"Ich bin halt doch der kapitalistisch Orientierte"

Interview | 4. Oktober 2011, 10:37
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    foto: apa/techt

    Der Unternehmer René Benko träumt von einer Place Vendôme für Wien.

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    foto: signa holding

    Luxusshoppingcenter mit Luxusbüros: Schon bald soll die Tuchlauben den Vermietern am Graben und am Kohlmarkt Konkurrenz machen. Die Eröffnung der neuen "Meile" ist für 2012 geplant.

Der Immobilien-Investor René Benko investiert 1,5 Milliarden Euro in der Wiener City

René Benko, Chef der Signa Holding, krempelt die Wiener Innenstadt um. In der Tuchlauben soll eine neue Luxusmeile entstehen. Und schon bald, erfuhr Wojciech Czaja, könnte auch der Platz Am Hof anders aussehen.

***

STANDARD: Sie sind mit dem Hubschrauber gekommen.

Benko: Ich habe heute einen dichten Tag. Ohne Hubschrauber hätte ich den Termin nicht wahrnehmen können.

STANDARD: In Wien bauen Sie gerade eine - wie Sie meinen - "Luxusmeile" mit rund 10.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Wie weit ist das Projekt vermarktet?

Benko: Am Eck zwischen Tuchlauben, Bognergasse und Seitzergasse baut Louis Vuitton einen viergeschoßigen Flagshipstore. Das wird einer der größten Louis-Vuitton-Stores weltweit werden - etwa in der Dimension wie in London oder Paris. Auch Prada wird sich hier einmieten.

STANDARD: Was ist mit den restlichen Mietern?

Benko: Wir sind jetzt in Bau. Die Eröffnung ist für 2012 geplant. Wir sind gerade im Gespräch mit Konzernen, die schon in Wien sind und noch größer werden wollen, aber auch mit Marken, die noch nicht in Wien vertreten sind.

STANDARD: Wo werden die Mietpreise liegen?

Benko: Wir werden die Mieten auf übliche Kohlmarkt- und Grabenpreise anheben. Bisher waren die Mieten in der Tuchlauben und in der Seitzergasse ja graue Mäuse. Ab sofort können wir Preise in der Höhe des Goldenen U verlangen.

STANDARD: Ein paar Blocks weiter bauen Sie die ehemalige Bank-Austria-Zentrale Am Hof gemeinsam mit Park Hyatt zu einem Fünf-Sterne-Hotel um.

Benko: Das wird ein Hotel in bester Lage! Gegenüber den Hotels am Ring wird unser Hotel einen riesengroßen Vorteil haben: Wir sind mitten in der Stadt, in einem der ehrwürdigsten Gebäude der Stadt. Am Ende des Tages könnte die Vision stehen, dass der Platz Am Hof die Place Vendôme Wiens wird.

STANDARD: Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Wie verträgt sich das mit den Nutzungswünschen eines internationalen Hotelpartners?

Benko: Die ehemalige Zentrale der Bank Austria hat im Erdgeschoß wunderschöne Räumlichkeiten und ein wunderschönes Piano nobile. Dafür mussten wir niemanden begeistern. Andere würden viel Geld aufwenden, um so eine Atmosphäre in einem Neubau zu errichten. Hier ist alles schon da.

STANDARD: Und in den oberen Geschoßen?

Benko: Oben sind wir komplett frei. Lediglich die Fassade steht unter Denkmalschutz. Das heißt, wir müssen nur die Fenster und Fensterachsen respektieren. Ansonsten haben wir keine Zwänge.

STANDARD: Was passiert mit der öffentlichen Nutzung Am Hof?

Benko: Ob die Weihnachtsmärkte, Jahrmärkte oder der Zirkus hier weiter stattfinden werden oder nicht, müsste man sich noch genau überlegen.

STANDARD: Luxusmeile, Luxusgeschäfte, Luxushotels: Wie viel Luxus verträgt die Wiener Innenstadt eigentlich noch?

Benko: Die Wiener Innenstadt ist immer noch absolut unterbesetzt. Das zeigt sich allein schon an der starken Nachfrage nach Mietflächen. Der Grund, dass viele Luxusmarken in Wien noch nicht vertreten sind, liegt einzig an der Tatsache, dass das Angebot an attraktiven Shops in bester Lage so gering ist. Mit der Ausweitung der Fußgängerzone in die Tuchlauben hinein wollen wir internationalen Konzernen nun adäquate Mietflächen bieten. Außerdem übernehmen wir die Kosten für die neue Pflasterung der Fußgängerzone in diesem Bereich. Das ist auch kein billiger Spaß.

STANDARD: Wann ist ein Ende dieser Luxurisierung Wiens absehbar?

Benko: In Innenstadthäusern in besten Lagen gibt es schon seit 50 Jahren eine kontinuierliche Entwicklung nach oben. Und alle zehn Jahre schüttelt man einmal kräftig den Kopf, weil man es nicht glauben kann.

STANDARD: Anders gefragt: Sie tragen dazu bei, dass die Wiener Innenstadt immer teurer und immer luxuriöser wird. Welche kulturelle Verantwortung nehmen Sie als Großinvestor wahr, um Wien auch Wien sein zu lassen?

Benko: Stimmt schon. In den beiden ehemaligen Bankhäusern entsteht ein teures Luxusquartier. Nichtsdestoweniger habe ich meiner Meinung nach auch einen großen ethischen Zugang zu den Themen Breite Masse, Öffentlichkeit und Soziales. Nur ein Beispiel: Hätte ich mich nicht dafür eingesetzt, wäre das Bank-Austria-Kunstforum auf der Freyung nun geschlossen, und stattdessen würde schon bald ein Flagshipstore eines internationalen Modelabels seine Pforten öffnen. Ich habe mich anders entschieden.

STANDARD: Und sonst?

Benko: Mit den 1,5 Milliarden Euro, die wir derzeit in Wien investieren, haben wir sicherlich einen gewissen Beitrag zu leisten. Wir versuchen, uns einzubringen. Aber ich bin ja nicht Bürgermeister dieser Stadt. Ich kann nur im kleinen Maßstab eingreifen. Am Ende bin ich dann halt doch der kapitalistisch Orientierte.

STANDARD: Wann werden sich private Investoren an der Signa Holding beteiligen können?

Benko: Das können sie, aber nur partiell. Wir haben innerhalb unserer Gruppe eine Fondsgesellschaft, die seit 2004 immer wieder geschlossene Immobilienfonds macht, und das sogar sehr erfolgreich. Sie gehört zu den fünf größten geschlossenen Immobilienfondshäusern in Deutschland.

STANDARD: Ist eines Tages ein Börsengang der Signa Holding geplant?

Benko: Nein. An der Signa Holding selbst wird man sich nicht beteiligen können. Die Signa ist und bleibt ein Familienunternehmen, das de facto zwei privaten Unternehmen gehört und das an die nächsten Generationen weitergegeben werden soll. Ein Börsengang ist definitiv kein Thema. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1./2.10.2011)

RENÉ BENKO (34) ist Gründer der Signa Holding mit Büros in Innsbruck, Wien, Deutschland, der Schweiz und Belgien.

Wissen: Wiener Innenstadt wird Benko-Meile

Derzeit investiert der Tiroler Immobilienentwickler René Benko 1,5 Milliarden Euro in diverse Projekte in der Wiener Innenstadt. Im Gebäudekomplex der ehemaligen Bawag-Zentrale in der Tuchlauben entsteht ein Luxusshoppingcenter mit 10.000 Quadratmetern. Hauptmieter ist Louis Vuitton mit einem viergeschoßigen Flagshipstore. Ein paar Blocks weiter wird die ehemalige Bank-Austria-Zentrale zurzeit zu einem Luxushotel umgebaut. Das neue Park Hyatt - der Betreiber ist seit August bestätigt - wird 143 Zimmer haben, davon 35 Suiten. Die Eröffnung des Gesamtkomplexes ist für 2013 geplant. Zum Wiener Portfolio der Signa Holding gehören darüber hinaus das Bank-Austria-Kunstforum und das Meinl-Haus am Graben. (woj)

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Posting 1 bis 25 von 39
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David-Lauritz
00
28.10.2011, 10:23
Unglaublich häßlich: Wiederherstellen!

Auf dem Photo sieht man Auslagen bis ins zweite Geschoß. Das ist ein architektonischer Skandal und zeugt vom Totalversagen des Denkmalschutzes in Wien! Dies gehört ehest rückgängig gemacht. Wiederherstellung der Gründerzeitfassaden!

larryW
00
17.10.2011, 13:19
phantomluxusstadt-

da im 1. bezirk wirklich hunderte, ewig leerstehende wohnungen über € 3.000,00 zur miete Angeboten werden (erstbezug n. luxusrenovierung od. penthouse)
und etwas weniger zum kauf ( jenseits 1Mio) musste ja etwas geschehen, wir schaffen eine infrastruktur die diese wohnräume füllen.

Das bedeutet es wurde den Investoren heiße Luft verkauft. Jetzt bauen wir den Luxus hin, den wir vorher verkauft haben.....

Ich bin der Meinung es gibt zwei Arten von Kapitalismus.
Einen kreativen:
Schafft reale Werte und Märkte und leistet einen Beitrag zu einer florierenden, demokratischen Zivilsation.
Einen destruktiven, egoistischen, suiziden:
Der nur den Gelüsten weniger dient.
und letztendlich die struktur zerstörrt an der er sich aufgebaut hat.
l

...10
32
10.10.2011, 09:00
typisch österreicherInnen...

der neid frisst die seele auf....
ich kenne Hr. Benko nicht bin mir aber sicher, er arbeitet hart für seine persönlichen ziele.
aber natürlich ist es einfacher jedermann/frau) zu kritisieren nur weil ich nicht bereit bin den preis für erfolg zu bezahlen....
finde dieses verhalten einfach jämmerlich

Peterhase71
10
10.10.2011, 12:43
... genau ^^ ...Felix Krull war ja eigentlich auch sehr tüchtig!

Wie können Sie sich SICHER sein, wenn Sie denjenigen noch nicht mal kennen?!

Peterhase71
12
7.10.2011, 15:24
Nie studiert aber gibt sich als Diplomingenieur aus! Das sagt doch alles

www.solidbau.at/manager-r... uebersicht

Peterhase71
00
7.10.2011, 15:21
Den gibts ja immernoch

... ich dachte der ist längst pleite und hat keine Mieter im Rivergate!
Wahrscheinlich kriegt der jetzt auch nen Rettungsschirm, wie die anderen Kapitalisten!

mbli
01
6.10.2011, 16:21
Der Platz "Am Hof" ist immer noch öffentliches Gut. Hoffentlich hat sich die Stadt Wien nicht zu Zugeständissen hinreissen lassen.

Frechheit, sowas!

immofuchs
02
6.10.2011, 09:11
was macht eigentlich Karl Petrikovics

der war vor 20 Jahren (ungefähr im selben Alter) auch ein Star in der Immobranche.

Elegantestes Conversations-Lexicon für alle Stände
02
6.10.2011, 08:38

Jetzt würd mich interessieren wie die Relation zwischen Eigen- und Fremdkapital aussieht.

mbli
01
6.10.2011, 16:22
ungefähr-hälfte-eigentümer ist ein griechischer Reeder!!!

Bagaude
14
5.10.2011, 10:49

Benko: "Mit den 1,5 Milliarden Euro, die wir derzeit in Wien investieren, haben wir sicherlich einen gewissen Beitrag zu leisten. Wir versuchen, uns einzubringen. Aber ich bin ja nicht Bürgermeister dieser Stadt. Ich kann nur im kleinen Maßstab eingreifen. Am Ende bin ich dann halt doch der kapitalistisch Orientierte."

Übersetzung: "Fürs Image verteilen wir halt notgedrungen ein paar Peanuts ans Fußvolk, im Grunde bin und bleibe ich aber ein egomanisches A****loch."

`gsi
00
25.10.2011, 22:09

1,5 milliarden sind wohl keine peanuts....

pago1
01
5.10.2011, 18:34
und raiffeisen macht mit ihm werbung

Bagaude
04
5.10.2011, 10:44

Nicht, dass ich grundsätzlich gegen Innovation und Veränderung wäre, aber irgendwie habe ich beim Herrn Benko und den Milliarden, mit denen er jongliert, kein sonderlich gutes Gefühl.

forever52
13
5.10.2011, 08:54
Ist das ein grausliger Typ !!!!!

Kann man den ein bißchen unter die Lupe nehmen ?

vonsueden
02
5.10.2011, 07:25
da kriege ich aber nur gaensehaut!

(und nicht aus begeisterung..)

Cape Of Green Hope
80
5.10.2011, 06:46
Gut, dass es noch solche Investoren gibt...

...in der Innenstadt können sich Ausländer wenigstens unbehelligt bewegen...den reichen Touristen sollte jedenfalls davon abgeraten werde, sich außerhalb des Rings zu wagen...

silverfinger
00
5.10.2011, 10:30

weil man dann sieht wie Wien eigentlich ist?

Michael B
00
4.10.2011, 23:11
Juhuu! Ein neues fünf-Sterne-Hotel!

Wenn man zeitgerecht bucht, kann man jetzt schon in Wien ein fünf-Sterne-Hotel um 120 Euro für das Doppelzimmer kriegen. Da brauchen wir dringend noch ein paar hundert Zimmer dazu....

locken
01
4.10.2011, 18:30
Wer wird bei der Insolvenz wieder draufzahlen ?

Isegrim1
00
11.10.2011, 19:27
Die Gläubiger?

somussesnichtsein
02
4.10.2011, 17:30
au diese art wird von diesen

abzockern die stadt ruiniert!

seine milliarden hat er wahrscheinlich im lotto gewonnen, oder?

silverfinger
00
5.10.2011, 10:29

alles nur investoren

Mann40
01
4.10.2011, 17:30

"...wollen wir internationalen Konzernen nun adäquate Mietflächen bieten."

ergo für Wiener Unternehmen in Zukunft fast unerschwinglich

pago1
03
4.10.2011, 16:56
wieder so eine grasser figur

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