Rechnungshof

Zu hohe Kosten bei landwirtschaftlichen Schulen

28. September 2011, 13:40

Einzelner Schüler kostet mehr als doppelt so viel als an anderen berufsbildende Schulen

Wien - Mehr als doppelt so viel Geld als das übrige berufsbildende Schulwesen kosten land- und forstwirtschaftliche Schulen dem Bund und den Ländern pro Schüler - die Gründe dafür sind jedoch im Detail nicht nachvollziehbar, wie der Rechnungshof (RH) in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht kritisiert. Eine Ursache sieht er jedoch in dem "weitgehend fehlenden" Controlling des Bundes der Berufs- und Fachschulen in diesem Bereich.

Land- und forstwirtschaftliche Schulen sind in Österreich sowohl als berufsbildende höhere Schulen als auch als Fach- und Berufsschulen organisiert. Ihr Anteil am berufsbildenden Schulwesen ist mit gerade einmal 1,5 Prozent sehr klein: Im Schuljahr 2009/10 entschieden sich 4.463 und damit nur 4,9 Prozent der insgesamt 90.506 15-jährigen Schüler an berufsbildenden Schulen für eine Ausbildung im Land- und Forstwirtschaftswesen. Die Statistik Austria erwartet langfristig sogar einen deutlichen Rückgang.

Als Folge empfiehlt der RH Landwirtschafts- und Unterrichtsministerium sowie den überprüften Ländern Oberösterreich, Steiermark und Tirol, "bei Standortüberlegungen und Investitionsentscheidungen die langfristigen Prognosen der Schülerzahlen mit einfließen zu lassen". Bisher habe man die Prognose der Statistik Austria "nicht berücksichtigt". Auch bei den bisherigen Überlegungen zur Reform des Schulwesens seien die land- und forstwirtschaftlichen Schulen "nicht einbezogen" gewesen.

20.100 Euro pro Schüler und Jahr

Das verhältnismäßig kleine Schulsegment kostet vergleichsweise viel Geld: 20.100 Euro betrugen die öffentlichen Ausgaben pro Schüler und Jahr an land- und forstwirtschaftlichen höheren Schulen, 13.100 Euro an Fachschulen in dem Bereich. Verglichen dazu machten die Kosten an den übrigen berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) rund 8.400 Euro je Schüler aus. Das Controlling des Bundes fehlte laut RH "weitgehend" bei den Fach- und Berufsschulen. Seitens des Landwirtschaftsministeriums wird betont, dass die Kosten pro Schüler nicht vergleichbar seien, höhere Ausgaben würden u.a. aus Ausgaben für Unterbringung, Erzieherdienste, etc. resultieren, die im übrigen Schulwesen nicht anfielen.

Der Bund sieht sich im Bereich der Landeslehrer mit gleich mehreren Spezifika konfrontiert: Trotz bundesweit einheitlichem Gehaltsgesetz verdienen die Landeslehrer im land- und forstwirtschaftlichen Schulwesen in Oberösterreich und Tirol aufgrund "nicht näher definierter Härten" mehr: In OÖ kostet ein Lehrer durchschnittlich rund 2.300 Euro (2009) mehr, in Tirol rund 4.300 Euro (2008) als vom Bund vorgesehen. Die führt auch zu höheren Pensionen, für die wiederum der Bund aufkommen muss, wenn die Länder die Refundierung der Kosten verlangen, was Oberösterreich getan hat.

Lehrer in der Landesverwaltung

Eine weitere Besonderheit: Einzig im landes- und forstwirtschaftlichen Schulwesen gibt es die Möglichkeit für Lehrer, seine Lehrverpflichtung mit schulfremden Tätigkeiten in der Landesverwaltung zu erfüllen. Für den RH ist das "angesichts der qualifizierten Ausbildung von Lehrern und den für sie anfallenden Kosten nicht zu rechtfertigen". (APA)

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14 Postings
saladin der dritte
00
3.10.2011, 13:49
Unglaublich!

Ich bin erschüttert über die Postings. Die Leser haben offenbar die Tragweite des RH-Berichts nicht erfasst. "Lehrer der Landwirtschaftsschulen arbeiten die Lehrverpflichtung im (schwarzen) Landesdienst ab". Landwirtschaftlche Schulen kosten deutlich mehr als HTLs, die mit modernster Technik experimentieren. Lehrkräfte in Tirols Landwirtschaftsschulen kosten umn € 4.300 mehr als andere. Jetzt weiß ich, wo zu sparen wäre. Aber wer wagt denn zu denken, dass hier schwarze Pfründe schlummern? Wer würde es schon wagen, diese Pfründe zu beschneiden? In Österreich sicher niemand!

D/E
00
4.10.2011, 19:40
Was zum Kuckuck geht mich das als Lehrer an?

Ich ärgere mich als Staatsbürger, aber sonst?

chrilly donninger1
02
29.9.2011, 08:58
Kompetenzwirrwar und seine bizarren Folgen

Für die Erhaltung der Pflichtschulen sind die Gemeinden zuständig. Bei uns müssen die Kinder daher in die HS-Arbesbach gehen. Dort wurde die inkompetente Frau des damaligen Bgm. Direktorin. Die Zustände an der Schule sind katastrophal.
Die Eltern haben keine Wahl. Eine Mutter hat nach langem Kampf durchgesetzt, dass ihr Sohn nach Schönbach gehen darf. Weil die Schönbacher auf das Schulgeld verzichten. Die Schulen kämpfen inzwischen um jedes Kind.
Es wurde nun in Rapottenstein die Neue Mittelschule eingeführt. Diese Schule ist weit besser geführt. Nun dürfen die Kinder auch nach Rapottenstein, weil die HS-Rapottenstein anders heisst.
Es ist ein bizarres System.

KLAMB
00
29.9.2011, 08:54
"Höhere Kosten für Unterbringung"

... die tw. gar nicht nötig wären. Aus Kärnten weiß ich, dass den Schülerinnen zumindest noch vor einigen Jahren dringend nahegelegt wurde, jedenfalls im Heim der Schule zu wohnen, auch wenn ihr Elternhaus nur ein paar km von der Schule entfernt war.

chrilly donninger1
01
29.9.2011, 09:08
Sonst würde das Heim

weitgehend leer stehen und müsste man Betreuer kündigen. Es ist ja nicht die Schule für die Ausbildung der Kinder da, sondern die Schüler sind dazu da die Infrastruktur zu füllen und die Lehrer zu beschäftigen.
Das gilt fürs gesamte Schulwesen. Bei den Landwirtschaftsschulen fällt es nur besonders krass auf, weil die Schülerzahlen stark rückläufig sind.

chrilly donninger1
00
28.9.2011, 21:53
"Die langfristigen Prognosen der Schülerzahlen

in die Planung mit einfliessen lassen".
Das wird im gesamten Schulwesen nicht gemacht. Man hat noch Schulen ausgebaut, als bereits vollkommen klar war, dass die Schülerzahlen sinken werden. Vor allem am Land haben viele Schulen nur mehr eine Belegung von 25% der geplanten Kapazität. Bei den Landwirtschaftsschulen ist die Lage natürlich noch schlimmer, weil die Bauern aussterben.
Diese viel zu grossen Bauten reissen ein tiefes Loch in jedes Gemeindebudget. Es laufen auch viele unnötige Lehrer herum. Ich kenne Schulen mit Scheinklassen nur um Lehrerposten halten zu können.
Oder die Kochlehrerin geht bei der anderen als Beiwagerl mit, weil es zuwenig Klassen und somit Stunden für 2 gibt.

Christian Mathias Sand
 
00
29.9.2011, 00:26

Absurderweise platzen andere Schulen aus allen Nähten, Containerklassen sind auch abseits von Baumaßnahmen an vielen Orten üblich.

Übrigens ist dieser Aspekt auch ein gewichtiges Argument für eine Gesamtschule (pädagogisch ist damit nach allen Erfahrungen ja weder viel gewonnen noch viel verloren): Es ist grotesk, dass zwei Institutionen teilweise in unmittelbarer Nachbarschaft stehen, die eine überfüllt, die andere menschenleer. Das ist auch eine Föderalismusfrage, keine Frage (Bundesschulen gegen Landesschulen).

chrilly donninger1
00
29.9.2011, 09:02
Es mischen auch noch die Gemeinden mit

Schulerhalter der Pflichtschulen sind die Gemeinden. Da kämpft jeder - natürlich - um den Erhalt seiner Schule.
Schulbeitrag muss die Gemeinde auch zahlen, wenn die Kinder in der Nachbargemeinde in die Schule gehen. Das wird aliquot aufgeteilt. Man hat nur die Kosten aber nicht den Nutzen einer eigenen Schule.

pago1
11
28.9.2011, 18:39
für unsere bauern ist uns nichts zu teuer

D/E
01
28.9.2011, 15:16
Kostet doppelt so viel "wie" wäre korrekt und würde ganz bestimmt nicht mehr kosten

als das falsche "als".

hallo999
01
28.9.2011, 14:25
ja spart bei unseren kindern bei schule und bildung

kaufen wir dafür noch einen eurofighter oder retten noch 5 mal griechenland aber wehe es wird noch mal geld für die bildung ausgegeben

chrilly donninger1
00
28.9.2011, 22:10
Man könnte bei besserer Organisation,

einem halbwegs vernünftigen Lehrerdienstrecht, Entpolitisierung der Postenvergabe... mit dem gleichen Geld ein sehr gutes Schulsystem aufbauen.
Österreich ist bei den Kosten im internationalen Vergleich weit vorne. Beim Resultat weit hinten.
Wir leisten uns quasi Bayern-München, kicken aber wie Rapid.

sumpf des ostens
00
28.9.2011, 18:14

die effizienz der eingesetzten gelder sollte trotzdem hinterfragt werden dürfen.

und nichts anderes ist passiert. es wird auch nix passieren...

Regis 1
00
28.9.2011, 16:58
ja spart bei unseren kindern bei schule und bildung

jemals sinnerfassend lesen gelernt?

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