Havanna erlaubt Handel mit Gebrauchtwagen

29. September 2011, 17:29
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    foto: reuters/boylan

    Ein vorrevolutionärer Wagen in Havanna. Bislang war es verboten, nachrevolutionäre Automodelle zu kaufen oder verkaufen. Beschränkungen für ganz neue Autos bleiben weiterhin bestehen.

Erstmals seit der Revolution 1959 erhalten Kubaner das Recht, gebrauchte Autos zu kaufen und zu verkaufen

Die Liberalisierung gehört zu den mehr als 300 Wirtschaftsreformen von Präsident Raúl Castro.

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Puebla/Havanna - Ein halbes Jahrhundert war der Autohandel auf Kuba verboten - nun fällt im Zuge der Wirtschaftsliberalisierung auch diese unpopuläre Beschränkung. Am Mittwoch wurde ein entsprechendes Dekret veröffentlicht. Die Maßnahme ist Teil der mehr als 300 marktwirtschaftlichen Reformen, die vom Kommunistischen Parteikongress im April verabschiedet wurden. Der Verkauf und die Schenkung von Gebrauchtwagen ist fortan Kubanern ohne vorherige staatliche Genehmigung erlaubt. Dies gilt auch für Ausländer, die auf der Insel leben. Beim Kauf neuer Importautos gibt es allerdings weiterhin Beschränkungen. Wer daran Interesse hat und über Deviseneinnahmen verfügt, muss eine Erlaubnis beim Transportministerium beantragen.

Bislang konnten nur Autos aus der Zeit vor der Revolution von 1959 frei verkauft werden, neue Modelle nicht. Es gab allerdings einen blühenden Schwarzmarkt, auf dem die Autos unter der Hand verkauft wurden. Die Papiere blieben jedoch stets auf den Originaleigentümer ausgestellt. Die neueren Modelle, meist aus sowjetischer Produktion, waren zum Großteil im Besitz von höheren Funktionären, Vorzeigesportlern, Ärzten und Künstlern, die durch Auslandsaufenthalte Deviseneinnahmen hatten.

Absurdes Verbot

Die ersten Reaktionen der Bevölkerung auf die Maßnahme waren positiv. "Das Verbot war absurd, wie gut, dass es jetzt damit vorbei ist", sagt der Musiker Lazaro Gonzalez. Auch für die Auswanderer gilt die Reform. Sie dürfen fortan ihre Fahrzeuge verkaufen oder an Verwandte vererben. Vorher mussten sie alle ihre Eigentümer dem Staat überlassen.

Im Zuge des Reformkurses dürfen Kubaner nun auch Mobiltelefone, Fernseher und Mopeds erwerben und in Hotels logieren. Zwei weitere unpopuläre Restriktionen - die teure und nach willkürlichen Kriterien erteilte Ausreiseerlaubnis und das Verbot von Immobilienverkäufen - sollen ebenfalls noch fallen. Außerdem dürfen sich Kubaner in mehr als 180 Berufen selbstständig machen und Angestellte beschäftigen, müssen dafür allerdings eine Lizenz beantragen und Steuern zahlen. Davon haben bislang knapp 350.000 Bürger Gebrauch gemacht. Rund 30 Prozent davon sind offiziellen Zahlen zufolge ehemalige Staatsbeamte, deren Jobs wegrationalisiert wurden.

Kubas Präsident Raúl Castro will mittelfristig eine Million Staatsdiener entlassen. Die Reformen sollen der maroden Wirtschaft mehr Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit einhauchen, ohne jedoch auf den Sozialismus als Ideologie zu verzichten. Nach einem halben Jahrhundert ist die Umstellung auf kapitalistische Spielregeln für alle Beteiligten ein schwieriges Unterfangen. Weil Steuerzahlen etwas ganz Neues ist, veröffentlichte das Parteiorgan Granma kürzlich eine Anleitung für diejenigen, die künftig "auf eigene Rechnung" arbeiten wollen. Aber nicht nur die Unternehmer, auch die Steuerbehörde selbst scheint mit den Auflagen und Regeln, mit Freistellungen und Freibeträgen, überfordert und ist einem Bericht der Zeitung Economist zufolge heillos im Verzug. (Sandra Weiss/DER STANDARD, Printausgabe, 30.9.2011)

Kommentar posten
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Girgl Galgenstein
00
13.11.2011, 08:35
Den Sozialismus in seinem Lauf

hält weder Ochs noch Esel auf. Was aber Ochs und Esel nicht vermögen, bewirkt der fortgesetzte, sich verschärfende Mangel an schlichten Gütern, die zwei Generationen real existierender Sozialismus in Kuba nicht hervorzubringen vermochten. Auf Dauer scheint die Parole, dass der Mensch dieser wenigen, mit der Zeit aber immer mehr fehlenden Gütern doch gar nicht bedürfe, nicht mehr zu verfangen.

Harry Meier
 
00
11.1.2012, 08:27
Viele behaupten Kuba sei ein realsozialistisches

Paradies und leuchtender Stern am Himmel des boesen Kapitalismus aber die Anzahl der Staatsbuergerschaftsantraege und Migranten in Kuba tendiert Richtung null. Da predigen offenbar viele Wasser und saufen den Wein heimlich. Im steinzeitlich- sozialistischen Freiluftmuseum ists offensichtlich doch nicht so toll.

uruguay
 
10
4.10.2011, 15:01
Cuba es autentica......

Marlon62
10
2.10.2011, 12:26
Ad Foto:

Wurden die Räder des Autos gestohlen, oder hat sie der Besitzer selber abmontiert, um einem Autodiebstahl vorzubeugen?

THE MGT.
00
30.9.2011, 04:04
Wozu "neue" Autos?

Wenn sie, gemäß Foto, eh schon sowas haben: http://www.youtube.com/watch?v=IJhlD6q71YA

Hans Stück
00
29.9.2011, 20:54

was wir nicht erfahren: ob der verkauf ins ausland möglich ist oder nicht.

Der Neue Mensch
21
2.10.2011, 15:03

Die Autos sind für echte Oldtimer-Fans ziemlich wertlos, da bis auf die Karosserie fast kein Originalteil mehr verbaut ist. Und nen alten Lada bekommt man im Osten leichter und billiger als in Kuba.

Die Frage nach möglichem Export stellt sich also gar nicht.

Apocalypse
01
1.10.2011, 09:34

an Ausländer mit Wohnsitz in Kuba sicher. Ins Ausland naja. Ich gehe mal davon aus das sie von den alten Kisten eine wollen, das war mal legal, dann wieder nicht mehr. Die Kubaner nutzen sie ja als Sammeltaxis, und das sehr effizient. 5-6 Leute pro Auto

DuesselDoofer
10
1.10.2011, 14:20
5-6....??

wow, also so richtig lecker bei 40° im Schatten.

lg

Apocalypse
12
2.10.2011, 11:20

Ami Schlitten sind groß und Kuba hats max. 35 Grad, falls überhaupt, normalerweise in Havanna Tages max 30 Grad. Aber nachdem man morgens zur Arbeit bei ca. 20 Grad fährt und später bei ca. 27 Grad nach Hause.
Übrigens etwas weiter südlich ist der Transport ähnlich organisiert nur sind die Karren aus den 70ern und wenig geräumig. Ich fahre gerne damit als auch mit den Bussen, könnte mich nicht beschweren, nach ein paar hundert Fahrten nie bestohlen.
Glücklich sind jene die nichts wissen, sind die schärfsten Kritiker.

M F
00
17.12.2011, 16:03
idipfelreiter...

...auch 30 grad celsius machen das nenebeinandersitzen im klapprigen dodge nicht "lecker"!

HenC
 
20
29.9.2011, 20:28
Darf man denn dann auch die Räder dazu kaufen?

Wie auch immer, es geht ja nicht um vorrevolutionäre Karren wie in dem Bild (aber die sind halt so viel schöner anzuschauen als die russischen Lada)

Renegade Hardware Ltd.
18
29.9.2011, 20:06

Die alten US-Kisten haben wenigstens Charme...

meresi
00
30.9.2011, 13:18
absolut...

ist zwar ein bisserl reaktionär so'ne kiste zu fahren...aber ne neue engine und ein paar zutaten das kann schon was...or simply drive a HOT RAT

Pyotr Alexeyevich
33
30.9.2011, 02:12

...sagte er, und machte den Tank voll für die nächsten 50KM.

Don Draper
11
29.9.2011, 19:17
'vorrevolutionär'

naja und was ist das hier bitte?http://4.bp.blogspot.com/_jZWfLvUP... s_cuba.jpg

Ivan Bukov
01
30.9.2011, 13:47

Ein Parteibonze!

Oida Habara
00
30.9.2011, 09:37

... manche tiere sind gleicher!

Thomas Parb
00
30.9.2011, 09:14
Privatauto

noch dazu ist der Mercedes ein Privatauto (gelbes Kennzeichen) - sehr interessant...

Quatremère
00
30.9.2011, 08:16

wird wohl ein billig zurechtgedengelter silberpfeil sein :)

Gobi Todic
12
29.9.2011, 18:41
taugt mir

würde gerne einen bike shop aufmachen... und wenn mir pro monat nur 50 euro zum leben bleiben, da will ich hin.

politisch verfolgt
52
29.9.2011, 18:06
marode wirtschaft?

wie das?
wo der kapitalismus staatlich unterbunden wird muß es doch traumhaft sein.

Apocalypse
10
29.9.2011, 22:33

eh für die Kubaner die vom Ausland a bisserl Geld bekommen ein Traum.

marsmanderl
29
29.9.2011, 18:56
umgekehrt wird ein schuh draus.

wo der sozialismus staatlich unterbunden wird, muss es doch traumhaft sein!? nicht überall wo kapitalismus drauf steht ist wohlstand drin.

in kuba gibts zum beispiel ein erschwingliches/funktionierendes gesundheitssystem für ALLE. das WIE kann man ja recherchieren/diskutieren, aber es ist nun mal da. und die (niedrigen) preise von medikamenten spielen eine wesentliche rolle.

die wirtschaftliche Wahrheit liegt nun mal irgendwo in der Mitte. vielleicht geht's uns in Ö deshalb verhältnismässig gut?

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