Zentralmatura

ÖVP will Start "notfalls verschieben"

30. September 2011, 11:40

Bildungssprecher Amon sieht Vorbereitungsprobleme - Schmied: "Voll im Plan"

Wien - VP-Bildungssprecher Werner Amon stellt den geplanten Start der teilzentralen Matura ab 2014 an AHS und ab 2015 an berufsbildenden höheren Schulen (BHS) infrage. In der "Presse" (Freitagausgabe) spricht er davon, das Projekt "notfalls zu verschieben". Es gäbe "gravierende Probleme bei den Vorbereitungen auf die neue Deutsch- oder Mathematikmatura" und solange diese nicht beseitigt werden, dürfe der Schulversuch nicht österreichweit zum Regelbetrieb werden. Aus dem Unterrichtsministerium heißt es gegenüber der APA jedoch, man sei "voll im Plan und wird diesen auch in höchster Qualität einhalten können".

Kern der "neuen Reifeprüfung" sind österreichweit einheitliche Aufgaben in den Fächern Deutsch, Mathematik und lebende Fremdsprache. Diese werden derzeit vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) ausgearbeitet. Amon befürchtet dabei aufgrund der unterschiedlichen Niveaus an den Schulen eine "Nivellierung nach unten" und fordert eine "brauchbare Evaluierung" aller Versuche zur Zentralmatura.

Laut Bifie ist die Evaluierung der Schulversuche des Reifeprüfungstermins 2010/11 bereits abgeschlossen, ein Ergebnis soll "noch im Laufe des Oktobers" präsentiert werden. Derzeit nehmen 297 von 350 AHS am Schulversuch in den lebenden Fremdsprachen teil, eine Ausweitung auf BHS ist für das Schuljahr 2012/13 geplant. In Mathematik wird an AHS der Maturajahrgang 2014 bereits jetzt, also ab der 6. AHS-Klasse, "mit Feldtestungen begleitet", wie es aus dem Unterrichtsministerium gegenüber der APA heißt. Auch an den BHS beginnen die Vorbereitungsphasen mit Feldtestungen, dem "Herzstück der Evaluation". (APA)

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Carla Sociale
02
4.10.2011, 13:33
Die Fünfjahresplanung hat schon in der DDR nicht so super funktioniert.

chem
00
3.10.2011, 11:20
Kein Wunder daß es bei der Deutsch- oder Mathematikmatura Probleme gibt - da macht ja jeder Lehrer genre seine "Lieblingsthemen" ohne auf den Lehrplan wirklich zu achten.

Quasselmodo
01
3.10.2011, 10:02
Reform auf österreichisch:

Das heißt etwas Fragwürdiges (Matura) durch Schwachsinniges aufzupeppen, damit wirklich nichts mehr herauskommt (Zentralmatura).
Den Restsinn der Matura sehe ich in der Übung, dass sich der Schüler entsprechend den Vorgaben des Chefs (in diesem Fall des Lehrers) mehr oder weniger eigenständig um ein konkretes Aufgabengebiet kümmert.
Die Zentralmatura torpediert genau diesen Restsinn zugunsten von inhaltslosen Geschwafel zu einer möglichst allgemeinen Aufgabe.
Daher muss die Devise lauten: Matura abschaffen statt reformieren!

D/E
12
3.10.2011, 10:00
Ich finde es interessant, wie hier offensichtlich fast alle an den Fakten vorbei lesen:

Nach Auskunft des Bifie beginnt die Begleitung des AHS-Maturajahrganges 2014 jetzt erst (also mitten in der Oberstufe), die BHS kommt überhaupt erst nächstes Jahr dran.

Na, wenn das nicht rechtzeitige Planung ist.

Feuergeist
 
00
4.10.2011, 09:36

Frage: das ist doch eigentlich eine Arbeitserschwerniss für Lehrer (denk ich halt). Hat die Gewerkschaft dagegen was unternommen?

D/E
00
4.10.2011, 11:06
Soviel ich weiß,

wird momentan dauerverhandelt, nicht nur um die neue Reifeprüfung. Die Erschwernis ist ja momentan nicht akut, da man ja ohnehin nur raten kann, ob und wie die neue RP aussehen wird.

Feuergeist
 
01
4.10.2011, 14:27
Keine Ahnung wie es jetzt aussieht

aber wie ich in die Rosensteingasse eingetreten bin waren wir 32 Schüler. Am ersten tag wurde uns gesagt das es bei guten Klassen sechs Leute schaffen mit Matura abzuschliessen. Bei uns waren es dann sechs Leute und vier haben abgeschlossen (das war in den 80ern). Mir kommt das Verhältniss der erfolgreichen Maturanten irgendwie zu hoch vor. Wir haben in den vergangenen Jahren "künstlich" Ingeneursplätze geschaffen und dadurch das Handwerk abgewertet. Ichbitte um Informationen aus erster Hand. Danke

D/E
00
4.10.2011, 15:22
Die Abbrecherquote liegt aber schon sehr weit über dem,

was HTL sonst so produzieren. Je nach Fachrichtung sind es (immer noch erschreckende) 40 bis 50%, die die Schule ohne Abschluss verlassen.

Ein Teil davon konnte früher durch Fachschulen aufgefangen werden, die jedoch wegen der hohen Kosten (mehr fachpraktischer Unterricht) mehrfach reduziert wurden.

Die Abbrecherzahlen werden allerdings relativiert durch die ersten Jährgänge, in denen sich sehr viele Schüler/innen befinden, die entweder in die HTL genötigt wurden oder ganz einfach das letzte Pflichtschuljahr abdienen wollen.

Außerdem sollte man bedenken, dass inzwischen über 60% der Oberstufenschüler/innen BHS besuchen. Ein Gutteil wäre vermutlich in einer AHS besser aufgehoben.

Feuergeist
 
00
4.10.2011, 16:09
Abbrecherquote

wie gesagt, das war in den 80ern. Nur, ich halte diese Zahlen für realistisch.
Mir erscheinen die Aktuellen zu hoch.

Feuergeist
 
00
4.10.2011, 15:40

Naja, die AHS hat halt den nachteil das sie zum Studium "zwingt". Ein HTL-Absolvent geht arbeiten und wird Ingeneur. Ein AHS-Absolvent geht arbeiten und wird...gar nichts.
Fakt ist leider auch das die HTL bei einem Studium nur sehr Bedingt Vorteile bringt. Ein Freund von mir hat Strukturchemie studiert und hat die Erfahrung gemacht das Rosensteingassenabsolventen nach dem ersten Studienjahr eingeholt sind. Da bietet die AHS dann doch die breitere Bildung als eine HTL. Auch da sollte man vielleicht ansetzen.

D/E
00
4.10.2011, 16:30
Dass der "Vorteil" der BHS-Abgänger/innen bei facheinschlägigen Studien

bald aufgebraucht ist, erleben wir immer wieder. Das dürfte daran liegen, dass akademisches Denken an BHS eher keine Rolle spielt und das mehrheitlich diejenigen facheinschlägig weiterstudieren, denen etwas Neues zu schwierig wäre.

Truhe
 
11
2.10.2011, 17:04

Die ÖVP gibt wieder mal mit dem linken Pedal Vollgas

G. Lavant
05
2.10.2011, 12:27
Was will man?

Will man Bulimiewissen (möglich viel reinstopfen, auskotzen und vergessen) oder Wissen in vernetzten Bezügen.
Für Zweiteres ist ein Paradigmenwechsel in der Bildung und Ausbildung notwendig. Derzeit gib es diese Ausbildung nicht, da Ausbilder, die dies lehren können, rar gesät sind. Überdies ist für diese Art des Unterrichts ein hohes Maß an verbaler Kommunikation notwendig. Da reichte es eben nicht, zu sagen: "Lest Seite ... bis ... und markiert die wichtigen Aussagen."
In Klassen mit bis zu über 30 Schülern ist nur Unterricht im Kasernenton und keine individuelle Kommunikation mit dem einzelnen Schüler möglich.
So bleibt eben nur die Behübschung mit Schlagworten und unerfüllbaren Forderungen an die Lehrer.

guzo
42
2.10.2011, 12:53
Stimmt - zum Großteil.

Denn auch in Klassen mit 36 SchülerInnen ist ein Unterricht "ohne Kasernenton" möglich: offenes Lernen (= ausgezeichnet geeignet für individuelles Fördern und Fordern in großen Klassen), projektorientiert etc., wennglich, wie Sie richtig schreiben, natürlich erschwert im Vergleich zu einer 20er Klasse.

Es kommt in Summe mE auf den Methodenmix an. Nach längeren Phasen des offenen Lernens etwa sehnen sich viele SchülerInnen wieder nach einem Frontalunterricht, nach einem guten, spannenden, interessanten, fesselnden LehrerInnen-Vortrag.

Aber nur Frontal-Unterricht mit hie und da ein paar Gruppen- oder Partnerarbeiten scheitert in so großen Klassen - aber auch in kleinen, was Nachhaltigkeit betrifft - tatsächlich. Da gebe ich Ihnen Recht.

Denker9
23
2.10.2011, 17:09

Leben Sie auf dem Mond? Kennen Sie wiener Hauptschulen? Projektorientiert zu arbeiten ist dann zielführend, wenn alle Kinder der Unterrichtssprache mächtig sind!

Hubert Ungeist
 
00
5.10.2011, 05:49
Aber bitte das wird jetzt alles besser

jetzt sind es Gesamtschulen - und damit gibts das Problem der Unterrichtssprache plötzlich nicht mehr - und wer was dagegen sagt ist ein Reaktionär und einer der sozial trennen will.

G. Lavant
14
2.10.2011, 13:32

Ja, ich weiß, wie toll alle individualisieren, offenes Lernen organisieren und wie toll bei ihnen alles funktioniert. Warum hört man dann, dass in so vielen Klassen kaum mehr möglich ist, zu unterrichten, weil es drunter und drüber geht? Warum wird der Ruf nach Sanktionsmöglichkeiten immer lauter? Warum sind die Beispiele für offenes und individualisiertes Lernen so selten und wenn, dann darf man nach Möglichkeit nicht unter die Oberfläche blicken?
Warum brennen die jungen Lehrer ab wie die Christbaumkerzen, wenn es so toll funktioniert und nur ein bisschen guten Willen braucht.
Theoretisch sind alle Weltmeister - nur in der Praxis gibt es halt ein paar kleine Umsetzungsprobleme. Grrr!

Feuergeist
 
00
4.10.2011, 11:53
Ja, das ist alles bekannt, aber

gibt es konkrete Vorschläge um diese Umstände zu ändern? Ich fürchte es gibt wenig Änderungsmöglichkeiten "Was" unterrichtet wird, aber sehr wohl "Wie".
Aber die Änderungen müssen von der ersten Klasse Volksschule an beginnen.
Das mit der Sprache ist so eine Sache. Eine ehemalige freundin von mir kam mit 7 Jahren aus Polen nach Österreich und hat mit 8 Akzentfrei gesprochen. Englisch war aber nie ihres. Sie is also kein Sprachgenie. Wo kann man ansetzen?

Denker9
00
4.10.2011, 14:04

In wiener Hauptschulen kommen 14 Jährige (z.B. aus der Türkei, Serbien, Polen...) und können KEIN Wort Deutsch! Sie werden in Klassen integriert und müssen zusätzliche Deutschkurse besuchen, die aber längst nicht zielführend sind!

Feuergeist
 
00
4.10.2011, 14:16
Das wär dann ein Integrationsproblem

Kinder die schnell Anschluß finden lernen normalerweise auch schnell die Sprache. 14 is halt schon ein gefährliches Alter. Da sind die Kinder oft schon "blau" angehaucht. Und Anschluß bei anderen Migranten bringt nur halb soviel. Denn auch wenn einige gut Deutsch sprechen wird untereinander meist die Muttersprache verwendet. Aber das Problem gibts ja nicht nur bei uns. Wenn eine Familie nach Kanada auswandert stehen die Kinder vor einem ähnlichen Problem (den bösen, französichen Teil). Wie wird das dort gelöst? Oder ist das kein gutes Beispiel? Wie schauts in Deutschland aus?

stall
03
2.10.2011, 15:06
offenes lernen

hat zum beispiel zu meiner schulzeit im turnunterricht sehr gut funktioniert. der lehrer brauchte nur einen ball ins fussballfeld zu werfen und er hatte eine stunde ruh.
macht man das heute, gibt es nach 2 minuten mord und totschlag.
wenn man das als beispiel für offenes lernen nimmt.

guzo
11
2.10.2011, 16:38
Was Sie hier anführen,

hat mit offenem Lernen nicht das Geringste zu tun.

Nun bin ich mir nicht sicher, ob Sie diese Lernform einfach nicht kennen oder sie mit diesem "Beispiel" madig machen wollen.

Jedenfalls traue ich Ihnen absolut zu, dass Sie, wenn Sie am Thema interessiert sind, sich entsprechende Informationen selbstständig beschaffen.

stall
00
2.10.2011, 17:54
dann nennen sie ein beispiel

für offenes lernen.

guzo
20
2.10.2011, 13:54
Hmm.....

Offenes Lernen funktioniert etwa in OÖ als "flow" ganz ausgezeichnet, und zwar in der Praxis in vielen, vielen unterschiedlichen Schulen und Klassen, von der Volksschule bis zum Maturajahrgang.

Voraussetzung ist, dass sich LehrerInnen darauf einlassen und nicht von Vornherein sagen bzw. ihren verbitterten KollegInnen nachplappern à la: "So a Bledsinn!", "Da lernen's ja nix!"

Leider lassen sich (noch)zu wenige auf offenes Lernen ein.

Junge LehrerInnen brennen nicht ab wie Christbaumkerzen. Das ist übertrieben. Aber viele reiben sich an den starren und sturen Haltungen ihrer abgeklärten, frustrierten KollegInnen auf. ("Das geht nicht!", "Das machen wir immer so!" "Das wollen die/wir nicht!"...)

Mehr Mut und Eigenverantwortung ist angesagt

Denker9
01
2.10.2011, 17:29

Erklären Sie bitte "flow"!

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