Armut

Mindestsicherung: "Nicht einmal Wohnkosten gedeckt"

2. Oktober 2011, 18:07
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    foto: apa/leodolter

    Die AK Oberösterreich kritisiert, dass die Mindestsicherung aber deutlich unter der Armutsschwelle liege.

Sozialinitiativen sind mit der Mindestsicherung nicht zufrieden: Der ausbezahlte Betrag liege unter der Armutsgrenze

Linz/Salzburg - Als letztes Bundesland hat mit 1. Oktober auch Oberösterreich die bedarfsorientierte Mindestsicherung per Gesetz eingeführt. Sie ersetzt wie in den anderen Bundesländern die Sozialhilfe. Alleinstehende erhalten zwölf mal pro Jahr 821,50 Euro monatlich, wenn sie kein Vermögen haben. Wer Wohnbeihilfe bezieht oder ein Eigenheim besitzt, bekommt weniger.

Besonders die Angst vor zu hohen Mehrkosten, habe in Oberösterreich die Gesetzgebung verzögert, heißt es aus dem Büro von Soziallandesrat Josef Ackerl (SP). 141.000 Oberösterreicher gelten als arm oder von Armut bedroht, 5833 von ihnen erhielten - mit Stichtag Oktober 2010 - Sozialhilfe. Wie viele Personen jetzt eine Mindestsicherung beziehen werden, darüber gebe es noch keine Angaben. Ackerl versichert, dass die Umstellung keine Verschlechterung für die Sozialhilfeempfänger bringen werde. Alleinerzieherinnen erhielten jetzt sogar mehr finanzielle Unterstützung. Die AK Oberösterreich kritisiert, dass die Mindestsicherung aber deutlich unter der Armutsschwelle liege. Im Jahr 2010 galt ein Oberösterreicher armutsgefährdet, wenn er weniger als 1031 Euro pro Monat zur Verfügung hatte.

Auch in Salzburg, wo die Mindestsicherung bereits im September 2010 eingeführt wurde, kritisieren Sozialinitiativen und die AK, dass die Mindestsicherung weit unter der Armutsgrenze liege. "Von einer bedarfsorientierten Mindestsicherung kann nicht die Rede sein, wenn nicht einmal die Wohnkosten gedeckt sind", sagt Robert Buggler von der Salzburger Armutskonferenz. 5768 Salzburger bezogen im Oktober 2010 Mindestsicherung. Alleinstehende bekommen zwölfmal im Jahr 752,94 Euro monatlich.

Nachbesserungen gefordert

Ein Viertel (188,24 Euro) davon ist der Wohngrundbetrag. Liegen die Wohnkosten über dem Grundbetrag, wird eine ergänzende Wohnbedarfshilfe ausbezahlt, die von Bundesland zu Bundesland verschieden hoch ist. Der höchst zulässige Wohnaufwand in der Stadt Salzburg beträgt 380 Euro. "Eine Wohnung um 380 Euro in Salzburg zu finden ist de facto unmöglich", sagt Buggler.

Bemängelt wird auch die zwölfmalige Auszahlung. Die Sozialinitiativen fordern die vorerst angedachte 14-malige Auszahlung, mit der auch der Sonderbedarf abgedeckt werden würde. Gleichzeitig würden gerade Erwerbstätige und Pensionisten häufig beim Bezug ihres 13. und 14. Gehalts aus der Mindestsicherung herausfallen, da diese in die Berechnung einbezogen werden, sagt Eva Stöckl von der AK Salzburg. Damit falle nicht nur die Mindestsicherung weg, sondern auch der Kinderrichtsatz. Auch Soziallandesrätin Cornelia Schmidjell (SPÖ) tritt in diesem Punkt für eine Nachbesserung ein: "Nur so kann man Härtefälle vermeiden."

Insgesamt sei die Mindestsicherung aber ein wichtiger Schritt gewesen, der auch zahlreiche Verbesserungen mit sich brachte, wie etwa die gesetzliche Krankenversicherung, sagt Stöckl. Doch das Ziel, österreichweit einheitliche, am Bedarf orientierte Grundleistungen zu schaffen, sei mit der Mindestsicherung bei weitem nicht erreicht, sagt Buggler. (Stefanie Ruep, Kerstin Scheller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.10.2011)

Kommentar posten
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na dann..
02
15.11.2011, 07:03
zum nachdenken !!

eine freundin - 20 jahre gearbeitet wird krank. ein jahr im stand dann nur mehr ein 20 stunden job möglich - wieder krank (krebs) - nun bekommt sie 680.-/monat.
mindestsicherung nicht möglich da sie ein kind hat das lehrlingsentschädigung bekommt und das wird dazu gerechnet. leben heisst für sie inzwischen : miete, bk, versicherungen und mindest 10 mal pro monat nur suppe essen. toll gemacht diese gesetzte !!!

Moondancer
02
14.10.2011, 09:08
ein Beispiel:

...eine Frau, Ö, frisch geschieden, fragt mich um Rat, was sie tun soll. 3 Kinder, eines davon gesundheitlich angeschlagen, daher Teilzeitjob, die alte Wohnung kostet 750 Euro/ Monat, da bleibt nix mehr zum Leben.
Ihre Frage bei der Gemeinde wegen einer (billigeren) Gemeindewohnung, derzeit Privatwohnung, wurde folgendermaßen beantwortet (im direkten Gespräch): Für eine Sozialwohnung verdient sie 100 Euro zu viel. Gemeindewohnung kein Anspruch, sie ist erst in 5 Monaten 2 Jahre in Wien, außerdem gibt es da Wartezeit. Sie soll halt ihren Job kündigen, Arbeitslose hat sie weniger, dann geht sich die Sozialwohnung aus...

speck -ulatio+ n-c
20
5.10.2011, 16:17

vorschlag
jungfamilien könnten sich am wagram-lößerde-sich eine wohnung ergraben
soweit sind wir schon
kein spass

speck -ulatio+ n-c
20
5.10.2011, 15:57

studentenwohnungen werden überteuert vermietet(markt)
hörsäle sind übervoll,wo sind alle behörden? brandschutz zb.
wer deckt die wohnkosten von familien,die azubis haben?
die frechheit wäre die wiedereinführung von studiengebühren
welche intelligenz hat Ö dann noch?
oder wieviel intelligenz ist für uns leistbar
oder welche intelligenz wollen wir-nur leistbare?

speck -ulatio+ n-c
14
5.10.2011, 15:35

gebäck ist luxus geworden
für 6 gebäck im supermarkt 6,24 euro
2 salzstangerl,2mohnflesserl,2 salzgebäck

buwog kennt auch nichts
meine wohnungsmiete innerhalb von 2-3 jahren von 300 auf 520 gestiegen

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
40
5.10.2011, 17:35
Lang ist die liste:

zb. ein kilo erdäpfel statt 40 cent nun schon 1,5 euro...müssig zu erwähnen, dass erdäpfel sogar im blumentopf am balkon prächtig gedeihen...

aiuto
03
5.10.2011, 12:57
Bitte nehmt Euch an Estland und den dortigen Politikern ein Beispiel !

Dort beginnen die Politikern zuerst bei sich selbst zu sparen (ganz was Neues!) .... (siehe Artikel im Spiegel von letzter Woche .... einfach lesenswert)

rizzla
46
4.10.2011, 15:18
In der Politik nur Theorie

In der Praxis sieht es so aus, dass die Beamten von AMS und Vergabestelle es einem so schwer wie möglich machen die Mindestsicherung zu bekommen.
Die Dunkelziffer an Bürgern die freiwillig darauf verzichten oder zu unrecht verzichten müssen scheint nicht klein zu sein.

400-800€ ist nicht viel Geld, keiner kann sich damit ein Vermögen zusammensparen, sondern muss es für Miete und Essen ausgeben (also das Geld wieder in den Wirtschaftkreislauf bringen). Wozu die bürokratischen Hürden und der Arbeitszwang?

Als Steuerzahler sollte man sichergehen können, im Falle einer Notsituation, selbst nicht auf der Strecke zu bleiben. Deswegen halte ich ein bedingungsloses Grundeinkommen die effektivste Absicherung/Förderung.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
12
4.10.2011, 18:52

- stimmt schon, allerdings: die relativ höchsten steuern zahlen die ärmeren menschen!

santa fe
 
49
4.10.2011, 14:56
die mindestsicherung versetzt die ärmsten arbeitslosen in den zustand einer kürzlich unterworfenen urbevölkerung.bezieher müssen gleichsam im reservat bleiben und dürfen die grenzen ihres bundeslandes nicht überschreiten.

sie dürfen ihre monatsrationen nicht durch zusatzerwerb aufbessern und sofort jede arbeit annehmen. ihre menschenwürde wird mit der sozialschmarotzer-hängematten-hetze systematisch zerstört, dies umso mehr, als man sie für schuldenkrise und steigende arbeitslosigkeit verantwortlich macht und ständig mit neuen einsparungen bedroht. die wahren sozialschmarotzer sind die führenden kräfte der FI (finanzindustrie), die ihre gewinne auf kosten der staatshaushalte ins unermessliche steigern. die FI hat sich zu demokratisieren und das BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN für alle zu finanzieren, denn ihr sozialraub zerstört auch die reallöhne und damit die allgemeine kaufkraft, was die krise eskalieren lässt der soziale friede muss gerettet werden

Eva ist nicht mein Name
00
14.10.2011, 13:01
eine Frage

wie viele leute kennen sie die die MS bekommen ?

I. O.
47
4.10.2011, 15:14
Ich teile völlig Ihre Meinung!

Entsetzlich zu sehen das diese sozialschmarotzer-hängematten-hetze recht gut greift bei eine beachtlichen Teil die Wählern .... ist ja auf dem Neideffeckt und auf das politische Unwissen der Bevölkerung basiert.... :-(

Mathias Steinlaus
 
02
5.10.2011, 15:47
... und auf das politische Unwissen der Bevölkerung basiert.

Sowas passiert, wenn man lieber Privatsender und Klatschblättern glaubt, anstelle echter journalistischer Qualitätsarbeit ... es fehlen mehrere Armin Thurnhers und Hugo Portischs ...

2012 endet die Welt - NICHT! X--D
 
21
4.10.2011, 14:13

für die die sich ein bild schaffen wollen hier mal 2 links die sich nach spontanem suchen finen ließen
wenn ihr was anderes wollt - selbst suchen

http://www.socius.at/new.php?id=27

http://www.noe.gv.at/Gesellsch... g.wai.html

Alfred Fux
410
4.10.2011, 13:14
BGE her und fertig.

Wer denkt, man könne in Österreich mit 800 monatlich und einem Mindestmaß an Würde leben, der lebt offensichtlich nicht in Öterreich. Politik fern der Heimat. Wer sein Einkommen zu 80% an den Vermieter überweist, der kann nur mehr Essen einkaufen. Kochen wird schon schwieriger, denn Energie kostet ziemlich viel Geld. Reparaturen werden unmöglich. Dem Handel wird Kaufkraft entzogen. Die Höhe der Grundversorgung ist in jeder Hinsicht kontraproduktiv. Aber bei uns ist es halt so Sitte, dass man Menschen den "Wert des Menschen" am Einkommen abliest. Wir leben in einer Gesellschaft, die zu blöde ist, die Konsequenzen ihres Menschenbildes zu verstehen. Deshalb verbeugt man sich vor Superkriminellen und verachtet Mittellose. Bravo

Martin Schwarzbauer
 
106
4.10.2011, 20:22

Was heißt bitte "mit 800 monatlich und einem Mindestmaß an Würde"?
Wie würdevoll ist es, der Gesellschaft insgesamt auf der Tasche zu liegen? Und das vielleicht nur, weil man aufgrund der hohen Steuern und Abgaben zuvor nichts zurücklegen konnte?
Was ändert der Betrag an der Würde der Situation?

Menschenbild: Ich glaube nicht, dass irgendwer Leute bewundert, die durch krumme Machenschaften reich geworden sind. Ich glaube auch nicht, dass Menschen verachtet werden, die unverschuldet in Not geraten sind.
Aber es ist halt so, dass viele Reiche ihr Vermögen durch Schaffen von Mehrwert erlangt haben, und viele Arme selbst schuld sind (nie was gelernt, Handy und Glücksspiel die größten Posten im Budget), aber Ansprüche stellen.

anyuser
 
11
13.10.2011, 10:58
leute wie sie machen den faschismus erst möglich

leider gibt es viel zu viele von ihrer menschenverachtenden faschistensorte

Martin Schwarzbauer
 
21
13.10.2011, 11:13
Wissen Sie überhaupt, was Faschismus ist?

Sie verwenden das Wort einfach für "alles, was nicht sozialistisch ist" - das ist falsch.

Libertarismus hat mit Faschismus genauso wenig zu tun wie mit Sozialismus. Sowohl Faschismus als auch Sozialismus sind für einen starken Staat - beides sind kollektivistische Ideologien. Der Libertarismus hingegen ist für das Individuum, das freiwillig mit anderen Individuen interagiert, ohne dass sich ein Staat einmischt.

Lösen Sie sich vom eindimensionalen links-rechts-Denken und sehen Sie, dass es weder links noch rechts Freiheit für die Menschen gibt.

anyuser
 
01
17.10.2011, 09:00
natürlich gibt es einen unterschied zwischen links und rechts

sie sind ein rechter, ein extrem rechter sogar

Harry Y.
 
00
7.10.2011, 11:10
Fragen an Sie: a) welche Sozialleistungen gibt es?

b) Welche sind davon Versicherungsleistungen, welche Transferleistungen?
c) Wieviele davon sind für alle da, wenn man in eine bestimmte Situation gerät, zb Kinder kriegt?

Martin Schwarzbauer
 
22
7.10.2011, 14:11

a) zu viele, um sie aufzuzählen. Gesamtvolumen über 30% des BIP.
b) es sind schlussendlich alles Transferleistungen, weil es eben keine versicherbaren Risiken sind, die vom Staat "versichert" werden, oder es liegt der "Versicherung" keine versicherungsmathematische Berechnung zugrunde.
Fast alles, wo "sozial" davor steht, ist keinesfalls das, was dahinter steht: sozialer Friede, soziale Gerechtigkeit, Sozialversicherung, soziale Verantwortung, soziales Gewissen...
c) fast keine, wenn die "bestimmte Situation" unabhängig von der Einkommenssituation ist. Aber auch bei der Familienbeihilfe ist es eine gewaltsame Umverteilung.

Worauf wollen Sie hinaus?
Und wollten Sie mich nicht eigentlich ignorieren?

Harry Y.
 
12
6.10.2011, 00:38

Es ist sehr verständlich, besonders in Anbetracht des würdefreien, -losen Umgangs derer, die es nicht lassen können, im Grunde gewalttätige Maßnahmen durchzuführen, diese mit dem Euphemismus "Arbeitsanreize!" zu verharmlosen;

die Zumutbarkeitsgrenzen so bald wie möglich fallen zu lassen, damit wir unser restliches Leben in dem Unglück fristen, dem wir zehn Jahre vorher durch das Absolvieren einer zusätzliche Ausbildung entronnen sind, die wir dann in den Wind schreiben können;

uns keine uns entsprechenden Ausbildungen zu bieten, weil man scheint's vermeint, wir bräuchten keine (weitere) Verbesserung unserer Lebensqualität, offensichtlich deshalb, weil man genau weiß, dass wir dem AMS auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind, weil Macht

Martin Schwarzbauer
 
33
6.10.2011, 08:36

Es ist also ein gewalttätiger Akt, Schenkungen nicht ausbauen zu wollen? Eine Reduktion oder gar Abschaffung dieser Schenkungen kommt dann wohl praktisch Mord gleich, oder wie?

Eine Ausbildung ist eine Investition - die Gesellschaft hat nicht die Aufgabe, Investitionen zu schützen. Wer etwas gelernt hat, an dem kein Bedarf besteht, muss umlernen. Kutscher, Hufschmiede und Bogenbauer braucht heute ja auch kaum noch jemand.

Die Gesellschaft hat auch überhaupt nicht die Aufgabe, jedem eine Ausbildung "zur Verfügung zu stellen". Schon gar nicht jedem nach seinen Vorlieben. Schon gar nicht in Kombination mit dem vorigen Punkt: "ich studiere Psychologie, und dann erwarte ich gefälligst einen Job in meinem Feld oder ein arbeitsloses Einkommen."

Harry Y.
 
24
7.10.2011, 10:55
Mangelnde Solidarität.

"Die Gesellschaft hat auch überhaupt nicht die Aufgabe, jedem eine Ausbildung 'zur Verfügung zu stellen'. Und schon gar nicht nach seinen Vorlieben."

Dann ist es keine Gesellschaft.
Und Sie sind ein Monster.

Martin Schwarzbauer
 
32
7.10.2011, 12:17

Eine Gesellschaft, die sich auf freiwillige Interaktion gründet anstatt manche ihrer Mitglieder unter Gewaltandrohung zu zwingen, anderen Leistungen zur Verfügung zu stellen, ist für Sie keine Gesellschaft?

Und jemand, der es ablehnt, dass Menschen anderen etwas gegen deren Willen wegnehmen, ist ein Monster?

Bildung und Ausbildung würde es natürlich auch in einer freien Gesellschaft geben. Nur gäbe es sie deshalb, weil die Menschen diese wertschätzen und bereit sind, jeder für sich dafür zu bezahlen, anstatt dass jemand für alle beschließt, wie viel Bildung "zur Verfügung steht".

Das wäre auch insgesamt wesentlich billiger und qualitativ besser als die fast völlig von Kundenkritik isolierten "öffentlichen" Schulen und Universitäten.

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