Weil Bildungspolitik das Thema Gerechtigkeit nicht ausklammern darf, sagt die ÖH - Von Janine Wulz
Wir leben in einer Konkurrenzgesellschaft. Mit ausgefahrenen Ellenbogen kämpft jede/jeder gegen jede/jeden und versucht für sich das Beste herauszuverhandeln. Dass dabei so manch eine/einer das eine oder andere blaue Auge abbekommt, gilt mittlerweile als "normal". Dass es auch anders ginge, scheint für viele kaum mehr vorstellbar. Umso wichtiger ist es, immer wieder aufzuzeigen, dass dieses Gegeneinander nichts "Natürliches" oder "Gottgegebenes" ist.
Wer Zugang zu Bildung hat, ist eine der Schlüsselfragen in dieser Debatte. Bildungspolitik, die die Frage der Gerechtigkeit nicht mitbedenkt, stabilisiert die ungerechten Verhältnisse. Genau hier sind die Versäumnisse von Minister Töchterles Vorschlägen zur Unipolitik zu finden - einmal mehr wurde die Chance vertan, Bildungspolitik zu machen, die tatsächlich einen Beitrag zu einer gerechteren Gesellschaft leisten kann.
Das klare Nein der SPÖ zu Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren setzt die Diskussion wieder zurück auf Anfang. Das mag frustrierend für den Minister sein, bietet aber gleichzeitig auch eine neue Chance, sich endlich wirklich mit den Studierenden, Lehrenden, Schülern und Wissenschaftern auseinanderzusetzen, die Bildungspolitik zuallererst zu spüren bekommen. Töchterle muss sich auf einen Diskussionsprozess einlassen, der die Lebensumstände und Probleme der einzelnen Gruppen ernst nimmt, und mit ihnen gemeinsam nach Lösungen suchen. Ziel muss eine Bildungspolitik sein, die eine gerechtere Zukunft ermöglicht. Dafür lohnt es sich zu kämpfen und manchmal auch als Neinsagerin dazustehen. (Janine Wulz, DER STANDARD, Printausgabe, 28.9.2011)
Autor
Janine Wulz ist Vorsitzende der ÖH-Bundesvertretung.