Die "rechte Hand" des kosovarischen Premiers Hashim Thaçi - Kopf des Tages
Der Kronzeuge war im März von Beamten der EU-Mission Eulex in Prizren abgeholt worden. Zu Bajram, dem Opferfest, hatte er mit seiner Familie im Kosovo telefoniert. Nun wurde Agim Zogaj tot in Duisburg aufgefunden. "Es handelte sich eindeutig um eine Selbsttötung. Er hatte eine depressive Vorerkrankung. Keine weiteren Ermittlungen" , sagt der Polizeisprecher. Zogaj hatte gegen den mächtigen Politiker und Ex-Kommandeur der Befreiungsarmee (UÇK) Fatmir Limaj, genannt Çeliku, ausgesagt. Limaj habe ihm Mordaufträge erteilt, so der Zeuge "X".
Wer im Kosovo Limaj zum Feind hat, hat Grund, schwer depressiv zu werden. Blerim Kuçi, der Bürgermeister von Suhareka, weigerte sich trotz Beugehaft, seine Erlebnisse mit Limaj im Gefangenenlager Klecka im Jahr 1999 zu schildern. Limaj werden dort Mord und unmenschliche Behandlung vorgeworfen.
Der heute 40-Jährige konnte sich nach dem Krieg nicht nur wirtschaftlich "absichern", er galt auch als unantastbar. Als 2003 ein Haftbefehl gegen ihn erging, flog er ins Ausland und behauptete lässig, er habe "gar nicht gewusst", dass er angeklagt sei. UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte tobte. Ihm konnte aber nichts nachgewiesen werden. Die Zeugen verhielten sich "zurückhaltend". Del Ponte sprach von Einschüchterung. Der fehlende Zeugenschutz war und ist eines der größten Probleme im Kosovo. Limaj wurde nach dem Freispruch wie ein Held empfangen. Premier Hashim Thaçi hatte sichtlich Respekt vor dem Vizechef sein Partei PDK.
2009 wurde Limaj von einem Agenten als Auftraggeber für Morde und Erpressungen genannt. Der inzwischen zum Transportminister Aufgestiegene kam auch ins Visier der Korruptionsfahnder. Im Frühjahr 2010 durchsuchte die EU-Mission Eulex das Ministerium und sein Privathaus. Medien meldeten, Limaj habe zehn Millionen Euro veruntreut. Nach den Wahlen im Winter 2010 war Limaj nur noch einfacher Abgeordneter.
Anfang September wurde dann die Anklage wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen erhoben. Seit vergangener Woche ist er unter Hausarrest, Eulex hat ihm diesmal den Pass abgenommen. Das Verfassungsgericht hatte zuvor gegen seine Immunität entschieden.
"Jeder weiß, dass ich unschuldig bin und dass ich während der Zeit der Anschuldigungen in Albanien war", sagt Limaj nun. Bevor sich Zogaj allerdings das Leben nahm, hat Eulex sieben Filme mit seinen Aussagen aufgenommen. Der Prozess soll Ende Oktober beginnen. (Adelheid Wölfl, STANDARD-Printausgabe, 1./2.10.2011)