Kommentar von Michael Simoner

Werbung für den Datenschutz

Kommentar | Michael Simoner , 28. September 2011, 19:11

Betroffenenrechte müssen gestärkt und einfacher anwendbar werden

Was wurde eigentlich aus "I love you" ? Vor gut zehn Jahren hat ein Computervirus mit diesem sympathischen Namen die Diskussion um Datensicherheit auf den Kopf gestellt. Obwohl immer noch Viren, Würmer und Trojaner ihr virtuelles Unwesen treiben, sind sie zumindest derzeit aus der breiten öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Viele private Anwender scheinen ihre Hausaufgaben mit der Installation von Firewalls und Virenschutzprogrammen gemacht zu haben. Dafür klaffen dort, wo unsere Daten von Amts wegen gespeichert und weitergegeben werden und es deshalb für Hacker erst so richtig interessant wird, offenbar größere Lücken im Umgang mit dem Datenschutz.

In der Wolke um Datensicherheit oszillieren derzeit vor allem Zivilgesellschaft und Verunsicherung - und das noch dazu in einer wechselseitigen Beziehung. Internetaktivisten wie die von Anonymous, wo jeder willkommen ist, der es technisch draufhat, per Mausklick Hürden zu überwinden, berufen sich auf ihr Engagement gegen Überwachung und für Persönlichkeitsrechte. Und sie sind sicher nicht die Einzigen, die sich beispielsweise durch die umstrittene Vorratsdatenspeicherung und andere geplante Polizeibefugnisse verunsichert fühlen.

Gleichzeitig verunsichern die namenlosen Rebellen aber mit ihrer Praxis, Datenbanken anzuzapfen und deren Betreiber bloßzustellen, den Rest der Bevölkerung. Die Aktion, 25.000 Namen und Adressen von Polizisten zu veröffentlichen, war jenseitig. Namen und Adressen sind zwar in der Regel keine besonders schutzwürdigen Daten, sie stehen in jedem Telefonbuch, aber gerade Kriminalbeamte haben berufsbedingt häufig nicht nur Freunde und müssen sich deshalb zum eigenen Schutz aus dem Telefonbuch und aus dem Melderegister streichen lassen.

Und noch ein aktuelles Beispiel: Als am Mittwoch bekannt wurde, dass der Tiroler Gebietskrankenkasse an die 600.000 Datensätze "entwischt" sind, wollten gleich zahlreiche mögliche Betroffene ihre E-Cards sperren lassen. Was zwar völlig nutzlos ist, da auf der E-Card nichts Geheimes gespeichert ist, aber es zeigt eben den Grad der Verunsicherung. Und auch das hohe Maß an Unwissenheit.

Gerade bei der Vermittlung von Wissen muss angesetzt werden. Fast jeder nutzt moderne Kommunikationstechnologien, aber nur die wenigsten wissen über das - im übertragenen Sinn - Kleingedruckte Bescheid. Im Gegenteil: Die Kluft von Wissenden und Unwissenden wird immer größer. Sensible Daten wie Kreditkartennummern, Lohnzettel oder Bankauskünfte werden immer noch unverschlüsselt rund um den Globus geschickt. Und in privaten Netzwerken wird einem hinter den bunt blinkenden Kulissen viel mehr abgeluchst als nur Name und Geburtsdatum.

Werbung für den Datenschutz und Aufklärung über Betroffenenrechte ist eine Aufgabe, die der Staat erfüllen muss. Wer weiß schon, dass man sich in Datenschutzangelegenheiten an die Datenschutzkommission wenden kann? An eine Behörde, die im Übrigen von der Republik mit nur zwanzig Planposten unverschämt klein gehalten wird. Im gleichen Maß wie Polizeibefugnisse müssen auch Betroffenenrechte gestärkt und deren Anwendung vereinfacht werden. Wenn nicht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Wutbürger mit berechtigten Anliegen als Terrororganisation eingestuft werden. (DER STANDARD Printausgabe, 29.9.2011)

mentos
00
29.9.2011, 15:35

wegen der kreditkarten: kürzlich gabs die meldung, dass ein offenbar sensibles luftraumüberwachungssystem bloss keine verschlüsselten daten senden soll, die könnten vom falschen gehackt werden :-) ich glaub dass foderungen nach "datenschutz" und "datensicherheit" wichtig sind, im zeitalter von facebook aber auch irgendwie tragikomisch daherhinken. das internet als größtmöglich denkbare vernetzung ist sicher alles, nur nicht auf den schutz von daten ausgelegt, sondern auf die einfachstmögliche austauschbarkeit, vollständige transparenz und größtmögliche vermarktung. wer sich hier durchsetzt war wohl gestern schon klar, anonymous wohl nicht, für die facebook offenbar tabu ist, während sie gerne mit "behörden"daten einen auf facebook machen

Schlagbohrer
31
29.9.2011, 10:56
i Love you

der Virus läuft noch immer herum.

Aber mal was anderes. Wieso sollte ich nicht alle Telefonnummern und Wohnadressen von Meinen Freunden und Helfern kennen?

Ausgeflippter Lodenfreak
23
29.9.2011, 13:52

Polizisten haben viel mit Verbrechern und frühpensionierten Sonderlingen mit viel Tagssfreizeit zu tun. Den Namen eines Polizisten herauszubekommen ist z.B. durch Akteneinsicht ein Leichtes. Wie würde es Ihnen gefallen wenn Sie einen Kinderschänder, einen Zuhälter oder einfach einen geisteskranken Nörgler/Stalker wegen eines Vorfalls befragen und der weiß die Adresse von Ihnen und Ihrer Familie?
Viele vergessen in ihrer Selbstzentriertheit, dass die Polizei nicht nur sie persönlich im Straßenverkehr verfolgt, sondern, dass sie mit echt bösen und unangenehmen Menschen zu tun hat.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
23
29.9.2011, 15:03
Das ist alles gut und richtig, was Du da schreibst.

Aber die Volldillos, die vor ein paar Tagen hier herum so gejubelt haben über diese Wahnsinnsaktion mit den Polizistenadressen, daß sich einige davon an den posts deutlich riechbar vor Vergnügen ins gesellschaftskritische Hoserl gebr...t haben, und ein paar anderen überhaupt ein Achterl abgegangen ist, wirst damit nicht zur Vernunft bekehren...

Alpenkönig Franz
00
29.9.2011, 08:52
Unsere Politiker hinken dem, was sich datentechnologisch entwickelt, wirklich meilenweit hinterher.lt

Z.B. hat sich das Internet zu einem idealen Medium für Diffamierungen entwickelt.
Google lässt es sich jedoch nicht nehmen, selbst gelöschte Einträge weiterhin bei Suchanfragen zu listen.

Ein effektives und schnelles Recht auf Löschung von Daten i.Z.m. dem eigenen Namen von Privatpersonen wäre z.B. eine Forderung der Zeit.
Nicht jeder kann sich einen Rechtsanwalt leisten, der das für einen abwickelt.

Angela Engel
16
28.9.2011, 21:15
Eine Frage der Zeit?

Ich darf an den Tierschützer-Prozess erinnern. Diese "Zeit" hat bereits begonnen.

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