Seestadt Aspern

Erste Mietwohnungen "mit Pech erst 2015"

Martin Putschögl, 3. Oktober 2011, 06:15

Sozialbau-Chef Ludl berichtet von Problemen mit Widmungen und bei der Baurechtsvergabe - Aspern-Projektleiterin Spieß: "Bin in alle Prozesse eingebunden"

Die Seestadt Aspern nimmt Formen an, aber nicht so rasch, wie einige das gerne hätten. "Manche waren sehr optimistisch", sagt Herbert Ludl, Vorstand der Sozialbau AG, im Gespräch mit derStandard.at. "Mit Glück" könnten die ersten Bewohner der Asperner Genossenschaftsbauten Ende 2014 ihre neuen Wohnungen beziehen, "mit Pech aber auch erst 2015."

Die 2000 Wohnungen, die die Sozialbau in Aspern bauen will, seien de facto auf Schienen, aber es hapere noch bei den Widmungen und den Grundstücks- bzw. Baurechtsübertragungen. "Geklärt ist, wie das ablaufen soll, aber erledigt ist es noch nicht", sagt Ludl etwas ernüchtert, räumt aber auch ein: "Das sind amtswegige Verfahren, so etwas braucht eben seine Zeit."

Als Herausforderung "eine ganz eigene Liga"

Die ersten Liegenschaften der MA 69 könnten bis Ende dieses Jahres ihre Besitzer wechseln, danach müsse man ein ganzes Jahr für die Erlangung der Baureife, also sämtliche Planungsarbeiten, einrechnen. Dann benötige man noch ein bis zwei Jahre für die eigentlichen Bautätigkeiten, wobei es auch innerhalb der einzelnen Projekte noch "mit Sicherheit" zu Verschiebungen von bis zu einem Jahr kommen werde.

Grundsätzlich zweifelt Ludl nicht am Willen aller Beteiligten, hier an einem Strang zu ziehen. "Die Seestadt Aspern spielt eben als Herausforderung in einer ganz eigenen Liga. Die große Frage ist, ob es gelingt, aus dem Nichts eine lebenswerte Satellitenstadt zu bauen." Die Voraussetzungen dafür seien jedenfalls nicht die schlechtesten, so der Sozialbau-Chef.

Projektleiterin nahm Arbeit auf

Damit das Vorhaben auch tatsächlich gelingt, hat die Stadt Wien vor kurzem eine eigene Projektleiterin für die Seestadt abgestellt. Ihr Name ist Christine Spieß, sie hat ein Büro mit derzeit fünf Mitarbeitern in der Neutorgasse im 1. Bezirk. Bis Ende August war Spieß Dienststellenleiterin für die Wiener Kindergärten in der Magistratsabteilung 10. In drei Jahren will sie ihr Büro in der Seestadt beziehen, sagt sie im Gespräch mit derStandard.at.

Ihren neuen Job sieht sie vor allem als "koordinierende, steuernde Funktion" an, fügt aber gleich hinzu: "Mit Weisungsbefugnis." Am Werden der Seestadt seien zahlreiche "große Player" beteiligt, namentlich zählt sie den Wohnfonds Wien, die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) und die Entwicklungsgesellschaft Aspern 3420 auf, dazu kämen außerdem "viele, viele Magistratsabteilungen". Die Stadt habe sich überlegt, dass sie hier jemanden brauche, der bzw. die "die Fäden in der Hand hat. Ich bin in alle Prozesse eingebunden."

"Jetzt geht's los"

Derzeit sei sie noch dabei, Informationen zu sammeln, ein Monitoring aufzubauen. Gleichzeitig ist sich Spieß bewusst, "dass es jetzt losgeht". Die Bauträger-Wettbewerbe für die 1. Etappe im Süden des ehemaligen Flugfelds sollen in Kürze starten, Spieß ist zuversichtlich, dass die ersten Bewohner schon 2014 in der Seestadt einziehen werden.

Mit großangelegten Stadtentwicklungskonzepten der Vergangenheit hat sie sich auseinandergesetzt, erklärt sie, "und ich weiß deshalb, was in Aspern alles nicht sein wird": Kein großes Einkaufszentrum etwa, sondern ein Geschäftsboulevard mit kleineren Geschäften, "wo man gerne hingeht". Die Entwickler wollen bekanntlich "lebendige" Erdgeschoßzonen schaffen, es soll unter allen Umständen vermieden werden, dass aus der See- eine reine Schlafstadt wird.

"Eine Wiese, wo man reinhüpfen kann"

Aber wird aus der See- auch eine "Bewegungsstadt", wie dies Klaus Vavrik, Vizepräsident der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit, kürzlich in einem Blog-Beitrag einforderte? Er hält einen "gesundheitsfördernden Lebensraum", mit "vielerlei verschiedenen Bewegungsmöglichkeiten wie Grünräume, Kindergärten, ein Schwimmbad, Sportplätze etc.", für absolut notwendig, denn "Kinder und Jugendliche brauchen Anerkennung und müssen ihrem Bewegungsdrang Luft machen können". Wird man im namensgebenden See des neuen Stadterweiterungsgebiets also künftig schwimmen können, oder nicht? "Ja", bestätigt Projektleiterin Spieß, "es ist geplant, dass es eine Wiese am See geben wird, wo man reinhüpfen kann".

Sie will sich außerdem darum kümmern, dass es schon einen Kindergarten in der Seestadt gibt, wenn die ersten Familien - die Projekte der fünf anerkannten Baugruppen dürften (wie berichtet) die ersten sein - ihre Häuser in der Seestadt beziehen. Der "Bildungscampus", der schräg vis-a-vis des Baugruppen-Baufelds D13 entstehen soll, wird nämlich frühestens 2015 fertig sein.

Die geebneten Wege zum Magistrat

Sozialbau-Chef Ludl bezeichnet es als positiv, dass mit Spieß nun eine "magistratsinterne Ansprechpartnerin" vorhanden ist. "Jeder, der die Wege zum Magistrat ebnet, ist für uns von Vorteil." Er sieht darin in erster Linie den Willen der Stadt ausgedrückt, sämtliche Vorgänge aus einer Hand zu organisieren. Denn, so sein Nachsatz: "Nur Wohnungen errichten kann ich ja selber auch." (Martin Putschögl, derStandard.at)

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Brel
02
4.10.2011, 08:52
Hauptsache,

Michael kann vor den nächsten Wahlen etwas eröffnen. Bitte vergesst das nicht bei all Euren Planungen! Freundschaft!

F. Ritzl
01
4.10.2011, 05:51
lebenswerte Satellitenstadt ...

Ist an dieser Idee nicht schon der gesamte Ostblock gescheitert?

nbergmann
00
18.10.2011, 09:21
ort hat man auf ubahn und see vergessen

stadtplanung kann schon etwas mehr!

José Atento
07
4.10.2011, 00:35
Solche künstlich in kurzer Zeit aus dem Nichts gestampfte Wohnwelten

sind mir ein Greuel.
Ohne gwachsene Strukturen sind die sozialen Probleme vorprogrammiert, aber das werden die roten in Wien leider niemals kapieren.
Die müssen so ihre typische Wählerklientel heranzüchten und in Wien halten.

nbergmann
10
18.10.2011, 09:22
wieso glauben sie es gäbe keine strukturen?

baugruppen!! - kennen sie sich aus?

florus flagrantius
17
3.10.2011, 23:56
eine kindergärtnerin als projektleiterin

da möchte ich den projektausgang erst gar nicht kennen

ernsthappel
02
4.10.2011, 09:18
sie

hatte was mit dem principe - ist das erkärung genug?

Reversi
 
12
3.10.2011, 23:48
Mit Glück 2014, mit Pech 2015, weil es Wien ist tatsächlich 2020.

Nur die U-Bahn ist natürlich schon 2013 fertig, was den Bauarbeitern und berichtenden Journalisten die Anfahrt enorm erleichtern wird.

Die Stimme
56
3.10.2011, 23:38

Und garantiert kommt eine 1,90m breite Straße mit Tempo 30, haufenweise Schwellen, Fahrradwege und Bushaltestellen mitten auf der Straße, aber ohne Parkplätze.
Die Leute leben ja eh von der Sozialhilfe, die brauchen nicht arbeiten fahren.
Und wenn, sollen sie sich eben zu den Sandlern in den Bus setzen - wen interessieren denn die Bedürfnisse der Leute schon.

José Atento
15
4.10.2011, 00:37

Diese Bewohner garantieren den Roten in Wien weiterhin die Mehrheit - das ist eine simple Strategie in Wien.

nbergmann
00
18.10.2011, 09:24
lieber neue wohnungen

als neue schwarzblaue wohnbauskandale

Zukunftsoptimist1
00
3.10.2011, 22:50
Die ersten Bewohner

sollen schon 2014 in der Seestadt einziehen, aber wahrscheinlich wird es sich Spießen.

SeMi70
16
3.10.2011, 21:55
und wohin führt die Anbindung?

An die jetzt schon überfüllte S2 (verlängerte A23). Das ist derzeit das Nadelöhr der A23. Das ganze Verkehrskonzept wird nicht funktionieren und die Politik glaubt und sagt dass es ja eine U-Bahn gibt... Was hat die U1 Verlängerung Kagran gebracht? Mehr Autoverkehr! Keine Parkplätze aufgrund von Pendlern, mehr Gsindel und jeder grüne Fleck wird von SP nahen Bauträgern zubetoniert...

BraS
 
02
4.10.2011, 14:39

natürlich wird im Nahbereich der U-Bahn gebaut.

Irgendwie müssen ja deren absurd hohen Gestehungskosten wieder eingespielt werden.

José Atento
11
4.10.2011, 00:38

Man sehe sich einmal das Zentrum von Kagran an.
Ist wirklich fast ein Albtraum, wie da die hohen Gebäude aus dem Boden gestampft werden.

yournamehere
 
02
3.10.2011, 21:15
"...aus dem Nichts eine lebenswerte Satellitenstadt zu bauen"

wird nicht funktionieren, und hat noch nie funktioniert.

Ausser man dreht am Begriff "lebenswert".

Deine Schwiegermutter
15
3.10.2011, 18:43

Bei diesen schönen Wohnprojekten kommt am Ende immer der Betonbunker mit Alibi-Grünstreifen raus. Naja, der Migrantenklientel gefällts anscheinend.

Der Busfahrer
027
3.10.2011, 14:21
als geborener wiener...

...gibts nur zwei realistische varianten:

erstens: der bau verzögert sich bis 2018 und kostet das doppelte..

oder:

es wird bis 2015 hingepfuscht und 10 jahre später ums selbe geld generalsaniert.

franz der freie
 
05
3.10.2011, 14:50
ich habe mir wortwörtlich das gleiche gedacht.

Rodrigo Higgings
00
3.10.2011, 18:55
Zwei Hirne...

...ein Gedanke......

thomas 2
56
3.10.2011, 12:49
so ein Unsinn! auf der grünen Fläche am Rande von Wien, ohne geeignete Strassen soetwas zu bauen!

noch dazu wo in Wien 80.000 Wohnungen leer stehen!

WRN
21
3.10.2011, 20:21

und die Mietpreise der Wohnungen die leer stehen schon mal angesehen?

Ich will persöhnlich keine 600€ für eine 60m² 2 Zimmer Wohnung im 3ten Altbaustock ohne Lift in einem miesen Bezirk ohne U Bahn Anbindung bezahlen

Da doch lieber ein schöner Neubau... mit Konzept und die öffentliche Anbindung wird wohl auch nicht so schlecht sein.

Angelika70
00
10.2.2012, 14:38

In ihrem schönen Neubau zahlens halt dann 900.- MM, kalt.

Zukunftsoptimist1
03
3.10.2011, 22:50
und die Preise geschmalzen.

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