Zustand unserer Demokratie

Die Bürgerwut der Silberfüchse

Kommentar der anderen | 30. September 2011, 19:28

Und die Frage: Ist der Zustand unserer Demokratie - im historischen wie auch im internationalen Vergleich - wirklich so erbärmlich, dass es ihrer "Rettung" bedarf? Plädoyer für "unzufriedene Gelassenheit" - und mehr Selbstironie - Von Wolfgang Müller-Funk

Die Republik hat uns ein neues politisches und mediales Phänomen beschert, den in Würden alt gewordenen "Wutbürger" aller Couleur, schwarz, rot, grün und sogar blau. Auf den ersten Blick nehmen sich die Forderungen gut aus: Stärkung des Parlaments, Reform des feudalen Föderalismus, partizipative Demokratie, Einführung eines moderaten Persönlichkeitswahlrechts. Auch der Ekel über die Zumutungen der gegenwärtigen Politik ist nachvollziehbar. Nicht zu übersehen ist jedoch, dass die von den Proponenten des "Demokratiebegehrens" formulierten Ziele nicht immer gut miteinander harmonieren: Die Weiterentwicklung der repräsentativen Demokratie und die Stärkung des Parlaments stehen in krassem Gegensatz zu jener Idee der direkten Demokratie, mittels derer das Parteien-System und sein Establishment ausgehebelt werden soll. Und sie steht auch im Widerspruch zur weit verbreiteten Sehnsucht nach charismatischer Politik.

Was aber vor allem irritiert, ist der gänzlich ironiefreie Sprachgestus der selbst ernannten Retter der österreichischen Demokratie: Das Vaterland ist in Gefahr und in dieser Notlage müssen die Silberfüchse oder die Bauern, die eigentlich schon im Ausgedinge sind, die Mistgabeln in die Hand nehmen und aufstehen, weil es sonst niemand tut - weder die amtierenden Politiker noch die Jugend. Diese Erzählung ist unfreiwillig komisch, schon allein deshalb, weil viele dieser Proponentinnen und Proponenten ranghohe Vertreter von Politik und Medien waren - etwa eine stellvertretende Chefredakteurin, zwei Vizekanzler, ein Europaparlamentarier, ein ehemaliger ORF-Intendant ein Landeshauptmannstellvertreter ... - und so viel hochrangiger Unmut natürlich die Frage nahelegt, wie denn die Unmutigen für die Ziele, die sie jetzt in der Rente beschwören, in ihrer aktiven Zeit gekämpft haben.

In diesem inszenierten Zorn ist eine Erinnerung eingelagert, die angesichts von Wirtschaftskrisen und politischen Skandalen plausibel erscheinen mag, die aber historisch geschönt ist. Lassen wir einmal die ersten beiden Jahrzehnte der österreichischen Nachkriegsdemokratie und ihre post-nationalsozialistische Enge beiseite, so ist selbst die heute in rosarotes Licht getauchte Kreisky-Ära voll von Lächerlichkeiten und Skandalen, von der Lucona-Affäre bis zu gigantischen illegalen Waffenexporten, an deren Ende der Suizid des verantwortlichen Ministers stand.

Glaubhafter ist, dass die österreichische Demokratie nach 1945 nur sehr langsam von einem rein formalen Gehäuse zu einer innerlichen Befindlichkeit vorangeschritten ist, verhaltener vielleicht als in anderen westlichen Demokratien der Nachkriegszeit. Zu dieser Behaglichkeit beigetragen haben sowohl die vielen Jahre der Großen Koalitionen und das lange Zeit fast risikolose Ressentiment der Bürger gegen sie. Ganz offenkundig hat sich die österreichische Gesellschaft, nicht zuletzt dank der Dynamik von Generationskonflikten, seit den 1970er Jahren geöffnet, sie ist vergleichsweise weniger hierarchisch und patriarchal als noch in der Kreisky-Ära, sie ist partiell aufmüpfiger, individualistischer und weniger brav. Zu nennen sind hier politische Phänomene wie Feminismus, Ökologie, der kritische Umgang mit der Vergangenheit, der Beitritt zur EU.

Merkwürdig daran ist nur , dass all diese gesellschaftlichen Veränderungen nicht auf die Ebene der Politik durchgeschlagen haben. Aber ich denke, das gilt für die meisten der nach 1945 entstandenen europäischen Wohlstandsdemokratien.

Es besteht kein Grund, die Regierung Faymann demokratiepolitisch zu verteidigen. Ganz im Gegenteil. Sie ähnelt in der Tat mehr dem österreichischen Fußballteam als unseren "Adlern" im Skispringen. Aber die Mittelmäßigkeit, die ihr attestiert wird, weicht nicht von jener vieler anderer österreichischer Regierungen zuvor ab - ich denke an Bundeskanzler wie Klima oder den ehrenwerten, aber hilflosen Fred Sinowatz, an aberwitzig inkompetente FPÖ-Minister in den Kabinetten Kreisky und Schüssel. Dass Faymanns Null-Charisma stärker wahrgenommen wird als das seines Pendants aus den 1990er-Jahren, Viktor Klima, liegt nicht zuletzt daran, dass unsere politischen Ansprüche offenkundig gestiegen sind: Gulasch mit Saft ist in der politischen Kulinarik unserer Tage heute zu wenig.

Womit wir auch bei den Skandalen der letzten Wochen wären, die die Diagnose vom politisch elenden Zustand unserer Demokratie untermauern sollen - wozu die Rhetorik vorgeblicher "Aufdecker" -Medien nicht unwesentlich beiträgt. Denn dass all diese politischen Verfehlungen mit der der Austropolitik eigenen Verzögerung - wahrscheinlich - an den Tag kommen, beinhaltet doch die gute Botschaft, dass unsere Demokratie funktioniert.

Im Vergleich zu den hehren Idealen der Zivilgesellschaften nimmt sich deren Realität stets schäbig aus. Und es mag sarkastisch klingen, dürfte aber schwer widerlegbar sein: Marktkapitalistische, medialisierte Massendemokratien erzeugen zwangsweise ein Biotop für jene Korruption, die die Demokratie - in England wie hierzulande - wiederum aufdeckt. In ihrer Tendenz hin zum Durchschnitt und zum Kompromiss erzeugen sie fast zwangsläufig politisches Mittelmaß. Die Zahl der wirklich charismatischen Politiker ist nicht nur in Österreich äußerst gering. Medienmacht und Umfragen, die heute zum Alltag gehören wie der Wetterbericht, haben dazu geführt, dass nicht nur die Gesinnungsethiker, sondern auch die Verantwortungsethiker im Schwinden begriffen sind. Aber das scheint der Logik moderner demokratischer Regime - ob es einem gefällt oder nicht - inhärent zu sein. Und nicht einmal das Charisma bietet, wie der Fall Obamas lehrt, die Gewähr dafür, dass sich die Demokratie erneuert, indem sie sich ausweitet.

Die "Wutbürger", die doch politisch sehr zweischneidig einzustufen sind, werden heute medial hofiert. Ich kann mich an ein Symposion an einer renommierten Schauspielschule zum Thema "Zorn" erinnern, bei dem ich mit meiner Angst vor Zorn, dem eigenen wie dem der anderen, ziemlich alleine blieb. Ich finde, dass die ästhetische und politische Kreativkraft von Wut und Zorn überschätzt wird. Die Wut macht blind für sich selbst und die Umgebung, sie ist sehr bequem und sie trübt den Lernprozess wie die Reflexion. Gelassene Unzufriedenheit ist da schon besser.

Politik, zumal demokratische, unterliegt zwei zentralen Parametern, der Ökonomie und - im weiten Sinn des Wortes - der Kultur. Die politische Öffnung unseres in der Tat antiquierten politischen Systems kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie von ökonomischer Sicherheit und von einer Veränderung eben von Lebenskulturen getragen wird. Silberfüchse können dabei eine Rolle spielen, aber der entscheidende Impuls muss von der jungen Generation kommen. Mögen deren Vorstellungen von digitaler Demokratie heute auch etwas blauäugig sein, sie haben das Vorrecht, diesen kulturellen Wandel voranzutreiben, der im günstigsten Fall auch die politischen Verhältnisse zum Tanzen bringt.

Angesichts der massiven Schuldenkrise, die zu Lasten der jungen Generation und der noch ungeborenen geht, ist es unwahrscheinlich, dass der Umbau des politischen Systems heute Priorität erlangt. Die ökonomische Krise unserer Tage ist für das Überleben der Demokratie in Europa viel gravierender als jenes gouvernementale Mittelmaß, das wohl eines ihrer Grundübel ist, aber durch geliehenen Sachverstand neutralisiert werden kann. (Wolfgang Müller-Funk, DER STANDARD, Printausgabe, 1./2.10.2011)

Autor

Wolfgang Müller-Funk (59), Kulturphilosoph und Essayist, lehrt am Institut für Europäische und Vergleichende Literaturwissenschaft der Uni Wien.

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le chat botté
00
4.10.2011, 15:58

Das klingt wie der Kommentar eines schon am Rand zur Pensionierung stehenden Mannes, der nur ja nicht ebendiese durch irgendwelche Umbrüche und Veränderungen gefährdet sehen möchte.
Für einen "Kulturphilosophen" erbärmlich!

Avicenna
 
01
3.10.2011, 08:13
Gelassene Unzufriedenheit = Passivität bei gleichzeitigem Gesudere

"Merkwürdig daran ist nur, dass all diese gesellschaftlichen Veränderungen nicht auf die Ebene der Politik durchgeschlagen haben." Ja, sehr merkwürdig! Man darf im Jahr 2011 schon etwas anderes erwarten! Der Kommentar von Müller-Funk plädiert für eine Geisteshaltung, die schon lange vorherrscht und nichts gebracht hat: "gelassene Unzufriedenheit" ist nichts anderes als passive Hinnahme der Verhältnisse bei gleichzeitigem Gesudere. In Österreich nicht unbekannt, aber leider sinnlos! Das Diktat der Ökonomie spricht er an, aber leider nicht die Alternativen dazu. Mag sein, dass es alte Männer sind, die jetzt versuchen etwas zu verändern, aber wer denn sonst? Sie unterliegen nicht mehr den Zwängen des Systems und können "goschert" sein.

ulli52
 
02
2.10.2011, 17:48
"Gelassene Unzufriedenheit"

wie kann man nur,
gelassene unzufriedenheit ist vielleicht angebracht, wenn das ablaufdatum der milch überschritten ist....

wenn man aber pars pro toto den Peter Westenthaler oder wen auch immer im parlament oder wo auch immer agieren sieht, dann ist es mir völlig egal ob alte oder junge oder aliens versuchen, an den zuständen etwas zu ändern.
schlechter kann es ja nicht mehr werden.

so ich muß jetzt ganz ungelassen verschütteten kaffee aufwischen, wenigsten hab ich da einen nassen fetzen in der hand....

Karinkoller
02
2.10.2011, 15:36
Falsche Personen mit falschen Forderungen

Der politische Sumpf in Österreich muss trockengelegt werden. Weil die herkömmlichen demokatischen Korrektive Opposition, Rechtsstaat und Presse versagen, ist Zivilcourage gefragt.
Das "Demokratiebegehren" MeinOE mit seinen wütenden Silberfüchsen eignet sich aber nicht zur Sanierung der Politiklandschaft, weil hier innerhalb des Systems gescheiterte Personen einen ungangbaren Weg fordern. Hier ausführlich warum: http://karinkoller.wordpress.com/2011/10/0... t-mein-oe/

Moneymaker
00
2.10.2011, 17:42
Das übliche Gesudere!

Nur nichts ändern, alles bleibt besser.
Wie sehen den die "richtigen" Ideen aus?

mikromalist
 
02
2.10.2011, 16:22
Typisch AT.

Jemand engagiert sich - und sofort stehen 100 auf, um zu erklären, warum das nicht geht.

Als pointierterLinker sage, ich auf Ihren Beitrag kann eher verzichtet werden.

Lieber grau, als blöd und niederträchtig.

thomas bernhard2
 
00
2.10.2011, 15:58
kopf mit nicken

mikromalist
 
12
2.10.2011, 14:09
Über diesen salbungsvollen Beschwichtigungs-Kommentar

kann ich nur ebenso in rasende Wut geraten, wie über die Tyrannei der Idiotie unserer derzeitigen Regierung.
Frühe wurde ja auch und die anderen tun ja auch .....

Ich war wieder einmal eine Woche in UK und um es abzukürzen: der Busfahrer des Linienbusses von Oxford nach London hatte mehr Geist, Wissen und Witz, als der Grossteil unserer Regierung.

p.s. wir purzeln in allen Innovations- und Bildungsrankings und zwar rasant.
Jeder Versuch das aufzuhalten, mit welchen Worten und Symbolen auch immer, ist eine Heldentat.
Vornehmes Schwafeln hat Downturns noch nie aufgehalten.

17+4
00
2.10.2011, 16:09
manche Busfahrer bei uns auch

mikromalist
 
01
2.10.2011, 16:18
Das ist korrekt.

V. S.
20
2.10.2011, 15:27
Ich danke Dir für Dein Post!

Erspart mir Mühe.

Unfassbar, dieses "eh alles halb so schlimm" + die Verunglimpfung von "sich bloss wichtig tuenden Alten".

Im Grunde ist der Autor ob seiner Akzeptanz von Zerstörendem zu bemittleiden.
FURCHTBAR ist allerdings, dass so ein Untoter Lehrender ist!

17+4
13
2.10.2011, 13:09
das war doch nur eine lächerlich Veranstaltung von

Politzoombies, und nicht nur die Veranstaltung war lächerlich, auch die Protagonisten.
zB ein ehemaliger (geschaßter) Verteidigungsminister, der sich beklagt über den Mangel an repräsentativer Demokratie, aus eine Partei, die sich einmal die urspünglich einmal ein Mehr an direkter Demokratei gefordert hat.

V. S.
20
2.10.2011, 15:32
Ich glaubs nicht.

Bitte was haben Leut wie du dort, wo andere ein Hirn haben???

17+4
00
2.10.2011, 16:08
weiß nicht, denn die Stelle, die sie meinen,

auf der sitze ich.

thomas bernhard2
 
22
2.10.2011, 11:33
mit dieser lächerlichen

pseudoaufmüpfigkeit der gründer, der verursacher derzeitiger missstände, dieser tatsächlichen verbrecher, soll eine pauschale entschuldung derer missetaten erreicht werden.
auf dass sie nicht verurteilt, nicht belangt, nicht doch noch verhaftet werden. alle zusammen.
diese miesen altvorderen rechnen -wie damals- mit bestehender kritiklosigkeit ,uninformiertheit, dummheit der bevölkerung.
..und lachen sich ins fäustchen.
hallo ! aufwachen !

V. S.
00
2.10.2011, 15:31
>dummheit der bevölkerung.

Von dir mit diesem Post verifiziert…

coldturkey
02
2.10.2011, 13:20

Sowohl der Kommentar als auch Ihr Posting spiegeln typisch österreichische Denkmuster wieder: Das war doch immer schon so (der Verweis des Autors auf frühere Regierungen, Kanzler und Minister), da kann man halt nix machen. Und die, die Kritik wagen, sind auch nicht besser, daher sollen sie den Mund halten. Und was resultiert aus dieser Geisteshaltung? Ewiger Stillstand, gepaart mit gegenseitiger Wadlbeisserei und Rechthaberei. Es mag sein dass frühere Regierungen auch nicht wesentlich besser waren. Deshalb darf man keine Verbesserung anstreben? Und es stimmt dass die Proponenten der "Mein Österreich"-Bewegung selbst früher Teil des kritisierten Systems waren. Steht ihnen deshalb nicht das Recht zu dazu zu lernen, klüger zu werden?

thomas bernhard2
 
00
2.10.2011, 16:01
sie haben

sich wie eine katze in den schwanz gebissen, ach ja.,.............

Georg Meininger
00
2.10.2011, 11:50
Mag ja alles so sein...

Aber was machen wir stattdessen?
Nur zuschauen, nachlesen was heute passiert ist und darüber im Freundeskreis debattieren ändert ja auch nichts.

readymate
05
2.10.2011, 11:16
"Die schärfsten Kritiker der Elche

waren früher selber welche!"

© R. Gernhardt

I'll shit on your nick
01
2.10.2011, 10:50
Es gibt einen kleinen Unterschied zur Ära Kreisky: Da war genug für alle da, es wurde auf einen Interessenausgleich geachtet.

Daher hatten die Bürger zwar keine Freude, wenn sich die "Bonzen" (damals nannte man die so) das dickste Stück abschneiden.

Heute muss man kein Wirtschaftsforsacher sein um zu bemerken, dass der Wohlstand immer ungleicher verteilt wird (angeblich durch "Leistung", das glauben aber nur mehr die dümmsten Kälber). Und das Stück der "Bonzen" wird immer dicker - absolut wie relativ.

Ein schönes Beispiel ist die Ära Wagner in Kärnten, da wusste jeder wie der Hase läuft und mit wem man sich gutstellen musste, wenn man weiterkommen wollte. Aber für alle war ein auskommen. Heute erzählt die Landesregierung allen, dass sie den Gürtel enger schnallen müssen. Nur bei sich selbst spart die Politik (belegbar!) keinen Cent.

Georg Meininger
01
2.10.2011, 12:08
Stimmt!

Das Zauberwort ist "Interessensausgleich"!
Unsere Demokratieform ist eine "repräsentative", jedoch fühlen sich immer mehr von ihr eben NICHT repräsentiert.
Bestimmte einflussreiche Gruppen beschäftigen Lobbyisten, um ihre Forderungen, Standpunkte und Interessen bestmöglich (z.B. in Form von Gesetzen) durchzubringen, in vielen Fällen höchst erfolgreich.
Diese Lobbyisten scheinen, aufgrund der einflussreichen Gruppen, die dahinter stehen, auch von der Politik (an-)gehört zu werden.
Gleichzeitig werden alle negativen Maßnahmen auf diejenigen abgewälzt, die die Politik (auch) vertreten sollte:
Wo ist die Lobby der (Einkommens-)Steuerzahler, der Bürger, der Sozialversicherungs-Beitragszahler?
Diese Gruppen sind parteiübergreifende.

17+4
00
2.10.2011, 13:13
genau: Lobbies konterkarieren demokratische

Strukturen.
Das Probelm ist, dass die Politiker das nicht begreifen, denn dem Wähler muss man vielleicht einmal ein Bier zahlen, der Lobbist dagegen bezahlt einen.

Aung San Suu Tschi
 
03
2.10.2011, 10:49
Gerade WEGEN der "Schulden"-Krise ist ein Umbau des politischen Systems unvermeidbar und NOT-WENDig

Ja, die agitierten Alten sehnen sich nach den Zeiten zurück, als sie noch wichtig waren, aber sie sehen wenigstens, dass etwas falsch läuft.

Ja, viele Junge, die nur mehr in einer digitalisierten Welt leben, sind politisch blauäugig, aber sie sind international vernetzt und informiert.

Nein, das Charisma eines einzigen Menschen (& sei es der US-Präsident) kann die Demokratie NICHT erneuern, denn das ist eine Systemfrage.

Nein, es sind keine "Skandale der letzten Wochen", sondern mehrere, ineinandergreifende Systemkrisen.

Erst die Entwicklung des Wirtschaftssystems plus Neoliberalismus plus anti-rotem Dauertrommeln gab einigen de-facto-kriminellen Individuen die Möglichkeit, die Steuerzahler in Windeseile zu bestehlen.

./to be continued

Aung San Suu Tschi
 
02
2.10.2011, 11:15
Ja, Dauerzorn ist ein schlechter Ratgeber. Ironie aber auch

Ein ironischer Zugang (& ein Literaturwissenschaftler wie Müller-Funk weiß das ja) ist ein distanzierender Zugang, per definitionem nicht ernsthaft.

Die Probleme unseres Wirtschaftssystem, die immer ungleicher werdende Verteilung des Vermögens, die steigende Korruption, die Zunahme der Armut mitten im 8.reichsten Land der Welt u.v.a. sind aber extrem ernst.

Eitle Luxus-Pensionisten (& früher Opportunisten) ohne Selbstironie hin oder her.

Müller-Funk neigt in seinen Kommentaren immer dazu, alles mentalistisch zu verharmlosen, vielleicht weil er die öst. Mentalität gründlich studiert hat.

Gerade ihm müsste auffallen, dass sich in diesen neuen Oppositionsbewegungen der Alten etwas ziemlich Unösterreichisches zeigt: Offene Angst & Ernst.

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