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Kindle Fire - Der Spion, der aus dem Browser kommt

1. Oktober 2011, 10:37
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    foto: amazon

    Software-Chef Jon Jenkins erklärt Amazon-Browser Silk in einem Webvideo des Onlinehändlers.

Amazons Kindle Fire lässt bei Datenschützern Alarmglocken schrillen

Eines der überraschendsten Features des 199 Dollar teuren Amazon-Tablets Kindle Fire, den Unternehmenschef Jeff Bezos am Mittwoch vorstellte, ist ein eigens entwickelter Browser namens Silk (Seide). Dank dieser neuen Software soll der Nutzer mit dem Surfbrett des Onlinehändlers schneller durch das Internet brausen können als bei anderen Geräten. Datenschützer sehen in dem Amazon-Browser jedoch eine halbseidene Entwicklung.

Bewegungen der Nutzer mitlesen

Denn die im Hintergrund ablaufenden Prozesse erlaubten es dem Unternehmen auch, sämtliche Bewegungen der Nutzer im Internet mitzulesen. "Wenn Sie glauben, dass Googles Anzeigenprogramm Adwords oder Facebook Ihnen über die Schulter blicken, dann können Sie sicher sein, dass dieser Dienst garantiert alles aufzeichnet, was Sie im Netz tun", wettert Chester Wisniewski von der britischen Sicherheitsfirma Sophos in seinem Blog.

Anfrage an Amazons Rechenzentrum

Das erhöhte Tempo erreicht der Silk-Browser dadurch, dass sich das Programm dahinter zum Teil auf dem Tablet und zum Teil auf den Internetservern von Amazon befindet. Wenn nun ein Nutzer mit Amazons neuem Browser eine beliebige Webadresse aufruft, sendet der eine Anfrage an Amazons Rechenzentrum.

Hochleistungsrechner

Dort rufen Hochleistungsrechner die Seite auf, übernehmen die gesamte Kommunikation mit den zuliefernden Webservern, arbeiten in die Seite eingebettete Skripte ab und senden schließlich die fertig aufgebaute (gerenderte) Seite an das Tablet. Dessen simple Aufgabe besteht dann darin, die Seite anzuzeigen - was wesentlich schneller geht, als alle Teile auf dem Gerät selbst zusammenzutragen.

Auswertung der Informationen

Jede aufgerufene Seite, jeder Klick des Nutzers auf seinem Tablet, stellt damit auch eine einem unsichtbaren Seidenfaden ähnliche Verbindung mit Amazons riesiger Serverinfrastruktur her. Der Internetversandhändler erfährt damit alles über die Interessen seiner Kindle-Fire-Kunden und kann diese Informationen auswerten.

Datenschützer-Kritik

Die Idee dahinter ist nicht ganz neu und kommt seit Jahren in Operas mobilem Browser zum Einsatz. Doch anders als Opera, das verspricht, keine Daten zu speichern, will Datenschützern zufolge Amazon die gesammelten Informationen 30 Tage lang archivieren. Dies gehe aus den Nutzungsbestimmungen hervor.

Konsumenten stört das nicht

Konsumenten scheint dies wenig zu stören. In den USA, wo der Kindle Fire bereits vorbestellt werden kann, steht das Gerät bereits auf den Bestsellerlisten für Elektronikgeräte. Ein Erscheinungstermin für europäische Länder ist noch offen. (kat, DERSTANDARD/Printausgabe, 1.10.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 129
1 2 3 4
WRN
01
3.10.2011, 19:19

es geht halt nichts über ein gutes, hartes Buch...

Elektronisch fühlt sich das halt doch noch ganz anders an.

NORACSA
00
4.10.2011, 18:21

und was hat das mit diesem tablet zu tun?

Leonardo Basil
00
3.10.2011, 10:48

Naja.... Opera macht das doch genau so und da hat sich bislang niemand aufgeregt, oder irre ich mich?

Knochenmann
12
2.10.2011, 09:04

Amazon hat mir in den letzten Jahren viel Freude gemacht, so schauts aus.

x x3
00
2.10.2011, 11:24

"Freude gemacht": Du ihnen wahrscheinlich noch viel mehr.

Unsereins erfreut sich mehr an Büchern und CDs, weniger an Verkäufern.

Knochenmann
11
2.10.2011, 13:54

Und wo hab ich die gekafut? Kleiner Tip: bestimmt nicht beim Libro.

Derstandarddurchschnittsposter
00
2.10.2011, 08:41

Und wie machen sie das SSL Verbindungen?

Besteht da ein Zusammenhang zum Diginator Hack? :-)

Die kritische Stimme
01
2.10.2011, 16:24
Wieso?

Angenommen, da ist ein Proxy in der Verbindung. Also schickst du deinen https-Request erst einmal an den Proxy. Dieser könnten nun die Verbindung teilen, dh. in eine SSL-Verbindung zwischen sich und dem Browser, dem er statt des gewünschten sein eigenes Zertifikat schickt, und in eine SSL-Verbindung zwischen sich und dem Zielserver.

Ein normaler Browser würde so etwas erkennen und "Zeter und Mordio" schreien, aber dieser Browser ist ja speziell dafür konzipiert!

Carlos Clementin
20
2.10.2011, 08:15

Keine Kreditkartenkäufe nur wegen dem Preis.
Da die Kreditkarte NICHT gratis ist (zahlt man zumindest mit dem Kontogebühren mit) wirds ingesammt nur in Grossmengen billiger.
Man bekommt zwar meistens das Geld zurück, aber die Zeit und der Ärger mit der CCFirma kostet genug und wird nicht ersetzt.
NEIN zum unsicheren Plastiggeld!

Daniel Dillinger
 
00
3.10.2011, 11:21

Wer für Kontoführung und Kreditkarte(n) bezahlt, hat zuviel Geld.

Zitronenbaum
00
3.10.2011, 10:02

Wenn man heutzutage in den Urlaub fährt, braucht man üblicherweise eine Kreditkarte um das Hotel zu buchen. /: Das ist sogar bei vielen kleineren Hotels schon so.
Ich hab ein Glück, dass mein Vater eine Kreditkarte hat, mit der er mir schonmal ein Hotel reserviert hat (hab dort halt dann das Zimmer bar bezahlt). Für mich selbst kommts halt nicht in Frage, denn auf Kredit einzukaufen verleitet leicht dazu, zu viel auszugeben, weil man ja eh nur einmal im Monat "bezahlen" muss.

Chris Lance
00
3.10.2011, 06:27

wenn ich mir den post durchlese, muss ich denken, dass sie meinen es gibt Leute die eine cc nur haben dass sie günstiger bei amazon bestellen. das kann ich mir nicht vorstellen, es gibt durchaus auch andere geschäfte/lokale/websites wo man mit cc zahlen kann.

heinz strobl
 
00
2.10.2011, 03:36
consumer profiling

muss man nicht wollen.Es ist aber manchmal schwierig amazon zu umgehen.
Ich kaufe ja eh nur fremdsprachige Bücher bei amazon.Deren Preise kann mein Buchhändler nicht geben.Aber deutschsprachige Werke kauf ich bei mir um die Ecke.Einmal bekam ich eine Visarechnung nach der ich in Illinois getankt haben soll.Ich war noch nie in USA.Visa hatte ein Einsehen aber ich vermute meine cc käufe bei amazon könnten Spuren hinterlassen haben.Besides , nur nicht erhobene Daten können nicht mißbraucht werden.

Cleast
01
2.10.2011, 08:45
cc käufe bei amazon könnten Spuren hinterlassen haben

oder der Kellner im China-Restaurant ums Eck, wo du letztens mit der CC dein Essen gezahlt hast...

Springender Jakob
210
1.10.2011, 21:21
Welch mediale Dominanz eines Geräts, das es nicht einmal zu kaufen gibt

Ganze Wirtschafts- und
Gesellschaftssysteme drohen zu
kippen, Überbevölkerung,
Naturkatastrophen, Spekulanten
und Krieg verbreiten Not und
Elend und dem
wohlstandsangefaulten
Konsumbürger wird noch mehr
Konsum ökologisch und
arbeitsrechtlich bedenklicher
Produkte verordnet. Wird Zeit, sich
a bisserl einzubremsen.

Der junge Jim Kirk
64
1.10.2011, 22:09

wir haben also erst wieder spass, lachen, gehen fort und kaufen unterhaltungselektronik bis das problem der überbevölkerung in teilen afrikas und asiens gelöst wurde sowie naturkatastrophen einhalt geboten wurde?

Rent a Democracy
22
2.10.2011, 10:02
Kaufen == Spaß haben?

Dass Sie diese Dinge in einer Aufzählung nacheinander nennen als wären sie gleichwertig, irritiert mich. Wenn die einzige Freude im Leben aus Kaufen besteht ist der Wert dieses Lebens wohl eher ärmlich.

Die Aufmerksamkeit, die den wirklichen Problemen auf der Welt zuteil wird ist auch nur ein Bruchteil von der, die man allen erdenklichen Konsumgütern widmet.

hot doc
24
1.10.2011, 22:42

fortgehen und spass haben kann ich ohne kindle und co besser. macht uns jede form von elektronik tatsächlich glücklicher? ich sage: nein.

Harbachoed - Vize
00
2.10.2011, 07:35
nicht jede, sicher nicht jede

das sagte aber auch niemand

(wiewohl es manche glauben mögen)

yarry
00
1.10.2011, 21:18

bei Amazon kann das recht egal sein, meiner Meinung nach.

Was ich bisher bei Amazon von Objekten durchging hat es mir immer gute Vorschläge für weitere Käufe gebracht und wenn jetzt durch die Beschleunigung der Webseitendarstellung dieses bisschen "Privacy" durchfließt (womit die drüben bei Amazon ja soooo viel anfangen können) ists kein Problem.

Darüber hinaus gibt es auf fast jeder Seite Activity-Tracker, wie z.B. auf derStandard.at: schon ganze 6 Tracker auf den Hauptseiten, 3 davon im Beitrag-Posten-Fenster (ich frage mich wozu), da ist die Aktion von Amazon nichts dagegen.

Eine Kreatur
00
2.10.2011, 11:28
genau .. kein problem ..

der unterschied zwischen service und bevormundung ist ein feiner ..

sind sie überhaupt noch in der lage etwas selber zu wollen, oder wollen sie bereits das, was ihnen unternehmen auf subtile art und weise bereits eingeredet haben bzw. einreden?

wenn sie immer nur bestimmte dinge sehen, werden sie zwangsläufig sich mehr für diese dinge interessieren und andere vernachlässigen ..

wie marketing und werbung funktioniert und vor allem, wie sie selber "funktionieren" dürfte ihnen noch nicht so wirklich klar sein?

rabe wunderbar
00
2.10.2011, 03:56

entweder ist es überall egal oder nirgends. es wird menschen geben, denen taugt das, die fühlen sich durch solche dinge gut serviciert.

und zum observieren: die dinge gibt es zum großteil deshalb, weil man genau für das observieren solche programme im einsatz hat.

was ich dabei immer nur für eine absolute frechheit und irreführung empfinde, ist, dass man das den konsumenten unter dem deckmantel der privacy, des ganz individuellen und privaten verkauft. und wer dann nicht standard liest ... ;-)

nein, aber dort wären - zusätzlich zum datenschutz - alle möglichkeiten auszuschöpfen! - und vielleicht verknüpfungsverbote (als gesellschaftliche aufgabe, erhaltung von grundrechten, also eine rechtsstaatliche aufgabe, daher warum nicht?)

Harbachoed - Vize
00
2.10.2011, 07:44
Schöner Bogen vom anfang zum

Ende

„entweder ist es überall “

Es wird auch sein, dass sich die Leute dran gewöhnen, und die einst abgeneigtesten können „ermatten“

McJ
00
2.10.2011, 01:38

Im Unterschied zu derstandard.at kann aber Amazon ihr Surfverhalten mit dem kindle fire zu 100% verfolgen sowie diesem eine eindeutige Identität zu weisen.
derstandard.at kann das auch, aber nur die Besuche auf derstandard.at und nicht ihr gesamtes Surfverhalten. Und ja, Amazon interessiert sich eh nicht für Ihr Privatleben. Aber unter Umständen mal eine Behörde. Und für diese ist es dann deutlich einfacher über Amazon als bspw. sich mühsam das ganze durch einzelne Webseiten-Traffic-Analytics zusammen zu schustern.

frontside
21
2.10.2011, 07:07
Paranoia?

Die "behoerden" werden nix besseres zu tun haben, als bei Amazon nach deinem durchgehalten nachzufragen...

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