Streitgespräch

Töchterle zu Studiengebühren: "Ich agiere hier sehr ideologiearm"

Interview | L. Aigner, S. Pumberger, 3. Oktober 2011, 10:20
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    Wird es nächstes Studienjahr Studiengebühren geben? - "Ich hoffe es", sagt der Minister. "Ich hoffe sehr, dass es keine geben wird", sagt die ÖH-Chefin.

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    "Das ist das, was die ÖVP-Politik seit Jahrzehnten macht. Irgendeine neue Hürde lässt sich die Politik immer einfallen und niemand weiß mehr, welche Regeln gerade gelten und unter welchen Vorraussetzungen man überhaupt noch studieren kann."

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    "Die Sigrid Maurer stammt aus dem gleichen Dorf wie ich, aus Telfes. Ich mag sie sehr gern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie mir jemals Furcht einflößte, im Gegenteil, sie ist mir sehr sympathisch."

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und ÖH-Chefin Janine Wulz über Uni-Reformen, die Hochschulmilliarde und Zugangsregeln

Heute beginnt für hunderttausende Studierende österreichweit das neue Studienjahr. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und Janine Wulz, Vorsitzende der HochschülerInnenschaft, sind beide erst seit wenigen Monaten im Amt. Konfliktpotential gab es bei dem derStandard.at-Gespräch im Arkadenhof der Universität Wien dennoch reichlich. Vor allem beim Thema Studiengebühren prallten zwei Welten aufeinander.

***

derStandard.at: Wir sitzen hier im Arkadenhof der Universität Wien - der größten Uni des Landes. Wird es hier im nächsten Studienjahr wieder Studiengebühren geben, Herr Töchterle?

Töchterle: Ich kann nur sagen: Ich hoffe es. Mehr kann ich an Prognose derzeit nicht liefern.

derStandard.at: Halten Sie es für realistisch?

Töchterle: Nach der momentanen Ablehnung der SPÖ ist die Chance eher niedrig, aber ich lasse nicht locker. Wir müssen bis zum 29. Februar auf das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes reagieren. Irgendetwas muss bis dahin geschehen, dafür setze ich mich ein.

derStandard.at: Für wie realistisch halten Sie es, Frau Wulz, dass es Studiengebühren geben wird?

Wulz: Ich hoffe sehr, dass es keine geben wird. Ich vertraue zumindest ein bisschen darauf, dass die SPÖ Wort hält und nicht umfällt. Es muss bis zum 29. Februar kein Gesetz geben. Gleich wie bei der Erbschaftssteuer kann das Studiengebührengesetz einfach auslaufen.

Töchterle: Das würde bedeuten, dass den Universitäten noch einmal rund 35 Millionen Euro verloren gehen, die sie dringend brauchen. Sie, die immer für die Universitäten mehr und mehr Geld verlangen, schauen locker zu, wie sie Millionen verlieren und sagen: "Staat, zahl bitte." Diese 35 Millionen werden von Leuten beigetragen, die Langzeitstudierende oder etwa Studierende aus Drittstaaten sind.

Wulz: Ich zahle schon seit Jahren Studiengebühren und betrachte mich nicht als faule Langzeitstudentin, die nichts tut.

Töchterle: Das habe ich auch nicht gesagt.

Wulz: Das schwingt immer ein bisschen mit.

Töchterle: Nein, es wird einen Grund geben, warum manche Studierende von den Studiengebühren noch nicht befreit sind.

Wulz: Ich finde keinen nachvollziehbaren. Es wird Zeit, dass die Studiengebührenregelung ausläuft.

Töchterle: Und wo soll das Geld herkommen?

Wulz: Es ist die Verantwortung des Staates, der Regierung und der gesamten Gesellschaft, Bildung zu einer Priorität zu machen und dafür natürlich auch Geld auszugeben.

derStandard.at: Herr Töchterle, Sie haben kurz nach Ihrem Antritt in einem STANDARD-Interview gesagt: "Wenn mich die Gegner von Studiengebühren mit Argumenten überzeugen, verändere ich meine Position. Bisher hat mich niemand überzeugt". Frau Wulz, wollen Sie die Gelegenheit jetzt nutzen und Herrn Töchterle mit Ihren Argumenten gegen Studiengebühren überzeugen?

Wulz: Eines der Hauptargumente ist die finanzielle Belastung für Studierende, die gerade jetzt im Herbst enorm steigt. Wegen der Familienbeihilfenkürzung, des gestrichenen Zuschusses zu den Versicherungsbeiträgen und bei den Studierendenwohnheimen. Diese finanzielle Belastung kann für einzelne Studierende bis zu 300 Euro monatlich mehr bedeuten. Da jetzt überhaupt von Studierendenbeiträgen zu reden, die monatlich noch zusätzlich 85 Euro ausmachen würden, ist zynisch. Weil es die reale, oft sehr prekäre Lebenssituation der Studierenden ignoriert.

Ein weiteres Argument ist, dass Studierende, wenn sie fertig studiert haben, eine drei Mal so hohe Leistung in den Steuertopf einbringen, als ihre Ausbildung kostet. Wenn man Steuergeld für Bildung aufbringen möchte, dann muss man sich anschauen, wie man die Vermögensverteilung in einem Staat generell gerechter gestaltet.

derStandard.at: Überzeugt Sie das?

Töchterle: Ich kenne all diese Argumente. Sie überzeugen mich natürlich nicht. Das erste war: Es kommen zusätzliche finanzielle Belastung auf Studierende zu. Dagegen sage ich: Gerade weil wir wissen, dass manche Studierende Studienbeiträge schwer oder nicht zahlen können, wird dem in meinem Studienbeitrags-Modell Rechnung getragen. Jemand, der es sich wirklich nicht leisten kann, Studienbeiträge zu zahlen, der muss sie nicht zahlen. Soziale Bedürftigkeit führt üblicherweise zu einem Stipendium.

Dazu kommt, dass die Universität in unserem Modell selber noch Gruppen von der Regelung ausnehmen kann. Drittens müssen die Unis zehn Prozent der Beiträge in einen Sozialtopf einspeisen und gemeinsam mit der ÖH für bedürftige Studierende verwenden. Viertens kann jemand, der seine soziale Bedürftigkeit nicht nachweisen kann, aber aus einem anderen Grund die Beiträge trotzdem nicht zahlen kann, um Stundung ansuchen. Er muss dann die Beiträge, gesamt etwa zwischen 3000 und 5000 Euro, erst nach dem Studium zurückzahlen. Es gibt also vier Maßnahmen, die das Argument, dass jemand aus sozialen Gründen belastet ist, ganz stark abschwächen.

derStandard.at: Warum reichen Ihnen die sozialen Maßnahmen von Herrn Töchterle nicht?

Wulz: Einerseits sind die sozialen Maßnahmen in Österreich insgesamt unterdurchschnittlich. Auch in einem europäischen Vergleich haben wir die Situation, dass wir gerade einmal 18 Prozent Beihilfenbezieher und -bezieherinnen haben, die durchschnittliche Beihilfe liegt bei 230 Euro im Monat. Es ist leider noch immer so, dass die meisten Studentinnen und Studenten aus einem Haushalt kommen, wo die Eltern selbst studiert haben und dass der Prozentsatz jener, wo die Eltern keine akademische Ausbildung haben, noch immer sehr gering ist. Der erste Schritt muss sein, einen gleichen Bildungszugang für alle zu schaffen.

derStandard.at: Ist in Ihrem Modell ein stärkerer Ausbau des Stipendiensystems geplant?

Töchterle: Es ist geplant, das auszubauen. Wobei wir derzeit vor allem den BezieherInnenkreis ausweiten wollen. Man darf unser derzeitiges Stipendiensystem aber nicht so schlecht reden, wie Sie es tun, Frau Wulz. Man muss es immer in Beziehung setzen zur Familienbeihilfe, was die internationalen Studien nicht immer tun. Sie ist jetzt gekürzt worden, aber immerhin wird sie für manche auch noch bis 26 bezahlt.

Wulz: Bis 26 für niemanden.

Töchterle: Wenn sie bis 24 gezahlt wird, muss sie mit der Studienbeihilfe ergänzt werden als Gesamtpaket. Viele andere Länder, mit denen wir verglichen werden, haben die Familienbeihilfe nur bis 18. Lebensjahr. Zum Sozialargument: Ja, da gebe ich Ihnen recht, das ist bei uns so, dass die unteren Schichten unterrepräsentiert sind an den Universitäten. Aber die Studienbeiträge sind weder eine positive noch eine negative Maßnahme, um das zu verändern. Die soziale Durchmischung hat sich vor und nach den Studiengebühren nicht verändert. Da müssen wir an anderen Schrauben drehen.

Wulz: Gut, aber ...

Töchterle: Nicht die Schraube Studienbeiträge, die hat keinen Einfluss ...

Wulz: ... lassen wir doch endlich diese ideologisch behafteten Studiengebühren, die ja sehr wohl von ÖVP-Seite ein ideologisches Instrument sind ...

Töchterle: Nein, sind sie nicht.

Wulz: Dann lassen wir doch die außen vor und diskutieren wir, wie wir das Beihilfensystem sozial gerechter machen, wie wir Barrieren und Hürden abbauen. Zum Beispiel ist mit der neuen Studieneingangs- und Orientierungsphase letzten Frühling eine neue Hürde aufgebaut worden. Genau das sind die Barrieren, die die Politik aufgebaut hat und die dann Menschen am Studieren hindern. Es gibt Dinge, die man relativ einfach ändern kann unddie auch nicht Unsummen von Geld kosten Wie zum Beispiel eine tatsächliche Orientierungsphase am Anfang des Studiums einzuführen.

Töchterle: Ich sehe die Studienbeiträge vollkommen entideologisiert. Obwohl ich Ideologie nicht grundsätzlich als schlecht empfinde. Die Gegner der Studienbeiträge, nämlich Sie, die SPÖ und andere, bringen hier eine sehr starke Ideologie ein. Das sehe ich nicht einmal negativ, aber ich denke, dass Ihre Gegnerschaft sehr ideologisch motiviert ist, und dass ich hier sehr ideologiearm agiere.

Wulz: Meine GegenerInnenschaft ist aus tiefster Überzeugung für eine gerechte Gesellschaft motiviert.

Töchterle: Ja, aber ich halte es für viel gerechter, wenn ich die Studienbeiträge einhebe, als wenn ich dem Steuerzahler zumute, zum Beispiel 30.000 Euro für einen Studienplatz für einen reichen Menschen aus Übersee zu zahlen, der bei uns Geige studiert. Ich finde es viel gerechter, wenn auch dieser Studierende ein bisschen was zahlt dafür, dass ihm der österreichische Staat ...

Wulz: Aber der zahlt doch was dafür. Mit allem, was er mietet und kauft bezahlt er Steuern. Es ist ja nicht so, dass ausländische Studierende kein Geld in Österreich lassen würden.

Töchterle: Da zahlt er genauso viel Steuern, wie jeder Österreicher auch.

derStandard.at: Wollen Sie noch auf die Studieneingangsphase eingehen?

Töchterle: Ja, es gibt eine Studieneingangs- und -orientierungsphase, die wahrscheinlich und leider zum Hinausprüfen von Studierenden missbraucht wird. Warum ist das so? Weil die Unis nicht das adäquate Mittel einsetzen dürfen und dieses adäquate Mittel wären Zugangsregelungen. Die Studieneingangsphase ist eine Krücke, die für etwas missbraucht wird, was sie nicht ist. Die Anmeldung, die Sie auch als Hürde darstellen, wäre eigentlich gut. Sie ist danebengegangen, auch weil sich die Leute mehrfach und viel zu unverbindlich angemeldet haben.

Wulz: Das jetzt auf die Studierenden zu schieben ist ein bisschen heftig. Wenn man eine Voranmeldung als Husch-Pfusch-Gesetz einführt ...

Töchterle: Was war der Grund? Manche haben sich für bis zu 50 Studien angemeldet. Wenn sie sich einmal angemeldet hätten, dann wüssten wir, was sie studieren wollen.

Wulz: Der Grund ist, dass hier eine Barriere eingezogen worden ist, die dazu geführt hat, dass die Studierenden extrem verunsichert waren, ob sie überhaupt noch studieren können oder nicht und was sie dafür tun müssen. Gleichzeitig hat es enorme technische Problem gegeben, bei mehreren Universitäten haben die Systeme versagt.

Töchterle: So oft war das nicht.

Wulz: Mindestens an drei Universitäten, in Salzburg, Linz und Graz. Insofern muss man das als einen Flop bezeichnen, ihn als solchen abhaken und versuchen, das besser zu machen.

Töchterle: Worauf es mir ankommt ist, dass diese Barriere, wie Sie sie nennen, eingebaut wurden, um ein Problem zu lösen, das man viel stimmiger und klarer lösen könnte, wenn die Universitäten Kapazitätsgrenzen hätten und diese leben dürften. Diese Kapazitätsgrenze hätten sie auch, wenn man ihnen noch viel mehr Geld gäbe. Jede Institution hat Kapazitätsgrenzen. Es ist eine Missachtung universitärer Lehre, wenn man so tut, als ob es keine gäbe.

Wulz: Ich bin froh, dass Sie endlich so ehrlich sind und selber von Barrieren und Hürden sprechen.

Töchterle: Weil Sie mir das dauernd vorwerfen, ich spreche von Kapazitätsgrenzen.

Wulz: Nein, Sie haben von Barrieren und Hürden gesprochen. Das ist das, was die ÖVP-Politik seit Jahrzehnten macht. Irgendeine neue Hürde lässt sich die Politik immer einfallen und niemand weiß mehr, welche Regeln gerade gelten und unter welchen Vorraussetzungen man überhaupt noch studieren kann.

Töchterle: Weil man die stimmigen Maßnahmen nicht zulässt.

Wulz: Das ist ein Resultat davon, dass diese Maßnahmen in einer schnellen Husch-Pfusch-Aktion eingeführt wurden, ohne sie sinnvoll und gemeinsam mit den Studierenden zu diskutieren. Das ist eine Unfähigkeit, die ich dieser Politik, vorwerfe, nicht nur Ihnen, sondern vor allem auch den ÖVP-Ministern und -Ministerinnen der letzten fünfzehn Jahren, die enorm viel an den notwendigen Reformen einfach verabsäumt haben und stattdessen kurzfristige Wischi-Waschi-Aktionen gemacht haben. Wir haben heute so schlechte Studienbedingungen wie schon lange nicht mehr. Ich würde Sie wirklich bitten: Setzen Sie sich mit uns zusammen und diskutieren Sie mit uns, was man tatsächlich verändern kann.

Töchterle: Das tue ich gerne und es gibt ja bereits einen Termin: Ich treffe mich am 11. Oktober mit Ihnen und der Uniko, wo wir über die Veränderung der Voranmeldung und ihre Verbindung mit einer klügeren Inskriptionslösung diskutieren. Ich tue damit genau das, was Sie fordern. Man kann vor gewissen Grundtatsachen die Augen nicht verschließen, das tun Sie und das erschreckt mich. Das tut auch die SPÖ. Ein Problem sind begrenzte Kapazitäten. Das kann ich auf zweierlei Art lösen: Ich kann Kapazität erweitern, da bin ich auch dafür. Ich kann sie aber nie in dem Ausmaß erweitern, dass es keine Grenzen mehr gibt. Deshalb muss ich als zweites sagen: Wie lebe ich die Grenze. Die Grenze kann ich nur leben, indem ich den Zugang regle. Ich kann es anders nicht lösen. Das bestreiten Sie und da schreien Sie nach "Geld, Geld, Geld" und "Alle müssen hinein" - Wurscht, es wird schon irgendwie gehen. Das geht nicht.

Wulz: Sie sagen ja selber, dass es zwei Alternativen gibt. Es gibt die Möglichkeit, den Zugang zu beschränken, das bedeutet, dass es Leute gibt, die gerne studieren wollen und die vor verschlossenen Türen stehen. Das sind im Normalfall ...

Töchterle: Alle aus der EU werden nicht studieren können bei uns ...

Wulz: ... die Leute, die aus sozial schwächergestellten Familien kommen. Oder wir haben die Alternative: Wir bauen endlich die Kapazitäten aus, wir bemühen uns mehr Studienplätze zu schaffen und wir - weil sie immer über die ausländischen Studierenden sprechen - bemühen uns auf europäischer Ebene, dass es hier Ausgleichszahlungen gibt - wie es in der Schweiz und im nordischen Raum ganz normal ist.

derStandard.at: Sie haben angekündigt, dass die Uni-Milliarde mit der Finanzministerin relativ fix ist. Ist sie schon sicher?

Töchterle: Fix ist die Hochschul-Milliarde noch nicht. Wir sind in guten Gesprächen.

derStandard.at: Und ist diese Finanzierung an die Studiengebühren gekoppelt? Muss es Studiengebühren geben, damit es die Unimilliarde gibt?

Töchterle: Sie ist nicht gekoppelt, aber beides Teil eines Gesamtkonzepts.

derStandard.at: Wenn Sie die SPÖ nicht überzeugen können, wird es die Unimilliarde trotzdem geben?

Töchterle: (denkt nach) Wir können die Universitäten und Fachhochschulen nicht dafür bestrafen, dass die SPÖ zu einer anderen wichtigen Neuerung nein sagt. Die Hochschulen brauchen das Geld, sie werden besser finanziert werden. Wenn die SPÖ Nein sagt zu Studienbeiträgen, fällt ein wichtiger Bestandteil meines Gesamtkonzeptes weg. Das tut mir weh und das müsste jedem im Lande weh tun. Mit der Hochschulmilliarde und den Studienbeiträgen würden wir uns ziemlich schön in Richtung zwei Prozentziel bewegen.

derStandard.at: Warum ist die ÖH bei den Gesprächen rund um den Hochschulplan nicht dabei?

Töchterle: Die ÖH ist dabei, aber nicht im engsten Kreis. Dieser besteht aus Vertretern der Universitäten, der Fachhochschulen und des Ministeriums. Das ist eine sehr kleine, arbeitsfähige Gruppe.

derStandard.at: Das heißt die ÖH wäre Ihnen da ein bisschen lästig?

Töchterle: Um sie arbeitsfähig zu halten, sind das die drei Beteiligten.

Wulz: Genau das ist das Problem, dass Sie und die Rektorinnen und Rektoren definieren, was für die Studierenden relevant ist. Den Blickwinkel der Studierenden auszusparen, heißt immer, dass man Wissen ignoriert, um dann im Nachhinein draufzukommen, dass die getroffen Maßnahmen eben doch blöd waren. Das zeigt uns ja der Voranmelde-Flop. Das kann man verhindern, indem man Gremien so aufbaut, dass alle Beteiligten ein Mitspracherecht haben.

Töchterle: Die Entscheidungen fallen ohnehin an den jeweiligen Universitäten. Wenn die Hochschulkonferenz zu einem Schluss kommt, so muss der Beschluss noch immer von der jeweiligen Universität getragen werden. Die Studierenden werden dabei über den Senat miteinbezogen.

derStandard.at: Letzte Woche wurde bekannt, dass die ehemalige ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer als Extremistin auf einer Liste des Verfassungsschutz eingetragen ist. Eine Userin fragte sich in unserem Forum, ob Sie bei gemeinsamen Treffen mit Frau Maurer Angst gehabt hätten?

Töchterle: Sigrid Maurer stammt aus dem gleichen Dorf wie ich, aus Telfes im Stubaital. Ich mag sie sehr gern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie mir jemals Furcht einflößte, im Gegenteil, sie ist mir sehr sympathisch.

derStandard.at: Ist es sinnvoll, dass es solche Daten gibt oder dass Frau Maurer auf einer solchen Liste steht?

Töchterle: Ich glaube, das ist ein Automatismus, der hier gegriffen hat. Wir wissen aber auch, dass wir uns sehr wünschen, in Österreich vor Extremismus geschützt zu sein.

derStandard.at: Frau Wulz, haben Sie schon Einblick in Ihre Daten genommen?

Wulz: Ich habe ein Auskunftsbegehren gestellt, leider aber noch keine Antwort erhalten. Das große Problem ist hier, dass es eine Kriminalisierung von Menschen gibt, die sich für Interessen und Politik einsetzen und damit genau das tun, was es in einer Demokratie zur Veränderung braucht: Kritik üben. (Lisa Aigner, Sebastian Pumberger, derStandard.at, 3.10.2011)

JANINE WULZ ist seit Juni Vorsitzende der österreichischen Hochschulerschaft. Sie studiert Politikwissenschaft an der Universität Wien.

KARLHEINZ TÖCHTERLE ist seit April Wissenschaftsminister. Der parteifreie Minister sitzt auf einem Ticket der ÖVP in der Regierung. Davor war der Altphilologe Rektor an der Universität Innsbruck.

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trollvottel
00
19.10.2011, 11:01

Es zeugt von Arroganz und mangelnder Selbstreflektion, wenn man immer behauptet, nur alle anderen Meinungen seien "ideologisch", die eigene aber "logisch durchdacht klar selbstverständlich" und dennoch "ideologiefrei".

Nachdem Ideologie der Mechanismus ist, nach dem unser Gehirn entscheidet, was es für normal und selbstverständlich klar hält, ist diese Aussage von Töchterle schlicht absurd.

I.S.
10
12.10.2011, 12:22
Hier gehts nicht um Parteien!

Ich persönlich finde es zur Abwechslung einfach schön, dass mit Herrn Töchterle tatsächlich jemand mit dem entsprechenden Know-How das Amt des Wissenschaftsministers bekleidet. Seine Ansätze scheinen mir sehr sinnvoll, gerade wenn wir von fairer Studienplatzvergabe und sozialer Durchmischung sprechen, denn so werden sich zukünftige Studentinnen und Studenten vorher überlegen, was sie studieren wollen und wie lange sie brauchen werden. Dadurch werden den tatsächlich Interessierten ein Platz und entsprechende Bedingungen zur Verfügung gestellt. Mit einem entsprechendem Förderungssystem für finanziell schlechter gestellte wäre es definitiv faierer als die momentane Lösung. Und eines darf man nicht vergessen - wer zahlt darf auch mitreden!

Patrizia Cremonini
00
12.10.2011, 20:28
Als ich studiert habe, gab es noch Studiengebühren...

...aber mitreden durfte ich trotzdem nirgends. Die Bedingungen waren kein Stück besser als vorher.

Ich finde es nicht fair, dass sich Maturanten so früh entscheiden müssen. Die sollen ruhig in verschiedene Studien reinschnuppern können. Diese Entscheidung ist auch so schon schwierig genug, wenn man gerade mal die Schulwelt kennt und im letzten Jahr mit der Matura beschäftigt ist.

Ich glaube, dass das Gerede von "tatsächlich Interessierten" in die falsche Richtung führt. Ich habe ein anderes Studium begonnen als ich abgeschlossen habe, weil ich davor gar nicht wusste, dass diese Disziplin viel mehr meinen Fähigkeiten und Interessen entspricht. Trotzdem war ich auch am 1. Studium "tatsächlich interessiert".

Patrizia Cremonini
01
10.10.2011, 20:20

Auf ihr Argument, dass Uni-Absolventen ihre Ausbildung indirekt ohnehin selbst finanzieren, weil sie später (im Durchschnitt) auch mehr Steuern bezahlen, ist er überhaupt nicht eingegangen.

Dass da überhaupt noch diskutiert werden muss...? Der Staat profitiert von Akademikern, also muss er für deren Ausbildung aufkommen.

Warum gibt's diese Dikussionen eigentlich nur bei den Unis? Man könnte ja auch sagen: Gebühren für alles, was über die Pflichtschule hinausgeht. All die Argumente, die für Studiengebühren vorgebracht werden, kann man hier genauso anwenden.

BJVV
20
5.10.2011, 08:36
Was nix kost, is nix wert.

Studiengebühren für alle, im Austausch gegen bessere Bedingungen an den Unis. Man möge sich vor Augen führen, dass die letzten Studiengebühren kaum mehr als das Äquivalent von 50 Packerl Tschick waren. Wer sich das vom Mund absparen muss, soll einen zinslosen Bildungskredit erhalten oder die Gebühren als eine Art Zivi, wenn möglich auch in fachlicher Nähe zum Studium, in ein paar Std pro Monat ableisten. Solange die Studierendinnenschaft mehr mit der gender- und grenzenlosen Traumgesellschaft Utopia beschäftigt ist anstatt einen legitimen Beitrag zu ihrer Ausbildung zu leisten, wird man dem durchschnittlichen Steuerzahler kaum erklären können, warum mehr von seinen Euros in die 21 Unis des Landes fließen sollen.

somussesnichtsein
00
4.10.2011, 16:55
sie argumentieren überhaupt

sehr bescheiden!

richard145
 
01
4.10.2011, 16:40
also die wulz vertritt

auch hier nicht meine meinung.
ich bin für aufnahmebeschränkung, dann aber keine studiengebühren, genügend platz, keine prüfungsketten und knock-out prüfungen.

DarktowerX
01
4.10.2011, 15:53

wie wäre es mit einer Ausweitung der Schulpflicht auf eine "Studierpflicht" zunindest bis zum Bachelor? Wenn es selbstverständlich wäre, dass jeder junge Mensch nicht nur eine Grundschulausbildung besitzt, sondern auch weiterführende Bildung auf Hochschulniveau wäre der These, dass die Bildung die Zukunft der Gesellschaft mitbestimmt, endlich systematisch Rechnung getragen.

the bugger_off
00
4.10.2011, 16:44

ausgezeichnette idee.

Ben Chihovsky
01
4.10.2011, 11:56

Die 35 Millionen Studiengebühren kann der Staat nicht übernehmen. Da wird seit Jahren darüber gestritten. Dass der Staat aber bis zu 8 Mrd jährlich für Zinszahlungen ausgibt, dass die Pensionen ebenso fast jährlich einen Milliarden-Nachschuss benötigen, weil sie aus den Beiträgen nicht gedeckt wären, darüber wird kaum diskutiert. Da stellt sich für mich die Frage, ob es den Steuerzahler stört 35 Millionen für die Sicherung der Zukunft auszugeben, oder 45% des BIPs für Pensionen und Zinszahlungen, die dem Staat faktisch keinen Wohlfahrtsgewinn bringen?

snakeskin10
00
4.10.2011, 09:58
Mittlerweile ist es so, dass international renommierte Professoren...

... um Österreich einen großen Bogen machen. Gefragte Wissenschaftler wollen sich hunderte Studenten in einer Vorlesung, die Betreuung von einer Unzahl von Seminararbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen nicht antun.
Wissenschaftliche Forschung, echte Betreuung von Studierenden kommen einfach zu kurz. Das kann man auch mit Milliarden von mehr Budget an den Unis nicht lösen.
Die Konsequenz: Die Fachhochschulen laufen den Unis bereits den Rang ab.

beos
00
5.10.2011, 07:27

Blödsinn! Guck nach IBK. Ich weiß nicht ob es in den Verträgen steht, aber die "Angeworbenen Guten" machen nur Master und Phd, und allibihalber vielleicht eine einheit im Bachelor wenn überhaupt......

Fakten sind egal- was zählt ist die Meinung
21
4.10.2011, 08:47

Woher nimmt eigentlich die ÖVP die Frechheit, sich in Form eines so genannten Bildungsministers festzulegen, dass man nicht jedem Österreicher einen Studienplatz seiner Wahl garantieren kann?
Ja sind wir Bürger und Menschen für die ÖVP und die Unis da oder umgekehrt?
Das ist eine philosophische Frage, ich weiß. Aber ist das nicht jede politische Frage am Ende des Tages? Ist nicht jede politische Frage eine Frage des Menschenbildes und der Willensbildung?
Und wer bildet hier den Willen, den sich alle zu unterwerfen haben? Der Töchterle? Oder der Finanzierungsbedarf? Bildung ist wie Wasser ein Grundrecht des Menschen. Ein öffentlicheres Gut gibt´s es ja nicht mehr.
Hätte man in der ÖVP nur all die Fragen zB bei Eurofighterkauf gestellt...

120 Jahre Karl Schranz
00
4.10.2011, 12:44
ob jedem menschen der studienplatz seiner wahl zusteht ist eine politische frage

selbstverständlich hat jeder das recht auf diese politischen fragen unterschiedliche antworten zu geben.

Fakten sind egal- was zählt ist die Meinung
00
5.10.2011, 17:13

Die Politiker haben dieses Recht ausdrücklich nicht. Sie haben sich in ihren Meinungs- und Willensbildungsprozessen an die Grundsätze der Verfassung zu halten und sofern ich daraus das wichtigste kenne, steht dort nicht:
Absatz 1 der ÖSterreichischen Bundesverfassung:
Behandlen sie Menschen wie Kostenstellen. Mehr sind sie nicht wert sondern eher irgendwas von Gleichheitsgrundsatz und unantastbarer Würde.
Von Demokratie und Souverän gar nicht zu sprechen. Die wissen warum sie keine direkten Demokratie wollen...

sokra
02
4.10.2011, 10:18

Entweder man beschränkt den Zugang entsprechend der Kapazitätsgrenze oder man nimmt deutlich mehr Geld zur Kapazitätserweiterung in die Hand. Zu letzterem sind aber die ÖVP und SPÖ gleichermaßen nicht bereit - selbst bei einer Alleinregierung der Grünen gäbe es wohl kein Medizinstudium für alle usw.

Der jetztige Weg - ignorieren der Kapazitätsgrenze - macht aber die Unis kaputt! Und die ÖH hält an ihrer Ideologie fest, auch wenn die (staatlichen) Unis dabei zugrunde gehen.

Was bringt ein freier Unizugang wenn die Unis dann ihren Namen nicht mehr verdienen??? Wenn die Elite dann auf Privatunis ausweicht?

per verser
00
4.10.2011, 09:03

die övp nimmt sichnoch ganz andere frechheiten heraus, glauben sie mir. und die spö nickt es ab.

jack johnson
 
22
4.10.2011, 09:02
Weil sie sich grad im philosophischen Nebel verlieren:

Bildung wird bis zur 12. Schulstufe von Oe bereitgestellt.

Unis werden dem tertiaeren Bildungsbereich zugeordnet.

Und wie schon hundertmal erwaehnt: Es wird kaum einen stoeren, wenn sie sich als Hoerer in eine LV auf der Uni setzen, um ihren Bildungsdrang zu befriedigen.

Fakten sind egal- was zählt ist die Meinung
11
4.10.2011, 11:08

Also ich habe in meiner Zeit in der Schule eigentlich keine nennenswerte Bildung erfahren, außer man bezeichnet Latein od. Differentialrechnung als Bildung und schlägt dann Räder wie ein Pfau, wenn man einmal was Supergscheides absondern kann.
Richtig Bildung erfuhr ich auf der Uni, dort wo noch unverständlicherweise hochmotivierte Leute sich um wichtige Erkenntnisse bemühen und die Gesellschaft und den Menschen nicht auf seinen Marktwert reduzieren.
Der tertiäre Bereich ist Bildung und so eine Bildung kann ich mir nicht holen, dorthin muss geführt und angeleitet werden.
Ich kann nach dieses Erfahrungen schon verstehen, dass Nachdenker im Dunst- und Ideologiekreis der Lobbyisten das kritisch im Sinne der Machtverteilung im System sehen.

per verser
40
4.10.2011, 09:05

es geht um die macht, nicht um bildung: es sollen nur bonzenkinder und kinder der freunderl den abschluss erwerben können, da wird ein neuer adel gebildet. sie als schwarzer dürfen das natürlich nicht zugeben, ist mir schon klar.

blub7
00
4.10.2011, 20:30
was muss...

...dir im leben eigentlich passiert sein, dass du immer andre für irgendwas verantwortlich machen musst?

Aristokrates
10
4.10.2011, 15:06

bla bla (hier ideologisch geprägten Nonsense einfügen) bla bla bal ... so lesen sich Ihre Posts.

Fakten sind egal- was zählt ist die Meinung
11
4.10.2011, 10:08

Also mir ist ein Universitätsprofessor bekannt der in einer Vorlesung erzählte, das Ergebnis einer Studie von ihm war dem Verbund nicht recht.
Der Verbund habe massiv interveniert und mit dem Entzug einer Förderung gedroht, die er bis dato an die Uni bezahlte. Die Uni blieb hart und veröffentlichte die Ergebnisse, die Förderung ist weg.

Soviel zum Thema Macht und Bildung, auch im tertiären Bereich, als öffentliches Gut.

ugsome
15
4.10.2011, 08:32
Janine Wulz

... ich hab sie nicht gewählt!

smea_gol
81
4.10.2011, 09:00

schön
entweder sie waren einer der debilen ag oder rfs wähler
oder einer der debilen nichtwähler.

applaus.

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