Italienischer Spatz ist eine neue Spezies

2. Oktober 2011, 19:29
9 Postings

Norwegische Forscher sind überzeugt, dass die Art als dritte Art aus dem Hausspatz und dem Spanischen Spatz hervorgegangen ist

Seit langem diskutieren Experten, ob der Italienische Spatz eine eigenständige Art oder doch eine Unterart ist. Eine Forschungsgruppe der Universität von Oslo rund um Glenn-Peter Sætre ist davon überzeugt, endgültige genetische Beweise für das Vorliegen einer eigenen Art gefunden zu haben und damit die Diskussion beenden zu können. Wie das Team im Journal "Molecular Ecology" schreibt, sei der Italienische Spatz (Passer italiae, Italiensperling) aus dem allgegenwärtigen Hausspatz (Passer domesticus, Haussperling) und dem Spanischen Spatz (Passer hispaniolensis, Weidensperling) hervorgegangen.

Die Forscher hatten Populationen des Italienischen Spatzes und des Spanischen Spatzes untersucht, die sich im Südosten Italiens denselben Lebensraum teilen. Sie entnahmen den Vögeln Blutproben, um deren DNA extrahieren zu können. Die Analysen zeigten, dass der Italienische Spatz gemischter Herkunft ist: "Er ist ein Hybrid des Hausspatzes und des Spanischen Spatzes", wird Sætre von BBC zitiert. Zudem - was vielleicht gleich wichtig sei - würden sich die zwei Vogelarten nicht paaren, obwohl sie quasi nebeneinander leben. Wäre dies doch der Fall, hätten die Forscher Vögel mit den Genen beider Arten finden müssen. Die - so nehmen die Forscher an - zwischen den zwei Arten entstandene "Reproduktionsbarriere" könnte am Aussehen liegen oder sich durch unterschiedliche Paarungszeiträume entwickelt haben.

Hintergrund

Normalerweise entstehen Tierarten, indem sich von einer bestehenden Art eine neue abspaltet. Das Phänomen, dass zwei Tierarten zu einer neuen, dritten Art verschmelzen können (Hybridisierung), wurde bislang als extrem selten und damit bei Tieren von geringer Bedeutung angesehen. In der Regel sind Nachkommen unterschiedlicher Tierarten unfruchtbar und können keine eigene Art bilden. 2005 wurde im Journal "Nature" der demnach "erste Fall" veröffentlicht, wonach eine neue, aus zwei Frucht- bzw. Bohrfliegenarten (Tephritidae) entstandene Art eine neue Wirtspflanze bzw. einen neuen Lebensraum besiedelt hat.

Als Voraussetzung für Hybridisierung wird oftmals der Umzug der neuen Art in einen anderen Lebensraum angesehen, damit sich die Nachkommen als eigene Art etablieren können. Nun stehe eine der weltweit verbreitetsten Vogelarten im Zentrum eines Ereignisses, das in der Natur extrem selten vorkomme: Die Entstehung einer neuen Art aus zwei bekannten Arten - noch dazu mit geteiltem Lebensraum. Die verhältnismäßig junge Art sieht die Forschungsgruppe als "seltenen Glücksfall", der nun weiter untersucht werden kann. Vielleicht komme das "extrem seltene Ereignis" aber doch häufiger vor, als bislang angenommen worden war. (dy)

  • Im Vergleich (von links nach rechts): Spanischer Spatz, Hausspatz und Italienischer Spatz.
    foto: the sparrow group

    Im Vergleich (von links nach rechts): Spanischer Spatz, Hausspatz und Italienischer Spatz.

Share if you care.