Nationaler Sicherheitsrat: "Außerordentliche" Gefährdung durch Kundgebungen
Belgrad - Die für Sonntag angekündigte zweite
Gay-Pride-Parade in Belgrad wird nicht stattfinden. Die Polizei hat
laut dem Sender B-92 alle für das Wochenende angekündigten
Kundgebungen in der serbischen Hauptstadt untersagt. Dies sei nach
Beratungen mit anderen Staatsinstitutionen erfolgt, berichtete der
Sender. Der Nationale Sicherheitsrat habe am Freitagnachmittag
festgestellt, dass die nationale Sicherheit durch die Abhaltung
geplanter Kundgebungen "außerordentlich" gefährdet wäre.
Innenminister Ivica Dacic hatte am Vormittag erklärt, dass die
Polizei die Regenbogenparade verbieten werde, sofern sie nicht von
den Veranstaltern selbst abgesagt werde. Die Schwulenparade wurde
auch vom serbich-orthodoxen Patriarchen Irinej als "Parade der
Schande" kritisiert.
Mehrere nationalistische Organisationen haben für das
Wochenende
Kundgebungen in Belgrad einberufen. Die Polizei vermutet laut
Innenminister Ausschreitungen in verschiedenen Stadtteilen, aber auch
im Landesinneren. Dies würde die Polizei daran hindern, die
Teilnehmer der Schwulenparade zu schützen.
Bei der ersten Gay-Pride-Parade im Vorjahr war es zu
Auseinandersetzungen zwischen Paradengegnern und der Polizei
gekommen. Rund 130 Ordnungshüter wurden verletzt. Die Schwulenparade
selbst verlief reibungslos. 5.000 Polizisten waren im Einsatz. So
viele sollten auch am Sonntag eingesetzt werden.
Der Staat habe kein Recht, sich vor Gewalt zurückzuziehen,
wurde
die Polizeientscheidung von der mitregierenden Liga der
Vovjodina-Sozialdemokraten kritisiert. (APA)