Prozess in Dubai

Angeklagter Arzt: Erstmals seit 2009 in Österreich

28. September 2011, 08:50
  • Die Rückkehr Eugen Adelsmayrs sorgte für großes Aufsehen am Flughafen Wien-Schwechat

Intensivmediziner rechnet mit positivem Prozessausgang

Schwechat/Salzburg - Der in Dubai wegen Mordes angeklagte Intensivmediziner Eugen Adelsmayr ist zurück in Österreich. Er landete am Mittwoch um 5.37 Uhr am Flughafen Wien-Schwechat. Nach einem Pressebriefing flog er weiter nach Salzburg, wo er bereits von seinem Sohn erwartet wurde. "Ich bin aber trotz aller Erleichterung über die Rückkehr in keiner Jubelstimmung. Das Problem in Dubai ist noch nicht gelöst", sagte Eugen Adelsmayr in Schwechat. Er wird für den Tod eines gelähmten Patienten verantwortlich gemacht.

Das bisher letzte Mal war Adelsmayr zu Weihnachten 2009 in Österreich. Dass er jetzt aus humanitären Gründen aus Dubai ausreisen durfte, kam für ihn überraschend. "Ganz realisiert habe ich das noch nicht, das wird noch ein paar Tage dauern", sagte der 52-Jährige. Grund für die Heimkehr ist eine vorübergehende Ausreiseerlaubnis aufgrund der schwierigen humanitären Situation des Oberösterreichers. Seine Frau ist schwer krank, gestern, Dienstag, wurde sie wieder ins Krankenhaus einliefert.

Ruhe bei der Familie

"Ich werde jetzt zuerst nach Hause fahren und dann gleich weiter zu meiner Frau", sagte Adelsmayr nach seiner Ankunft in Salzburg. Die kommenden Tage möchte er in Ruhe mit seiner Familie verbringen, den Prozess in Dubai dabei "so weit wie möglich ausblenden". Was ausschlaggebend für die Ausreiseerlaubnis war, könne man nicht eindeutig sagen: "Da spielen viele Faktoren eine Rolle, es gab wochenlange Bemühungen. Das Außenministerium hat viel getan, es sind auf allen Ebenen Gespräche geführt worden", sagte Adelsmayr.

Bei seiner Rückkehr wurde er von Dutzenden Journalisten empfangen. "Ich frage mich, womit ich das verdient habe, ich habe nichts geleistet. Geleistet haben die etwas, die mich herausgeholt haben", sagte der Mediziner. Adelsmayr bestätigte, dass er zum nächsten Prozesstermin am 16. Oktober nach Dubai zurückkehren werde. "Aufgeben liegt mir nicht", sagte der 52-Jährige. "Es ist keine verlockende Zukunftsperspektive, von Interpol als Mordverdächtiger verfolgt zu werden." Die Justizbehörde in Dubai hatte im Vorfeld der Verhandlungen über die vorübergehende Ausreise eine Bürgschaft von Österreich verlangt, den dort Angeklagten für den Prozess wieder auszuliefern. Das konnte aus rechtlichen Gründen nicht garantiert werden, weil die Republik keine Staatsbürger ausliefern darf. Adelsmayr will jedoch seine Schuldlosigkeit beweisen und für seine Rehabilitierung kämpfen.

"Anhaltendes Gefühl der Ohnmacht bleibt"

Der Prozess gegen den Oberösterreicher war Mitte Juli eröffnet worden. Im August wurde das Verfahren aufgrund des Fastenmonats Ramadan vertagt. Der jüngste Verhandlungstermin fand am vergangenen Sonntag statt. Hier waren drei von fünf geladenen Zeugen der Anklage einvernommen worden, zwei davon sagten zugunsten des Mediziners aus. "Die ersten drei Prozesstermine waren extrem enttäuschend. Die Verhandlung am Sonntag war allerdings überraschend positiv", sagte Adelsmayr. Er rechnet damit, dass der Prozess "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit positiv für mich ausgehen wird". Das "anhaltende Gefühl der Ohnmacht" bleibe jedoch, "in Summe ist die Belastung nicht weniger geworden", erklärte der Mediziner.

Bei der Rückkehr dabei war die Chefin der Rechtsabteilung im Außenministerium, Elisabeth Ellison-Kramer. Sie hat den Intensivmediziner in der vergangenen Woche in Dubai unterstützt und sich für seine humanitäre Ausreise engagiert. "Es sind direkt Freundschaften entstanden, die werde ich weiter pflegen", sagte sie. Ellison-Kramer wird den weiteren Prozessverlauf von Österreich aus verfolgen. "Unterstützung in Dubai erhält der Mediziner von der Botschaft."

Für Adelsmayr hat sich durch den Prozess seine "Einstellung zum ganzen Land" geändert. Seit sechs Jahren lebt und arbeitet der 52-Jährige in Dubai. Arabische Freunde würden sich für dieses Verfahren schämen, sagte er. Glitzer und Prunk der Metropole Dubai würden durch so eine Negativerfahrung ihre Strahlkraft verlieren. "Wenn man hinter die Kulissen blickt, sieht die Welt in Dubai düster aus."

Unterlassene Hilfeleistung

Die Anklage beschuldigt den Oberösterreicher und einen indischen Kollegen, einen querschnittgelähmten Patienten im Februar 2009 durch Unterlassung von Hilfeleistung und eine hohe Dosis Opiate getötet zu haben. Der 50-Jährige soll eine Order ausgegeben haben, dass der Kranke im Falle eines Herzstillstands nicht wiederbelebt werden soll. Bereits vor dem Vorfall im Rashid Hospital hatte Adelsmayr seine Kündigung eingereicht, er war dort mehr als drei Jahre als Leiter der Intensivstation tätig.

Der indische Kollege war der diensthabende Arzt, als der Patient einen Herzinfarkt erlitt. Laut Adelsmayr war der Inder zu diesem Zeitpunkt mit einem weiteren Patienten beschäftigt, und hatte daher keine Zeit, den gelähmten Patienten zu reanimieren. Dieser verstarb um 3.30 Uhr. "Ich war zum Zeitpunkt des Todes bereits seit 36 Stunden nicht mehr im Krankenhaus", sagte Adelsmayr. Während der österreichische Mediziner von seinem jetzigen Arbeitgeber im Al Ain Hospital in Abu Dhabi suspendiert wurde, darf der mitangeklagte Inder laut Adelsmayr weiterhin auf der Station im Rashid Hospital Dienst versehen. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 67
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moneygambler
00
29.9.2011, 16:01

komisch das der mann nach dubai zurück will. das erweckt den eindruck einer billigen effekthascherei.
http://tinyurl.com/672jevo

fow
00
29.9.2011, 09:29
hut ab vor dem mann

er wird zurückkehren. wenn man die vorliegenden "beweise" betrachtet, kann eigentlich nur ein freispruch erfolgen.
hut ab vor dem mann, der für sein recht kämpft.
bleibt nur zu hoffen, dass er gerechtigkeit bekommt,.. und nicht nur ein urteil.

Heavyweather
00
30.9.2011, 23:50

Eher dumm.
Wenn er schon raus ist aus dem Mittelalter sollen sie doch dort ohne ihn weiterspielen.

GE
01
28.9.2011, 23:25

Ich weiß nicht wie weit ihm seine Freunde, Familie und Bekannten nicht von einer Rückkehr abraten!
Falls sie mich in Deutschland wegen irgendwas belangen, meine Güte, dann bin ich halt nie mehr dort,
mit dem kann ich leben.
Aber sicher nicht seine Angehörigen und Freunde, wenn sie zu den Medien sagen müssen, wir hatten ihm abgeraten.... aber er hat dennoch den Prozeß verloren und wurde hingerichtet.
Das würde keine Familie ihren Vater/Sohn erlauben!

Heavyweather
00
30.9.2011, 23:52

Doch. Es gibt tausende solche Eltern...
Die schicken ihre Kinder in den Tod und sind dann auch noch stolz darauf.

Effektiv vorlaut
00
29.9.2011, 14:11
Die Chance, dass er auf dem Weg zum Flughafen an einen Baum fährt,

ist wesentlich größer als die Chance einer Hinrichtung. Und das weiß er auch genau.

metacomet
31
28.9.2011, 22:07
einerseits sollten sich ärzte welche um unser steuergeld ausgebildet wurden, überlegen wo sie arbeiten

andererseits sollten sich die saudis überlegen, wer sie eigentlich in zukunft noch ärztlich behandeln wird ... einen arzt mit der todesstrafe zu bedrohen, ist wie frauen auspeitschen zu wollen, die autofahren ...
hoffentlich stolpern die saudi-könige nicht allzuoft über ihren thawb...

the academic cyber sense
00
29.9.2011, 08:32

saudis? welche saudis?

sag einfach in zukunft "arabien". dann gilt das für alle arabische länder, von marokko bis indonesien.

Brötchen aufs Pfötchen
00
28.9.2011, 19:55

Bei der PK war er wenigstens so ehrlich zu sagen, dass es ihm nur um die Asche geht. Er habe ja eine Eigentumswohnung "da unten".

Prügelprinz mit Schirm
17
28.9.2011, 16:03

Ich würde mich an seiner Stelle bis zum Ende des Prozess den Grenzen des österreichischen Staatsgebietes nicht mal nähern. Nichts, wirklich nichts auf dieser Welt, könnte mich dazu bewegen nochmal einen Fuß in ein Land zu setzen, dessen Justiz auch nur ansatzweise daran denkt mich zum Tode zu verurteilen. In so einem Fall würde ich einen großen Haufen auf die sogenannte Gerechtigkeit setzen.

Arbeit für die Zensur
00
28.9.2011, 16:40

Stimmt! Aber ........ Erstmals seit 2009 in Österreich .... ist auch eigenartig.

O5
11
28.9.2011, 19:44

Wieso das? Wenn man woanders lebt will man ja nicht immer andauernd das Gefühl haben dort nur Tourist zu sein - wenn man wo leben will muss man auch anfangen Kontakte dort zu knüpfen, usw., und dazu gehört eben auch dass man dann seine Ferien eher dort verbringt als in den Ferien andauernd nach Österreich zurückzukehren.

OMGLASERGUNSPEWPEW
02
28.9.2011, 19:23

Das mit 2009 finde ich auch etwas komisch, vor allem, da er sich jetzt als Familienmensch gibt...

tignosa
02
28.9.2011, 21:56
vielleicht war die Frau auch in Dubai, kehrte aber wegen ihrer Krankheit zurück?

wie auch immer, es gibt keinen Grund, jemanden hinzurichten.

mitch2
12
28.9.2011, 15:57

auch der tollste job der welt kann das risiko, dass ein aufenthalt dort birgt, nicht aufwiegen.

exile in mainstream
51
28.9.2011, 15:32

was das wohl wieder gekostet hat?

Aung San Suu Tschi
 
01
28.9.2011, 22:04
Auch für Fälle wie diesen gibt es ein Außenministerium

g. b.2
00
28.9.2011, 21:36
Der Anstand wird stärker sein.

Prügelprinz mit Schirm
01
28.9.2011, 15:54

Völlig egal, Hauptsache der Mann durfte heim. An seiner Stelle würde ich um kein Geld der Welt wieder nach Dubai reisen.

Arbeit für die Zensur
61
28.9.2011, 16:40

Die Geldgier wird stärker sein.

Bernhard Lassy2
 
00
28.9.2011, 14:59
Glückwunsch zum Ergebnis

Es läßt sich etwas schwer nachvollziehen, möglicherweise wäre es auch nicht so weit gekommen, dass gegen Dr. Adelsmayr dieses Verfahren angestrengt wurde. Dr. Adelsmayr wurde ursprünglich von Dr. Kawadri vertreten, der laut einer Reihe von Betroffenen großen Schaden angerichtet hatte. Dr. Kawadri soll in einigen Fällen seitens der Botschaft vermittelt worden sein.

Es gibt jedenfalls eine Reihe von Österreichern die Hilfe benötigen würden.

http://www.saubere-haende.org/typo3/ind... php?id=281

Roter Baron
00
28.9.2011, 14:23
genial

österreich kann ja keine eigenen staatsbürger ausliefern

roter baron

Club-der-dichten-Toten
11
28.9.2011, 15:38

Aber alle Nachbarländer zum Beispiel.

Theoretisch könnte er nicht mal die Grenze überschreiten, wenn Dubai einen internationalen Haftbefehl ausstellt...

Er wird also zum Verhandlungstag sicher wieder zurückfliegen.

tignosa
00
28.9.2011, 21:57
er kann überall hinfahren, wo die EMRK vorbehaltslos ratifiziert worden ist

denn laut EMRK darf niemand in ein Land ausgeliefert werden, wo ihm Folter oder die Todesstrafe droht

diekleinefurie
00
29.9.2011, 16:17
Sorry,

mit blöder Frage war natürlich meine eigene Frage gemeint.....

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