Salzburg

Tschechien verweigert Leihgaben: Dom-Ausstellung gefährdet

30. September 2011, 15:24

Wegen der Beschlagnahme von tschechischen Kunstwerken durch ein Wiener Gericht lassen Museen ihre Kunstwerke nicht mehr ausreisen

Salzburg - Das Museum der tschechischen Stadt Politschka lässt seine Kunstwerke nicht nach Österreich ausreisen. Dies gefährdet eine Ausstellung im Salzburger Dommuseum, wo für Mai 2012 eine Schau zum 400-Jahre-Jubiläum von Erzbischof Markus Sittikus (1574-1619) geplant ist, berichtete der ORF Salzburg am Freitag auf seiner Homepage. Ohne die elf großformatigen Gemälde aus diesem Museum aber mache die Ausstellung in Salzburg keinen Sinn, sagte Peter Keller, Leiter des Dommuseums, im APA-Gespräch. "Diese Gemälde, darunter Porträts von Markus Sittikus als Bub, mit seinem Bruder, seiner Familie, der Hochzeit seiner Eltern in Rom im Hof des Vatikan sowie von seiner Ernennung zum Erzbischof im Jahr 1612 sind der Kern unserer Ausstellung."

Der Grund für die momentane Weigerung des Museums Politschka sowie auch anderer tschechischer Institutionen, Gemälde nach Österreich zu verleihen, liegt bei einem Gericht in Wien. Auf Antrag des Anwaltes Eugen Salpius, der für eine Pharmafirma ein Gerichtsverfahren gegen die Republik Tschechien gewonnen hatte, waren im Belvedere tschechische Kunstwerke beschlagnahmt worden. Dies sollte sicherstellen, dass Tschechien seine in diesem Rechtsstreit entstandenen Schulden in der Höhe von mehr als 120 Mio. Euro bezahlt.

Museums-Chef Keller bekundete Verständnis für das Museum in Politschka und sagte, er würde als Leihgeber in dieser Situation auch kein derartiges Risiko eingehen. Trotzdem bemüht er sich weiter und will für die Leihgaben Immunität erreichen. Dieser Status kann laut Keller sowohl von der Landesregierung als auch vom Bundesministerium verliehen werden. "Ich hoffe, dass darüber schnell eine Entscheidung fällt und dass die Verantwortlichen im Museum von Politschka das Rechtsinstrument der Immunität akzeptieren und die Bilder doch verleihen."

Die elf Gemälde gehörten ursprünglich zur Sammlung der Vorarlberger Familie Hohenems, die früh verarmte und nach Böhmen übersiedelte. Seit dem Krieg sind die Gemälde im Besitz des städtischen Museums Politschka. Sollte die Markus-Sittikus-Ausstellung jetzt abgesagt werden müssen, gibt es immerhin eine zweite Chance für das Dommuseum: 2019, also in acht Jahren, jährt sich der Todestag des für Salzburg besonders bedeutenden Bischofs zum vierhundertsten Mal. (APA)

Corello
 
00
30.9.2011, 16:58
"Die elf Gemälde gehörten ursprünglich zur Sammlung der Vorarlberger Familie Hohenems, die früh verarmte und nach Böhmen übersiedelte. Seit dem Krieg sind die Gemälde im Besitz des städtischen Museums Politschka."

Enteignung auf Grund der Benesch-Dekrete?

Andi Arroganti
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3.10.2011, 20:07

Die Hohenems haben ihr ganzes Geld im 17. Jahrhundert mit Erbstreiterein durchgebracht, um davon abzulenken haben sie Hexenverfolgungen initiiert. In Folge dessen wurde ihr Territorium an die Fürsten von Liechtenstein verkauft, heute heißt diese Gegend Fürstentum Liechtenstein. Bei diesem Kauf haben die Hohenems eine kleine Herrschaft in Böhmen erhalten und sind dorthin umgezogen. Wenn sie 1945 noch dort gelebt haben, sind sie wohl enteignet worden

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