Ess-Brech-Sucht

Was sich bei der Bulimie im Gehirn abspielt

30. September 2011, 11:49

Neben Serotonin spielt auch Dopamin eine entscheidende Rolle - Zur Behandlung daher nicht nur Anti-Depressiva in Erwägung ziehen

Zwischen der Konzentration des Nervenbotenstoffs Dopamin im Hirn und der Anfälligkeit für Bulimie haben vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Forschende einen Zusammenhang gefunden. Das könnte der Ausgangspunkt einer neuen Therapie sein.

Schätzungen zufolge sind aktuell etwa 80.000 vorwiegend junge Frauen sowie 8.000 Männer von der Bulimie oder Ess-Brech-Sucht betroffen. Kennzeichen dieser komplexen psychischen Störung sind Heisshungerattacken und unkontrollierte Essanfälle, auf die jeweils Gegenmaßnahmen wie etwa Erbrechen oder die Einnahme von Abführmitteln folgen, um eine Gewichtszunahme zu vermeiden.

Neben psychotherapeutischen Maßnahmen kommen in der Behandlung von Bulimikerinnen oft auch Anti-Depressiva zum Einsatz, die den Haushalt des Nervenbotenstoffes Serotonin regulieren. Doch diese Medikamente wirken in einigen Fällen nicht. Dann sollten Ärzte auch andere Wirkstoffe in Erwägung ziehen, denn bei der Bulimie spielen auch andere Botenstoffe wie etwa Dopamin eine wichtige Rolle, wie Gregor Hasler von der Universitäts- und Poliklinik für Psychiatrie Bern und Kolleginnen und Kollegen vom Universitätsspital Zürich nun in einem klinischen Versuch nachgewiesen haben.

Weniger robust

Die Forscher verabreichten 19 Frauen, die früher in ihrem Leben an Bulimie litten, sowie 31 gesunden Frauen eine Substanz, die Nervenzellen daran hindert Dopamin herzustellen und dadurch die Konzentration dieses Nervenbotenstoffs im Hirn vorübergehend senkt. Dabei zeigte sich einerseits, dass das Belohnungssystem im Hirn der Frauen, die früher an Bulimie litten, weniger robust ist als dasjenige der Gesunden und auf Schwankungen in der Konzentration des Botenstoffs Dopamin stärker reagiert. Unter Dopamin-Mangel fiel es diesen Frauen viel schwerer, in psychologischen Tests ihre Antworten an sich verändernde Belohnungsreize anzupassen. "Ich bin zuversichtlich, dass psychologische Methoden, die das Belohnungssystem stärken können, auch zur Vorbeugung und Behandlung der Bulimie wirksam sind", sagt Hasler.

Andererseits lösten die fehlenden Botenstoffe bei einigen Frauen einen leichten Rückfall aus. In telefonischen Interviews berichteten sie von einem stärkeren Essdrang, eine Frau hatte sogar wieder einen Essanfall. Aber daraus schliessen die Forschenden, dass es umgekehrt auch möglich sein müsse, der Bulimie mit korrigierenden Eingriffen in den Botenstoffhaushalt Einhalt zu gebieten. «Doch wir stehen erst am Anfang. Das therapeutische Potential von Medikamenten, welche die Konzentration von Dopamin im Hirn stabilisieren, muss noch getestet werden», sagt Hasler. (red)

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10 Postings
Miriam Berger
00
11.10.2011, 09:47

"Heisshunger"?? nach Zwielauten schreibt man ß...

Kasernfetzen
02
1.10.2011, 15:32

am besten finde ich die wurstwerbung zu diesem artikel. wie immer beim standard ein volltreffer!

Erich_1
30
1.10.2011, 15:16

Hier wird wiedermal fröhlich zensuriert. Mein viertes Post zu diesem Thema.
Meinungsfreiheit ist hier wohl nicht sehr großgeschrieben, insb. wenn es um Kritik von Pharmafirmen geht.
Will man sich die Schleichwerbungskunden nicht vergraulen oder was?

grauekatze
04
30.9.2011, 18:55
das hat schon auch seinen sinn

gesundung durch psychotherapie ist natürlich vordergründig das ziel. doch um diesen weg einzuschlagen braucht man ab und an auch erst mal eine stütze, die das erste halbe jahr überstehen lässt. ich habs nach 13 jahren da raus geschafft. ohne 60mg fluoxetine (für bulimiker eine NIEDRIGE anfangsdosierung) für 1.jahr wäre ich noch in der gleichen hölle gefangen.

astemp79
47
30.9.2011, 15:40
Forschung?

Anstatt psychotherapeutische Maßnahmen zu verbessern und auf diesem Gebiet zu forschen, erstrecken Pharma-Forschungen sich ausschließlich auf Symptombekämpfung.

Dabei wäre es notwendig, seelische Störungen zu heilen; und das ist gar nicht so schwer, wenn man endlich den ganzen Menschen in seinem Umfeld und mit seiner Vergangenheit (und der der Familie) sehen und anerkennen würde. Den Menschen in seinem So-Sein.
Gerade bei Bulimie wäre es gar nicht so schwer, den Hintergründen, die zu der Störung geführt haben, auf die Spur zu kommen und die Menschen damit zu versöhnen und damit negative Gefühle zu heilen.
Aber natürlich verdient die Pharmaindustrie dann nicht daran ...

Toeris
01
1.10.2011, 22:48

Egal ob Bulimie oder andere Erkrankungen mit Depression, wenn das schon lange andauert, gibt es keine Möglichkeit raus ohne Medkiation. Es wäre grob fahrlässig das Risiko eines Selbstmordes, was eigentlich der falsche Ausdruck ist, weil zum Mord ein Vorsatz gehört, auch ein Selbst-Mord, besser eine beenden des Lebens viel zu hoch ist.
Wenn die Erkrankung dann schon über Jahrzehnte geht, ist eine permanente Medikation sehr wahrscheinlich.
Mit Psychotherapie alleine, möge sie auch noch so gut und erfolgreich sein, funktioniert das nicht. Sobald eine extreme Stressitution eintritt, reagiert der Langzeit-Depressive ohne Medikation automatisch wieder nach den alten Mustern.
Bis der dann ohne Hilfe wieder raus kommt, kann es schon zu spät sein.

Montgomery McFerryn
01
1.10.2011, 11:42

Beim besten Willen aber die Pharmaindustrie ist eine Industrie die Dinge verkaufen will die sich herstellen kann. Natürlich werden die Medikamente herstellen und nicht Psychoanalytiker.

Leider wurde dieser Postingname schon vergeben
02
1.10.2011, 11:31
Sie pauschalisieren

Die Psychotherapie von PatientInnen mit Essstörungen ist in vielen Fällen nicht so einfach, wie Sie das darstellen. Es sterben eine ganze Menge von PatientInnen mit Anorexie (5-10%), da sie sich zu Tode hungern, obwohl alles versucht wurde. Ein modernes Behandlungskonzept wie es an Universitätskliniken im Allgemeinen eingesetzt wird umschliesst immer Psychotherapie, aber eben auch medikamentöse Therapie. Aber das Aufdecken der Ursachen reicht eben nicht - die Auflösung des Konflikts kommt nicht automatisch mit der Einsicht. Wenn das so wäre, dann wären die Essstörungen nicht das immense Problem, das sie leider heute sind.

Werkzeug
 
04
1.10.2011, 06:46
Ich denke sie haben absolut recht aber es gibt Grenzen in der Psychotherapie.

astemp79
Als Psychotherapeut können sie das Umfeld nicht verändern,sie können nur helfen damit
klar zu kommen.

Aplysia1
32
30.9.2011, 22:43
Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen?

Wenn man den GANZEN Menschen in seinem Umfeld sieht und anerkennt, muss man auch notwendigerweise (!) die biologische Basis sehen und anerkennen - nur dann sieht man den Mensch in seinem So-Sein.
In dem Artikel sind die Ergebnisse der klinischen Forschung der Universitätsklinik für Psychiatrie in Bern und vom Universitätsspital Zürich angeführt. Da ist von Pharmaindustrie keine Rede! Es wird sogar eindeutig angeführt, dass einer der Studienleiter meint, dass er meint ""Ich bin zuversichtlich, dass psychologische Methoden, ... , auch zur Vorbeugung und Behandlung der Bulimie wirksam sind". Den Nebensatz habe ich weggelassen. Vielleicht überblicken Sie den Sinn des Satzes dann leichter ;-)

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