"Mehr Durchgriffsrechte"

Lehrergewerkschafter fordert strengere Erziehungsmittel

28. September 2011, 11:22

Kimberger: Für verhaltensauffällige Schüler - Nachsitzen, "Time-out-Klassen" und Sozialdienst

Wien - "Mehr Durchgriffsrechte" bei schwierigen und verhaltensauffälligen Schülern fordert Pflichtschullehrer-Vertreter Paul Kimberger (FCG) von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) als Folge des heute, Mittwoch, in Linz startenden Prozesses eines Siebenjährigen gegen seinen Direktor. Dafür, dass dieser den Volksschüler nach Provokation tätlich angegriffen haben soll, hat Kimberger zwar "null Verständnis". Von Lehrern werde jedoch zunehmend verlangt, Kinder zu erziehen und Grenzen zu setzen, während das "Werkzeug für Konsequenzen, wenn diese Grenzen überschritten werden", fehlt, so der Gewerkschafter in den "Oberösterreichischen Nachrichten" (Mittwochausgabe).

Nachsitzen und Sozialdienst

Konkret fordert Kimberger die Wiedereinführung von Erziehungsmitteln wie Nachsitzen, wenn Schüler Aufgaben mehrfach nicht erledigen, sowie einer Verhaltensnote in den Abschlussklassen. Als Folge von Vandalismus sollten Schüler zu Sozialdienst verpflichtet werden, nach Stören des Unterrichts in "Time-out-Klassen" von Sonderpädagogen oder Schulpsychologen betreut werden. Kimberger sieht in "drei bis fünf Prozent" der Schüler und Eltern Problemfälle, "die immer größere Schwierigkeiten" machen.

Ein Sprecher des Unterrichtsministeriums sieht laut "Oberösterreichischen Nachrichten" keine Notwendigkeit für zusätzliche Erziehungsmittel. Mit den von jeder Schule autonom abgeschlossenen Verhaltensvereinbarungen seien laut Experten "ausreichend Möglichkeiten gegeben". Die sind für Kimberger jedoch wirkungslos: Ein Vertrag, der nur von einer Seite eingehalten wird, bringe nichts. (APA)

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f.j.neffe
 
02
4.10.2011, 14:21
Kann verliehene Gewalt Intelligenz ersetzen?

Das finde ich lustig, dass man die Probleme von Menschen, die Schwierigkeiten machen, dadurch lösen will, dass man ihnen mehr Schwierigkeiten macht.
Wenn Untertanen sich nicht untertun lassen, dann muss man sie noch mehr untertun - eine bemerkenswerte Er"zieh"ungs-Ide(e)ologoie?
Als Ich-kann-Schule-Lehrer setze ich auf Persönlichkeitswachstum. Man muss wachsen, um seinen Aufgaben gewachsen zu sein. Unter Druck jedoch wächst nichts. Druck machen immer Menschen, die keinen Einfluss haben. Um Einfluss zu bekommen, muss man jedoch erst einmal den FLUSS und seine SOGwirkung verstehen lernen. "Verliehene Gewalt" ersetzt nicht das Verständnis des Wesentlichen.
Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe

mountaineer
00
25.10.2011, 19:59
Von Theorie und Praxis.

Gewalt ist unter Kindern an der Tagesordnung und es braucht jemanden, der dem Einhalt gebietet.
Man stelle sich vor, kein Lehrer würde die Schülerinnen und Schüler in der Pause beaufsichtigen - nach spätestens zwei Tagen hätte man den ersten Schwerverletzten.
Das ist die Realität. Menschen, die diese nicht kennen, verfechten Theorien in ihrem theoretischen Wolkenkuckucksheim.

Und ja. Leider ist dabei Autorität gefragt. Ansonsten ist an ein wohlwollendes Miteinander nicht zu denken. Der Lehrer muss es einfordern. Er ist schließlich der Erwachsene und nicht vice versa. Er ist Vorbild. Immer mehr Eltern tun so, als seien sie die Kinder und ihre Kinder kleine Prinzessinen und Prinzen. Das kann's nicht sein, wie die letzten Jahre gezeigt haben.

RS69
 
00
26.10.2011, 10:09

"Leider ist dabei Autorität gefragt."

JA. Allerdings Autorität im ursprünglichen Sinn.

Nicht herumgeschimpfe und "ich bin der Boss, also macht was ich sage."

Mynnia
00
8.11.2011, 00:53

Nee, aber Verantwortung a "Ich habs kaputtgemacht, ich muss es wieder ganzmachen" ist da schon OK.

D/E
13
4.10.2011, 16:37
Blödsinn.

Wenn ich die Möglichkeit hätte, einen notorischen Sachen-Vergesser hierzubehalten, damit er die fehlenden Aufgaben nachschreibt, täte ich erstens seinen Eltern einen Gefallen und machte ihm zweitens das Nichtstun nicht mehr so attraktiv.

Wenn heute ein Schüler das Unterrichten unmöglich macht, hat er schon gewonnen. Zuerst ist einmal die Lehrkraft in der Pflicht, dann werden die Eltern kontaktiert (zu 80% erfolglos), dann kommt irgendwann der Versuch, jemanden vom schulpsychologischen Dienst zu erreichen. Irgendwann gelingt das auch.

Dann passiert einmal nichts.

irgendwann schaut die Psychologin vorbei. Da sind 3 Wochen vergangen. Dann kommt ein Gutachten ("überdurchschnittlich ntelligent, aber...") und dann passiert wieder nichts.

mountaineer
00
25.10.2011, 20:01

Das kommt mir bekannt vor.

Auch sehr beliebt: die Gutachten mit Lese- und Rechtschreibschwäche.
Kind an und für sich sehr intelligent, kann sich halt leider nicht so konzentrieren und daher auch keine Fortschritte machen. Trotzdem möge man es bitte so benoten wie die andern auch, also tunlichst mit "Sehr gut", obwohl die Leistung noch vor zehn Jahren zu einem römischen "Nicht genügend" geführt hätten. Und das ohne klinische Diagnose auf "Legasthenie". Auch das ist Österreich.

nina yankow
00
10.3.2012, 00:14

den eltern würde ich die studie zeigen, dass fernsehen das risiko einer lese- und rechtschreibschwäche erhöht und einfordern, dass nur noch fremdsprachig mit dt. untertitel geglotzt werden darf (dvds) und viel gelesen und über das gelesene bericht erstattet wird. solange das gemacht wird, kann man die noten ruhig anpassen. die qualität darf dann anfrangs ruhig mies sein, mit der zeit müsste der schüler sich allein durch die übung verbessern (beim zusammenfassen bzw. beim auf eine zusammenfassung ausgerichteten lesen verbessert man die lesekompetenz, je höher die lesekompetenz desto mehr wird gelesen, je mehr gelesen wird, desto besser das ausdrucksvermögen usw.)

guzo
00
4.10.2011, 14:28
Ausgezeichnet auf den Punkt gebracht,

uneingeschränkte Zustimmung.
Danke.

stall
01
4.10.2011, 06:43
ich beobachte

dass die meisten ihre einmal gefasste meinung kaum ändern, und sprechen die argemente noch so dagegen.

mountaineer
02
3.10.2011, 22:13
Zu spät.

Manches klingt, obwohl aus dem Eck der Konservativen, ganz gut.
Allerdings ist es jetzt zu spät, nachdem eine weitgehend verwahrloste Elterngeneration bereits die erste Generation hyperverwahrloster Kinder und Jugendlicher herangezogen hat.
Es ist heute schon schwer, den Eltern zu erklären, dass man als Lehrer keine Luftsprünge macht, wenn deren Kind den Unterricht fortwährend so stört, dass an konstruktiven Unterricht nicht mehr zu denken ist!

guzo
00
4.10.2011, 09:18
Eine einzige Tragödie...

Sagen Sie: Wissen Sie vielleicht, wann das Abendland untergehen wird?

mountaineer
00
25.10.2011, 20:23

Ja. Ich weiß es.

Nein. Verzeihen Sie mein "Echauffement"??

stall
00
4.10.2011, 06:05
es sind nur die 5%

die tun und lassen können, was sie wollen. der rest ist o.k.
minderheitenpolitik halt.

rohrstaberl
23
2.10.2011, 09:16
wenn ich daran denke,welche mitschüler den lehrberuf gewählt haben: großteils schauderbar...

wie wäre es, wenn
1.die ausbildung reformiert würde
2.die schüleranzahl pro klasse verkleinert würde
3.flächendeckend ganztagsbetreuung zum standard wird, mit dem angenehmen nebeneffekt, daß kinder nicht mit 6 stunden konzentration überfordert werden,
4.leistungs-fördergruppen die versagensangst wegnehmen würden, und ein punkte-statt eines notensystems die gesamtleistung bewertet, wobei punktuelle schwächen ausgeglichen würden usw. wenn
5.eltern stärker eingebunden würden?

mountaineer
00
22.10.2011, 15:18

Lehrberuf: dauert zwischen drei und vier Jahre, z. B. Maurer, Zimmermann, Ofensetzer,...

oder was meinten Sie?

denke
00
5.10.2011, 06:48

Jetzt nur noch die notenpresse anwerfen

Rosa Stahl
00
3.10.2011, 18:07

ich hab nie was dagegen gehabt, stärker eingebunden zu werden. Was glaubens, was ich da erlebt hab, als ich nicht zu allem ja und amen gesagt hab, sondern eigene ansichten geäußert hab. ich hab mir nur gedacht, wenn lehrer schon so mit eltern umgehen, wie gehen die erst mit den kindern um...

Beobachter80
00
12.10.2011, 18:59
wie man in den W. hineinruft, so kommt es zurueck!

D/E
01
3.10.2011, 09:42
Mit klar definierten Feindbildern lebt sich's halt schon

leichter.

guzo
20
3.10.2011, 11:55
Geh, bitte.....

Wo geht's denn da um "Feinde"?

Das kommt mir schon ein bisserl sehr, naja, sagen wir mal: "übertrieben" bzw. "überzogen" vor....

D/E
02
3.10.2011, 13:34
Zitat:

"Wenn ich daran denke,welche mitschüler den lehrberuf gewählt haben: großteils schauderbar..."

Aber Sie wollten sich das wahrscheinlich nicht vorlesen lassen, sondern wieder einmal einen typischen Lehrerbasher exculpieren, nicht wahr?

Ich bin übrigens verblüfft, dass Sie mir nicht gleich im selben Posting attestieren, ich würde nur aus Unfähigkeit als Lehrer usw. Die Veränderung ist -- sofern dauerhaft -- durchaus begrüßenswert.

guzo
01
3.10.2011, 14:24
Und da lesen Sie heraus bzw.

wollen Sie unbedingt herauslesen, dass er/sie ein "Feind" DER LehrerInnen ist bzw. LehrerInnen als "Feinde" sieht?

Da bin ich jetzt auch verblüfft. ;-)

stall
22
2.10.2011, 18:05
...großteils schauderbar..

ihre menschenkenntnis muss ja schon als schüler überdurchschnittlich gut ausgeprägt gewesen sein.

RS69
 
01
2.10.2011, 10:11

1 und 2 halte ich für sinnvoll

3 für eine Nivellierung nach unten: Wenn shcon dann halte ich ein Hort-System für Besser, weil Schüler den Schulstress (wenn's grad welchen haben) im anderen Umfeld nicht so sehr mitnehmen. Und für ELtern denen es wichtig ist Ihre Kinder zu fördern ist die NAchmittagszeit wertvoll und notwendig.

4 halte ich nicht für so sinnvoll - am ENde geht es darum, was die Kinder mitnehmen, um nachher im Leben zu bestehen.

5 ist notwendig - scheitert aber an den meisten ELtern.

guzo
11
2.10.2011, 09:59
Grundsätzlich denke ich,

dass die Rahmenbedingungen nur zweitrangig sind. Ein guter Lehrer ist auch in einem Holzschuppen mit 40 SchülerInnen ein guter Lehrer und wird ihnen etwas beibringen, ein schlechter bleibt auch in der modernst ausgestatteten Schule mit einer 12er Gruppe ein schlechter.

Bei den "schlechten" LehrerInnen vermute ich viel Angst: einerseits vor den SchülerInnen, andererseits vor den Erwachsenen (Eltern, DirektorIn, InspektorIn, Ministerium etc.).

Diese Angst geben sie an ihre SchülerInnen weiter, deshalb sind sie "schlecht".

Die einzig sinnvolle Forderung der Lehrergewerkschaft wäre mE eine flächendeckende mentale Unterstützung aller LehrerInnen, etwa mittels Supervision.

Leider will sie aber zurück zu Heinrich Hoffmann ins 19. Jahrhundert.

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