Maschek erzählt in "101010" erneut eine Weltuntergangsgeschichte anhand von Fernsehbildern
Wien - Der 10. Oktober 2010 hatte Potenzial: In Wien wurde gewählt, in
Kärnten feierte man das 90-Jahr-Jubiläum der Volksabstimmung, und
Nordkoreas Diktator Kim Jong-il präsentierte sich bei einer
Militärparade durchaus rüstig. Diesen Tag nahm das Stimmartistentrio
Maschek als Ausgangspunkt für sein neues Programm 101010 - Ein
revolutionärer Fernsehtag, das am Dienstag im Rabenhof präsentiert
wurde.
Die Kabarettisten setzen damit ihr für das Kulturhauptstadtjahr Linz
2009 entwickelte Konzept fort: In 090909 - Ein katastrophaler Fernsehtag
versuchten Umweltaktivisten von Global Warning, die Menschen zur
sofortigen Verringerung des CO2-Ausstoßes zu erziehen - was die
Vernichtung der Welt zur Folge hatte.
Auch für 101010 bilden Fernsehbilder die Basis, um eine Geschichte zu
erzählen. Peter Hörmanseder, Ulrich Salamun und Robert Stachel nehmen es
aber nicht so genau: Das zweistündige Programm besteht aus Material, das
am 10. Oktober 2010 entweder gesendet oder gefilmt wurde. Sie greifen
auch auf Wiederholungen zurück (beispielsweise Das Supertalent) - und
auf Ereignisse, die bereits am Tag zuvor stattfanden, darunter das
Treffen zwischen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem
türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan. Zudem unterlegen sie die
Filmclips nicht nur mit neuen Texten, sondern manipulieren auch das
Bildmaterial. Sie überschreiben Inserts, legen Tomaten auf eine
Waagschale und blenden das Logo einer dilettantischen
Internet-Antifinanzguerillatruppe namens Affe ein, das an jenes der RAF
angelehnt ist.
Der Beginn - Kim Jong-il, "bludelküssend" auf Staatsbesuch im Reich der
Mitte - ist schlicht grandios. Es dauert allerdings eine Weile, bis sich
aus der kruden Informationslage so etwas wie ein roter Faden
herausbildet. Und nicht jeder Sketch gelingt den drei Stimmenimitatoren,
die wie gewohnt live zu den projizierten Bildern sprechen. Eminem,
pleite und in der Schaffenskrise, langweilt ebenso wie Juliette Lewis
als derbe Schnalle und Reinhold Messner, der Regen- als
Euroschutzschirme propagiert.
Die Wienwahl taucht nur kurz auf, ein Meisterstück liefern die Mascheks
mit den Reden in Klagenfurt ab: Auf Vorschlag Heinz Fischers wird
Kärnten zum Schurkenstaat erklärt, was sich touristisch exzellent
vermarkten lässt. Denn man gewährt allen Schurken und Tyrannen Asyl.
Gegen Ende hin wird es immer absurder. Die Robin-Hood-Aktivitäten von
Affe haben einen "kosmischen Blitzer" zur Folge. Und die Welt geht
wieder einmal unter. Nett.
Dass es nächstes Jahr die Fortsetzung 111111 geben wird, liegt auf der
Hand. Nach 121212 ist aber definitiv Schluss. (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2011)
Nächste Termine: 29. und 30. 9., 1., 8.-11., 26.-28., 30. und 31. 10.