Bayerngas verstärkt Konsortium

Günther Strobl, 29. September 2011, 17:08

Pipeline-Betreiber unter Federführung der OMV kämpft bei Gasbezug mit der Zeit

Fuschl/Wien - Das Konsortium für den Bau und Betrieb der geplanten Gasleitung Nabucco unter Federführung der OMV stellt sich auf eine breitere Basis. Als siebentes Unternehmen wird Bayerngas in den Kreis der Konsortialpartner aufgenommen, wie Standard-Recherchen am Donnerstag ergaben. Heute, Freitag, soll das neue Mitglied offiziell präsentiert werden.

Bayerngas, an der neben Stadtwerken wie München (48,66 Prozent) und Augsburg (20,8 Prozent) auch die Tiroler Gasgesellschaft Tigas eine Zehn-Prozent-Beteiligung hält, ist der erste Neuzugang seit 2008. Damals stieß die deutsche RWE zu den Nabucco-Konsorten OMV, Mol (Ungarn), Transgas (Rumänien), Bulgarian Energy Holding und Botas (Türkei).

Bayerngas, die 2010 ein Büro in Wien aufgesperrt hat, um österreichische Industriekunden zu beliefern, ist an Gasfeldern in Norwegen und Dänemark beteiligt. Chef von Bayerngas ist der frühere OMV-Gasvorstand Marc Hall.

Laut Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner liefert sich das Nabucco-Konsortium ein Rennen gegen die Zeit. "Ich glaube nicht, dass weitere Verhandlungen (um Gasmengen für die Pipeline; Anm.) über 2012 hinaus Sinn machen", sagte Mitterlehner am Donnerstag bei einer Tagung des Verbunds in Fuschl. "Nabucco ist nicht mehr strategisch für Europa." Wie berichtet, sollte Nabucco im Endausbau 31 Milliarden Kubikmeter Gas aus der Kaspischen Region nach Mitteleuropa bringen.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat vorige Woche in Berlin zwar die Bedeutung von Nabucco für die Versorgungssicherheit Europas betont, gleichzeitig aber darauf hingewiesen, dass Brüssel den Ausbau von Flüssiggasterminals unterstützen will. Damit könnten größere Mengen Gas per Schiff aus anderen Weltgegenden angelandet werden.

Schlechte Chancen für Nabucco

Gerhard Mangott, Russland-Experte der Uni Innsbruck, sieht schlechte Chancen für Nabucco. In Aserbaidschan gebe es zu wenig Gas, zumal drei weitere Leitungsprojekte mit Nabucco konkurrierten, darunter eines unter Führung von BP. Turkmenistan habe zwar Gas, Russland als Anrainer würde ein Veto gegen den Leitungsbau durch das Kaspische Meer einlegen, um sein South-Stream-Projekt abzusichern. Iran als weiterer Anrainer-Staat würde ebenfalls kaum seine Zustimmung zum Bau einer Pipeline geben.

Wirtschaftsminister Mitterlehner sieht in den jüngsten Razzien von EU-Wettbewerbshütern bei Einkäufern von russischem Gas (RWE, OMV etc.) den Versuch, eine Handhabe gegen die Langfrist-(Take-or-Pay)-Verträge zu finden. Ziel sei, mehr Wettbewerb auf dem Gasmarkt herzustellen

Der Fachverband Gas Wärme hat indes die Behauptungen des Energie-Regulators zurückgewiesen, wonach Energieversorger ihren Kunden in Österreich Erdgas überteuert anbieten. "Die Behauptung des Regulators, dass der Gaspreis um 400 Millionen Euro zu hoch sei, ist für uns absolut nicht nachvollziehbar", sagte Fachverbandsobmann Helmut Miksits. (Günther Strobl, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 30.9.2011)

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