Kopf des Tages

EX-IRA-Mann will Irlands Präsident werden

28. September 2011, 20:19
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    foto: reuters/mcnaughton

    Präsidentschaftskandidat Martin McGuinness: Als langjähriges hochrangiges Mitglied der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) hat er hunderte Menschenleben auf dem Gewissen.

Martin McGuinness: Ein Kandidat mit vielen Leichen im Keller

Peinliche Fotos, zweifelhafte Geschäftsfreunde, Vorstrafen: Kandidaten für politische Ämter sehen sich häufig mit der rhetorisch gemeinten Frage konfrontiert, ob sie "eine Leiche im Keller" haben. Dem prominentesten Bewerber um das irische Präsidentenamt wird diese Frage erspart bleiben. Auf der Grünen Insel weiß jedes Kind: Als langjähriges hochrangiges Mitglied der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) hat Martin McGuinness (61) dutzende, ja hunderte Menschenleben auf dem Gewissen.

Dass er nun als Kandidat der nationalistischen Sinn Féin das Amt des Staatsoberhauptes anstrebt, schreckt die Politik in Irland auf. Neutrale Beobachter wie Politik-Professor David Farrell von der Dubliner Universität räumen ihm eine "realistische Chance" ein: "McGuinness kann gewinnen." Das liegt weniger an der Regierungserfahrung, die der Vizechef der Allparteienregierung in der britischen Provinz Nordirland in die Waagschale legen kann. Auch McGuinness' persönlicher Charme wird nicht den Ausschlag geben, wenngleich die öffentlichen Auftritte des bekennenden Katholiken mit dem protestantischen Fundamentalistenprediger Ian Paisley in Belfast als "Allianz der Kicherbrüder" legendär wurden. Wer mit einstigen Todfeinden wie Paisley oder dessen Nachfolger Peter Robinson "eine positive Arbeitsbeziehung aufbauen" könne, argumentiert der Kandidat, "kann alles Mögliche erreichen" .

Für den asketischen Antialkoholiker spricht vor allem die Schwäche der Gegner. Die Parteien der Regierungskoalition von Premier Enda Kenny, Fine Gael und Labour, haben eigene Kandidaten aufgestellt, die als ebenso ehrenwert wie blass gelten. Vor allem aber kommt dem Nationalisten McGuinness zugute, dass die nationalkonservative Fianna Fáil auf einen eigenen Kandidaten verzichtet.

Für McGuinness, den Sohn einer Arbeiterfamilie aus (London-)Derry, wäre der Einzug in den Amtssitz des irischen Präsidenten mit dem klingenden gälischen Namen Áras an Uachtaráin die Krönung einer bemerkenswerten Wandlung. Ende der Sechzigerjahre wurde der Fleischhauerlehrling durch die blutige Niederschlagung der Bürgerrechtsbewegung politisiert, war wenig später schon IRA-Führer. Er selbst habe "nie getötet", behauptet der verheiratete Vater vier erwachsener Kinder. Ob er Hinrichtungen und Attentate angeordnet hat? Darauf verweigert der Möchtegernpräsident die Antwort. (Sebastian Borger/DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2011)

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11 Postings
gistof
00
29.9.2011, 18:08
Ein Ire der nicht trinkt

ist mir prinzipiell suspekt.

Roter Baron
00
29.9.2011, 14:43
im letzten piratenstaat am mittelmeer

war das jahrzehntelang usus

roter baron

byron sully
03
29.9.2011, 14:23

ein george bush hatte mehr menschen auf dem gewissen...

Warentester
02
29.9.2011, 14:33

Und aus niedrigen Motiven und ohne sich dabei selbst einer Gefahr auszusetzen.

yomellamo
01
29.9.2011, 21:54

Naja das Brezel war schon eine erhebliche Gefahr...

Claidheamh Mòr
02
29.9.2011, 13:59
One man's terrorist

is another man's freedom fighter.

Ich wuensche McGuinness viel Erfolg - es waere eine wohltuende Trendwende wenn Dublin nicht mehr von der protestant ascendancy regiert wird, welche nichts anderes als London's Erfuellungsgehilfen sind.

Graf Bobby
10
29.9.2011, 14:23

Können Sie mir das erklären, inwiefern Dublin durch die "protestant ascendancy " regiert wird?

Hannes Kartnig
00
28.10.2011, 16:03

das wird wohl ziemlich unmöglich sein.

Theo56
00
29.9.2011, 13:13
na und ??? - er befindet sich in guter Gesellschaft

In Amerika ist ein Präsident an der Macht, der Mordkommandos nach Pakistan ausschickt und ein Folterlager in Guantanamo immer noch betreibt.

Sind wir denn nicht alle ein bisschen unobjektiv?
 
00
27.10.2011, 17:20

Seinen Spruch kennst du sicher noch "YES we can"...

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