Rot-Grün

Handerl geben und Haxerl stellen

Analyse | 30. September 2011, 18:16
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    foto: standard/cremer

    Glückliche Koalitionspartner zur Fixierung von Rot-Grün.

Vor knapp einem Jahr ging der Wiener SP die absolute Mehrheit flöten, seither regiert sie erstmals mit den Grünen - Beide Parteien demonstrieren Harmonie, über viele Vorhaben wird dennoch heftig gestritten

Kurz vor dem Ziel dann plötzlich die Vollbremsung. Eine ganze Weile sah es so aus, als hätte sich die Stadtregierung auf neue Öffi-Tarife geeinigt. Bürgermeister Michael Häupl (SP) ließ verlauten, er halte die Jahreskarte um 365 (statt 449) Euro für vernünftig, die Grünen pflichteten begeistert bei. Doch dann schlug die neue Wiener-Linien-Geschäftsführerin Alexandra Reinagl eine Anhebung auf 500 Euro vor. Seither streitet die Stadtregierung wieder über die Preise für Bus, Bim und U-Bahn.

Der Konflikt wird die erste rot-grüne Landesregierung Österreichs nicht ins Wanken bringen. Er zeigt aber, wie wenig die Koalition bisher ihren eigenen Ansprüchen gerecht wurde. Schließlich ist die Tarifreform nicht das einzige Vorhaben, das stockt. Darüber kann auch das ständige gegenseitige Loben nicht hinwegtäuschen. In Wien werde "nicht geärgert um des Ärgerns willen oder um dem anderen eines auszuwischen", sagte Häupl vor wenigen Tagen im STANDARD-Interview. Als "gut und angenehm" empfindet er die Koalition.

Hinter der betont freundschaftlichen Fassade kann man sich ein paar koalitionsinterne Bösartigkeiten offenbar trotzdem nicht verkneifen. Das Vorpreschen einer von Finanzstadträtin Renate Brauner (SP) eingesetzten Beamtin in der heiklen Öffi-Frage sehen viele Grüne jedenfalls als rote Retourkutsche für das Einmischen des Juniorpartners in den Streit ums kleine Glücksspiel. Nachdem sich die Rathaus-SP wochenlang mit der Basis gematcht hatte, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen, erklärte der Koalitionspartner, man werde keinen neuen Spielautomaten mit Landeslizenz zustimmen - und bescherte der roten Basis einen Triumph.

Diesen Schachzug darf die kleine Regierungspartei als Erfolg im rot-grünen Kräftespiel verbuchen. Im Koalitionsabkommen lässt sich das Ende des landesgesetzlich erlaubten Glücksspiels allerdings nicht als erledigt abhaken, denn dort kommt es gar nicht vor. Sehr ausführlich hat man sich hingegen der Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung gewidmet. Sie wurde anfangs als zentrales gemeinsames Projekt propagiert. Inzwischen ist die diesbezügliche Euphorie allerdings verflogen - jedenfalls bei den Roten. Die grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou muss nun diverse Bezirks-SPler von der Sinnhaftigkeit des Parkpickerls überzeugen. Bürgermeister Häupl hat nicht vor, ihr dabei zu helfen. "Wir haben keine kollektive Führung", sagt er.

Offene Kritik an roter Spitze

Häupl selbst strahlt so viel Freude am Regieren aus wie schon lange nicht mehr. Seit am 10. Oktober 2010 die heißgeliebte rote Absolute flöten ging, brodelt es ordentlich unter der roten Decke. Selten trugen die Genossen ihre Konflikte so offen aus, selbst die roten Gewerkschafter kritisieren die Partei ungeniert. Und eine weitere Wahl trauen einem noch so agilen Häupl nur die wenigsten zu, also wird sich bald die Nachfolge-Frage stellen - wobei sich jeder vierte Wiener SP-Wähler laut einer vom Standard in Auftrag gegebenen Umfrage Sozialminister Rudolf Hundstorfer an der Spitze der Landespartei wünschen würde (siehe Artikel unten).

Egal, wer nach Häupl die Stadt regieren wird - sein (oder ihr) erklärtes Ziel muss sein, die absolute Mehrheit zurückzuerobern, denn erst dann ist für die Genossen die natürliche politische Ordnung wiederhergestellt. Ein Bundeskanzler und ein Staatssekretär, die ihre angeblich unlautere Inseratenpolitik im Wiener Wohnbau-Ressort perfektioniert haben sollen, sind da nicht gerade hilfreich. Dass Werner Faymann im Bund scheitert und die SPÖ aus dem Kanzleramt fliegt, hoffen dennoch einige Genossen, die meinen, für neue rote Höhenflüge in Wien brauche es das Feindbild Schwarz-Blau im Bund.

Wenn es um Rochaden in der Landespartei geht, fällt immer wieder der Name Renate Brauner, auch wenn Ablösegerüchte offiziell heftigst dementiert werden. Mit der Finanzstadträtin dürfen es sich Rote wie Grüne in den nächsten Wochen keinesfalls verscherzen, gilt es doch, das Budget auszuverhandeln. Dass sich Brauner dabei vom Junior-Koalitionspartner allzu viel dreinreden lässt, darf freilich bezweifelt werden. Schließlich ist die politische Chefin der Wiener Linien auch bei den Öffi-Tarifen eine beinharte Verhandlerin.(Andrea Heigl, Martina Stemmer, DER STANDARD, Printausgabe, 1./2.10.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 55
1 2
august underground
 
11
2.10.2011, 13:18
So ein Unsinn.

Niemand in der Wiener SPÖ wünscht sich Schwarz/Blau im Bund nur um bei der Gemeinderatswahl besser abzuschneiden.

strolch25
13
2.10.2011, 06:54
Tempo 30

Eine Vorschrift muß begründet sein. Mit dem 2.Gang (hohe Drehzahl) 30 fahren oder im 4. 50 ? 30er Zone entlang der Friedhofsmauer, vis a vis Schrebergärten,
um 3 Uhr früh, wegen der Totenruhe? Wann kommt die Winterreifenpflicht für Fahrräder?... es reicht...

Waldorf
 
22
2.10.2011, 09:40

Ahja, man kann also nur im Zweiten 30 und im Vierten 50 fahren. Im Dritten 30 - 40 ist dann technisch wohl nicht möglich?

bula sagt
02
2.10.2011, 02:40
muss dem vorposter recht geben

herrlicher titel und herrliches foto.
sagt alles.
häupl hat trotz wahlverlusten eine win win situation vorgefunden und sie optimal genutzt.
durch die koalition mit grün, hat er den stadtschwarzen nicht nur eine stange dynamit mit brennender lunte in die lichtenfelsgasse geworfen.
wenn es die wiener övp zerreisst werden sich rote trauerkundgebungen in grenzen halten. den grünen kommt man mit zuckerbrot und peitsche. ob sie ein paar prozentpunkte verlieren oder gewinnen ist für`s erste wurscht.
brenzelig wird`s nur wenn die mindestens 51-53 % in gefahr sind. aber das kann man sich ja mit dem neuen wahlrecht und dem dazu zu vermutenden grünen umfaller (absprung aus der "notariellen" dreieropposition ) vielleicht noch einmal richten.

Hatmal Fatal Error
10
2.10.2011, 12:30
Häupl ist nicht dumm!

jimmydean
10
2.10.2011, 09:05
wobei man schon sagen muss

dass die grünen in diesem einen jahr mehr durchgesetzt haben, als die schwarzen in den fünf jahren von 1996 - 2001... das einzige was von häupl - görg noch in erinnerung ist, ist die wahlrechtsreform, und die war nicht unbedingt glücklich für die övp...

Ui Jessasna
04
1.10.2011, 21:29
Herrlich der Titel,

und das Foto noch dazu, treffender geht's nicht mehr....:)))

f gut
01
1.10.2011, 20:01
................also,........................

............merken tut man die Grünen in der Wiener Lokalpolitik eigentlich gar nicht.
Schaut aus wie früher, die Politik!

f gut
00
1.10.2011, 20:00
............alsö,.........................

01052004
01
1.10.2011, 19:59
ach

rot und grün sind in wien ZWEI parteien??? ich denk, die grünen sind die ankünder und piudel von rot...

na_derdingseben
34
1.10.2011, 16:05
WO bleibt Afdecker Pilz?

Wenn es um die roten Milliarden der AVZ Stiftung geht? Wieso schmeissen sich die Grünen nicht auf die Inseratenvergabepolitik der Stadt Wien?

Kann es sein das man plötzlich - da man selbst in einer Regierung sitzt - nun doch nicht mehr so "aufdeckerisch" sein will?

Tempo 30 für den Innenstadtverkehr ohne Ampeltaktungen oder Geschwindigkeiten der Öffis auf den Hauptverkehrsadern zu berücksichtigen. Die Staus und der Feinstaub die daraus resultieren werden sind allerdings egal, die treffen die GRÜNEN im 19.Bezirk nämlich nicht, nur die Anrainer neben den tollen 30er Zonen. Tolle GRÜNE Politik!

2013 - PAYDAY! - GENOSSEN.

Laiseka
11
1.10.2011, 17:23
Schaun Sie,

Argumente pro 30er gibts genug. Es handelt sich hierbei um Nebenstraßen und dort können Sie eh nie mehr als 500m ohne Kreuzung durchfahren... .

na_derdingseben
23
1.10.2011, 16:10
Oh!

Und auf die SOZIALE Art und Weise den Menschen die Gebühren auf Wasser zu erhöhen, hab ich fast vergessen! Von GRÜNEN und ROTEN!

Hauptsache nur keine Misswirtschaft anpacken!

100 EURO Öffitickets für "sozial-bedürftige"? - NA KLAR! MACH MA! Was - das kostet mehr? Egal , die Autofahrer werden's schon zahlen - DAS WAHLZUCKERL! Radfahrer werden ja auch extra zur Kasse gebeten wenn Autobahnen saniert werden!

Laiseka
42
1.10.2011, 17:25
Mit Verlaub,

aber ihre Behauptungen sind falsch. Die Stadt Wien hat dank einer international beachtenswerten Verkehrspolitik (an der sicherlich Verbesserungen möglich sind) sehr geringe Ausgaben für Verkehr. Vergleichen Sie das mit z.B. Houston, wo der MIV Anteil wesentlich höher ist, dann werden Sie sehen dass 2/3 mehr des Budgets für Verkehrsausgaben draufgehen ... .

Diese ahnungslosen Verkehrspostings sind echt das letzte... .

Adolf Ogi
04
1.10.2011, 19:36
Houston

das Zentrum der texanischen Ölindustrie. Super Vergleich.

Laiseka
00
6.10.2011, 10:56
Für Sydney z.B.

gilt das gleiche.

Allmächtiger Satan
43
1.10.2011, 16:04

Häupl ist der Gaddhafi und Berlusconi von Wien. Mit Demokratie hat der schon lange nix mehr zu tun.

karl65
62
1.10.2011, 13:50
Rot/Grün als Lichtblick

Dieses Dauergesuder ist echt unerträglich. Egal welche Regierung, immer passt was nicht. Wenn wir mit einer Regierung unzufrieden sind, abwählen. Nur mit der FPÖ in einer Regierung wird's halt richtig teuer.

Milchleber
14
1.10.2011, 13:25
Piraten in Wien

fände ich sehr spannend und als wählbare Alternative.

Hoffe stark, dass sie bis zu nächsten Gemeinderatswahl noch aktiver in Österreich in Erscheinung treten.

Freigeistin1
00
4.10.2011, 10:44

Theoretisch richtig. Praktisch, falsch. Schauen Sie sich einmal das "Programm" der Piraten an. Wenn Sie für die Legalisierung von Inzest sind, können sie diese mit gutem Gewissen wählen.

random25
00
2.10.2011, 15:10

wieso die nehmen dann den grünen die stimme weg

.MS.
41
1.10.2011, 13:06
Die SPÖ muss den Grünen in Wien ein paar Erfolge schenken

Wenigstens in Bereichen, die sozial vernünftig sind - z.B. Jahreskarte für 100€ - dafür Citymaut, oder dergleichen.
Sonst verlieren nach der Wahl beide Parteien - an Blau und Schwarz.

Functio Laesa
03
1.10.2011, 17:21
Am Ende muß jeder der sich an der Macht halten will

an die Wähler Geld verteilen. Wurscht welche Partei! Aber das Geld geht natürlich immer an das eigene Wahlklientel.

Walter J. Ferstl
00
1.10.2011, 13:56
Unwahrscheinlich.

Eher umgekehrt:

Die SP will sich bei der nächsten GRW/LTW von den Grünen ein paar Prozentpunkte schenken lassen...

florus flagrantius
09
1.10.2011, 10:31
hundstorfer - ich denk' die spinnen - der grösste asoziale schleim

der nur durch sesselpicken und anwesenheitslisten weiter kam - der totengräber der wr.soz-dem. Partei

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