt...
Mehr Geld in die Forschung - aber nicht in diese pragmatisierten Unis
Nachdem ich die Uni Wien sowohl als Student als auch (seit kurzer Zeit) als Lehrender kenne, darf ich Ihnen versichern, dass es das sehr wohl (noch) gibt. Vielleicht nicht in dem Ausmaß, das wir gerne hätten und sicher sind alle Studienrichtungen da verschieden, aber so einfach mal zu behaupten, dass sich die Argumentation des Autors des Artikels in Luft auflöst, ist unbegründet. Und noch eine Bitte: Polemiken wie "kein Geld für diese pragmatisierten Unis" sind einfach entbehrlich. Nicht nur, weil fast alle, die Lehre und Forschung tragen, nicht pragmatisiert sind (sie/wir sind zu einem größten Teil nur über kurzfristige Verträge angestellt), sondern weil sie auch die Diskussionskultur im Allgemeinen vergällen.
In anderen Bereichen funktioniert ein modernes Konzept schon viel effizienter.
Bei der Börse zum Beispiel. Es gibt eine Wiener Börse, aber nicht mehr als Handelssaal mit physisch anwesenden Börsehändlern! Die Börse ist virtuell und ist kein physischer Ort mehr!
An dem Konzept einer Lehrinstitution als verschulte Uni festzuhalten - für möglichst wenig Studenten - ist singulär uninspiriert und dient nur den Interessen von Leuten die nix verändert haben wollen.
Unsere momentanen Leiden kommen von dieser Blokadehaltung!
Vorlesungen und Lehrveranstaltungen könnten rein online und virtuell über Internet organisiert werden. Ebenso die Prüfungen. Und zwar für jedermann! Und viel billiger als jetzt!
... nicht nur fairerweise, dazu sagen, was sie studiert haben und wann. Dann ließe sich auch abschätzen, ob sie überhaupt kompetent sind, zu Angelegenheiten Stellung zu nehmen von denen Sie, so wie es aus dem Argument wirkt, keine Ahnung haben.
Umgekehrt scheinen in Bildungsangelegenheiten alle, inklusive Bildungsversager, automatische Reflexhaltungen einzunehmen.
Wenn Herr Matznetter zu eLearning nichts anderes als Moddle (sic!) bekannt ist (nicht einfällt, weil so kompetent ist ernicht), dann spricht das Bände über die Qualität von "Bildungsdiskussion" in Österreich.
Es wäre sehr klug, einfach Fachleute zu essentiellen Themen zu Wort kommen zu lassen und die dümmlichen Zurufe aus populistischen, politischen Ecken einfach zu ignorieren.
Vermutlich das hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Benu... Steininger
... dass es immer wieder Leute von der Uni sind, die so selbstherrlich die Welt in Dumm und Weise einteilen.
Sind natürlich nicht alle, aber die, die so sind, beschehren uns Akademikern einen nicht so guten Ruf.
Ich schließe mich Herrn Steininger an. Die Zeiten in der man sich in einer Vorlesung etwas "vorlesen" lassen muss, sind vorbei: Material via Internet bereitstellen (die Plattform ist wirklich sekundär), selbst aneignen, darüber in studentischen Gruppen diskutieren und die Vorort-Zeit auf Übungen zum Festigen beschränken.
Sich selbst wissen anzueignen ist ja eine Fähigkeit, die es ohnehin auf der Uni zu erwerben gilt ...
Also, die (hoffentlich) sehr persönliche Vermittlung von Wissen mit dem Traden von standardisierten Anteilsscheinen zu vergleichen, ist mMn Unfug. Ergänzendes e-Learning hat schon seinen Sinn und die Lehre an den Unis ist sicher nicht immer so wie sie sein sollte, aber nicht alles was neu ist, muss auch gleichzeitig besser sein oder kann alles Bisherige ersetzen.
mit körperlicher Anwesenheit zu tun?
Und inwieweit fördert die "Persönlichkeit" die Vermittlung von Wissen?
Auf google+ gibt es Videokonferenzen über triviale persönliche Angelegenheiten. Selbst bei Skype kann ich mit meiner Familie über Angelegenheiten persönlich sprechen wenn sie in OÖ sind und ich in Wien!
Wir haben sehr viele technische Möglichkeiten aber bei der Wissensvermittlung werden sie nicht eingesetzt. Warum eigentlich?
Weil man dann überlegen müsste? Oder weil Bildung dann (horribile dictu) "öffentlich" zugänglich wär?
Das ganze Uni-System ist veraltet und zunehmend unbrauchbar. Aber ändern tun wir nix!
Als jemand mit etwas Erfahrung als E-Learning-Drehbuchautor, kann ich das nur bestätigen.
E-Learning kann gut funktionieren, vor allem um Leute so auf ein Präsenztraining vorzubereiten, dass dieses effizienter abläuft – aber nur, wenn Inhalt, Sprache und Grafik sehr gut durchdacht und aufeinander abgestimmt sind. D.h. man braucht eine perfekte Kombination von Fachwissen, didaktischem Konzept für die Vermittlung dieses Wissens, und Medienproduktion in hoher Qualität.
Die Aufwände rentieren sich wohl in der Industrie, in der die Zeit aller Beteiligten viel kostet. In Universitäten, wo die Lernenden für ihre Zeit nicht und die Vortragenden schlecht bezahlt werden, wird das eben nur bei ausgewählten Dingen rentabel sein.
"E-Learning an den Unis mag nicht nur Kosten reduzieren, sondern spart die Uni als Lehrinstitution selbst ein."
eh net schlecht. lehren ist nämlich - wie vielerlei offenbar die meinung herrscht - NICHT die hauptaufgabe von universitäten.
wenn man diesen ballast reduziert, kann man sich vielleicht endlich wieder ausreichend auf forschung konzentrieren.
abgesehen davon ist die annahme irrig, durch elearning kurse würde eine universität ihrer grundlage beraubt. übungen und prüfungen muss es immer noch tatsächlich und nicht virtuell geben.
Alle österreichischen Universitäten haben sich zur Einheit von Lehre UND Forschung verpflichtet. Ob die Kapazitäten nun wirklich 50:50 aufgeteilt werden müssen, kann man zwar diskutieren, darüber, dass die Lehre mehr oder weniger aufgegeben wird, nicht. Für alle die reine Forschung machen wollen, gibt es von der Akademie der Wissenschaften bis zu diversen Instituten viele Möglichkeiten (obwohl natürlich auch die oft unterfinanziert sind).
da gehts nicht um wollen sondern können.
wenn einem gesagt wird: "wir haben kein geld für die lehrveranstaltung XY, macht es halt statt deiner forschungszeit!" läuft definitiv was falsch.
abgesehen davon, dass die betreuung eines praktikums z.b. mit 10€ brutto entlohnt wird. wenn überhaupt. wer wird sich da einen haxen ausreissen?
die lehre wird medial jedenfalls als hauptzweck der uni transportiert, innerhalb der uni aber stiefmütterlich behandelt. wenn man da zumindest vorlesungen so gestalten kann, dass man unterlagen besitzt die einen sinnvoll beim lernen unterstützen, kann das die uni an sich nicht redundant machen, aber entlasten.
man müssts halt nur lassen auch. gesetztechnisch, jetzt.
in deutschland werden absolventen von berufsbegleitenden fernstudien in der wirtschaft bejubelt und von bildungsministern seit eh und je unterstützt http://www.nrw.de/landesreg... ung-11545/
WARUM?fernstudenten schaffen es neben job, häusl bauen und familie ein studium abzuschliessen, berufstätige studenten benötigen einfach mehr flexibität in der lehre und passen sich keinem autoritärem und womöglich im sommer geschlossen studiensystem an, auch studenten von einkommensschwachen familien müssen eine möglichkeit haben ihr studium mit dem job zu kombinieren ohne starre anwesenheitszeiten http://www.mba-fernlehre.at/erfahrung... chte1.html
die haben sie beim unterschreiben des parteibuches abgegeben.
bei manchem kommt sie in hohem alter wieder zurück, wie man in letzter zeit bei den vielen initiativen, die wie die schwammerl aus dem boden schiessen, sieht, aber da ist es halt ein wenig zu spät.
bin teilzeit (20h) neben der uni tätig und würd mir echt mehr online unterstützung wünschen. wenn sich nämlich mein dienstplan mit den vorlesungsterminen überschneidet muss ich mich immer entscheiden zwischen genug geld für miete oder fortschritt im studium :(
man muss ja nicht gleich die universität abschaffen, aber es währe doch toll wenn man jede vorlesung als live-stream oder video-cast sehen könnte und alle skripten als pdf zum runterladen währen!
natürlich schau ichs ma lieber live an aber manchmal gehts sichs einfach nicht aus...
und außerdem: laborübungen, bestimmte seminare, et cetera kann man sowieso nicht online machen (außer mit robotern^^)
@Sahra L.
kenn niemand der seine musik ausschließlich auf konzerten hört ;)
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