Ostgipfel

Minsk zeigt der EU die kalte Schulter

30. September 2011, 17:08

Weißrussland boykottierte Ostgipfel - Kein Vertragsdatum für die Ukraine

Warschau - Die EU-Staaten haben beim Gipfel der Östlichen Partnerschaft in Warschau am Freitag die Verletzung von Menschenrechten in Weißrussland verurteilt. In einer Erklärung wird "die sofortige Freilassung und Rehabilitierung aller politischen Gefangenen" verurteilt. Der Text spricht auch Vorwürfe an, die Häftlinge würden keine ausreichende medizinische Versorgung bekommen.

Weißrussland hatte seine Teilnahme am EU-Gipfel zur Östlichen Partnerschaft verweigert, obwohl es zu den Gründungsmitgliedern der Initiative gehört. Die anderen fünf Partnerländer - Ukraine, Republik Moldau, Armenien, Georgien und Aserbaidschan - schlossen sich der Verurteilung Weißrusslands nicht an.

Namens der polnischen EU-Präsidentschaft brachte Premier Donald Tusk einen "Pakt für Modernisierung" ins Spiel, den die EU Weißrussland vorschlagen solle - ein breitgefächertes Hilfsangebot für die kritische wirtschaftliche Situation des Nachbarstaates, das allerdings an klare Bedingungen geknüpft werden solle. Dazu gehörten auch der Beginn eines Dialogs mit der Opposition und freie, demokratische Parlamentswahlen. Im Gegenzug solle Weißrussland "mehrere Milliarden Euro" Unterstützung bekommen.

Die Abschlusserklärung des Gipfels enthält kein geplantes Datum für die Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens mit der Ukraine. Wie Tusk und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy erklärten, sei das Ziel ein Abkommen noch in diesem Jahr. Tusk, Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso betonten - offenbar in Anspielung auf den umstrittenen Amtsmissbrauchsprozess gegen die ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko -, dies setze allerdings die Einhaltung rechtsstaatlicher Grundsätze in der Ukraine voraus. "Wir haben Signale des guten Willens vonseiten der ukrainischen Führung", sagte Tusk, der am Donnerstag Präsident Wiktor Janukowitsch getroffen hatte.

Mehr Anreize für Reformen

Ein weiteres Ergebnis des Gipfels ist, dass die EU künftig noch stärker zwischen den Partnern differenzieren will. Die Geschwindigkeit der Reformen in den Partnerländern werde die Intensität der Zusammenarbeit bestimmen, heißt es in der Abschlusserklärung: "Diejenigen Partner, die sich am meisten bei Reformen engagieren, werden mehr von ihrer Beziehung zur Europäischen Union profitieren." Dafür stellt die EU den Partnern nicht nur eine wirtschaftliche Integration, sondern in einer langfristigen Perspektive auch Visafreiheit in Aussicht.

Einige Partner hätten sich Aussagen zu einer klaren Perspektive für eine EU-Mitgliedschaft gewünscht, so Tusk. "Dafür sind die

Voraussetzungen im Moment aber nicht ausreichend." (APA, red, STANDARD-Printausgabe, 1./2.10.2011)

Kommentar posten
17 Postings
Erika Rothen
11
2.10.2011, 00:54
Tatsache ist, dass die EU über EuropeAid

viele Millionen Euro bereits jetzt an Weissrussland an HIlfen leistet.

Schlimmer ist es übrigens im Fall der Türkei: diese anerkennt nach wie vor einen EU-Mitgliedsstaat NICHT, tritt mit ziemlicher Präpotenz gegenüber der EU auf (Abbruch der Beziehungen während der zypriotischen Präsidentschaft demnächst), und lukriert aber HUNDERTE MILLIONEN von Euros Entwicklungshilfe!

Standard Leser4
 
00
8.10.2011, 12:19

Was uebertreiben Sie hier schon wieder ?
1 Million Euro stehen den Studenten welche in Polen studieren zur Verfuegung.
1.5 Mill wurde Belarus fuer eine "Reine Umwelt" gespendet, wirklich ein richtig grosser Betrag, wenn man bedenkt d Weissrussland von der Tschernobyl Katasthrope am meisten betroffen war und noch immer ist.
Einige Millionen fliessen in eine Belarus Propaganda Website und in einen Polnischen Radio und TV Sender, ich nehme an d Sie diese Gelder auch als Belarus Hilfe bezeichnen.
Sonst noch was ? Nicht d ich wuesste, schaemen Sie sich.........

Gucker
00
9.10.2011, 01:18
Vollkommen richtig

Super-Posting

Standard Leser4
 
00
8.10.2011, 12:22

PS: Habe ich vergessen, schlimmer ist der Fall China, dorthin gehen hunderte Millionen Euro Entwicklungshilfe, obwohl die meisten EU Aerbeitsplaetze bereits dort sind.
Von lupenreiner Demokratie wollen wir erst gar nicht sprechen.

Erika Rothen
00
2.10.2011, 00:50

>>In einer Erklärung wird "die sofortige Freilassung und Rehabilitierung aller politischen Gefangenen" verurteilt.<<

Ähhhh....? WTF?

A K3
22
1.10.2011, 00:29

Irgendwie absurd das ganze. Was kann denn die EU BY und vor allem der UA bieten? Märkte? Da ist wäre RU viel interessanter. Speziell die Ost-UA würde eher von einem Beitritt zur Zollunion RU-BY-KY auch wegen der Wiederaufnahme der industriellen Kooperation profitieren, während eine Freihandelszone mit der EU den östlichen Markt für ukrainische Produkte unzugänglich und den ukrainischen Markt für EU-Produkte noch zugänglicher machen würde.

Standard Leser4
 
10
7.10.2011, 16:39

Von dem Zustand der Russischen Wirtschaft haben Sie aber rein gar keine Ahnung, oder ? Oefter mal Rian Novosti lesen, gibt es auch auf Deutsch da blitzen dann die Russischen Wirtschaftlichen Schwierigkeiten durch. Dann werden Sie sofort die Ukraine verstehen, besonders aber die Ost Ukraine ist gegen eine engere Anbindung an Russland. Warum wohl ?

BMA
26
30.9.2011, 19:53
Die Schuld der weißrussischen Seite in die Schuhe schieben ist ein starkes Stück

Zuerst dem Staatsoberhaupt die Einreise verweigern und dann behaupten, BY boykotiert den Gipfel. Also entweder ... oder!

Übrigens, was nicht im Artikel stand:
neben Janukowitsch war auch Sakaschwili gegen die Verurteilung Weissrusslands.
Die Erklärung war nach langem Tauziehen hinter den Kulissen zustande gekommen (Quelle: gazeta.ru).

Wladimir Burdajewicz
 
00
1.10.2011, 17:03
Übrigens, was nicht im Artikel stand: neben Janukowitsch war auch Sakaschwili gegen die Verurteilung Weissrusslands.

Die anderen fünf Partnerländer - Ukraine, Republik Moldau, Armenien, Georgien und Aserbaidschan - schlossen sich der Verurteilung Weißrusslands nicht an. Steht eh da.

byron sully
10
1.10.2011, 12:01

die verweigerung der einreise war schon richtig, ein diktator hat in europa nichts zu suchen. fragwürdig war es, weißrußland zu diesem gipfel überhaupt einzuladen - da eine solche reaktion ja vorhersehbar war.

Andrei Tchoubrikov
01
1.10.2011, 17:09

Solang die NATO einen Steinwurf von der EU entfernt ihre voelkerrechtswidrige Aktionen plant, ist a) die EU kein "Europa" und b) ethisch kaum in der Lage irgendwehn zu verurteilen.

Warentester
13
1.10.2011, 14:49

"...ein diktator hat in europa nichts zu suchen."

LOL. Die ärgsten Gestalten (z.B. die Saudibande), viele wesentlich schlimmer als Lukaschenko, fahren in Europa ein und aus und werden noch hofiert. Also kann man sich diese Heuchelei bitte sparen. Entweder alle oder lasst's es gleich.

byron sully
01
2.10.2011, 15:49

da haben sie auch wieder recht.

Erika Rothen
01
2.10.2011, 00:48
RICHTIG!

Einem harmlosen Lukashenko das Schengen-Visum zu verweigern, während kriminelle Schwergewichte wie Uwe Scheuch, KHG, Josef Martinz, u.v.a.m. volle Reisefreiheit genießen, ist lächerlich.

Standard Leser4
 
10
7.10.2011, 16:43

Liebe Rote Erika, vielliecht kann ich noch die Ausladung von Lukaschenka verstehen. Wenn jedoch die USA einen Vertreter/in aus Weissrussland zur Weltbankkonferenz nicht einreisen laesst, wird es ein bisschen bedenklich. Dort ist bekanntlich Belarus mit ein paar Kopeken beteiligt.

RMP
00
30.9.2011, 19:11
Wie solls weitergehn in Minsk?

Gott sei Dank wurde ja hier in dieser Zeitschrift die Bezeichnung Kümmeltürk enthüllt und oft genug entschieden als Beleidigung des Präsidenten der Republik Weißrussland verurteilt.
Wäre Diktator die richtigere Bezeichnung, oder wäre das auch eine Beleidigung des Präsidenten der Republik Weißrussland?
War niemand in der Lage den Präsidenten der Republik Weißrussland rechtzeitig richtig einzuschätzen?
Nun trifft man sich mit der Opposition sofern überhaupt existen, um viele Jahre zu spät.

Standard Leser4
 
10
7.10.2011, 16:50

Bevor Sie solche laecherlichen postings ins Standard Forum stellen sollten Sie die Aussagen der Litauischen
Praesidentin, einer sehr klugen Frau, mehr Beachtung schenken. Sie sagte in Kurzform:
Die Weissrussische Opposition sind Leute die entweder von Russland oder von der EU/Polen beinflusst werden. Ihre Forderungen sind: sendet uns Geld, Geld und wiederum Geld. Wie waere es einmal mit einem Oppositionsprogramm? Litauen ist auf alle Faelle fuer ein unabhaengiges Weissrussland und dieses kann zur Zeit nur Lukaschenka anbieten, sonst gar niemand.
Interview wurde in den Russischen Agenturen veroeffentlicht.
Soweit zu den Fakten.

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