Historischer Sieg vor Gericht

Israeli darf sich als "religionslos" eintragen lassen

2. Oktober 2011, 13:14

Innenministerium hatte sich geweigert, die Angaben zu seiner Religion von "jüdisch" in "ohne Religion" zu ändern

Jerusalem - In einem historischen Sieg hat sich ein israelischer Schriftsteller das Recht erkämpft, sich offiziell als "religionslos" registrieren zu lassen. Laut einem Bericht der Zeitung "Haaretz" vom Sonntag hatte sich Yoram Kaniuk im Mai an die Justiz gewandt, nachdem das israelische Innenministerium sich geweigert hatte, die Angaben zu seiner Religion von "jüdisch" in "ohne Religion" zu ändern.

Nun gab ein Gericht in Tel Aviv dem Antrag Kaniuks statt und entschied, gemäß israelischem Recht könnten Staatsbürger sich offiziell als religionslos eintragen lassen. Gegenüber "Haaretz" sprach der 81-jährige Schriftsteller von einer Entscheidung "von historischem Ausmaß".

Das Gericht habe den Israelis das Recht zuerkannt, "gemäß ihrem Gewissen zu leben" und entschieden, dass "Menschenwürde und Freiheit bedeuten, dass eine Person ihre eigene Identität und Definition festlegen kann", sagte Kaniuk. Er könne daher sehr wohl Jude von Nationalität und gleichzeitig religionslos sein. (APA/AFP)

 

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Posting 1 bis 25 von 41
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Dark Angel
 
00
31.10.2011, 16:10
Schade

Er hätte ja auch Pastafari werden können, DAS hätte gesessen ;-)))

Dark Angel
 
03
31.10.2011, 16:02
Daran erkennt man den Spagat Israels

ein Land, das Staatsbürger auf Basis einer Religionszugehörigkeit anerkennt tut sich schwer mit dem Laizistischen Bekenntnis zur Religionsfreiheit. Staaten, die eine Identifikation auf Basis eines gemeinsamen Nationalverständnisses aufbauen, wie in Europa zb. tun sich da natürlich viel leichter.
Daher will Israel von den arabischen Staaten ja auch unbedingt als jüdischer Staat anerkannt werden und nicht nur einfach als Staat.
Die Frage ist eher, wohin die Reise geht. Wird Israel in absehbarer Zukunft ein Nationalstaat in dem Sinne, dass zb. asiatische, buddhistische oder moslemische Gastarbeiter Staatsbürger werden dürfen, oder bleibt dieses Recht Juden vorbehalten?

elput
02
11.10.2011, 14:41
Er könne daher sehr wohl Jude von Nationalität...

sein. Das Land in dem er wohnt heisst aber Israel, demzufolge wärer er ein Religionsloser Israeli.

NANANANANANANANA BATMAN
00
4.11.2011, 21:43
das ist eine etwas kompliziertere geschichte...

DSA
00
10.10.2011, 17:54
In

Saudi-Arabien dürfen Frauen wählen.

Com Pirx
02
4.10.2011, 11:55

Ogottogott!

demo krat1
11
3.10.2011, 18:07
Gratulation!

das ist wirklicher Fortschritt!

"Able Danger"
210
2.10.2011, 18:30
Erstaunlich,

dass man dazu ein Gericht bemühen muss aber Hauptsache er hat Recht bekommen.

grandw
510
2.10.2011, 18:26

Vielleicht hört ja auch irgendwann das "Dieses Land gehört uns weil es in einem alten Schinken steht, den wir selbst geschrieben haben" auf.

Promille Prolet
02
3.10.2011, 16:02
das allein würd es eh nicht derzahen

ehrlicher wäre es zu sagen

"dieses land gehört uns, weil wir stark genug waren um es zu nehmen, solange wir stark genug bleiben um es zu halten"

wenn man in der geschichte weit genug zurückgeht, ist das natürlich mit jedem land so.

Makronaut
45
3.10.2011, 17:25

am ehrlichsten wäre zu sagen, dass wir da waren, und als es dort dann infolge des ersten weltkrieges keinen staat gab haben wir halt unseren eigenen gegründet.

Dark Angel
 
01
31.10.2011, 16:14
Nicht "wir waren da"

sondern: "Wir wanderten in großen Zahlen ein, um dort einen Staat zu gründen, nachdem das osmanische Reich zerfiel" - ohne Herzl und die Einwanderung hätte sich die Gegend in Ägypten, Jordanien und Syrien aufgeteilt. Aber es ist müßig darüber zu spekulieren, solche Nachwehen nach dem Zerfall von Imperien hat es immer gegeben und wird es immer geben, sehen Sie nur, was passiert ist, als die Sowjet-Union implodierte. Oder Jugoslawien. Das dauert Jahrhunderte, nicht Jahrzehnte, bis sich wieder tragfähige Nationalstaaten etablieren.

Makronaut
12
31.10.2011, 16:33

tip:

verstärkte einwanderung gabs seit 1850, die idee eines j-staats wurde um 1900 populär.

dass das osmanische reich nach 1918 infolge von ww1 zerfällt, war damals nicht wirklich abzusehen und demzufolge auch keine mögliche motivationsquelle, wie sie es unterstellen.

die zionisten haben einfach die gelegenheit beim schopfe ergriffen - die pal westlich des jordan nicht.

carl guggelhupf
12
4.10.2011, 09:13
Ist das ein Zitat der arabischen Bevölkerung vor Ort?

Makronaut
31
4.10.2011, 12:51

ja, der palästineser in jordanien. die restlichen palästinenser westlich des jordan fanden ja nichts dabei, dass ihnen von ägypten und jordanien ihr staat auf jahrzehnte verunmöglicht wurde. die haben also eher kein interesse.

und die j haben es dann (im gegensatz zu den jordaniern völkerrechtlich korrekt mit un-resolution etc.) '48 genauso gehalten.

77 88
31
8.10.2011, 12:45
Arabisches Zitat lautet:

Wir waren dumm und haben 1948 bis 1967 keinen Staat gegründet, sondern den arabischen Nachbarländern geglaubt, dass die Juden bald im Meer ertrinken werden und dann das ganz Land uns gehören wird. Das war doppelt dumm:
1. Die Juden ließen sich nicht vertreiben
2. Wären sie vertrieben worden, hätte sich Jordanien und Ägypten das Land geteilt, vielleicht auch Syrien als Dritter im Bunde.

Makronaut
41
9.10.2011, 12:06

dumm?

nö. die wissen eben über ihre prioritäten bescheid. ein eigener staat ist nur dann notwendig, wenn es isr schaden könnte.

Dark Angel
 
00
31.10.2011, 16:07
Ganz so einfach war es nicht

die Briten haben effektiv auf die Ablöse des Osmanischen Reiches hingearbeitet und die arabischen Stämme politisch und militärisch unterstützt, desgleichen die Juden. Die Trennung erfolgte bewußt mitten durch ethnische, religiöse und tribale Spannungslinien (dazu Olivier Roy lesen), um dem Prinzip "Teile und herrsche" gerecht zu werden.
Für die Zustimmung zu Israel beim Belfour-Abkommen nahm man praktischerweise einen Stammesführer, den man selber zum König erhoben hatte (erinnert mich an den Panama-Kanal, Sie nicht?).
Somit haben die Briten hier ein Stück Kolonialgeschichte geschreiben, das bis heute ungelöst ist.
Was der eine oder andere Bauer oder Kaufmann gesagt hat als er vertrieben wurde interessiert eh keinen.

Makronaut
31
31.10.2011, 16:29

das ist alles schön und gut, aber ganz genau gar kein gegenargument dazu, dass den pal ein eigener staat eigentlich komplett schnurz ist, solange sie damit isr nicht schaden können.

Alfred Jodelhuber
 
11
2.10.2011, 16:57

Das ist eine gute Nachricht.

froilein froilein
11
2.10.2011, 16:42
Ein bisschen widersprüchlich, die Begründung

Seine Nationalität müsste jetzt eigentlich ausschließlich "israelisch" sein. Denn die nationalität als jude ist ja religiös begründert (mutter jüdin oder konversion). Mit Religion hat der Kläger aber so wenig am Hut, dass er das auch offiziell bestätigt haben will.

denke
01
6.10.2011, 12:03

Jude ist ein Doppelbegriff.
Einerseits für die Religions- andererseits für die Volkszugehörigkeit.
Man kann nicht atheitistischer Christ sein.
Aber man atheistischer Slowene mit österr. Staatsbürgerschaft sein.
Oder atheistischer Jude mit belgischer Staatsbürgerschaft.
Oder eben auch atheitistischer Jude mit israelischer Staatsbürgerschaft.
Sogar arabischer Atheist mit israelischer Staatsbürgerschaft.

froilein froilein
01
6.10.2011, 21:29
eben nicht...

das judentum (also die religion) besagt: juden sind ein volk.
normalerweise wird ein volk über ein paar übereinstimmende kriterien definiert (region, sprache, kultur, geschichte, usw).
bei juden gibt es aber solcherlei gemeinsamkeiten nicht. also zb ein jude aus odessa und ein jude aus marokko haben weder eine gemeinsame sprache, noch kultur, noch geschichte, noch gebiet. das einzige was sie gemeinsam haben könnten, wäre die religion. wenn sie atheistisch sind, dann nichtmal das.
insofern ist die urteilsbegründung etwas seltsam und sehr vermutlich politisch motiviert. sonst führt sich ja der "staat der juden" bald mangels juden ad absurdum.

DThl
01
10.10.2011, 16:00
Das Problem einer Stammesreligion

Kann man ein nichtjüdischer Jude sein? Ab jetzt schon. Israel ist auf dem Weg zum aufgeklärten Verfassungs-Staat.

froilein froilein
00
10.10.2011, 23:28
Ein Staat kann nur die Staatsangehörigkeit definieren.

Nicht aber eine Volkszugehörigkeit.
Mit "aufgeklärt" hat dieser richterliche Beschluss wenig zu tun- schon eher ist er als nationalistisch zu bezeichnen.
Mit der "Abgabe" der Religion ist der Kläger (bzw wer eben diese Religion abgibt) eben Staatsbürger des Landes in dem er lebt. Ein Jude kann er damit nicht mehr sein, weil das ja rein religiös definiert ist (wer von einer jüd. Mutter abstammt, oder diese Religion annimmt).

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