Tipp vom Meisterdramaturgen: Fotografieren lernen!

Blog | Martin Putschögl
29. September 2011, 09:50

Christian Mikunda gab am Bundestag eine Einführung in das Erlebnis-Marketing, einige Makler hatten dabei auch ein Aha-Erlebnis

Vermutlich hätten sie es auch billiger haben können. Obwohl: Die 300 heimischen Makler, die am Mittwoch zum Start des heurigen Bundestags der Immobilientreuhänder in Krems dem Meister-Dramaturgen Christian Mikunda lauschen durften (der an seinem schier unbezahlbaren Honorar keinen Zweifel aufkommen ließ), konnten dies ohnehin gratis tun, denn der Fachverband hatte einen Sponsor aufgetrieben. Und so vermittelte Mikunda, international gefragter Entertainment-Designer und Profi-Pianist auf der Klaviatur der Gefühle, auf Einladung einer großen Facility-Services-Firma den versammelten Maklern allerhand Gefühl-Volles, nämlich Wissenswertes über die so genannten "Hochgefühle", und wie sie zu erlangen wären.

Das wichtigste Hochgefühl sei heute "Chill", also die Entspannung, erzählte Mikunda ("Verstärkergefühl: Füße hochlegen.") Als architektonische Ausformung nannte er den "Rough-Lux"-Stil - also einen Mix aus Luxus und Roh- bzw. Rauheit, wie er etwa im Londoner Rough Lux Hotel des Designers und Architekten Rabih Hage gepflegt wird. "Die Leute wollen emotional runterkommen", meinte Mikunda und gab damit auch gleich die Erklärung, warum sich dieser Stil seit einigen Jahren zusehends auch in Österreich ausbreitet.

Wie ein König

Sieben Hochgefühle gibt es laut Mikunda, vier stellte er vor: Neben "Chill" noch "Intensity" (was er mit "Verzückung" übersetzte), "Desire" ("Begierde") sowie "Glory" ("das Erhabene"). Bei Letzterem spannte Mikunda einen Bogen von den südamerikanischen Iguazú-Wasserfällen bis zum Wiener Altbau: Das Gefühl der Erhabenheit könne sich nämlich sowohl beim Anblick grandioser Naturschauspiele als auch bei wunderschönen, einladenden, geöffneten Flügeltüren, durch die man "wie ein König durchschreiten" könne, einstellen. Und hier hatte Mikunda dann auch den für die anwesenden Maklerinnen und Makler wohl am leichtesten umzusetzenden Tipp parat: Flügeltüren und Parkettböden wollen inszeniert, Zimmerfluchten betont, Symmetrien erkannt und gezeigt werden. Und dafür, so der Meisterdramaturg, führe an einem kein Weg vorbei: "Ihr müsst besser fotografieren lernen." (Martin Putschögl, derStandard.at, 29.9.2011)

Buchtipp

Christian Mikunda: "Warum wir uns Gefühle kaufen. Die 7 Hochgefühle und wie man sie weckt", Econ Verlag 2009, 272 Seiten

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und grundrisse richtig darstellen!!!

In Schweden Gang und Gäbe...

Wer verkauft oder vermietet über Makler hat Grundriss und gute Fotos drinnen. Ist auch viel einfacher für die KundInnen.

Mit dem 14 mm-Superweitwinkelobjektiv...

... erscheint auch ein Besenkammerl als Salon.

(Psst, nicht zuviel verraten.)

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

man muss dem interessenten halt bei der besichtigung

dann auch die entsprechende 14mm-brille aufsetzen, sonst gibts eine menge ärger seitens der interessenten.

die Fotos:Ganz kapier ich die Makler noch immer nicht.

Da wird von einigen Maklern erzählt, wie mühsam, wieviele Termine, wieviele Besichtungen, wieviele schon nach 5 Minuten kein Kauf/Mietinteresse haben etc etc etc.
Wenn die von jedem Raum mehrere gute Fotos reingestellt hätten, dann hätte ich mir und die Makler sich selbst vor ca 3 Jahren ca 2 Drittel der Termine sparen können.Denn oft werden von Dingen die von der Besichtigung abhalten könnten keine Fotos gemacht.Tja, dann seid ihr halt unnötig hingefahren. Ich einmal.Die Makler mehrmals, weil den Interessenten schon nach 5 Minuten im Wohnzimmer klar ist, dass der Blick aus dem Wohnzimmer auf eine Baustelle/Industriegebiet/Mauer nicht so prickelnd ist.
Aber vielleicht ist bei denen Speicherplatz so knapp wie in den 70 Jahren?

"Denn oft werden von Dingen die von der Besichtigung abhalten könnten keine Fotos gemacht."

he! das ist ein fortschritt!

hab schon ein grundstück besichtigt, bei dem fotos vom übernächsten grundstück in der anzeige waren.

zum verkauf steht ein bewaldeter steilhang. am foto eine ebene, gepflegte wiese.

makler: "ich wollte zeigen, was man daraus machen kann" (roden, massive stützmauer, aufschütten/abgraben).

Ich wäre ja schon froh, wenn die Makler überhaupt Fotos einstellen würden

Wenn man Online nach einer Wohnung sucht, kann man ja schon froh sein, wenn es ein Foto vom Gebäude gibt.

Innenräume fehlen meist völlig oder sind zumindest unvollständig. Fotos von Badezimmern sind werden anscheinend prinzipiell weggelassen.

Ich frag mich da schon öfters für welchen Service man den Maklern Provision bezahlt.

ein makler kann ruhig nach meinem pdf "wie fotografiert man eine wohnung" nachfragen..

bin kein makler aber das pdf wird mich interessieren!

Recht hat er...

war vor Kurzem auf der Suche nach einer Wohnung und hab mir das selbe gedacht: Wie wollen diese Makler mit so beschi***** Fotos irgendwem für diese Wohnung interessieren?! Komplett unterbelichtet, teilweise nicht fokusiert, kein Weitwinkel: manche Fotos haben mehr nach Kellerabteil ausgesehen, als nach bewohnbaren Flächen...

hehe

Normalerweise tendieren Makler dazu, die Fotos viel zu hell einzustellen - damit man den Eindruck eines lichtdurchfluteten Ambientes kriegt und das scheußliche Gegenüber vor den Fenstern nicht sieht ... ;-)

ein HDR-Image ist aber schon ein bissl viel verlangt - eine Wohnung richtig zu belichten und dann auch noch beim Fenster rauszusehen, geht mit einer normalen Belichtung kaum...

jaja... Designer ... jaja Pianist

ABER:
Man kann Kohle (richtig viel sodaß ein Sponsor benötigt wird) damit verdienen, daß man Maklern sagt sie müssten auf Fotos ihre Immobilien besser zur Geltung bringen?
Manche Geschäftsfelder sind so genial einfach, daß sie einfach genial sind!

solange

der sponsor blecht dafür und die maklers aha raunen, ....

ein echt seltsames völkchen, diese makler.

eine deodorantgetränkte mischung aus grosskotzigen speichelleckern und provisionsgläubigen mainstream-möchtegerns, vermischt mit sehnsuchtsvoller grossmannssucht, überzeugt von hinter-mir-die-sintflut

Uff ...

"Mikunda, international gefragter Entertainment-Designer und Profi-Pianist"

Bin froh, dass man ihn zumindest nicht mehr als Wissenschafter bezeichnet. Weil das, was er schon vor 15 Jahren an der Uni erzählt hat, war zwar ganz unterhaltsam - hatte aber mit Wissenschaft ganz genau gar nix zu tun ...

...Profi-Pianist auf der Klaviatur der Gefühle....

würd ich so nicht sehen

er wirkt nur unwissenschaftlich weil er es schafft, seine forschung auch nachvollziehbar zu vermitteln. zumindest die bereiche die sich mit filmgestaltung etc. beschäftigen. es ist halt keine naturwissenschaft (oder nur zum teil), aber auch nicht weniger wissenschaft als andere soziologische felder.

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