Mit rund 94 Prozent der Stimmen gewählt - "Ich möchte, dass wir Grüne wieder mehr auf der Straße sind"
Salzburg - Bei Salzburgs Grünen ist es am Samstag zum schon lange
geplanten Wechsel an der Spitze gekommen. Nach fast 13 Jahren hat sich
Landessprecher Cyriak Schwaighofer in die zweite Reihe zurückgezogen und Platz
gemacht für Astrid Rössler. Die 52-jährige Unternehmensberaterin erhielt am
späten Nachmittag von der Landesversammlung breite Zustimmung: 58 der 62
Anwesenden (rund 94 Prozent) schenkten ihr das Vertrauen.
In ihrer Präsentation kündigte Rössler an, sie wolle "das Modell der Grünen
Lebensqualität und Lebensfreude sichtbar und spürbar machen" und zugleich "in
der politischen Arbeit stark und konsequent auftreten, wenn es um Grundwerte
geht, um die Bekämpfung von Missständen und um den Schutz unserer
Lebensgrundlagen". Die Wähler überzeugen möchte sie unter anderem durch mehr
"kreativen und humorvollen Aktionismus", stärkere Präsenz im Öffentlichen Raum,
vor allem aber einen intensiveren Kontakt zu den Menschen: "Ich möchte, dass wir
Grüne wieder mehr auf der Straße sind."
"Ich gehe nicht aus Enttäuschung oder dergleichen, sondern weil ich überzeugt
bin, dass es nach 13 Jahren gut ist, wenn man Platz macht für jemanden, der
andere Ideen einbringt und damit auch einen neuen Drive erzeugt", begründete
Schwaighofer seinen Schritt in die zweite Reihe. Gleichzeitig kündigte er an,
dass er gerne weiter im Team mitarbeiten möchte. Rückblickend bedauerte er es,
dass die SPÖ im Jahr 2004 nicht bereit gewesen sei, eine rot-grüne Koalition
einzugehen: "Es wäre sich ausgegangen", doch sei die SPÖ "ein bisschen zu feig
gewesen, es anders zu versuchen."
Die Landesversammlung hatte zuvor in einem wahren Marathon sämtliche
Funktionen gewählt, und zwar den Vorstand, die Finanzreferenten, die
Rechnungsprüfer sowie die Delegierten zum erweiterten Bundesvorstand und zum
Bundeskongress.
Rössler ist die dritte Parteichefin der Grünen Salzburgs seit deren Einzug in
den Landtag im Jahr 1989: Der Lehrer Christian Burtscher führte sie vor 22
Jahren noch unter dem Namen Bürgerliste erstmals ins Landes-Parlament, in dem
sie seither auch ohne Unterbrechung vertreten sind. Zum Ende seiner zweiten
Gesetzgebungsperiode kündigte er dann seinen Rückzug an und hinterließ eine tief
zerrissene Partei.
Der Kompromisskandidat Cyriak Schwaighofer verhinderte 1999 gerade noch ein
getrenntes Antreten zweier Gruppierungen, was ziemlich sicher das Ausscheiden
aus dem Landtag bedeutet hätte. Mit einem neuen Team und geänderten Statuten
kehrte dann rasch Ruhe in die Partei ein, in Wahlergebnissen schlug sich dies
aber nie spürbar nieder, denn über ein zweites Mandat kamen die Grünen seither
nicht hinaus, der Klub-Status blieb also weiterhin Wunsch.
Die Juristin Astrid Rössler war zehn Jahre bei der Landesumweltanwaltschaft
Salzburg tätig und ist seither selbstständige Unternehmensberaterin und
Mediatorin. Breitere Bekanntheit erhielt sie ab 2006 durch ihr Engagement im
Kampf gegen Fluglärm, im Jahr darauf wurde sie Sprecherin des
Anrainerschutzverbandes. (APA)