Weltweit neuartiges Konzept zur Brustkrebsforschung wird in Österreich umgesetzt
Wien - Auf grundlegende neue Erkenntnisse zur Entstehung und Entwicklung von Brustkrebs hofft die österreichische Studiengruppe für Brust- und Dickdarmkrebs (ABCSG) mit einer neuen wissenschaftlichen Untersuchung: Weltweit erstmals sollen Frauen mit einem Mammakarzinom auch dann operiert werden, wenn sie bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) aufweisen. Damit soll die Sterblichkeit gesenkt werden.
Der Koordinator der Untersuchung, Florian Fitzal von der Medizinischen Universität Wien (Universitätsklinik für Chirurgie), über die Bedeutung der Studie 28 (POSYTIVE): "Es ist eine einzigartige Chance, mit einer chirurgischen Therapie zum einen den Patientinnen einen neuen Weg für ein besseres Überleben zu bereiten, zum anderen mit dieser einfachen und nebenwirkungsarmen Behandlung das Grundlagenwissen über die Pathogenese des Mammakarzinoms zu revolutionieren."
Längere Lebensdauer
Ähnlich wie bei anderen Karzinomarten stützen Beobachtungsstudien mit mehr als 10.000 Patientinnen mit Brustkrebs weltweit die Hypothese, dass die Entfernung des Primärtumors bei bereits metastasierten Patientinnen entscheidende Vorteile bringen kann. Fitzal: "Rechnet man die Daten hoch, so lässt sich bei diesen Patientinnen mit dieser eher einfachen und nebenwirkungsarmen Maßnahme eine relative Verlängerung des Gesamtüberlebens von bis zu 50 Prozent erzielen." Doch in einer wissenschaftlichen Untersuchung, bei der die Hälfte einer Probandinnengruppe so versorgt wird, die andere Hälfte in der bisher etablierten Weise - vor allem durch medikamentöse Therapie - ist das bisher noch nicht erhoben worden.
Die Fragestellung ist heiß: Bei rund 290.000 jährlichen Neuerkrankungen in Europa liegt eine Metastasierung zum Zeitpunkt der Erkrankung bei ungefähr vier Prozent vor, also bei 11.000 Patientinnen. "In Österreich gibt es nur an die 200 Patientinnen jährlich, die für diese Studie infrage kommen", betonte Michael Gnant von der Medizinischen Universität Wien und Präsident der ABCSG.
Die Patientinnen sollen in einem Zeitraum von vier bis fünf Jahren in die Untersuchung aufgenommen werden. Der Beobachtungszeitraum wird ebenfalls vier bis fünf Jahre dauern. Untersucht wird primär, ob sich durch die sofortige Operation die Gesamtüberlebensrate erhöhen lässt. Gehofft wird darauf, dass man durch die Entfernung des Tumors auch dessen krankheitsfördernden Einfluss durch produzierte Wachstumsfaktoren und die erfolgende Absiedelung von Stammzellen mit Weiterverbreitung der Erkrankung im Organismus gebremst werden kann. (APA)