In bester Faymann-Manier

Kommentar | Michael Völker, 28. September 2011, 20:08

Untersucht gehört alles - ob es rote, schwarze oder blaue Malversationen sind

Dass sich die Regierungspartner liebhätten, dass SPÖ und ÖVP gut miteinander könnten, dass sich Werner Faymann und Michael Spindelegger mögen würden - das kann ihnen niemand ernsthaft unterstellen. Es war auch keine Liebesheirat, wie sich ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf immer wieder zu betonen beeilt. Recht hat er. Es war eine Sachkoalition. Bloß: Wo bleibt die Sache?

Tatsächlich sind Missgunst, Neid und Boshaftigkeit die Leitmotive dieser Regierung. Was die Oppositionsparteien nicht zustande kriegen, besorgt die sogenannte große Koalition schon allein: ihre Leistung kleinzureden und sich gemeinsam an den Rand des Abgrunds zu drängen. Mit dem Streit um den Gegenstand des parlamentarischen Untersuchungsausschusses macht die Regierung einen weiteren Schritt in diese Richtung.

Die SPÖ will das Thema des offenbar unausweichlichen U-Ausschusses ganz eng fassen: der Telekom-Skandal. Da gibt es ohnedies einige Aspekte, aber allesamt betreffen sie Schwarz, Blau und Orange.

Die ÖVP will das so nicht ohne Gegenwehr erdulden. Sie bringt die Inserate ins Spiel, eine politische Schwachstelle von Kanzler Faymann. Wie bekannt, seift Faymann große Boulevardmedien gerne inseratenmäßig ein, um Kritik kleinzuhalten und wohlmeinende Berichterstattung zu fördern. Das Thema in Form eines U-Ausschusses am Köcheln zu halten könnte der SPÖ nachhaltig schaden - und das würde wiederum der ÖVP sehr gut gefallen.

Faymanns freihändige Inseratenvergabe gehört tatsächlich untersucht. Was die ÖVP in ihrer strategischen Boshaftigkeit allerdings übersieht: Ihre eigenen Regierungsmitglieder buttern in bester Faymann-Manier ebenfalls erhebliche Summen in Inserate, um dort ihr Konterfei unterzubringen. Wie schwarze Regierungsmitglieder - Maria Fekter und Nikolaus Berlakovich wären gute Beispiele - mit Steuergeld unverschämt Eigenwerbung betreiben, gehört dann auch in einem Ausschuss untersucht.

Letztendlich muss sowieso alles auf den Tisch, wenn die Regierung nicht auch noch den letzten Rest von Glaubwürdigkeit verlieren will. Alles in einen einzigen Ausschuss zu packen, von Telekom über Buwog bis zu den Inseraten, den Staatsbürgerschaftsvergaben und Machinationen im Innenministerium, ist aber heikel. Da erschlägt ein Thema das andere. Aber untersucht gehört alles - ob es rote, schwarze oder blaue Malversationen sind. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2011)

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Posting 1 bis 25 von 34
1 2
MyFavoriteThings
00
29.9.2011, 15:40
Untersuchungsausschuss als Minderheitenrecht

Dafür sind doch schon alle Parteien eingetreten:

http://www.ots.at/presseaus... inrichtung

http://derstandard.at/126944922... vor-Sommer

Warum nicht über den eigenen Schatten springen und jetzt gleich mitbeschließen?

Wenn diese Inseratengschichten doch nur alte Hüte sind.

fds r
11
29.9.2011, 14:24
Eine Art

Nürnberger Prozess wäre schön. Unter Schweizer Aufsicht.

Ent-täuscher
03
29.9.2011, 14:21
Grundsätzlich

Wer braucht (außer den betroff. Medien) diese Inserate? Journalisten können viel besser informieren.
Wenn Faymann und Schmid fast ausschließlich in Schmierblättern wie Österreich, Heute oder Kronen-Zeitung inserieren, vergessen sie, dass unseriöse Umgebung auch das beste Inserat entwertet.
Faymanns Inserate sind ein Sonderfall:
Er kaufte mit Hilfe von Inseraten staatsnaher Firmen (z.B.: ÖBB, ASFINAG..) auf Steuerzahlerkosten eine (für ihn) günstige, tendenziöse Berichterstattung!

walter helfmann
00
29.9.2011, 17:52
tele

das österreichische fernsehmagazin nr. 39/2011:

seite 45, werbung von, ja von wem eigentlich?
genussregion österreich? naturarena.com? kärnten? ama? bmlfuw?

es grinst niki b.

Ent-täuscher
00
30.9.2011, 00:00
Ganz Ihrer Meinung!

Auch Vertreter anderer Parteien machen sich die Hände schmutzig mit Werbung dieser Art.

Clemo
01
29.9.2011, 14:47

Ich würde noch weiter gehen:
Der Verdacht erhärtet sich immer weiter, dass Faymann sehr wohl persönliche Vorteile aus den Inseraten gezogen hat.
Seine Karriere nämlich.

Walter Kaiser.
00
29.9.2011, 18:38
Gut, aber nennen Sie nur EIN Regierungsmitglied, welches seine Karriereziele durch hervorragenden Leistung erreicht hat?

Aber es stimmt so eh ned. Durch diese Inserate kann man sich höchsten oben halten, aber raufkommen halte ich für nicht leicht möglich. Schliesslich wird der BK oder die Regierung nicht ad personam gewählt - daher nützt eine wohlmeinende Bevölkerung nur wenig.

Jedenfalls ist Faymann nicht von seiner Partei zum BK gemacht worden, weil man von ihm als Wohnbaustadtrat Fotos im "Heute" gesehen hat. Das ist ein zu abstruser Gedanke.

Clemo
00
29.9.2011, 19:59

Töchterle?

Aber ja, point taken betreffend der Moral vieler Politiker.

Jedoch bleibe ich dabei. Diese Inseratentätigkeit könnte, ich bin schon im Konjunktiv, der Hauptgrund für seine Beförderung von Wien zum Bund gewesen sein und dann auch für die zum Buindeskanzler. Wohnbaustadtrat und Infrastrukturminister. Das war, im weiteren Sinne, ein Aufgabenfeld.

Walter Kaiser.
00
29.9.2011, 21:45

Töchterle, ok. ;-)

Aber Beförderung durch "Kollegen" oder Parteigenossen wegen Inseraten, nein - das glaube ich nicht.

Aber sehr wohl glaube ich, dass diese Leute ihrer Eitelkeit frönen.

pu-muckl
 
00
29.9.2011, 13:26
friedlicher protest

man kann es nicht oft genug posten ...

Demonstration gegen die Zustände in der österreichischen Politik

Mittwoch, 26. Oktober · 18:00 - 21:00 Ort: Wiener Innenstadt (geplant vor dem Parlament)

https://www.facebook.com/event.php... 9799160139

https://www.facebook.com/pages/Dem... 0419175419

HP in kürze: http://demokratieambulanz.at/

jah fathead
01
29.9.2011, 13:51

Immer alles in Facebook :(

pu-muckl
 
00
29.9.2011, 14:07

HP kommt ja noch

x aeins
13
29.9.2011, 11:44

"Da erschlägt ein Thema das andere. Aber untersucht gehört alles"
Aha, logisch. Also alles untersuchen, damit sich die Themen gegenseitig erschlagen.

Ich denk, dass Korruption und Wirtschaften in die eigene Tasche "untersucht gehört", und zwar sofort und nachdrücklich.

Dass Parteien für sich Propaganda machen und Steuerzahlergeld dafür verwenden, braucht man nicht untersuchen, das ist bestens bekannt. Braucht man nur abstellen oder zurückfahren, wenn man will.

Kleanthes
12
29.9.2011, 10:47
Mir gefällt das alles.

Wenn Strache einfach nichts tut, wird er jede Wahl gewinnen. Nur Strache, kann Strache noch schlagen.
Hervorragende Arbeit, SPÖVP!

wos wor mei Leischtung?
11
29.9.2011, 11:12
und strache

wird dann den österreichern noch mehr kosten. aber bitte nicht jammern, jeder hats gewusst. aber es ist wohl besser er kommt jetzt, als wenn ihn seine anhimmler noch 5 jahre anhimmeln... und brot und spiele kann er aufgrund des defizits eh nicht finanzieren, da wird er dann sein finanzgenie zeigen müssen...

gwfak
00
29.9.2011, 15:35
Gefährlich

Strache hat an himmler?!

hurchzua
56
29.9.2011, 10:32
Faymann ist eigene Dimension

Offizielle (!) Regierungsinserate kann man für nötig oder unnötig halten (meist sind sie unnötig). Korruption ist es nicht.

Das ist aber bei Faymann nicht der Skandal. Der Skandal ist, dass öffentliche Unternehmen (ÖBB, ASFINAG) praktisch gezwungen wurden, Gelder locker zu machen, um positive Berichterstattung zu erkaufen. Das nennt man strafrechtlich "Anstiftung zur Untreue" und politisch "Korruption".

Childerich von Bartenbruch
22
29.9.2011, 11:38
so wie zwischen ...

... agrarmarkt austria und niki berlakovich, meinen sie wohl.

Der Geist der Ahnung
 
03
29.9.2011, 12:23
Ist auch nicht ok, zweifelsohne. Trotzdem ist es rechtlich bei Weitem nicht vergleichbar:

1. Die AMA ist eine eigene vom Bund mittels des AMA-Gesetzes geschaffene öffentlich-rechtliche Körperschaft, die als solche natürlich nicht gesellschafts- und unternehmensrechtlichen Rechtsvorschriften (AktG oder GmbHG, UGB …) unterliegt. Wenns hier Verbandelungen mit dem Landwirtschaftsministerium gibt, ist das vergleichbar mit Verbandelungen zwischen Sozialministerium und AK oder Wirtschaftsministerium und WK.
2. Die diversen ÖBB-Gesellschaften und die ASFINAG sind hingegen eben solche privatrechtlichen Gesellschaften.
=> Pkt 1 ist wie gesagt 'politisch' auch hinterfragbar, vergleichbar mit dem Hineinregieren in eigenständige Unternehmen mit privatrechtlicher Gesellschaftsform laut Pkt 2 ist es aber zumindest juristisch nicht.

wos wor mei Leischtung?
21
29.9.2011, 11:13
macht die övp auch

fragt platter, fragt andere landeshauptleute...

Der Geist der Ahnung
 
04
29.9.2011, 10:16
Zitat <[ÖVP-]Regierungsmitglieder buttern in bester Faymann-Manier ebenfalls erhebliche Summen in Inserate, um dort ihr Konterfei unterzubringen. Wie schwarze Regierungsmitglieder […] mit Steuergeld Eigenwerbung betreiben, gehört auch untersucht.>

Ja, es ist bedenklich, wenn Ministerien egal welcher politischen Farbe ein zig Mio schweres Budget für 'Informationskampagnen' verbraten, um de facto Eigenwerbung für den/die Minister(in) bzw die dahinter stehende Partei zu machen.

Faymanns Vorgehen ist aber mE noch perfider und verwerflicher: Es sind ja weniger die eigenen Kampagnen des Infrastrukturministeriums bzw Bundeskanzleramts, die kritisiert werden (das machen wirklich alle), als vielmehr die von ihm als Minister/Kanzler den grundsätzlich unabhängigen (aber in seinem politischen Einflussbereich stehenden) Unternehmen ÖBB und ASFINAG diktierten Kampagnen. Dies hat mE – im Ggs zu reinen Ministeriumskampagnen, die 'nur' politisch zweifelhaft sind – auch eine juristische Dimension.

Erwin Wolfram
00
29.9.2011, 10:26
...

es ist eher bedenklich, dass das wissen und die auskunftspolitik und arbeitsleistung exakt dem inserateninhalt entspricht. das ist strafbar.

J. Reichhart
01
29.9.2011, 07:26
welche leistung der regierung?

was die sich leisten übersteigt unsere geduld und zahlungskraft!

walter helfmann
01
29.9.2011, 00:39
stimmt so nicht ganz

es geht darum, mögliche erfolge des koalitionspartners zu verhindern, oder zumindest zu minimieren.

in oö gehts überhaupt anders. nur den sozis keinen erfolg gönnen. so hat z.b. thomas stelzer mit dem braunen wohnbaulandesrat vereinbart, wohnbauförderungen nur mehr in nicht soz.geführten gemeinden zu genehmigen. schwarz-braun ist nicht nur die haselnuss.

missgunst, neid, boshaftigkeit als leitmotive dieser regierung ist falsch übergetitelt.

einkremser Winzer
01
29.9.2011, 10:54
Der Landesrat Kepplinger ist doch von der SPÖ, oder?

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