Einzelner Schüler kostet mehr als doppelt so viel als an anderen berufsbildende Schulen
Wien - Mehr als doppelt so viel Geld als das übrige
berufsbildende Schulwesen kosten land- und forstwirtschaftliche
Schulen dem Bund und den Ländern pro Schüler - die Gründe dafür sind
jedoch im Detail nicht nachvollziehbar, wie der Rechnungshof (RH) in
einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht kritisiert. Eine Ursache
sieht er jedoch in dem "weitgehend fehlenden" Controlling des Bundes
der Berufs- und Fachschulen in diesem Bereich.
Land- und forstwirtschaftliche Schulen sind in Österreich
sowohl
als berufsbildende höhere Schulen als auch als Fach- und
Berufsschulen organisiert. Ihr Anteil am berufsbildenden Schulwesen
ist mit gerade einmal 1,5 Prozent sehr klein: Im Schuljahr 2009/10
entschieden sich 4.463 und damit nur 4,9 Prozent der insgesamt 90.506
15-jährigen Schüler an berufsbildenden Schulen für eine Ausbildung im
Land- und Forstwirtschaftswesen. Die Statistik Austria erwartet
langfristig sogar einen deutlichen Rückgang.
Als Folge empfiehlt der RH Landwirtschafts- und
Unterrichtsministerium sowie den überprüften Ländern Oberösterreich,
Steiermark und Tirol, "bei Standortüberlegungen und
Investitionsentscheidungen die langfristigen Prognosen der
Schülerzahlen mit einfließen zu lassen". Bisher habe man die Prognose
der Statistik Austria "nicht berücksichtigt". Auch bei den bisherigen
Überlegungen zur Reform des Schulwesens seien die land- und
forstwirtschaftlichen Schulen "nicht einbezogen" gewesen.
20.100 Euro pro Schüler
und Jahr
Das verhältnismäßig kleine Schulsegment kostet vergleichsweise
viel Geld: 20.100 Euro betrugen die öffentlichen Ausgaben pro Schüler
und Jahr an land- und forstwirtschaftlichen höheren Schulen, 13.100
Euro an Fachschulen in dem Bereich. Verglichen dazu machten die
Kosten an den übrigen berufsbildenden mittleren und höheren Schulen
(BMHS) rund 8.400 Euro je Schüler aus. Das Controlling des Bundes
fehlte laut RH "weitgehend" bei den Fach- und Berufsschulen. Seitens
des Landwirtschaftsministeriums wird betont, dass die Kosten pro
Schüler nicht vergleichbar seien, höhere Ausgaben würden u.a. aus
Ausgaben für Unterbringung, Erzieherdienste, etc. resultieren, die im
übrigen Schulwesen nicht anfielen.
Der Bund sieht sich im Bereich der Landeslehrer mit gleich
mehreren Spezifika konfrontiert: Trotz bundesweit einheitlichem
Gehaltsgesetz verdienen die Landeslehrer im land- und
forstwirtschaftlichen Schulwesen in Oberösterreich und Tirol aufgrund
"nicht näher definierter Härten" mehr: In OÖ kostet ein Lehrer
durchschnittlich rund 2.300 Euro (2009) mehr, in Tirol rund 4.300
Euro (2008) als vom Bund vorgesehen. Die führt auch zu höheren
Pensionen, für die wiederum der Bund aufkommen muss, wenn die Länder
die Refundierung der Kosten verlangen, was Oberösterreich getan hat.
Lehrer in der Landesverwaltung
Eine weitere Besonderheit: Einzig im landes- und
forstwirtschaftlichen Schulwesen gibt es die Möglichkeit für Lehrer,
seine Lehrverpflichtung mit schulfremden Tätigkeiten in der
Landesverwaltung zu erfüllen. Für den RH ist das "angesichts der
qualifizierten Ausbildung von Lehrern und den für sie anfallenden
Kosten nicht zu rechtfertigen". (APA)