Die meisten Käufe illegaler Medikamente erfolgen über das Internet erfolgen und gelangen via Postsendung nach Österreich
Lyon/Wiesbaden - In einer groß angelegten Aktion haben Polizei und Zoll in mehr als achtzig Ländern 2,4 Millionen gefälschte Tabletten beschlagnahmt, die über das Internet vertrieben wurden. Zu den Arzneimitteln gehörten Antibiotika, Mittel gegen Depressionen und Epilepsie ebenso wie Schlankmacher, berichtete die internationale Polizeibehörde Interpol am Donnerstag. Die Medikamente, die zwischen dem 20. und 27. September beschlagnahmt wurden, hatten einen Wert von rund 4,5 Millionen Euro. Bei dem Einsatz mit dem Namen "Pangea 4" wurden 55 Menschen festgenommen und 13.000 Anbieter-Websites geschlossen. Auch Österreich war an der Aktion beteiligt.
Die Betrugsbekämpfungseinheit des österreichischen Zolls legte den Fokus auf die Kontrolle von Postsendungen. Da die meisten Käufe illegaler Medikamente über das Internet erfolgen, gelangen sie via Postsendung nach Österreich. Im Aktionszeitraum gab es zwei Sicherstellungen von insgesamt 960 Tabletten und 240 Milliliter genehmigungspflichtiger Arzneien.
In die Aktion eingebunden war auch das Team Internet und Cybercrime der Zollfahndung Graz, die bei den genannten und beschlagnahmten Sendungen die Webseite identifizieren konnten, über die die beiden Empfänger die Produkte bestellt hatten. In der Monitoringphase der Operation konnten darüber hinaus weitere fünf Internetseiten ermittelt werden, die an die Weltzollorganisation (WCO) und Interpol zwecks Stilllegung weitergeleitet wurden.
Lukratives Geschäft
Der Online-Handel mit gefälschten Medikamenten boomt und ist äußerst lukrativ. Mit einem Kilogramm gefälschtem Viagra wird mehr Gewinn gemacht als mit einem Kilogramm Heroin.
Bei Kontrollen von Post- und Kurierdiensten in Deutschland wurden bei der Aktion rund 1.100 Brief- und Paketsendungen mit rund 53.500 Tabletten, Kapseln und Ampullen aus dem Ausland aus dem Verkehr gezogen. Der Großteil davon seien mit einem Anteil von rund 80 Prozent Potenzmittel gewesen.
In Frankreich stellten die Behörden in den vergangenen Tagen bei der internationalen Operation gegen den Handel mit illegalen Arzneimitteln im Internet nach Angaben der Arzneimittelaufsicht (AFSSAPS) 100.000 Pillen sicher, mehr als die Hälfte davon Medikamente zur Behandlung von Erektionsproblemen beim Mann. Mit der bisher bedeutendsten Operation zur Bekämpfung von Medikamentenfälschungen will Interpol auf die Risiken hinweisen, die sich hinter dem Medikamentenkauf im Internet verbergen. (APA)