Rot-Grün in Wien

"Die Beziehung beruht auf Gegenseitigkeit, sonst wäre es ja Stalking"

30. September 2011, 19:40
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    foto: der standard/heribert corn

    David Ellensohn.

Der grüne Klubchef David Ellensohn glaubt, dass bei Öffi-Tarifreform und Parkgebühren am Ende alles gut wird

STANDARD: Haben Sie die SPÖ noch lieb?

Ellensohn: Weil ich das einmal auf der grünen Landesversammlung gesagt habe? Aber selbstverständlich!

STANDARD: Der Umstand, dass er sich bei sämtlichen grünen Großprojekten querlegt, ließ Ihre Gefühle für den Koalitionspartner noch nicht erkalten?

Ellensohn: Alles wird am Ende gut werden. Da muss man einfach Durchhaltevermögen beweisen. Weder die Öffi-Tarifreform noch die geplante Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung ist ein Problem. Die Beziehung wird von Monat zu Monat besser und beruht auf Gegenseitigkeit - sonst wäre es ja Stalking.

STANDARD: Warum lässt Ihnen die SP über die neue Chefin der Wiener Linien ausrichten, dass die Vorstellungen der Grünen zur Tarifreform nicht finanzierbar sind?

Ellensohn: Ich weiß nicht, wer da wem was ausrichten lässt, zur Wiener-Linien-Chefetage nur so viel: Wenn sie nicht in der Lage ist, die Tarifstruktur, so wie wir sie vorschlagen, umzusetzen, gibt es sicher andere Leute, die das gern machen.

STANDARD: Wann wird man sich mit der SP da einigen?

Ellensohn: Es ist ausgeschlossen, dass die Verhandlungen länger als bis Ende Oktober dauern. Denn das Budget für 2012 muss bis dahin fertig sein.

STANDARD: Über die 365 Euro statt 449 Euro für die Jahreskarte fährt der Zug drüber?

Ellensohn: Wir werden auf jeden Fall die Jahreskarte substanziell günstiger machen. Wir reden also nicht von fünf oder zehn Euro.

STANDARD: Geht es nach den Grünen, soll die Reform mit der Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung finanziert werden. Die Bezirksvorsteher halten davon allerdings wenig bis gar nichts.

Ellensohn: Die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung wird kommen. Ziel ist, sie breitflächig über den Gürtel auszubreiten. Und zwar zuerst dort, wo die SP begeistert davon ist.

STANDARD: Bloß hält sich die Begeisterung dafür überall in Grenzen.

Ellensohn: Die geht rauf und runter. Ich glaube, dass am Schluss alle begeistert sein werden. Ich freue mich, wenn wir einen Gesamtplan - also 10., 12., 14., 15., 16., 17. und 18. Bezirk - umsetzen können. Und das ist ja das Schöne an unserem Koalitionspartner: Er ist für Argumente zugänglich.

STANDARD: Inwieweit macht sich die grüne Regierungsbeteiligung bei den Budgetverhandlungen bemerkbar?

Ellensohn: Dass Sozialpolitik angesichts der Wirtschaftskrise zentral ist, ist logisch. Und auch die Bildung ist enorm wichtig: Es geht nicht, dass es so viele 15-Jährige gibt, die Schwierigkeiten mit Lesen und Schreiben haben.

STANDARD: Bleibt da überhaupt noch Geld für das grüne Ressort, Verkehr und Stadtplanung?

Ellensohn: Die zusätzliche Aufgabe ist, dass Wien in den nächsten Jahren wächst. Deshalb müssen wir in Infrastruktur investieren und mindestens 7000 neue Wohnungen im Jahr bauen.

STANDARD: Wo wird Wien sparen, um das alles zu bewerkstelligen?

Ellensohn: Wir glauben, dass das Inserate- und Werbevolumen der Stadt schon sehr hoch ist. Da kann man sicher etwas verändern. Das Budget von Vizebürgermeisterin Vassilakou in diesem Bereich liegt bei unter einer Million Euro, die gesamte Regierung hat 35 Millionen. Das werden wir mit der SP diskutieren.

STANDARD: In Oppositionszeiten haben die Grünen stets die intransparente Budgeterstellung kritisiert. Kann heuer erstmals jeder Wiener nachvollziehen, wofür die Stadt wie viel Geld ausgibt?

Ellensohn: Unser Ziel ist weiterhin, das Budget so darzustellen, dass auch jemand, der nicht Volkswirtschaft studiert hat, imstande ist, es zu verstehen. Ich kann aber nicht versprechen, dass uns das bereits heuer zur Gänze gelingt. (Martina Stemmer/DER STANDARD, Printausgabe, 1./2. Oktober 2011)

Zur Person

David Ellensohn, 1963 in London geboren und in Vorarlberg aufgewachsen, ist seit November 2010 Klubchef der Wiener Grünen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
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Poldi Schrumpl
00
6.10.2011, 08:01
tolle ansage an die wiener linien!

dann kündigen die w. linien einfach ein paar mitarbeiter oder kürzen gehälter.

ganz im sinne vom neuen politbonzen ellensohn.

Captain 11
40
3.10.2011, 14:37
...den wiener linien auf diesem weg in dieser form etwas auszurichten zeigt nur...

...welche manieren auch die grünen sofort an den tag legen, wenn sie ein bisserl an der macht sind. nämlich gar keine. diktion der blauen, nur in grün und links.......

Tatjana4
40
3.10.2011, 09:35
zur Wiener-Linien-Chefetage nur so viel: Wenn sie nicht in der Lage ist, die Tarifstruktur, so wie wir sie vorschlagen, umzusetzen, gibt es sicher andere Leute, die das gern machen.

.. a bisserl Präpotent der Herr Ellensohn.

So wie sich das darstellt wird für die Umgestaltung der Mariahilferstrasse eh kein Geld mehr dasein. Vielleicht ist das auch besser so

Nukularist
15
3.10.2011, 13:32

Find ich nicht. Das ist mal ein klares Wort. Das gibts sonst viel zu wenig.

Nur weil die Chefetage der Wiener Linien für einen Staatsbetrieb arbeitet heißt das nicht, dass sie nicht den Wünschen des Hauptaktionärs zu entsprechen hat.

Almi66
31
2.10.2011, 06:55
Ellensohn ist eine Zukunftschance für den Bund!

Ich halte ihn für einen talentierten Politiker, der nicht nur eloquent erscheint, sondern auch noch ehrlich.

Viel mehr kann man wohl nicht verlangen. Ich würde mir wünschen, dass es im Bund, spätestens 2013, Alternativen, nicht nur zur ÖVP, sondern auch zu Faymann-Rudas und Glawischnig, gibt.

torch
 
21
1.10.2011, 17:39
Es geht nicht, dass es so viele 15-Jährige gibt, die Schwierigkeiten mit Lesen und Schreiben haben.

Richtig, daher ist die gemeinsame Schule bis 14 dringend erforderlich, es geht nun wirklich nicht an, dass das alle nicht können.

askalex
11
2.10.2011, 06:25
Nein, denn eine ...

... Gesamtschule würde verhindern, daß die Masse an Schülern die notwendigen Fähigkeiten für eine AHS/BHS Reife erlangt. 5% nicht zu bändigende und den Unterricht sabotierende Schüler reichen bereits aus, um für 100% der Anwesenden jeden geregelten Unterricht unmöglich zu machen.

Nukularist
00
3.10.2011, 13:35
Stimmt nicht.

Schade, kann nicht einmal großartig diskutieren. Tatsache ist, dass das nicht stimmt. Dadurch, dass eine Gesamtschule auf mehr Flexibilität im Unterricht setzt, ist sie für alle ein Vorteil - auch bzw. gerade für Begabte.

Hab ich vor vielen Jahren selbst erleben dürfen.

torch
 
00
2.10.2011, 10:37

Die Ironie nicht verstanden?

Enttäuscht von R-G in Wien! :C
 
00
2.10.2011, 13:07

Zur Verteidigung von askelex:

Diese Form der 'Ironie' ist nun wirklich[!!!] zu subtil, bes hier.

morigerado
15
1.10.2011, 14:25

Ich kann die Grünen nicht leiden. Die Vassilakou schon gar nicht.

DerGrumml
 
00
1.10.2011, 14:55

Alles wird gut?
Nö - alles wird teurer werden

Gerhard Müller
01
1.10.2011, 14:10
Ach, hättet ihr doch die FPÖ mit der SPÖ koalieren lassen

da wäre euch noch ein wenig Glaubwürdigkeit geblieben. So werdet ihr bei der nächsten Wahl alles an die Piraten verlieren. Wetten?

Und die SPÖ hat wieder die Absolute.

Ashdod
00
1.10.2011, 14:23
um wieviel wollen sie wetten?

lanebbia
01
1.10.2011, 13:23
Wo ist denn die schöne Überschrift hin verschwunden?

Die erste Überschrift über diesen Artikel war doch, dass Ellensohn das Werbevolumen zu hoch befunden hat.
Ist das doch etwas zu heiß?

nichtrechtsnichtlinks
01
1.10.2011, 13:12
Kennt der Typ eigentlich

den Unterschied zwischen einer schlechten Beziehung und Stalking?

Nukularist
00
3.10.2011, 13:36

Eine Beziehung, die nicht auf Gegenseitigkeit basiert, ist keine Beziehung. Auch keine schlechte.

byron sully
01
1.10.2011, 11:46

die tarifreform wird zeigen, inwiefern eine grüne handschrift in dieser regierung vorhanden ist.

askalex
02
2.10.2011, 06:27
Ich hab's ja sonst ...

... nicht so mit der Umwelt, aber eine Jahreskartenverbilligung wäre eine gute Sache. Die Öffis fahren sowieso und die Kosten dafür sind ökonomisch und ökologisch bereits "versunken". Da würde es Sinn haben, sie über attraktive Preise zu füllen und dadurch Autos von der Straße in die Garage zu bringen.

PAPPL
00
3.10.2011, 15:08
Genau so.

cannery row
03
1.10.2011, 13:08
dieser meinung bin ich auch..

allerdings habe ich kein gutes gefühl. ich tippe auf eine alibiverbilligung, irre mich aber in diesem punkt sehr gerne.
ich glaube, das waren sie, der einige monate nach der wahl geschrieben hat, dass man die grüne arbeit erst nach einem jahr beurteilen könne. wenn allerdings bis dahin nichts zu bemerken sei, wäre feuer am dach.
genau so ist es auch.

byron sully
00
2.10.2011, 15:48

ja, das hab ich geschrieben, weil mich diejenigen, die schon nach 2, 3 monaten fundamentalreformen erwartet haben, schon ziemlich geärgert haben. gut ding braucht weile. aber gut ding muß auch irgendwann kommen. und deswegen fallen meine postings in den letzten wochen bereits um einiges kritischer aus.

exile in mainstream
02
1.10.2011, 11:43

was an dir berg war haben sie geschleift, was an dir tal war haben sie zugeschüttet; über dich führt nun ein bequemer weg (b. brecht)

Franz Brannt-Wein
00
1.10.2011, 11:17
Die Stadt Wien betreibt eine eigene Homepage

Schon deswegen ist es geboten Inserate und Plakate auf ein äußerstes Minimum zu reduzieren - nämlich zur Information (!) der nicht digitalen Bevölkerung. Also weder zu Werbezwecken oder sonstigem sinnentleerten Larifari.

Bei dem derzeitigen "Informationsaufwand" besteht der Verdacht der mißbräuchlichen Verwendung von öffentlichen Geldern. (Da muss dann natürlich die Wasserrechnung etwas geschmalzener ausfallen, eh klar).

Nukularist
00
3.10.2011, 13:38
Problem? Lösung!

Inserate ohne Parteinamen/-Logos sowie Namen oder Fotos gewählter Repräsentant/innen.

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