Pro & Kontra

Stadtrundfahrt

3. Oktober 2011, 11:44
  • Artikelbild
    foto: georges schneider, ap/jae c. hong, david willems, dani ma'rais

    Eine heiße Sohle am Asphalt oder das Erforschen des chronischen Erschöpfungssyndroms?

Pro: "Wir sind das!" von Tanja Paar - Kontra: "Stress auf Rädern" von Ljubisa Tosic

Pro+++
Von Tanja Paar

Die Touristen, das sind immer die anderen. Die verschwitzt an ihren Reiseführern oder neuerdinhgs Smartphones herumfingern, mitten im Verkehrsfluss stoppen, um ihre Kameras hochzureißen und bei der Bestellung in der Landessprache radebrechen. Peinlich!

Ganz genau - und zu dieser Peinlichkeit müssen wir endlich stehen. Die Touristen, das sind wir! Und klettern in einer fremden Stadt folgerichtig in einen Touristensightseeingbus. Das hat nämlich viele Vorteile. Wir müssen uns nicht die Hacken wundrennen und zu Fuß viel mehr Kilometer auf heißem Asphalt zurücklegen, als uns das zu Hause jemals in den Sinn kommen würde. Wir müssen uns nicht hoffnungslos verirren und dabei immer noch cool tun. Wir können uns in kurzer Zeit einen guten Überblick verschaffen, um dann erst gezielt in unsere neuen Lieblingsviertel vorzustoßen. Und - ganz wichtig - wir müssen nicht quengelnde Kinder davon überzeugen, dass sie Touristen sind und sich gefälligst für die fremde Stadt zu interessieren haben. Im Touristenbus kann man nämlich ausgezeichnet Nintendo spielen.

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---Kontra
Von Ljubisa Tosic

Es ist natürlich angenehmer, in einem vollgestopften Doppelstockbomber zu sitzen, als von einem solchen überfahren zu werden. Abgesehen von diesem die langfristige Lebensplanung betreffenden Vorteil sind Bildungsreisen auf feisten Rädern jedoch entschieden abzulehnen. Die Atmosphäre einer Stadt durch dickliche Scheiben hindurch zu erleben ist nur für Leute sinnvoll, die Panik vor großen Plätzen ihr Eigen nennen und sich als Kontrast eine Dosis Klaustrophobie gönnen wollen.

Dann der straffe Zeitplan - er empfiehlt sich nur für jene, die das chronische Erschöpfungssyndrom erforschen wollen ("Bitte einsteigen! Nach den sechs Museen besuchen wir zur Abwechslung die Kathedrale! Es sind nur 1859 Stufen bis zu deren Spitze!"). Sicher kann eine Rundfahrt unerwartet an Spannung zulegen. Dafür jedoch muss der Fahrer durchknallen, von der (sein Leben prägenden) Route abweichen und zwecks Seelenmassage kurz durch das nächste Kaufhaus düsen. Für solch Grenzerfahrung garantiert natürlich kein Reiseveranstalter. (Der Standard/rondo/30/09/2011)

Thank God I'm A Country Boy
01
3.10.2011, 19:36

ich fand die Dinger früher auch spießig, bis wir einmal aus der Not heraus- drei Stunden Aufenthalt durch Zugfehlplanung in einer sehr netten Stadt - uns mal sowas gegeben haben- das war sehr nett und nach der Rundfahrt war noch Zeit, nett essen zu gehen- ich hätte ohne das Ding nie so schnell so nen netten Eindruck von ebenjener Stadt bekommen können.

Set dem finde ich nichts dabei auch mal so nen Bussightseeingdings mitzumachen- nicht ganz am Anfang, da geh ich gerne mal auf Glück spazieren, aber halt dann mal.. Wenn man wenig Zeit hilft es sich einen Überblick zu verschaffen, und wenn man viel Zeit hat, kann man so die Sehenswürdigkeiten "auch" sehen, die man selbst nicht so spannend findet und sich auf nettere Dinge konzentrieren.

Chocoholic
00
3.10.2011, 23:00
Ging mir auch ähnlich und ich liebe es, vor allem, weil ich aus gesundheitlichen Gründen nicht so viel gehen kann.

Pogled
00
3.10.2011, 18:15

Ein Stadt sehen kann man zur Not auch durch Fensterscheiben. Eine Stadt erleben nur zu Fuss.

princess of fame
00
3.10.2011, 15:44
Touristenguide, Paragraph 5

Wer mit Kindern im Quengelalter einen Stadtbesichtigungsurlaub macht, wird mit mindestens 2 Rundfahrten pro Wochenende bestraft.
;-)

cipf
 
01
3.10.2011, 13:03

War in Dublin gewesen und einen roten Bus ausgenützt. War seeeehr hilfreich.
Habe mir vorgenommen, mal auf einen in Wien auf zu hoppen um zu sehen, was es - lt. Profis - so zu sehen gibt! :-))

Laughing Magician
00
3.10.2011, 12:44

man könnte natürlich auch am 1. tag des aufenthalts eine stadtrundfahrt machen, und dann an den folgenden tagen die orte aufsuchen, die einem da gefallen haben, oder aufgefallen sind...

Gerhard Müller
00
3.10.2011, 17:56
Japaner und Amerikaner in Europa

haben keine folgenden Tage in der besuchten Stadt!

Europe (complete) in 12 Days, das ist das Programm!

Chocoholic
00
5.10.2011, 08:57
Und wie oft waren Sie schon in Japan?

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