FP bringt Antrag in Gemeinderat ein, keine offiziellen Zahlen zu Kosten für Inserate
Wien - Die Anfrage der Blauen, wie viele Inserate die einzelnen Stadträte und deren angeschlossene Unternehmen in den vergangenen drei Jahren geschaltet haben, beantwortete das zuständige Stadtregierungsmitglied Christian Oxonitsch (SPÖ) folgendermaßen: "In Anbetracht der großen Anzahl und des damit verbundenen administrativen Aufwandes erscheint diese Erhebung nahezu unmöglich - wirtschaftlich jedenfalls nicht gerechtfertigt."
Dieser bürokratischen Herausforderung soll sich nun das Wiener Kontrollamt stellen: Gemeinderat Dietbert Kowarik (FPÖ) bringt heute, Donnerstag, im Gemeinderat einen dementsprechenden Antrag ein. Die städtischen Prüfer müssen sich somit sämtliche Einschaltungen der Gemeinde Wien plus deren ausgelagerte Betriebe anschauen. "Wir verlangen da nichts Unanständiges", sagt Kowarik, "schließlich gab es bereits auf Initiative des Bundeskanzleramts einen Gesetzesentwurf für mehr Transparenz von Medienkooperationen - er wurde bisher nur nicht umgesetzt."
Bundeskanzler und Exwohnbaustadtrat Werner Faymann, der aufgrund diverser Inserate in Boulevardmedien unter Druck geraten ist, habe in Sachen Eigenwerbung auf Kosten der Allgemeinheit offenbar die "Wiener Schule" verinnerlicht. "Es gibt überhaupt keine Informationen darüber, wer wofür wie viel Geld ausgibt", sagt Kowarik. Dem Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien (PID) stehen offiziell zehn Millionen Euro für Anzeigen zur Verfügung. Daneben schaltet und waltet jede Geschäftsgruppe nach eigenem Ermessen in puncto Selbstlob - mit der Konsequenz, dass auch die Rathaus-Roten die Gesamtwerbekosten nicht mehr überblicken. Der PID soll deshalb wieder zur zentralen Schaltstelle werden - der Standard berichtete.
Laut Austria Presse Agentur profitieren derzeit vor allem Boulevardmedien vom städtischen Werbebudget. 2010 soll die Gemeinde Wien in der Gratiszeitung Heute bei etwa 250 Ausgaben im Jahr rund 450 ganzseitige Inserate geschalten haben. Bei einem Seiten-Listenpreis von 20.000 Euro würde dies ein Werbevolumen von neun Millionen Euro ergeben. Zum Vergleich: Die Druckkosten für Heute werden auf etwas mehr als elf Millionen Euro pro Jahr geschätzt.(Martina Stemmer, DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2011)