"Muslim-Sightseeing" im 15. Bezirk

29. September 2011, 06:15
  • Nur zwei Stunden islamischer Religionsunterricht pro Woche, und 
trotzdem so viel Wirbel. Die Schüler des Islamischen Realgymnasiums Wien
 (IRGW) verstehen nicht ganz, was daran so besonders sein soll.
    foto: standard/urban

    Nur zwei Stunden islamischer Religionsunterricht pro Woche, und trotzdem so viel Wirbel. Die Schüler des Islamischen Realgymnasiums Wien (IRGW) verstehen nicht ganz, was daran so besonders sein soll.

Am Islamischen Gymnasium in Wien haben weder Lehrer noch Schüler Verständnis für Vorurteile

Ich würde dir ja die Kamera abknöpfen, aber die Journalistin ist da", sagt einer der Burschen auf dem Schulhof des Islamischen Realgymnasiums Wien (IRGW), einer Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht im 15. Wiener Gemeindebezirk, zum Fotografen. Die Kinder kennen das: Reporter, Kameraleute, Politiker - sie alle kommen, um sich ein Bild zu machen von der "türkischen Schule", sogar aus dem Ausland waren sie schon da.

"Muslim-Sightseeing" nennt Schuldirektor Ludwig Sommer das Phänomen. Auf dem Pausenhof drängen sich die Kinder, vielen geht die Aufmerksamkeit auf die Nerven. "Sollen wir sprechen gut Deutsch?", fragt ein anderer Bub mit bayrischem Akzent. Er kokettiert mit dem Migranten-Image der Medien und Parteiprogramme und wird wohl, wie die meisten der 270 Schüler, hier seine Matura ablegen. Zehn Nationen sind in dem unscheinbaren Gebäude untergebracht, über 60 Prozent kommen aus der Türkei. Sie alle sind Muslime. Nur vier der 34 Lehrer teilen ihren Glauben.

120 Euro Schulgeld zahlen die Eltern dafür, dass ihre Kinder unter ihresgleichen sind. Nicht wenig, wenn man sich die Liste der Berufe ansieht: Taxifahrer, Bauarbeiter, Kebap-Verkäufer - Akademiker sind die Ausnahme.

1999 startete das Schulprojekt, initiiert durch Kenan Ergün, einen der Religionslehrer. Jedes Jahr kamen die Behörden und überprüften die Abläufe, jedes Jahr erhielt das IRGW das Öffentlichkeitsrecht (siehe Wissen). Nun hat es den Status permanent.

Der Unterricht findet auf Deutsch statt, Arabisch und Türkisch wird als Freifach am Nachmittag angeboten - nicht aber in dem Ausmaß angenommen, wie es die Eltern gerne hätten.

Kampf um Anerkennung

Auch viele Integrationsexperten propagieren die Förderung der Muttersprache, damit eine Zweitsprache wirklich erlernt werden kann. Es ist auch die Argumentation von Verbänden, die die Errichtung von türkischen Schulen wollen. "Türkischunterricht sollte für türkische Kinder verpflichtend sein", findet Ercan Karaduman, Sprecher der Union of European Turkish Democrats Austria (UETD). In englischen oder französischen Schulen, wie etwa dem Lycée, sei die Fremdsprache auch Unterrichtssprache. "Wieso also nicht für Türken?"

Für Karaduman steht die Frage im Zentrum, warum die Forderung nach eigenen Schulen überhaupt besteht: "Diskriminierung von Migranten ist an öffentlichen Schulen keine Seltenheit." An einer türkischen Schule müssten die Kinder nicht ständig um Geltung und Anerkennung kämpfen, sondern könnten sich mehr auf den Unterricht konzentrieren. Das käme auch Österreich zugute, ist der in Wiener Neustadt geborene Türke überzeugt.

Direktor Sommer teilt die Forderung nach einer explizit türkischen Schule nicht. Türkisch könnte man grundsätzlich an jeder Schule anbieten. Die Schwierigkeit sei, die Schüler mit anderen Jugendlichen zusammenzubringen. Deswegen gibt es ein interkonfessionelles Fußballturnier, organisiert von Stefan Vukovits. Der Lehrer war zuvor am jüdischen Gymnasium tätig, seit sechs Jahren unterrichtet er Deutsch und Sport am IRGW.

Die Gefahr von Parallelgesellschaften sieht Sommer allenfalls als gegeben. Deswegen versuche er, die Kinder zu mehr Kontakten mit Nichtmuslimen anzuregen. Etwa, indem er Schularbeiten zu der Frage "Wie sind meine Nachbarn" aufgibt. Den Rückzug in Religiosität erklärt er sich mit einer ideellen oder gefühlsmäßigen Leere, die viele gläubige Muslime vorzufinden glauben. Die Diskussion um das Kopftuch sei eine emanzipatorische, viele würden das mit Glaubenskonfrontation verwechseln. Ausreden wie "Mein Kind hat schlechte Noten bekommen, weil es Kopftuch trägt", lässt er bei einem geplanten Schulübertritt nicht gelten. "Wir vermeiden eine Inselflucht von Muslimen." Gute Noten zählen ebenso wie an jeder anderen Schule.(Julia Herrnböck, DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2011)

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die segregation geschieht doch schon viel früher.

an jeder ecke entstehen muslimische kindergärten.

Schulleitbild des Islamischen Realgymnasiums Wien

1. Wissen
2. Humanistische Weltbild
3. Islamische Wertvorstellung

pt. 1 u 2 lassen sich aber nicht wirklich mit pt 3 vereinbaren..

Ach, verstehen sie es nicht?

DAS ist ja auch das Problem! Sie verhüllen sich dabei vor den Werten der Aufklärung, grenzen sich selbst gerne ab (von den Italienern aus den 1960ern sind im Gegensatz dazu irgendwie nur noch die Nachnamen geblieben) und ignorieren total, dass sich ihre super-friedfertige Religion jeden Tag den Weg in die Schlagzeilen bahnt.

Wenn eine junge Türkin genau so mit Jungs ausgehen kann wie eine Österreicherin, Französin, Deutsche, etc., wenn sie genau so eine Karriere verfolgen kann, wenn sie aufhört, sich wie ein Schlossgespenst zu verhüllen - dann werden sie auch nicht mehr in den Schlagzeilen stehen.

Diese Schule sollte es im Gegensatz zum Lycée nicht geben, denn letzteres trägt kaum zur Ghettoisierung bei.

Die Gefahr von Parallelgesellschaften sieht Sommer allenfalls als gegeben.

Wen wunderts, wenn man nur stur und dumm eine Schule für gleichreligiöse einführt. Tsss.
Kaum hat man den christlichen Schwachsinn mal gemildert kommt der nächste Wahnsinn...

Warum eigentlich dafür 120 euro ausgeben - in manchen bezirken gibt es 100 %-Moslem-anteil gratis.

z.B.: in Graz in der Volksschule St. Andrä (wohlgemerkt: SANKT!!)

von 151 SchülerInnen sind 148 mit nichtdeutscher Muttersprache; die Schule liegt im Grazer Türkenviertel Grieß...

Ach ja Graz...

Hielt diese Stdt bis dato für nicht so bereichert wie andere, wurde aber gestern eines Besseren belehrt: Niquab-Premiere in Graz! Endlich hat es die Vollverschleierung auch in die Österreichische Provinz geschafft!
Wie wir bloß bisher ohne diese Bereicherung ausgekommen sind?

Wozu die Aufregung?
Solang konfessionelle Schulen für andere Glaubensrichtungen ok sind, warum nicht auch für Moslems?
Ob man das (insgesamt!) gut findet, ist natürlich eine andere Frage.

Und erst recht eine Frage wert ist das Thema, dass wir alle den Reli-Unterricht in öffentlichen Schulen finanzieren müssen. Was soll das? Religion ist Privatsache. Das Konkordat, Relikt austrofaschistischer Urzeit, ist *mit Abstand* der schlechteste Witz in der Diskussion um Laizismus in Österreich, aber darüber regen sich die Medien hierzulande interessanterweise nie auf.

genauso ok- wie eine stoff verhängte schwimmhalle- das von nicht muslimfrauen nicht betreten darf, weil gläubige mädchen schwimmunterricht haben- in einem öffentlichen schwimmbad

in amman darf ich nichtmuslima in den haman.
in wien nicht zu den umkleidekabinen bis alle mädels im foyer sind - weil man fürchtet die glaubensbrüder verbieten ihren töchtern den sonst den sportunterricht.

das ist jetzt vielleicht eine dumme frage, aber in wie fern unterscheidet sich islamisches gymnasium von einem normalen?

religion ist nur ein fach von vielen bei, weitem nicht das wichtigste, und alle anderen fächer (physik, mathematik, geographie usw. usw) sind wohl in jedem gymnasium den gleichen richtlinien unterworfen.

das argument "Diskriminierung von Migranten ist an öffentlichen Schulen keine Seltenheit." ist für mich nicht schlüssig da der sohn von bekannten als nur einer von 3 "ureinwohnern" in seiner klasse (von 28 schülern) derart gemobbt wurde das sie ihn in eine privatschule gesteckt haben und sich seitdem im bekanntenkreis als "bobos" bezeichnen lassen müssen.

die aussage "Ich würde dir ja die Kamera abknöpfen..." empfinde ich als aggressiv war selbst in einem schulprojekt gewesen und wir waren froh wenn jemand interesse zeigte.

"in wie fern unterscheidet sich islamisches gymnasium von einem normalen?"

Man wird nicht durch die Anwesenheit von "Ungläubigen" belästigt bzw. provoziert.

Schönborn wird Ihnen das sicherlich bestätigen.

Witzbold

Sie dürfen auch als Atheist oder Moslem eine katholische Schule besuchen...
Der Aufschrei wäre auch groß, wenn es nicht so wäre!

In englischen oder französischen Schulen, wie etwa dem Lycée, sei die Fremdsprache auch Unterrichtssprache. "Wieso also nicht für Türken?"

Weil man Englisch und Französisch in vielen Ländern brauchen kann, Türkisch aber nur im 10. am Kebabstandl und in der Türkei!

Darum!

huehuehue

was für ein selten dämliches posting.
http://de.wikipedia.org/wiki/T%C3... he_Sprache

65Mill. Erstprachler_innen 20Mill. Zweitsprachler_innen

An meinem ehemaligen Gymnasium konnte ich u.a. zwischen Latein und Italienisch wählen.
Lateinische Erstsprachler_innen: Rate mal.
Zweitsprachler_innen: vielleicht eine Million??

Italienische Erstsprachler_innen: ca. 70. Mio.

Ich hätte gerne türkisch gewählt. Gibts aber nicht. Vorurteile sind sowas geiles!
Leider nur für richtig dumme Menschen :-)

sie kommen wohl nicht viel rum
außer in finnland und den "neuen" ländern der eu kommen sie im ganzen eu-raum
mit türkisch only blendend durch

Auch Finnland ist hervorragend bereichert.

Zuerst Pferdeklappen entfernen und dann kommentieren! Es wird inzwischen in mehr Ländern Türkisch gesprochen, als du möglicherweise zählen kannst, Afrika, Asien,...! Please research and try again!

Was sind Pferdeklappen??

landeklappen für pferde.

Dann fragt man sich aber,

wozu Deutschunterricht gut sein soll. Kann man nämlich auch nur in Zentraleuropa gebrauchen.

Vielleicht,

weil das ebendort (Zentraleuropa) idR die (einzige) Amtssprache ist? Könnt' ja sein ...

ich würde sagen zu allererst um lesen und schreiben zu lernen das tut man im deutschunterrich nämlich anfangs.

Hier wird intensiv an der Bildung einer Parallelgesellschaft gearbeitet, die mit den ÖsterreicherInnen im Grunde nichts zu tun haben will.
Das soll der Integration dienen????

Wenn es dazu führt,

dass mehr muslimische Kinder einen Schulabschluss schaffen, dann ist die Sache zu begrüßen. In Parallelgesellschaften leben die Kinder ja ohnehin.

Man sollte jedoch wachsam sein, dass solche Schulen nicht in die Fänge der Türkei oder Saudi-Arabiens geraten.

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