EU

Signale für Verlängerung der Medizin-Quote bis 2016

30. September 2011, 13:30
  • Artikelbild
    foto: standard/cremer

    Die Quotenregelung beim Medizin-Studium soll bis 2016 verlängert werden.

Wissenschaftsminister in Brüssel: "Haben ein paar Jahre zusätzlich herausholen können"

Brüssel - Österreich kann seine Medizin-Quotenregelung mit Zugangsbeschränkungen für Studenten aus dem Ausland nach Worten von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) aller Voraussicht nach bis 2016 verlängern. "Wir haben die Signale direkt von Herrn (Kommissionspräsident Jose Manuel) Barroso, dass dieses Moratorium weiter läuft", sagte Töchterle am Freitag am Rande eines Forschungsministerrates in Brüssel. Auf die Frage, wie lang das 2012 laufende EU-Moratorium verlängert würde, sagte Töchterle, zunächst "einmal bis 2016".

Verlängerung erwirkt

"Wir haben ein paar Jahre zusätzlich herausholen können mit dem Hinweis darauf, dass wir länger brauchen, um die Auswirkungen auf die Abschlüsse im Medizinstudium abschätzen zu können", sagte der Wissenschaftsminister. Die Abschätzung dauere länger wegen der Umsetzung neuer Studien und wegen der Studiendauer. "Das hat eingeleuchtet in der EU", sagte Töchterle. Die Verlängerung betrifft demnach Medizin und alle Studien, bei denen Österreich eine Quotenregelung mit der Versorgungssicherheit begründet habe.

EU-Kommission: Verlängerung noch nicht zugestimmt

Die EU-Kommission hat hingegen klargestellt, dass sie einer Verlängerung des Medizin-Quotenregelung für Österreich noch nicht zugestimmt hat. Es habe tatsächlich einen Meinungsaustausch zwischen EU-Kommissionschef Jose Manuel Barroso und den österreichischen Stellen gegeben, aber von österreichischer Seite sei noch kein offizieller Antrag auf Verlängerung des Moratoriums gestellt worden, sagte ein Sprecher von Bildungskommissarin Androulla Vassiliou.

Die 2006 in den Fächern Human- und Zahnmedizin eingeführte Quotenregelung ist im österreichischen Universitätsgesetz geregelt. Demnach sind 75 Prozent der Studienplätze für Inhaber österreichischer Reifezeugnisse reserviert, 20 Prozent für EU-Bürger und fünf Prozent für Nicht-EU-Bürger. Diese Bestimmung ist demnach bis 2016 in Kraft, hieß es ergänzend aus dem Ministerium.

"Asymmetrische Mobilität"

Töchterle betonte, Deutschland habe bisher klar erkennen lassen, dass es nicht zur Finanzierung des österreichischen Universitätssystems beitragen werde, doch gebe es dennoch ein geändertes Bewusstsein in Europa. "Man weiß, dass es asymmetrische Mobilität gibt." Österreich habe das Thema auf die Agenda der polnischen EU-Ratspräsidentschaft gebracht. Polen treibe dies voran, es werde aber einige Zeit dauern, bis daraus konkret Konsequenzen folgten, sagte der Minister.

Euratom-Forschungsprogramm

Die EU-Forschungsminister segneten am Freitag in Brüssel den 118 Mio. Euro schweren Rahmen für das Euratom-Forschungsprogramm für die kommenden zwei Jahre ab. Töchterle verwahrte sich gegen Kritik der Opposition, Österreich sei bei der im Prinzip im Juni schon beschlossenen Beschlussfassung "umgefallen". "Von Umfaller kann keine Rede sein", betonte er. Österreich habe "nachhaltige Verbesserungen erzielt". Dem Programm nicht zuzustimmen, wäre unglaubwürdig und gegenüber den EU-Partnern nicht fair, sagte Töchterle.

Ein Verhandlungserfolg Österreichs sei die verstärkte Sicherheitsforschung im Bereich Strahlenschutz, Nicht-Weiterverbreitung von Nuklearmaterial, Alternativenergie und Ethik. Töchterle räumte ein, dass auch die Forschung an neuen Reaktoren von der Generation 4 Teil des Euratom-Programms ausmache, hielt dem aber entgegen: "Wir werden die Atomforschung in der Welt und ihre Anwendung nicht verbieten können als kleines Österreich." Es sei aber gelungen, diese neue Generation möglichst sicher zu machen. (APA)

Kommentar posten
11 Postings
rohrstaberl
23
2.10.2011, 09:29
ich bin SPÖ/Grünen wähler

und ausdrücklich FÜR den Eignungtest und zwar in allen Studienfächern, für Studiengebühren (bei gleichzeitiger großzügiger finanzieller Förderung von Anspruchsberechtigten), für Rückzahlung der Förderung, wenn der auf Steuerkosten Ausgebildete seinen Beruf im (EU) Ausland ausübt, eingeschränkte Zugangsquoten von Ausländern gemäß der Studienberechtigung in ihrem Heimatland (vor allem Deuschland nummerus clausus Studenten dürfen auch bei uns nicht studieren)
Die Universität muß wieder höchst anspruchsvolle Qualität bieten, alle Abschlüsse unter einem Magisterium gehören in Fachhochschulen.

smea_gol
10
2.10.2011, 15:40

vielleict sollten sie nochmal ihre politische position überprüfen.
das verkastete quadratdenken, dass sie hier präsentieren passt eher zur österreichischen verbrecher partei.

rohrstaberl
00
2.10.2011, 15:43
als verkastetes quadratdenken

wenn dem söhnchen vom herrn bankdirektor das steuergeld in form eines kostenlosen studienplatzes nachgeworfen wird.

smea_gol
00
2.10.2011, 23:42

ja, und der sohnemann vom buchhalter, und der sohnemann vom vorarbeiter, und der sohnemann vom fliesbandarbeiter.
nicht zu vergessen der sohnemann vom notstandshilfeempfänger, der sohnemann von der kleinen angestellten, die aber zum mittelstand gehört...
der sohn vom großgrundagrarier, der aber arm ist, weil daddio keine steuern zahlt, siehe begünstigungen für bauern.

wie ist das nun mit der grenzsetzung.
wenn sie schon mit blöden allerweltsklischees a la vp daherkommen, dann doch bitte im richtig gefärbten jacket. und das kann ned grün und auch kaum rot sein.
sie sind so rot/grün wie die vp christlich sozial ist.

rohrstaberl
00
3.10.2011, 07:54
dieses gießkannendenken der SPÖ habe ich immer schon als zutiefst ungerecht empfunden

jedes kind ist ihnen eben nicht gleich viel wert, denn es ist ein unterschied, ob ein kind aus armen verhältnissen gleich viel bekommt wie ein kind aus reichen, wobei der begriff reich sicher genau zu deifinieren wäre. aber das dürfte für mathematiker nicht so schwer sein. wenn die "gleichen" beiträge für die reichen nicht wären, dann könnten die ärmeren mehr bekommen. so schauts aus. also ein spruch, von der ÖVP nur allzugerne von der SPÖ übernommen, der eine krasse ungleichbehandlung zur folge hat.
auch wenn mein herz linbks schlägt, habe ich meine eigene meinung nicdht in die tasche gesteckt. und das paßt sicher den genossen nicht, wie man lesen kann.

e p4
00
1.10.2011, 13:02
wers glaubt

typisch wir, glauben wir versprechen eine detailierte analyse, schaffen die anlyse nicht wie versprochen, und glauben das uns damit automatisch aauch die ausnahme verlängert wird.
bin überzeugt das es das nicht spielt, ausser die union bekommt so große probleme das das ein nebenschauplatz wird und die vertäge eh nichts mehr wert sind

Got Your Nose!
00
30.9.2011, 18:24

auf 5 weitere jahre des dahinvegetierens!

exile in mainstream
01
30.9.2011, 16:36

die überschrift müsste lauten: töchterle signalisiert verursachung künftigen medizinerInnenmangels

Hosenträgerträger
10
30.9.2011, 16:12
Herr Töchterle! In der Medizin behandelt man keine Symptome!

Bitte eine Heilung und keine Symptombekämpfung - nur weil der/die gute Herr/Frau Wissenschaftsministerin in 5 Jahren eine andere ist, heißt das nicht, dass die Problemstellung eine andere ist.

FS4 - the science channel
22
30.9.2011, 15:32

Super... typisch österreichisch. Aufschieben und bloß nicht irgendwelche Reformen angehen oder in Brüssel für eine dauerhafte Lösung Lobbyismus betreiben. Fahrt doch zur Hölle.

smea_gol
02
30.9.2011, 14:41

damit sind weitere 5 Jahre universitäres Siechtum vorhergesagt, da nun von entsprechenden Lobbys kein Interesse an gesamteuropäischen Lösungen unerwünschter weil übermäßiger Migrations-Mobilität besteht.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.