Privatkapital: Ein scheues Reh, das es anzulocken gilt

1. Oktober 2011, 12:05

"Club Research": Experten vermissen in Österreich eine Kultur des Mäzenatentums

Wien - Um das von der Bundesregierung angepeilte Ziel einer Forschungsquote von 3,76 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) bis 2020 zu erreichen, müsste zukünftig vermehrt Geld aus verschiedensten Töpfen kommen. Doch privates Kapital ist ein scheues Reh, der Beitrag privater Geldgeber und Mäzene sei bei weitem zu gering, um dieser Zielsetzung signifikant näher zu kommen, waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Club Research" in Wien einig.

Vor allem was die Lukrierung von privaten Geldern für die Grundlagenforschung betrifft, gebe es in Österreich kaum vorzeigbare Beispiele. Den wahrscheinlich größten Erfolg auf diesem Gebiet kann das Institute of Science and Technology (IST) Austria vorweisen. Die im Vorjahr erfolgte Zehn-Millionen-Euro-Spende der Invicta Privatstiftung stelle aber bisher eine Ausnahme dar, wie der Managing Director des IST, Gerald Murauer, anmerkte. Für Murauer sei es ein erklärtes Ziel gewesen, von Anfang an professionell in die Einwerbung privater Fördermittel einzusteigen. "Es ist aber auch sehr viel Glück dabei, wenn es dann wirklich gelingt." Bisher konnte man am IST insgesamt 17 Mio. Euro an Spenden einnehmen.

Strukturen

Der Wirtschaftsforscher Andreas Schibany von Joanneum Research verwies auf die österreichischen Eigenheiten im Stiftungsrecht und auf den äußerst geringen Anteil gemeinnütziger heimischer Stiftungen. Schibany führte ins Treffen, dass forschende Unternehmen und somit der private Sektor in der Vergangenheit überproportional von den Steigerungen der staatlichen Aufwendungen für Forschungsförderung profitiert hätten. Es brauche nun aber deutlich mehr Anreize, um Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen Investitionen in Forschung schmackhafter zu machen.

Die private ZEIT-Stiftung schüttet in Deutschland jährlich etwa 20 bis 30 Mio. Euro für Wissenschaft und Kunst aus. Deren Präsident, Michael Göring, schätzt den Gesamtbetrag, der alljährlich in Deutschland aus gemeinnützigen Stiftungen tatsächlich in Forschung und Stipendien fließt, entgegen oftmals weit höher kolportierten Zahlen, auf etwa 800 Mio. Euro. Göring verweist darauf, dass große deutsche Stiftungen vor allem dort einspringen, wo staatliche Programme den Bedarf nicht abdecken. Als Beispiel nannte er die Geisteswissenschaften. Stiftungen sollten ihre Beiträge vor allem als "Seed Money" begreifen, kurzfristige Ergebnisorientierung solle hier nicht so sehr im Vordergrund stehen.

Bitte um Geduld

Auch Murauer plädierte dafür, dass in der Grundlagenforschung in langfristigen Zyklen gedacht werden müsse. Als Beispiel führte er das israelische Weizmann-Institut an, das erst etwa zwei Jahrzehnte nach seiner Gründung begonnen habe, schwarze Zahlen zu schreiben und heute eine der weltweit anerkanntesten Forschungsinstitutionen ist. "Dort steht nicht ständig jemand hinter den Forschern und fragt nach verwertbaren Ergebnissen", so der Murauer.

Für den Rektor der Universität für Bodenkultur, Martin Gerzabek, stellt nicht nur das Lukrieren von Spendengeldern für die Forschung ein Problem dar. Auch die finanzielle Ausstattung der Lehre sei problematisch, allerdings sei es hier noch einmal schwieriger, Sponsoren zu finden. Gerzabek strich positiv hervor, dass die Unis immer mehr zu projektbezogenen Partnern für Unternehmen werden würden. In diesem Bereich sei es immens wichtig, dass sich "langfristiges Vertrauen zwischen Forschern und Firmen entwickelt", was in weiterer Folge zu vermehrtem Kapitalfluss aus dem privaten Sektor führen könne.

Insgesamt orteten die Experten in Österreich eine fehlende Kultur des Mäzenatentums. Einigkeit auf dem Podium herrschte dahingehend, dass auch in Zukunft in erster Linie der Staat die Verantwortung zur Finanzierung von Grundlagenforschung tragen sollte, eine größere Bereitschaft zum Investment aus privatem Kapital aber unbedingt forciert werden müsse. (APA/red)

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10 Postings
Rigglerobber
00
3.10.2011, 17:38

Kapital ist kein scheues Reh, sondern eher gierig wie ein Wolf, schlau wie ein Fuchs und rücksichtslos wie ein Elephant im Porzelanladen.

dryeti
11
2.10.2011, 13:33
Haetten wir eine vernuenftige Besteuerung

des scheuen Rehs waere das Problem geloest.

her wig
03
2.10.2011, 08:54
Zielkonflikte

* Die Unis sollen Projektpartner der Wirtschaft werden
* Die Unis sollen Grundlagenforschung betreiben, da muss man über kurzfristige Erfolge hinaus denken
* Die Unis sollen Forschund und Lehre vereinbaren, und das für alle die studieren wollen
* Irgendwas mit Weltklasse war da auch noch, sowie der Sparzwang, Bologna und andere italienischen Städte, uvm.

Titus Petronius
21
2.10.2011, 06:14
Dass es bei uns kein Mäzenatentum gibt hat die Sozialdemokratie zu verantworten...

und zwar durch das jahrzehntelange Anstrengen und Herbeiführen von Neiddiskussionen und dem Druck die Gesellschaft immer noch neidiger zu machen.

Wenn jemand Erfolg hat, muss er betrogen haben. Wenn jemand Mäzen ist, kauft er sich ja eh nur politische Gunst. Wenn jemand mit Spenden Gutes tut, wird auf der Stelle gefragt, welche böse Ulteriore Ratio da wieder dahintersteckt.

Deswegen müssen Projekte wie das von Frau Bock von Herrn Haselsteiner unterstützt werden, während es die Gemeinde Wien sabotiert.

Das im Englischen so weit verbreitete 'Good for you!' existiert bei uns nicht.

Die Roten stehen für 'ich bin nicht besser als du wegen meiner Leistung, sondern weil ich dir ein Hackel ins Kreuz hau'.

Erfolg durch Sabotage. SPÖ

dryeti
00
2.10.2011, 13:36
ich bin Superreichen nichts neidig

und moechte keinesfalls mit denen tauschen,
trotzdem finde ich dass niemand ueber so viel Geld frei verfuegen sollte - weils der Demokratie zuwider laeuft.

Titus Petronius
00
2.10.2011, 16:40

Nein tut es nicht. Sie können Umengen an Geld besitzen, das widerspricht keineswegs der Demokratie. Mitspracherecht hat nichts mit Gleichverteilung zu tun.

Ganz im Gegenteil die erzwungene Gleichverteilung, wie im Sozialismus, das schafft Leistungsfeindlichkeit, es ist das staatliche Nachgeben in den Neid auf alle die mehr haben, und das zerstört jeden produktiven Wettbewerb. Unsere Spezies hat sich aus gutem Grund mit darwinistischen Prinzipien entwickelt.

Antidarwinismus wie sie die Sozialdemokratie betreibt, rottet auf lange Sicht gesehen nur die eigene Spezies aus.

Nick Tameer
00
1.10.2011, 20:37

... und so niedlich!

WAKU
01
1.10.2011, 17:21
Mäzenaten als Damwild.

In Ö gibt´s zu vüle Jaga, drumm wirds Reh net zutraulich.
Dazu fehlts den Nativen schlichtweg an Dialog- und Vertrauensfähigkeit.

her wig
00
2.10.2011, 14:24
Das Kapital als scheues Reh zu bezeichnen ist absurd

die kapitalistische Profitmaximierungsmaschine schickt das Kapital immer dort hin wo erwartet wird dass der meisste Profit zurück kommt. Momentan werden gewisse Schwellenländer davon überflutet, von "scheuem Reh" kann dort keine Rede sein.

Nick Tameer
00
2.10.2011, 15:04

"Geile Sau" wäre vermutlich treffender.

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