"Hotelzimmer-Effekt"

Erinnerungen im Paket

28. September 2011 19:20

Hirnstudie zeigt Gründe für kurzzeitige Verwirrung

London/Trondheim - Wer im Hotel aufwacht und einen Moment lang nicht weiß, wo er ist, kennt das Problem: die kurze Erinnerungslücke. Forscher aus Norwegen sind dem jetzt auf den Grund gegangen und haben zumindest im Tierversuch herausgefunden, dass Erinnerungen in separaten Päckchen kommen. Jedes einzelne davon ist 125 Millisekunden lang, wie die Wissenschafter May-Britt und Edvard Moser von der norwegischen Universität für Wissenschaft und Technik in Trondheim im Fachjournal "Nature" berichten. Bei dem Hotelzimmer-Moment lässt eines der Päckchen offenbar auf sich warten.

Normalerweise bemerken wir den Übergang von einer Erinnerung zur nächsten nicht. "Wenn man sich ein bisschen verwirrt fühlt, kommt das daher, weil mehrere Erinnerungspäckchen im Gehirn miteinander konkurrieren", sagte May-Britt Moser. In der Regel seien die Prozesse viel zu schnell, als dass der Wechsel zwischen verschiedenen Erinnerungen wahrnehmbar wäre. Nach den Erkenntnissen der Forscher kann das Gehirn zwischen einzelnen Päckchen bis zu achtmal pro Sekunde wechseln.

Für die Studie untersuchten die Neurowissenschafter die elektrische Aktivität in Hirnregionen von Ratten. Die Nager hatten gelernt, dass jeweils eine bestimmte Beleuchtung einen bestimmten Raum repräsentiert. Mit diesem Trick wurden die Tiere quasi wechselnd in diverse Umgebungen versetzt.

Je nach Lichtsystem konnten die Wissenschafter bestimmte Aktivitätsmuster in Hirnzellen ablesen. "Wenn wir in ein anderes Lichtsystem wechseln, ist das Muster ein völlig anderes", erläuterte May-Britt Moser. Die Folgerung der Experten: Das Gehirn springt immer zwischen winzigen Päckchen von Erinnerungen hin und her.

Obwohl die Beobachtungen an Tieren gemacht wurden, halten die Forscher sie für übertragbar auf Menschen. "Die Ratten sind genauso desorientiert wie wir, wenn wir einen Moment lang nicht wissen, wo wir sind", sagte Moser. "Wir fangen jetzt an, einen kleinen Einblick in die Mechanismen zu erhalten, die unsere Gedankenwelt steuern." (DER STANDARD, Printausgabe, 29. 9. 2011)

lorelaiG
30.09.2011 10:11

Hier findet sich eine Kritik, die sich auf diesen Beitrag bezieht...

http://picodella.wordpress.com/2011/09/3... n-burgers/

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