Die Transaktionssteuer macht auch moralisch Sinn

Kolumne | Gerfried Sperl, 2. Oktober 2011, 18:08

Wer sich mit Geschäften bereichern möchte, die mit der realen Finanzwelt nichts zu tun haben, sollte belastet werden

Fingierte Spesenrechnungen von Politikern: Die werden selbst von den korrekten Briten toleriert, solange die Summen nicht jenes Ausmaß übersteigen, das von den Steuerpflichtigen zur akzeptierten Notwehr gegenüber den Finanzämtern gehört. Der britische Spesenskandal, der in den letzten Jahren das halbe Unterhaus erfasst hatte, nahm Dimensionen an, die sich zu einem moralischen Problem auswuchsen.

Dazu kamen die Diskussionen um das Verhalten der Vorstände großer Unternehmen: Boni-Zahlungen auch bei schlechten Bilanzen und Spekulationsgeschäfte, die bei negativem Ausgang letztlich sogar die Steuerzahler belasten.

Der konservative Premier David Cameron hatte bereits in seiner Rede zum Regierungsantritt "mehr Verantwortungsbewusstsein" eingefordert. Aber wie soll das gehen? Versuche, das Boni-Unwesen einzudämmen, sind gescheitert. Und Großbritannien ist wegen des Finanzplatzes London der Anführer des Widerstands gegen eine Finanztransaktionssteuer. Das Verhalten vieler Manager und Politiker ist vom persönlichen Profitstreben (Ich-AG) gelenkt und nicht von Rücksicht auf das "Gemeinwohl" - einer Hauptkonstante des westlichen Politikverständnisses.

Wie kann man sich angesichts dieser Situation eine "Rückkehr der Moral" vorstellen, die Labour-Chef Ed Miliband in seiner ersten Parteitagsrede in Liverpool verlangt hat?

Die Labour Party spricht - ebenso wie die Torys - von einem Bonus für solidarisches Sozialverhalten. Solche Menschen sollten beispielsweise bei der Wohnungsvergabe bevorzugt werden.

Leicht gesagt. Nachbarschaftshilfe wurde auch in Österreich vor gut 30 Jahren als steuerminderndes Instrument ins Spiel gebracht. Aber wer misst das, wer kontrolliert das? Daran scheitern solche Ideen. Überprüfbar sind letztlich nur freiwillige Leistungen bei Institutionen wie dem Roten Kreuz oder in Altersheimen. Das wird, als Abzugsposten, ohnehin noch eine Rolle spielen, sollte der Grundwehrdienst (und damit der Zivildienst) abgeschafft werden.

International betrachtet wäre die Transaktionssteuer nicht nur eine Quelle für die Finanzierung künftiger Rettungsschirme. Sie hätte auch einen moralischen Wert. Wer sich mit Geschäften bereichern möchte, die mit der realen Finanzwelt nichts zu tun haben, sollte belastet werden. Und, wenn es für solche Spekulanten hier bei uns nicht mehr auszuhalten ist, nach Singapur gehen.

Diese Finanz-Migration sollte man zusätzlich fördern: durch scharfe Verhaltensregeln, zu denen sich Börsen aller Art verpflichten müssten. Auch jene, die mit Rohstoffen handeln. Über den Ölpreis, aber auch über Getreidepreise finanzieren wir die Spiele dieser Bühnen.

Mit der laufenden Steuerdiskussion sollte man diese Fragen jedoch nicht verwechseln. Im Unterschied zu Transaktionssteuern haben Vermögenssteuern oder Abgaben auf besonders hohe Einkommen keinen moralischen Aspekt. Sie sind Instrumente zur Herstellung größerer Steuergerechtigkeit. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2011)

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DrBelacqua
00
3.10.2011, 20:04

Darf ich Sie in mein Seminar einladen, wo ich zeige, dass wirtschaftliche Fragen nicht mit Moral gelöst werden können?

Man kann das auch bei Marx nachlesen.

Deine Schwiegermutter
00
3.10.2011, 18:17

Diese Steuer zahlt am Ende nur der kleine Maxl direkt oder indirekt mit seiner Altersvorsorge, Fondsgeb. LV etc.
Die großen Player von Goldman Sachs abwärts lachen nur darüber.

Dhimmi
10
3.10.2011, 18:11
"mit Geschäften bereichern, die mit der realen Finanzwelt nichts zu tun haben"

Und was soll das sein?
Wenn ich Siemens Aktien kaufe? Wenn ich Siemens Optionen kaufe? Oder puts auf Siemens kaufe? Oder wenn ich in Gold oder USD gehe?
Also was bitte?

Entschuldigung, das ist ein ganz primitiver Gemeinplatz.

Was die Konsequenzen ihrer Weiterverweisung nach Singapur wären, ist Ihnen offensichtlich auch nicht klar.

flotter denker
00
3.10.2011, 18:08
Ein selten wirrer Artikel

Ueber die Moral einer Finanztransaktionssteuer kann man ja diskutieren. Aber das ist nur zusammenhangloses Gebrabbel

CentralAI
01
3.10.2011, 18:19
Wie wahr

So wird jetzt aber überall "argumentiert". Konzept hat keiner, stören tut das aber auch keinen.

Herauskommen wird nur leider nicht Nichts, sondern nur eine Verschlimmerung der ohnehin schon schlimmen Lage.

Einfach zu viele Lemminge, das müssen wir wohl aussitzen.

Karl-heinz Grill
00
3.10.2011, 17:00
die staaten sollten einmal das strafgesetzbuch zu rate ziehen: wucher!

Tretmine
00
3.10.2011, 18:00

gibt es auch ein Gegenteil von Wucher?

kyselak3
 
00
3.10.2011, 15:29
die wahrheit findet man barroso!

als wichtiges argument für die neue steuer führte barroso wörtlich aus:

"In den vergangenen drei Jahren haben die Mitgliedstaaten – oder besser gesagt, die Steuerzahler - 4,6 Billionen Euro zur Stabilisierung des Finanzsektors aufgebracht. Nun ist es an der Zeit, dass die Finanzbranche ihren Beitrag leistet und der Gesellschaft etwas zurückzahlt"

in den ausführungen über die geplante aufteilung der erträge aus dieser steuer (http://europa.eu/rapid/pre... nguage=en) kommen als empfänger zwar die EU und ihre mitgliedsstaaten - der steuerzahler nicht mehr - vor.

Peter G
00
3.10.2011, 16:29
Wollen Sie Ihren Anteil aus dem Ertrag auf Ihr Konto überwiesen bekommen ?

kyselak3
 
00
3.10.2011, 17:02
jawohl!

Karl Krieger
23
3.10.2011, 13:56
Presseförderung streichen!

kyselak3
 
00
3.10.2011, 15:29
segel streichen!

Ho! than suck
01
3.10.2011, 16:44
Liptauerbrot streichen!

Ho! than suck
11
3.10.2011, 15:25
Erdölförderung streichen!

Tretmine
00
3.10.2011, 18:00

Hirnbild neu streichen!

Ho! than suck
45
3.10.2011, 13:53
"Wer sich mit Geschäften bereichern möchte, die mit der realen Finanzwelt nichts zu tun haben, sollte belastet werden. "

Aha. So einfach ist das.

Wer entscheidet eigentlich, welche Art von Geschäfte das ist?

Ich fürchte, dass Transaktionen für meine Lebensversicherung, für meinen Fondsparplan und von meiner Abfertigung und Betriebspension red ich gar nicht.

Natürlich zahlen das die Anleger, und die sind heutzutage so gut wie alle Menschen, die Geld verdienen.

Aber gut, mit den pösen Banken und Spekulanten hat man ein Feindbild geschaffen, mit dem sich hervorragend politisches Kapital verdienen lässt. Und wir wollen ja schließlich Wahlen gewinnen und nicht den Staat führen!

Peter G
12
3.10.2011, 14:07
Gute Frage !

So wie ich das verstanden habe, soll sich eine Finanztransaktionsteuer auf alle Transaktionen beziehen, die nichts mit einem Realgütergeschäft zutun haben (Realgütergeschäfte wären z.B. Import von Waren aus dem Ausland, Kredite für Investitionen,.....).

Was Ihr persönliches Investment betrifft:
Sofern Sie Ihre - hoffentlich gute - Rendite Ihrer Fonds daraus beziehen, dass diese Fonds z.B. in Derivate, Rohstoffspekulationen, etc. investieren, sollte Ihnen natürlich klar sein, dass Sie ein Teil - wenn auch nur sehr kleiner - des Finanz-"Problems" sind.

RS69
 
01
3.10.2011, 14:31

"Sofern Sie Ihre - hoffentlich gute - Rendite Ihrer Fonds daraus beziehen, dass diese Fonds z.B. in Derivate, Rohstoffspekulationen, etc. investieren"

... Oder auch in Aktien, anleihen, etc. ... Wie zb ihre Abfertigungskasse oder Pensionskasse.

Damit sind Sie genauso Teil des Problems wie er.

Ho! than suck
23
3.10.2011, 14:53
Eben.

Die Transaktionssteuer trifft uns praktisch alle.

Das ist ja der Clou der Sache: In Wahrheit triffts alle, aber alle freuen sich, dass es sie nicht trifft.

Da haben Medien und Politik ganze Arbeit geleistet, Respekt!

AlliGator
24
3.10.2011, 13:41

Na bravo. Also ab jetzt also mehr moralische Steuern.

Am besten, wir schaffen gleiche ein neues Amt mit vielen pragmatisierten Steuermoralaposteln, damit diese grandiose Idee auch schnell und gründlich umgesetzt werden kann.

Den Vorsitz führen am besten drei Steuermoralräte, paritätisch besetzt von der katholischen Kirche, den schiitischen Ayatollahs und dem Zentralkomitee der KPÖ.

Desperate83
55
3.10.2011, 12:40
der moralische Aspekt

ist völlig obskur. Wenn ich Geld nach Afrika überweise
kann damit ein Brunnen gebaut werden oder eben
eine Kalashnikov gekauft werden. Transaktionssteuern haben einen protektionistischen Aspekt der mehr Probleme schafft also er löst. Jeder normale Mensch ist heutzutage Spekulant (wenn er z.B. Heizöl im Sommer kauft) oder partizipiert an der FI über Sparbuch, Versicherung etc. etc. Die gefährlichsten Parasiten unserer Gesellschaft sitzen in
den korrupten Verwaltungen und deswegen sind
alle neuen Steuern striktest abzulehnen solange keine radikalen Reformen der Verwaltung durchgeführt werden.

flint stone
11
3.10.2011, 15:24
Moral

Wenn sie Geld nach Afrika überweisen, zahlen sie schon jetzt "Bankgebühren". Wenn ein Händler um zig Milliarden ein Optionsgeschäft tätigt, zahlt er gar nichts. Es sei denn seine Bank belastet ihn für dieses Geschäft. Das ist der feine Unterschied.

cba
01
3.10.2011, 13:16

allergröbste vereinfachung.
wo ist da der feine unterschied:
a) heizölkauf im sommer (die ware wird im sommer übergeben und bezahlt)
b) aktien monate im voraus verkaufen, obwohl sie noch nicht im besitz des verkäufers sind

Hugh G. Rection
02
3.10.2011, 14:28
Aha.

Wenn ich
a) Im Sommer mit Liefertermin Spätherbst kaufe/vorbestelle bin ich Spekulant
b) Im Winter spot kaufe bin ich braver Konsument
c) Im Sommer spot kaufe bin ich auch braver Konsument, der aber schon ein bisserl zocken tut.

Wo der großartige "moralische" Unterschied zwischen a und c liegt, weiß ich nicht, außer dass bei c) weniger Stoßzeiten bei der Lieferung anfallen und ich schon Geld loswerde für etwas das ich noch nicht brauche.
b) hingegen scheint natürlich die "unverwerflichste" Methode zu sein, weil 0 spekulative Elemente!11!Eins Nachteil ist halt nur, dass dabei alle Parteien im Vorhinein die geringste Information über Angebot und Nachfrage und damit Lieferengpässe und sonstige Knappheiten am wahrscheinlichsten sind.

cba
00
3.10.2011, 17:14

aha ! wenn ich (egal zu welchem zeitpunkt) öl kaufe, welches ich selber verwenden will, ist das das also gleiche, wie wenn ich aktien, die ich noch gar nicht besitze, und auch nicht besitzen will, zu einem zukünftigen zeitpunkt verkaufe.

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