Steiermark

"Umweltanwälte müssen entmachtet werden"

29. September 2011, 17:44

Steirischer Umweltlandesrat Seitinger (ÖVP) hat genug von jahrelangen Blockaden

Graz/Innsbruck - Johann Seitinger ist gewillt, ins kalte Wasser zu springen: "Ich weiß, dass ich damit viel Kritik auf mich ziehen werde, zumal ich selbst steirischer Umweltlandesrat bin. Aber ich weiß, was ich da sage: die vielen neuen Anwälte, von den Umwelt- bis zu den Tierschutzanwälten, müssen in einem gewissen Sinne entmachtet werden", sagt der steirische ÖVP-Politiker im Gespräch mit dem Standard.

Die Bedeutung und Einspruchsmöglichkeiten von Anwaltschaften sollten auf das Niveau von Ombudsschaften ohne Parteistellung reduziert werden. "Diese fundamentale Parteistellung der Anwaltschaften mit der Möglichkeit, wichtige Infrastrukturprojekte jahrelang zu blockieren oder zu verhindern, muss einfach beseitigt werden. Wir können uns die Verzögerungen, die durch die vielen sündteuren Einsprüche entstehen, nicht mehr leisten" , findet Landesrat Seitinger: "Die Party ist leider vorbei."

Die Anwaltschaften, deren Gründung als Stärkung des Umweltgedankens gedacht war, hätten sich zu einem eigenen "Staat im Staat" entwickelt. Ein Problem, das nicht nur die Steiermark, sondern ganz Österreich beschäftige. Seitinger: "Wenn man mit Windkraft- oder Kleinwasserkraftbetreibern spricht, was die alles an an Gutachten, Expertisen von Ökologen, Biologen, Ornithologen liefern müssen, um ein 140-prozentiges Umweltsiegel zu erhalten, dann weiß man, warum sie sich zu Recht aufregen und sagen: Wenn ihr so weitermacht, werdet ihr eure Klima-, aber auch die Wirtschaftsziele nie erreichen."

"Staat im Staat"

Der "klassische Problemfall" sei die Umweltanwaltschaft, der "Inbegriff" eines neu geschaffenen Staates im Staat, der eine Parteienstellung erhalten habe, die "weit über das ursprünglich gemeinte Maß hinaus" agiere. "Es kann nicht sein, dass ein Schmetterling, ein Fisch oder ein Vogel dringend notwendige Millionen-Infrastrukturprojekte, an denen tausende Arbeitsplätze hängen, verhindern kann" , kritisiert der steirische Umweltlandesrat und sagt auch: "Es ist schon witzig, dass all die schützenswerten und in der roten Liste niedergeschriebenen Geschöpfe plötzlich zufällig dort vorzufinden sind, wo sie in den letzten 100 Jahren eigentlich gar nicht waren. Sie tauchen plötzlich auf und werden dann von Gutachtern entdeckt, wenn ein Bauprojekt geplant ist."

Eine Rückstufung der legistischen Möglichkeiten von Anwaltschaften werde nicht zwingend zu einer Schwächung der Umwelt- oder Tierschutzstandards führen.

Seitinger legt "größten Wert darauf, dass wir die höchsten Standards in der Wasserqualität halten, dass Umweltverträglichkeitsprüfungen und die Umweltgesetze streng eingehalten werden und wir mit unseren Ressourcen nachhaltigst umgehen. Da bin ich hochsensibel. Aber das, was wir jetzt machen, überschreitet manchmal jedes Maß an Vernunft. Wir müssen wieder zurück zum Hausverstand."

Dieser Meinung ist auch Seitingers SPÖ-Kollege in Tirol, Umweltlandesrat Hannes Gschwentner. Mit dem Umweltanwalt sehe er kein so großes Problem, wohl auch, weil dessen Position in Tirol eine andere sein mag. Dringend anzusetzen sei aber bei den Umweltverträglichkeitsprüfungen. "UVP-Verfahren dauern viel zu lange, oft bis zu vier Jahre. Da werden Kisten voller Gutachten herangeschafft, die keiner mehr lesen kann. Das schießt übers Ziel hinaus." Auch Gschwentner plädiert für eine "Rückkehr des Hausverstandes".(Walter Müller, DER STANDARD; Printausgabe, 30.9.2011)

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Posting 1 bis 25 von 43
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Ernst Huettinger
10
1.10.2011, 21:45
Umweltanwälte aus dem Weg räumen.

Das sind so die Methoden, der Wirtschaft, der Landwirtschaft und Konsorten. O du mein Österreich, kann man da nur sagen. Zu viel Dumme sitzen in den Parlamenten und die geschnigelten Quereinsteiger schaffen an und nehmen heraus. Schweinehunde unter uns.

Stephan Preishuber
11
1.10.2011, 16:04
Mit der Kirche im Dorf bleiben

Liebe Leser!
Natürlich muss unsere Umwelt geschützt werden!
Wenn aber in Salzburg ein Kraftwerk verhindert werden soll, weil ein Biber dort sein Unwesen treibt, oder im Kobernaußerwald keine Windkraftanlagen errichtet werden dürfen, weil es dort einen Graureiher gibt (für den sowieso neue Nistplätze gebaut werden müssten), dann müssen wir eben wieder AKW's bauen!
Die Tschechen haben dafür schon die tollsten Pläne!

kopernicus
01
1.10.2011, 17:04
Ok, Wolfi

wir haben dich verstanden, kaufen dir aber trotzdem kein AKW ab. Deine ÖVP Parteikollegen sind offenbar auch so schon verstrahlt.

Fritz Meyer
13
30.9.2011, 16:24
Ein bisserl die Demokratie abschaffen...

damit man endlich ungestört regieren kann.

Und das kommt natürlich von der Dollfuss-Verehrerpartei.

franzjosef
00
3.10.2011, 11:50
was hat ein Umweltanwalt mit Demokratie zu tun?

hab noch nie einen gewählt!
Umweltanwältin Pöllinger hat selbst gesagt, dass sie nur verzögern kann (wenn die Gesetze einer Realisierung nicht entgegenstehen), das ist wie ein trotziges Kind welches das Spielzeug beschädigt, das es nicht haben kann

mephisto93
15
30.9.2011, 13:10
Ausverkauf der Heimat, bremst endlich die ÖVP ein

Der Landesumweltanwalt als Stimme der Natur muss weisungsfrei sein und Zutritt zu den Höchstgerichten besitzen. In Tirol verhindert die ÖVP einen weisungsfreien Landesumweltanwalt.Gerade die ÖVP mit der FPÖ haben unser Land den Ausverkauf preisgegeben. Atomlobbyist Schüssel hat sich kürzlich schnell zurückgezogen,warum wohl, und von Strasser, Grasser, Eurofighter und weiteren Skandalen der ÖVP und FPÖ werden wir fleißigen Leser dank Standard immer wieder informiert.
Mir ist ein freier Landesumweltwalt 1000 mal lieber, als Politiker, die von Lobbies beherrscht werden und unser Land verschachern.Österreich wirbt weltweit mit Natur.Die Politiker sagen, nimms und ungeniert.Vertrauen null !!!
Die SPÖ in Tirol sind Steigbügelhalter der ÖVP.mfg.

Sarah L.
 
02
30.9.2011, 12:59
so war´s nicht gedacht ....

richtig! gedacht war es als feigenblatt. und da ist es natürlich störend, wenn einige den umweltschutz mit sachverstand ernst nehmen wollen. da ruft man dann halt schnell nach "hausverstand" (ganz im interesse der investoren).

franzjosef
00
3.10.2011, 11:57

wenn Sachverstand heißt in Sonntagsreden Bekenntnisse zu erneuerbarer Energie zu machen aber immer dann wenns konkret wird unzählige, manchmal an den Haaren herbeigezogene Gründe dagegen zu finden dann ist Hausverstand ehrlicher und besser

Michel Berger
00
30.9.2011, 14:41
Umweltschutz mit Sachverstand!

... und dann steht in einer Stellungnahme von UmweltanwältInnen was gegen den Bau eines Kleinwasserkraftwerkes spricht u.A. "vermindertes Rauschen"

Den Namen will ich nicht erwähnen, weil sonst Zensitant!

trollvottel
05
30.9.2011, 11:20

Es kann nicht sein, dass ein Umweltpolitiker wegen ein paar Dutzend Arbeitsplätzen das Aussterben weiterer Arten in Kauf nimmt.

Harald Bruckner
00
30.9.2011, 12:21
Scheuklappen

Dabei sollte er derjenige sein, der über Tellerrand blickt.

saleste
73
30.9.2011, 11:19
100% zustimmung

endlich traut sich da mal wer was zu sagen! mit findigen gutachten werden wichtige klimaschutzmaßnahmen oft unnötig lange verzögert, hier bekämpfen sich öko und öko, und dazwischen sitzen die anwälte und reiben sich die hände.

Justin Credible
12
30.9.2011, 10:53

Das ist ein Mensch mit riiiichtig viel Weitblick!

Gsi Berger
06
30.9.2011, 10:52
"ich als Umweltlandesrat ..."

Interessant, ich dachte, der Herr sei für Land-, Forst- und Wasserwirtschaft zuständig.

Diese Truppe ist allerdings gewohnt, dass sie sich unter dem Mantel "Umwelt" auch einiges richten, wie es ihrer Bauernbund-Klientel passt. Da geht es natürlich gar nicht, dass andere auch was mitzureden haben.

ralikka
01
30.9.2011, 10:50

Er soll halt konstruktive Verbesserungsvorschläge machen?
Einfach mal Abschaffen geht gar nicht, grad bei jemandem der Arbeitsplätze und Milliardenprojekte wichtiger findet als Umweltschutz.
Aber wenn es in der praktischen Umsetzung was gescheiteres als teure Gutachten gibt - bitte gerne! Nur verlasse ich mich halt ungern auf den ökologischen Hausverstand eines ÖVPlers...

kingcycle
05
30.9.2011, 09:54
Ein Plädoyer für die Erhaltung

natürlich gewachsener Korruptionssümpfe - die könnten doch glatt austrocknen ohne Großprojekte..

Harald Bruckner
07
30.9.2011, 09:45
klingt eigenartig aus dem Mund eines Parteisoldaten

Anwaltschaften wurden geschaffen, weil die Allmacht der Partein die Umweltverträglichkeit unterlaufen hat. Nun will ein Parteinvertreter sie abschaffen, weil sie funktionieren?

Leo Laokoon
82
30.9.2011, 08:53
Da hat er allerdings recht!

Wenns einmal so weit ist, dass sich die Umweltschützer über Rinderfürze ereifern, dann ist das Faß am Überlaufen!
Wie wärs würden sich die Umwöltschützer mehr um den Flugverkehr kümmern und diesen als das bezeichnen was er ist!
Das wird aber nicht gehen, Einschränkung des Flugverkehrs, wie kämen dann díe grünen HerrschaftInnen auf die Malediven, Seychellen etc. wo sie ihrer "wohlverdienten" Urlaub verbringen könnten - oder zu Demonstrationen in anderen Ländern fliegen die sie gar nichts angehen!

Gsi Berger
13
30.9.2011, 10:59
Danke für den geistreichen und zweckdienlichen Kommentar

Von Rindern und Flugzeugen steht im Artikel zwar nichts, aber ein bisschen über "Grüne" schimpfen passt ja immer ...

Ich kann mich übrigens an viel Kritik an den "Grünen" erinnern, als die vor Jahren gewagt haben, höhere Steuern auf Flugverkehr zu fordern.

Hrabal
01
30.9.2011, 11:34
der nö. Umweltanwalt ist jedenfalls nicht gegen die 3.Landebahn in Schwechat

somit einer, wie ihn sich der Steirer wohl wünscht.
Bzgl. Klimaschutz liegt allerhand Kompetenz bei den Ländern. Gegen die radikalen Kürzungen bei der thermischen Altbausanierung ist noch kein Umweltlandesrat in Österreich laut geworden. Schaut nicht so aus, dass diese Wortmeldung vom IV und Wirtschaftsbund bestellt wurde ...

Victoria Karl
 
00
30.9.2011, 08:26
klar,.. Österreich hat ja auch keine Anderen Probleme

als die Frage wie die Politiker in Zukunft sonst an ihre "Beratungsgebühren" kommen sollen,..

Isegrim1
14
30.9.2011, 07:58
Na geh kann die Politik nicht ihre Geldvernichtungsprestigeprojekte bauen, weil ihnen jemand nicht kuscht wenn sie husten.

kopernicus
39
30.9.2011, 06:41
ÖVP zeigt wieder einmal ihr wahres Gesicht

"....Tierschutzanwälte müssen in einem gewissen Sinne entmachtet werden...."

MICH KOTZT DIESE ÜBERHEBILCKEIT AN und auch die blöde Behauptung, daß ein Schmetterling, ein Fisch oder ein Vogel ein Millionenprojekt verhindere, ist nichts als Polemik.

franzjosef
00
3.10.2011, 11:44
leider nicht

Uniquin
 
32
30.9.2011, 15:25

leider falsch ihre aussage. wenn wer ein foto von einem eisvogel aus der tasche zieht kann jeder projektwerber die investierten millionen in den rauchfang schreiben. wenn der richtige schmetterling von einem fadisierten studenten entdeckt wurde, gibts bauzeiteinschränkung auf wenige wochen im jahr.

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