Schladming 2013, Freiwillige und WM-Luft

  • Das im Bau befindliche Service-Deck im Zielstadion der Planai.
    foto: apa/ gindl

    Das im Bau befindliche Service-Deck im Zielstadion der Planai.

Es bedarf eines Heeres von frei­willigen Helfern, um ein sportliches Großereignis zu veranstalten. Was die Ski-WM 2013 betrifft, naht das Ende der Rekrutierungsphase

Wien/Schladming - Reinhold Zitz ist immer noch begeistert von jenem Mann, der anlässlich der Olympischen Spiele 2010 in Vancouver drei Wochen lang Dienst in der Tiefgarage versah. Er hatte sich freiwillig gemeldet und nicht das beste Los gezogen. Schließlich war die olympische Luft, die er zur Belohnung schnuppern durfte, durchaus spezifisch.

Bei der Gelegenheit fällt einem die Leichtathletik-WM vor einem Jahrzehnt in Edmonton ein und das Gespräch mit jenem Volunteer, der auf die Sauberkeit in den Stadiontoiletten zu achten hatte. "Ein harter Job", sage der, "aber einer muss ihn tun." Und auf jene, die draußen die Luxuslimousinen chauffierten, war er gar nicht neidisch. "Von meiner Toilette muss ich nur ein paar Schritte gehen und kann den Sportlern im Stadion zuschauen. Die Chauffeure sehen das Stadion nur von außen." Er sprühte vor Enthusiasmus.

Zitz, der langjährige Geschäftsführer des Austria Ski Pool, macht den Chef des Organisationskomitees der Ski-WM 2013 in Schladming. Und als solcher ist er auch für die Rekrutierung jener zuständig, die das Gros der Arbeit erledigen werden und ohne die eine sportliche Großveranstaltung nicht durchzuführen ist. Was die Freiwilligen mitbringen müssen? "In erster Linie Begeisterung und gute Laune. Und zwei Wochen Zeit." Und was kriegen sie? "Null Kohle, aber ein unvergessliches Erlebnis. Sie werden eingekleidet, verpflegt und untergebracht."

Drüben und hüben

Das Rekrutieren der Freiwilligen ist nicht so leicht wie drüben in Nordamerika, wo diesbezüglich eine andere Kultur herrscht, es zum guten Ton gehört, sich unentgeltlich zu engagieren. Die Deutschen haben Schladming die Latte jedenfalls freiwilligenmäßig ziemlich hoch gelegt. 4000 Menschen hatten sich beworben, 1500 wurden erhört.

Bis zu 50 Personen sind zwecks Ski-WM hauptamtlich beschäftigt. Und damit das Werkel auch wirklich rund läuft, sind an die 1100 Freiwillige vonnöten. 600 haben bisher ihre Meldung abgegeben. "Wir bekommen jetzt täglich 15 bis 20 Meldungen", sagt Zitz. Die Rekrutierungsfrist läuft im November ab, das Gewand bei WM-Sponsor Halti muss in Auftrag gegeben werden. Die meisten Freiwilligen stammen aus der Region, was für die Organisation in zweierlei Hinsicht praktisch ist. Einerseits erhöht es die Bereitschaft zur Identifikation, andererseits können sie zu Hause schlafen, was wiederum nicht nur bequem ist, sondern auch Kosten spart.

Rund die Hälfte, ob Pensionist oder Student, wird WM-Luft pur schnuppern, auf der Piste beschäftigt sein. Der Rest ist für Medien, Sicherheit oder Verkehr zuständig. Die Tiefgarage kann passieren. Die Toilette, so Zitz, allerdings nicht. (Benno Zelsacher, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 30. September 2011)

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