Ernährungsverhalten

Essen, ohne dass es schmeckt

30. September 2011, 10:58

Geschmack ist nicht ausschlaggebend bei der Lebensmittelauswahl

Heidelberg - Im Rahmen des 15. Heidelberger Ernährungsforums am 28./29.9.2011 stellte die Dr. Rainer Wild Stiftung, Stiftung für gesunde Ernährung erste Ergebnisse einer repräsentativen Studie zur Geschmacksforschung vor. Die Heidelberger Wissenschaftler gingen dabei der Frage nach, ob Menschen Dinge essen, die ihnen nicht schmecken. Die Ergebnisse zeigen, dass 81 Prozent der Befragten Lebensmittel und Speisen zu sich nehmen, die nicht ihren persönlichen Geschmacksvorlieben entsprechen. Weiterhin wird deutlich, dass der Geschmack nur eines von vielen Kriterien für die Auswahl von Lebensmitteln ist.

Täglich müssen sich Verbraucher entscheiden, was sie essen - zu Hause, in der Schule, an der Arbeitsstelle oder unterwegs. Fragt man sie, warum sie sich für ein bestimmtes Lebensmittel oder eine Speise entschieden haben, so wird häufig der Geschmack als wichtigstes Kriterium genannt. Die Annahme liegt nahe, dass diese Menschen nur das essen, was ihnen schmeckt.

Die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen der Dr. Rainer Wild-Stiftung,  Lisa Hahn und Karolin Höhl, zeigten jedoch anhand der Ergebnisse einer repräsentativen Studie, dass 81 Prozent der Befragten Lebensmittel und Speisen essen, die nicht ihrem persönlichen Geschmack entsprechen. 38 Prozent gaben dabei an, dass sie das Lebensmittel oder die Speise generell nicht mochten. Für 28 Prozent war die Zubereitung nicht zufriedenstellend und für 19 Prozent war das Essen nicht nach ihrem Geschmack gewürzt. 

Aufessen, auch wenn es nicht schmeckt

Lebensmittel und Speisen, die den Befragten nicht schmeckten, wurden zumeist außer Haus, in Restaurants, Kantinen oder Imbissen verzehrt und überwiegend von gewerblichen Herstellern oder professionellen Köchen zubereitet. Besonders überraschend war für die Ernährungswissenschaftlerinnen, „dass 73 Prozent der Deutschen weiter essen, auch wenn es ihnen nicht schmeckt. 40 Prozent der Befragten essen sogar (fast) die gesamte Mahlzeit auf."

Die Befragung hat gezeigt, dass viele Menschen durchaus auch Dinge essen, die ihnen nicht schmecken. „Der gute Geschmack mag zwar wichtig sein", so Gesa Schönberger, Geschäftsführerin der Stiftung für gesunde Ernährung, „er ist jedoch oft nicht unbedingt ausschlaggebend. Warum wir Dinge essen, die uns nicht schmecken, wird eine der interessanten Fragen sein, die wir im Fortgang der Studie stellen werden. Wir wollen damit die tatsächliche Relevanz von Geschmack aufdecken und so unserem Essen im Alltag näher kommen."

Die Besonderheit der Studie liegt auch in ihrer Herangehensweise: Zwar existieren bereits einige Modelle, die sich dem Auswahl- und Ernährungsverhalten nähern. Diese nehmen aber häufig eine einseitige Perspektive zugunsten verhaltenswissenschaftlicher oder sensorisch-orientierter Forschung ein. Auch die Frage nach „Geschmackskompromissen" wird oftmals vernachlässigt. Das neue Forschungsprojekt „Geschmackskompromisse statt Geschmackspräferenzen" der Stiftung setzt genau an diesen Punkten an und will mit seinen Erkenntnissen eine Lücke in der verhaltenswissenschaftlichen und sensorischen Forschung schließen. (red)

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Dr. Seltsam
 
00
3.10.2011, 14:15

Muss so sein! Wie hätte sonst McDonalds groß werden können?

_loquee
00
3.10.2011, 00:19
und neben der Schlagzeile die Wurstwerbung

passend :)

tho_mi
12
2.10.2011, 17:40

Also im ersten Moment kommt das etwas anders rüber, das klingt so, als würde man "freiwillig" Dinge essen die einem nicht schmecken. Aber es ist doch eher positiv, dass man eine Mahlzeit die nicht ganz den eigenen Vorstellungen entspricht, trotzdem aufisst. Wo würden wir denn hinkommen, wenn jeder alles zurückgehen lässt, was ihm nicht ganz passt, es wird ja auch so schon viel zu viel entsorgt...

keywords
01
3.10.2011, 14:23

"Wo würden wir denn hinkommen, wenn jeder alles zurückgehen lässt, was ihm nicht ganz passt"

hoffentlich zu besserer qualität. einem kind in afrika nützts garnix, wenn ich nicht aufesse. aber hoffentlich den nachfolgenden kundInnen, die sich auf besseres essen freuen dürfen.

ich bin immer wieder entsetzt dass auf die frage: und, hats gepasst? nichteinmal eine millisekunde eine antwort gewartet wird. aber es ist bezeichnend.

The Chaos Path
02
3.10.2011, 11:22

ja genau, wenn alle brav aufessen, ändert sich wenigstens nichts... weiterhin versalztes essen, undefinierbare pampe, etc., weil wir essens ja auf!

Eduard Ohlmann
03
3.10.2011, 10:30

Wo wir hinkommen, wenn jeder alles aufisst, egal wie es schmeckt, ist billigst herstellbarer und teuer verkaufter geschmackloser Einheitspamp. Es gibt eh schon viel zu viele Supermarktregale mit dem grauslichen Zeug. Und in hundert Jahren sind wir dann wirklich bei Soylent Green angekommen.

Odette
06
1.10.2011, 17:52
naja, wird halt so sein: ist zwar nicht wirklich super aber auch nicht völlig grauslich.

bezahlt und verfügbar ist es auch schon also wirds halt gegessen. so geht's mir zumindest oft mit unterwegs-essen. ich weiss meist schon vorher, es ist nicht optimal, aber unter umständen ist halt oft nichts besseres zu bekommen.

astemp79
21
1.10.2011, 16:41
sehr seltsam ...

Eine seltsame "Forschung".

Natürlich kommt es vor, dass einem eine Mahlzeit in einem Restaurant oder einer Kantine oder Mensa nicht so schmeckt, wie man es sich vorher vorgestellt hat. Was nun tun: Zurückgehen lassen geht kaum, wenn an der Mahlzeit nicht wirklich etwas schlecht ist. Essen stehen lassen (das man bezahlt hat)? ist auch keine Lösung. Also isst man das, was man gekauft hat.
Andere Variante: der Arzt hat gesagt, ein Nahrungsmittel wäre gesund, das sollte man essen. Also isst man es (ich nicht ...).
Solche Dinge fließen dann in so eine "Studie" ein.

Wieviele Menschen aber freiwillig Nahrungsmittel kaufen, die ihnen nicht schmecken: das beachtet die "Studie" nicht ... sehr seltsam, wie gesagt.

Colette
02
3.10.2011, 15:09

sie haben zwar grundsätzlich recht, aber irgendwie find ich's nervig dass ständig von nichtwissenschaftlern studien und forschungen mit anführungszeichen versehen werden.

The Chaos Path
01
3.10.2011, 11:25

bevor ich eine mahlzeit esse, die mir nicht schmeckt, lass ichs stehen und kauf mir was anderes. zeug zu essen, was einem nicht schmeckt, ist rein psychologisch schon nicht besonders gut, ganz abgesehen davon, dass es meist auch nicht gesund/oder wirklich ungesund ist (zb versalzen)

Sheldon
00
1.10.2011, 09:32
Geschmack ist nicht ausschlaggebend

Das kann ich bestätigen. Ich schmecke zb. Generell nichts (ausser ob es salzig, süß, scharf,... Schmeckt) aber ich kann nicht sagen wonach etwas schmeckt. Klingt zwar komisch, ist aber so. Somit ist der Geschmack für mich auch nicht ausschlaggebend sondern eher die Optik. Dafür nehme ich auch nichts zu so wie viele die sagen "mh, da schmeckt so gut, da ess ich noch mehr" :-)

Frau Techne
13
1.10.2011, 08:25
Ist mir vollkommen unverständlich. Ich esse och nix, was mir nich schmeckt!!

In vielen Kantinen kann man ja z.B. das Fleisch weglassen (ist oft echt grauslich) und stattdessen Suppe, mehrere Beilagen und Salat essen. Wenn alles grauslich ist, dann ess' ich dort gar nicht, sondern nehme mir von zu Hause was mit, das mir schmeckt, oder richte mir selbst was Frisches in der Mittagspause. Oder esse zu Mittag eine Jause und am Abend zu Hause dann was Selbstgekochtes.

Vielen ist das natürlich die Mühe nicht wert.

Auch im Restaurant schicke ich Speisen zurück, wenn sie versalzen, zu fett, zu mehlpampig oder sonstwas sind. Ich bezahle, und will dafür einen entsprechenden Gegenwert erhalten.

Viele haben nicht das Selbstbewusstsein, das zu tun.

Rafflesia
 
00
3.10.2011, 08:44

Ja, alles schön und gut, aber machen Sie das mal bei einer halben Stunde Mittagspause in einem übervollen Restaurant: "Kellnerin, trage Sie diese mir zu mehlpampige Speise zurück und verlange sie, dass der Koch eine frische zubereite..."

Frau Techne
00
16.10.2011, 08:22
Nein, sondern:

Speise ungegessen zurückschicken, Zahlung verweigern mit Verweis auf die unzumuzbare Qualität, Ersatzleistung verweigern mit Verweis auf die nur 30minütige Mittagspause, notfalls bis zum Geschäftsführer eskalieren lassen.

Wenn Sie dort regelmäßig zu Mittag essen, wird man Ihnen noch eher entgegenkommen. Ansonsten eben nimmer hingehen.

tho_mi
10
2.10.2011, 17:43

Ein paar Wochen Bundesheer würden Ihre Sicht wohl etwas ändern, da ist man oft froh, wenn man was Essbares bekommt...

keywords
00
3.10.2011, 14:25

wieso?
sind dann die geschmacksnerven abgetötet?

Neuer Nick neues Glück
02
1.10.2011, 15:04

"Viele haben nicht das Selbstbewusstsein, das zu tun."

Ich glaube eher, dass viele die Vergleichsmöglichkeiten nicht haben.
In meiner Firma gibt es eine Kantine. Zweimal probiert, ich bekomme es einfach nicht runter. Das Essen ist grauenhaft, aber ich bin frisch gekochte Sachen gewohnt.
Andere Kollegen hingegen schwärmen regelrecht davon - die essen aber zuhause auch meist Fertigfraß.

Bastardl
00
30.9.2011, 21:33
Dabei könnte doch gerade ein bisschen Phantasie

beim Imbiss zwischendurch oder statt der Kantine den Alltag formidabel aufwerten (auffetten ;-))!?
Traurig :-(

peak oil
00
30.9.2011, 20:38
was mensch isst,

wird auch stark davon beeinflusst, was es kostet und wie einfach es zuzubereiten ist, daher essen sehr viele leute häufig nudeln mit fertigem sugo, oder bestellen eine pizza beim pizzamann ums eck.

purecynicism
02
30.9.2011, 17:00

i iß fix nix des ma net schmeckt.

bildungsoffensive
00
30.9.2011, 22:47

keine schwiegermutti?

wilderpel
00
2.10.2011, 23:50

schwiegermuttis sind out. die werden heutzutage boykottiert ;-)

Ibsen
00
30.9.2011, 12:17
"Geschmack ist nicht ausschlaggebend bei der Lebensmittelauswahl"

Sondern?

Nick31
04
30.9.2011, 16:53
Die Wirkung auf das Hormonsystem.

Stoffe, die das in großem Maße bewirken können: Alkohol, Koffein, Taurin, und, und, und.
Vor allem aber auch Zucker (bzw. schnelle Kohlenhydrate, wie etwa Weißmehlprodukte) und Salz. In der Lebensmittelindustrie ist es ein offenes Geheimnis, dass du jeden Schrott verkaufen kannst, solange die beiden im Übermaß drinnen ist.

Krawuzi Kabuzi
00
30.9.2011, 16:33

Gesundheit: grünes Gemüse ist gesund

Preis: jeden Tag Steirereck kann ich mir nicht leisten

Zeit:ein viergängiges Menü geht sich in der Mittagspause nicht aus

Auswahl: es gibt weder russischen Kaviar, noch Foie gras noch Tagliatelle al tartufo in der Kantine (siehe auch Preis)

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