Bei Krebs sinnvoll, zur Untersuchung von Gesunden auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht - Risiko abwägen
Wien - Die bildgebende Diagnostik wird in der Medizin immer genauer und "einsichtiger". Doch gleichzeitig steigt offenbar die Begehrlichkeit nach Bildern vom potenziell "Gläsernen Menschen". In Sachen Computertomografie kann das auch zu einer vermehrten Strahlenbelastung führen. Dies betonten am Experten bei einer Pressekonferenz aus Anlass der derzeit in Wien stattfindenden "Dreiländertagung Medizin Physik" (Österreich, Deutschland, Schweiz).
"Die medizinische Strahlenexposition hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen", betonte Gunnar Brix, Abteilung für Medizinischen und beruflichen Strahlenschutz am österreichischen Bundesamt für Strahlenschutz. Dies sei im Wesentlichen auf den zunehmenden, teilweise auch unkritischen Einsatz der Computertomografie (CT; Röntgen-Schnittbilduntersuchungen) zurückzuführen.
Nutzen versus Risiko
Während bei Krebspatienten der Nutzen dieser Untersuchungen die Risiken bei weitem überwiegt, sei dies bei Patienten mit koronaren Herzerkrankungen nicht immer der Fall. Mit besonderer Sorge beobachten Experten den zunehmenden Einsatz der CT zur Früherkennung von Erkrankungen bei asymptomatischen Personen, da damit aus derzeitiger Sicht keinerlei Vorteil verbunden sei.
Vor allem für überweisende Ärzte wird die "Orientierungshilfe Radiologie" herausgegeben, die für verschiedene Fragestellungen auflistet, welches bildgebende Verfahren in welcher Reihenfolge angewendet werden soll. Sie ist auch für Patienten einsehbar. "Der Patient sollte im Einzelfall bei seinem Radiologen kritisch hinterfragen, ob z.B. eine CT wirklich erforderlich ist oder ob nicht auch eine Ultraschall- oder MR-Untersuchung (beides ohne Strahlenbelastung, Anm.) die gleiche Information liefert", rät Brix. Eine weitere Hilfestellung bietet der Röntgenpass, in den sämtliche durchgeführte radiologische Untersuchungen eingetragen werden sollten. Dieses Dokument soll dazu beitragen, nutzlose Doppeluntersuchungen zu vermeiden. (APA)