OeNB ließ Geigenhändler jahrelang gewähren
Wien - Mit der Heimkehr von Dietmar M., dem Geigenhändler, gegen den
wegen Betrugs- und Kridaverdachts in Wien ermittelt wird und der in der
Schweiz in Auslieferungshaft sitzt, dürfte es noch bis Frühling dauern.
Der Händler soll wertvolle Geigen mit fremden Geld im Kreis ge-, und
verkauft haben (es gilt die Unschuldsvermutung), seine Gesellschaften
sind insolvent. Auch seine Schweizer Geigenbau M. GmbH ist in Konkurs;
das Verfahren wurde mangels Masse geschlossen. Das ist insofern
interessant, als M. gerade über diese Zürcher Gesellschaft bis zuletzt
große Deals abgewickelt hat, die ihm viel Geld brachten.
Vor allem die Oesterreichische Nationalbank (OeNB; M. schuldet ihr
825.
609,05 Euro) hat ihre Geschäfte mit M. über Zürich gemacht. Die OeNB hat
"eine Sammlung wertvoller Streichinstrumente und stand mit der M. GmbH
diesbezüglich in langjähriger Geschäftsbeziehung", heißt es in der
Forderungsanmeldung der Notenbank.
Wie die Geschäfte liefen wird dort genau dargestellt. 2007 forderte
die
OeNB von der M. GmbH den (vereinbarten) Rückkauf eines Cello für 710.000
Euro. Bei der Bank waren Zweifel an der (notabene: von einer M.
-Gesellschaft zertifizierten) Echtheit des Instruments aufgekommen, von
ihr beauftragte Gutachter bezifferten den Wert mit 200.000 Euro. M.
jedoch "versuchte, den Rückkaufszeitpunkt durch Korrespondenz ... und
Gespräche bis hinauf zum (damaligen) Gouverneur Liebscher möglichst weit
hinaus zu schieben", heißt es. Irgendwie einigte man sich dann doch, M.
sollte bis Jänner 2010 zahlen. Ihr Geld (im Cello-Fall 781.000 Euro) sah
die OeNB aber nie. Was sich aus ihren Schreiben auch ergibt: Am 13. Juni
2006 kaufte die Bank der Zürcher M. GmbH gleich zwei Violinen ab; allein
für eine Stradivari überwies sie flotte drei Mio. Euro.
Die Notenbanker zeigten größte Geduld mit ihrem Schuldner. Noch am 8.
Jänner 2010 wünschte sie M. per Mail ein "glückliches und erfolgreiches
neues Jahr; wir sind zuversichtlich, dass unsere ... Angelegenheit
gleich zu Jahresbeginn endgültig erledigt wird". M. ("Ich schließe
soeben einen großen Verkauf ab.") bat erneut um Zahlungsaufschub, am 13.
Jänner antworteten die Banker. "Wir wünschen Ihnen viel Erfolg für den
Abschluss Ihres Geschäfts", man könne aber "bei allem Verständnis für
die mitunter rauen Zeiten im Berufsleben eines Kaufmannes keine weiteren
Verzögerungen akzeptieren". Erst dann reichte die OeNB Klage ein. (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 1.10.2011)