Neinsagen als Chance für einen Neubeginn

Kommentar der anderen | 27. September 2011, 19:15

Weil Bildungspolitik das Thema Gerechtigkeit nicht ausklammern darf, sagt die ÖH - Von Janine Wulz

Wir leben in einer Konkurrenzgesellschaft. Mit ausgefahrenen Ellenbogen kämpft jede/jeder gegen jede/jeden und versucht für sich das Beste herauszuverhandeln. Dass dabei so manch eine/einer das eine oder andere blaue Auge abbekommt, gilt mittlerweile als "normal". Dass es auch anders ginge, scheint für viele kaum mehr vorstellbar. Umso wichtiger ist es, immer wieder aufzuzeigen, dass dieses Gegeneinander nichts "Natürliches" oder "Gottgegebenes" ist.

Wer Zugang zu Bildung hat, ist eine der Schlüsselfragen in dieser Debatte. Bildungspolitik, die die Frage der Gerechtigkeit nicht mitbedenkt, stabilisiert die ungerechten Verhältnisse. Genau hier sind die Versäumnisse von Minister Töchterles Vorschlägen zur Unipolitik zu finden - einmal mehr wurde die Chance vertan, Bildungspolitik zu machen, die tatsächlich einen Beitrag zu einer gerechteren Gesellschaft leisten kann.

Das klare Nein der SPÖ zu Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren setzt die Diskussion wieder zurück auf Anfang. Das mag frustrierend für den Minister sein, bietet aber gleichzeitig auch eine neue Chance, sich endlich wirklich mit den Studierenden, Lehrenden, Schülern und Wissenschaftern auseinanderzusetzen, die Bildungspolitik zuallererst zu spüren bekommen. Töchterle muss sich auf einen Diskussionsprozess einlassen, der die Lebensumstände und Probleme der einzelnen Gruppen ernst nimmt, und mit ihnen gemeinsam nach Lösungen suchen. Ziel muss eine Bildungspolitik sein, die eine gerechtere Zukunft ermöglicht. Dafür lohnt es sich zu kämpfen und manchmal auch als Neinsagerin dazustehen. (Janine Wulz, DER STANDARD, Printausgabe, 28.9.2011)

Autor

Janine Wulz ist Vorsitzende der ÖH-Bundesvertretung.

clementinchen
00
28.9.2011, 17:51

aus ideologischen gründen sämtliche studienergebnisse über soziale verträglichkeit, soziale durchlässigkeit und durchmischung der studierenden (im gebührenfreien system), vorschläge zu stipendiensystemen etc. zu ignorieren und einfach kategorisch NEIN zu sagen, das hat immer geholfen.

aber ein unverrückbares, ein in stein gemeiseltes NEIN, das ist mehr. das ist der anfang einer ernstzunehmenden diskussion an deren ende sich alle in die arme fallen werden. dieses NEIN zeugt von gesprächsbereitschaft, von interesse, vom willen zur zusammenarbeit.

FatFaceRicky
00
28.9.2011, 17:01

Ich hätte nichts gegen Gebühren - v.a. nicht gegen das Töchterle-Modell.

Aber nur 500 Euros kassieren und weitermachen wie bisher, das ist zu wenig. Es müssen auch neue Strukturen her, hin zu e-learning und berufsbegleitendem Studium, was da von den Unis selbst und dem Ministerium kommt (oder nicht kommt), ist ernüchternd.

Töchterle beschränkt sich auch nur auf seine Gebühren-Modelle und Zugangsregelungen - Konzepte wie man die Unis weiterentwickeln könnte, hat auch er nicht. Insofern ist auch er eine Entäuschung - ich mein, da is schon fast wurscht, ob die Gehrer oder der T Minister ist, wenn das wirklich alles ist, was ihm einfällt.

Munis
210
27.9.2011, 23:40
Exzellenter Kommentar

Neinsagen auch wenn sich das die bürgerliche Journaille nicht wünscht. Wie wird dem neuen Minister Rosen gestreut: Neulich im KURIER: "Mehr Töchterles please" von Vocki oder das klare Eintreten für Studiengebühren desselben Blattes oder die Verunglimpfung der Ablehner als Ewiggestrige Neinsager. Man sollte hier hart bleiben weil wehret den Anfängen: Heute Studiengebühren an den Unis morgen Zugangsbeschränkungen bei Spitälern oder Operationen übermorgen vielleicht Gebühren für die Oberstufe des Gymnasiums. HART BLEIBEN GEGEN DEN NEOLIBERALEN MAINSTREAM!!!!

Isegrim1
70
28.9.2011, 00:47

Mainstream bedeutet, dass die Mehrheit es so will und dann ist es auch Gerecht.

Don Quixote1
00
28.9.2011, 17:53
Woher haben Sie diesen Schwachsinn?

Mainstream ist keine Entscheidung oder Abstimmung, es ist mit dem Strom zu schwimmen, ohne nachzudenken, ohne zu reflektieren oder kritisieren.

keywords
01
28.9.2011, 12:19

was die mehrheit will, ist für die minderheit nie gerecht.

ElQueNoEntiende
70
27.9.2011, 21:18
neinsagen...

...endet dann wenn Frau Wulz die Universitäten gemeinsam mit rot/grün endgültig vernichtet hat. amen.

wizenstain
01
27.9.2011, 20:57
Neinsagen als Chance für einen Neubeginn

das wird seit den 90iger jahren (unistg1)
versucht

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