Spoerri-Coerry und Zunge im Juliennebett

29. Mai 2012, 16:53
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Wo der Mohn graut: Zwischen Saibling und Schlangengurke liegen im Waldviertel Schnuppen und Schweine

Wenn Daniel Spoerri im Naturhistorischen Museum nur Knochen zeigt, gibt es bei Schmeck's künstlerisch Nahrhafteres auf die Rippen. In der Hoffnung, dass man in seinem Esslokal in Hadersdorf am Kamp noch so nett und bunt isst, wie einst bei meiner großen Waldvierteltour zwischen Spoerri-Coerry und Weiler. Und in der Mitte liegt bei Schmeck's idealerweise ein Schwein.

Die Schnuppen der anderen

Genau, die Rede ist von Herrn Hilberg, der sich viel zu lange schon rar macht in dieser kleinen versauten Kolumne. Bevor das Piemont wieder ruft, war der eine oder andere Altbestand zu verarbeiten. Hilberg pflegt dazu Schopf und Bauch zu reichen. Es war ein wunderbarer Sommerabend am Schwimmteich und schließlich in der Horizontalen, unter dem Nussbaum im Hof, Sternschnuppen zählend. Ich weiß jetzt auch, warum die Wünsche mancher Mitmenschen viel flüssiger Realität werden: Sie trinken etwas weniger und sehen so einfach mehr real existierende Schnuppen. Es sei ihnen von ganzem Herzen gegönnt, ihr Glück in Liebe und Leben. Doch bevor der Fidler jetzt ganz ins freie Essoziieren abgleitet, zur Sache!

Kein Schwein auf nüchternen Magen

Ein Schwein kann man natürlich nicht auf unvorbereitet nüchternen Magen verputzen. Und weil die liebe Mitesserfamilie unbedingt Herrn Paget besuchen wollte, eine warme Mahlzeit not tat und Hadersdorf am Kamp praktisch ums Eck lag: Ab ins Esslokal, geführt von Benjamin Schwaighofer und Maiwenn Paget.

Ich gebe zu, ich hätt mir auch gern die Färberstub'n in Hadersdorf angeschaut (schon jemand probiert?). Aber wir werden schon noch einmal eine Sau durch Hadersdorf treiben, da bin ich ganz sicher. Wobei: Es könnte gut sein, dass ich dann doch lieber wieder in dem angenehm schlichten, insofern meinem Gemüt verwandten Spoerri-Lokal einkehre. Hat mir schon sehr gut gefallen.

Für 22 Euro in die Gänge kommen

Schon der Bio-Zwetschken-Chili-Molkedrink als Apero ist eine scharfe Sache, wie ich sie in dem Moment gut brauchen kann. Echte Freude, und das, obwohl ich aus Gründen der Verkehrssicherheit den Zweigelt-Sekt außen vor ließ. Ja, der Fidler kann auch ohne Alkohol fröhlich sein. Kurz jedenfalls.

Drei Gänge um unglaublich preiswerte 22 Euro scheinen uns eine vernünftige Unterlage für das Schwein, das ja wiederum die Unterlage für den Wein darstellt. Klingt ein bisschen nach Asterix in Übersee, und so fühlt es sich auch an: Fidler, gefüllt mit Sau, gefüllt mit Cörri-Huhn, gefüllt mit Rettich-Suppe und Linsensalat, mit Blumen, mit der wunderbaren Mozzarella und ein paar Teigtäschchen, die sich uns bei Robert Paget angeschlossen hatten, und natürlich ordentlich Flüssigkeit. Da sieht man dann schon den einen oder anderen Stern. Aber der Reihe nach.

foto: harald fidler

Der Linsensalat (oben) in seiner Farbenpracht sehr, sehr gut, aber in seiner Fülle und mit seinem schlüssig kombinierten Speckmäntelchen schon einmal keine Kinderjause. Die Rettichsuppe ein Bild von einer, und gut auch noch. Schöner essen, yeah.

Der Paget-Frischkäse mit Salat bei meinen lieben Mitessern auch fein, aber ich hab da noch ein bisschen besser gewählt, deucht mir. Schöner jedenfalls, auch im Vergleich zu den gegrillten Polenta-Paprikatalern in gelber Paprikasauce, begleitet von rahmigen Schlangengurken. Geschmeckt haben die aber auch, und wie. Trotzdem: Das Spoerri-Coerri mit Huhn ist mir noch ein Eckhaus lieber. Wirklich, wirklich fein.

Wachauer Zwetschkenknödel und Waldviertler Graumohnschnitte kamen bei den Mitessern ziemlich gut an, ich hab da wieder mal geschwänzt. Bin mir selber schon viel zu süß.

Die darauf folgende Sache mit der Sau, mit Schopf und Bauch, kennen Sie ja schon – ich sage nur: Sollte ich doch noch komplett überschnappen und ein Wirtshaus aufmachen, dann hat Herr Hilberg keinen freien Sonntag mehr. Damit das mal klar ist, Konstantin! So eine Sau werden Sie nicht oft erleben, das kann ich Ihnen versichern.

Regelmäßig füttern!

Aber erst schau ich mir noch ein paar Lokale an, zum Beispiel auf dem Rückweg vom Schweinsbraten. Die Wege des Herrn sind ja schon recht unergründlich, hört man, jene des Fidler aber absolut gaga, wenn ihm ein Wirt empfohlen wird. Also ab nach Laa an der Thaya, zum Weiler. Regelmäßig, wirklich regelmäßig füttern, steht in der Gebrauchsanweisung des Fidlers, und, das wissen regelmäßige Schmeck's-Gäste: Hungrige Männer sind böse!

Neue Zunge, bitte

Der Weiler macht mir die Entscheidung nicht leicht, und der vorangegangene Abend mich nicht gerade schneller im Kopf. Das Menü mit der lauwarm marinierten Kalbszunge, hier im gastgewerblich beliebten Diminutiv, mit Krensauce, Wurzelgemüse, Kräutern und Kernöl, die Maishendlbrust ganz erwachsen unverkleinert, mit Steinpilzen und Selleriesauce und dann noch die Pfirsichkaltschale mit Topfensouffle, gebackenem Nougatkrapfen, Beeren und Brombeersorbet? Nein, die fällt für mich definitiv aus.

Juliennebett

Aber eine frische Zunge kann ich nach diesem Abend gut brauchen, und wo die vom Kalb schon bereit liegt... Ein wirklich schönes Exemplar auf ihrem üppigen Juliennebett (ja, nach dem sehnte ich mich zurück), und gut obendrein. Klug gewählt.

Nach den üppigen Sauereien aber nun vielleicht doch besser Fisch? Vom Zander dachten das offenbar mehr Menschen, weshalb ich das Filet vom Saibling als Zweitbesetzung bekam in der Zanderbegleitung, also Paradeiser-Kräuterfond und Eierschwammerl-Erdäpfelnudeln. Kein Fehler. Höchstens, dass ich dann nicht doch noch das Maishendl gekostet habe, denke ich heute. Wann komm ich schon wieder nach Laa? Wobei: Weiler wäre schon ein ganz guter Grund.

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

  • Das sieht doch ganz einladend aus: Esslokal im Spoerri-Haus – drei Erwachsene, eine doch etwas kleinere und nicht ganz so Erwachsene, je drei Gänge, Saft, Wein, Wasser, Kaffee für 99 Euro.
    foto: harald fidler

    Das sieht doch ganz einladend aus: Esslokal im Spoerri-Haus – drei Erwachsene, eine doch etwas kleinere und nicht ganz so Erwachsene, je drei Gänge, Saft, Wein, Wasser, Kaffee für 99 Euro.

  • Scharfe Sache: Bio-Zwetschken-Chili-Molkedrink
    foto: harald fidler

    Scharfe Sache: Bio-Zwetschken-Chili-Molkedrink

  • Schon schön und blumig, 1: Rettich-Suppe.
    foto: harald fidler

    Schon schön und blumig, 1: Rettich-Suppe.

  • Schön und schon wieder die gleiche Blume, macht aber nix: Spörri-Cörri. Yeah!
    foto: harald fidler

    Schön und schon wieder die gleiche Blume, macht aber nix: Spörri-Cörri. Yeah!

  • Hier macht auch die Graumohnschnitte auf Farbenpracht.
    foto: harald fidler

    Hier macht auch die Graumohnschnitte auf Farbenpracht.

  • Ausnahmsweise erst innen farbenfroh: Zwetschkenknödel
    foto: harald fidler

    Ausnahmsweise erst innen farbenfroh: Zwetschkenknödel

  • Nicht schön, aber gut, und gar nicht ums Eck: Weiler in Laa, zwei Gänge, Saft, Kaffee: 34,40
    foto: harald fidler

    Nicht schön, aber gut, und gar nicht ums Eck: Weiler in Laa, zwei Gänge, Saft, Kaffee: 34,40

  • Die Zunge zeigt sich hier nicht gleich: Kalbsschlecker unter Julienne und Kren, schmeckt mir mehr als dem Tier
    foto: harald fidler

    Die Zunge zeigt sich hier nicht gleich: Kalbsschlecker unter Julienne und Kren, schmeckt mir mehr als dem Tier

  • Saibling übernahm die Urlaubsvertretung des Zanders - keine schlechte Zweitbesetzung
    foto: harald fidler

    Saibling übernahm die Urlaubsvertretung des Zanders - keine schlechte Zweitbesetzung

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