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Hausaufgaben mit Patentschutz

Markus Böhm , 27. September 2011, 19:04
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    foto: standard/cremer

    Gründerzeithäuser können mithilfe passivhaustauglicher Fenster, die im Programm "Haus der Zukunft" entwickelt wurden, energetisch saniert werden. Die Ästhetik soll dabei nicht zu kurz kommen.

Workshop bezüglich Hilfestellungen für die Vermarktung innovativer Produkte

Einst dienten sie dem aufstrebenden Bürgertum als äußeres Zeichen des wachsenden Selbstbewusstseins. Heute sind sie vielfach energietechnische Sanierungsfälle: Gründerzeitbauten, Gebäude also, die vor 1919 errichtet wurden und in denen sich allein in Wien knapp 30 Prozent aller Hauptwohnsitzwohnungen befinden. Sie sind oft unzureichend isoliert, haben veraltete, schlecht dämmende Fenster.

"In diesen Gebäuden befinden sich rund 240.000 Wohnungen. Vorsichtigen Schätzungen zufolge gibt es 500.000 Fenster in diesen Wohnungen, die saniert werden müssten", sagte Geza Mozsner von Pos Architekten auf dem Themenworkshop "Industrielle Umsetzung von Gebäudetechnologien". Dieser fand vergangene Woche im Rahmen der Workshop-Reihe "Haus der Zukunft in der Praxis" in der Austria Wirtschaftsservice (AWS) statt. "Haus der Zukunft" ist ein Forschungs- und Technologieprogramm des Verkehrsministeriums, das neue Konzepte für das Bauwesen entwickeln soll. Mozsner stellte das Gründerzeit-Fassade-Fenster plus, kurz Grueff, vor, eine passivhaustaugliche Fensterlösung für Gründerzeitbauten. Diese entstand im Zuge des "Haus der Zukunft plus"-Leitprojekts "Gründerzeit mit Zukunft".

Dessen Ziel: die gesamtheitliche Modernisierung von Gründerzeitgebäuden zu forcieren. Die Anwendung innovativer Lösungen soll die Qualität von Sanierungen deutlich verbessern und damit einen Beitrag zu einem CO2-neutralen Gebäudesektor leisten.

Fenster für alte Fassaden

"Davor standen für die Sanierung keine ästhetisch und energetisch hochwertigen Fenster zur Verfügung", schilderte Mozsner. Das sollte sich mit Grueff ändern. Gemeinsam mit Fensterherstellern, Statikern, Bauphysikern und Haustechnikern forschten die Architekten an zwei auch gestalterisch anspruchsvollen Systemlösungen, die moderne Standards hinsichtlich energieeffizienter Fenstertechnik, Steigerung des Wohnwertes und baulicher Performance aufweisen. Mozsner war einer von drei Referenten, die ihre innovativen "Haus der Zukunft"-Produkte vorstellten. Allen gemeinsam ist, dass sie seit kurzem auf dem Markt sind oder kurz vor dem Markteintritt stehen. "Wir sehen hohes Marktpotenzial für unsere Produkte", betonte Mozsner und blickt dabei auch über die österreichischen Staatsgrenzen hinweg nach Bratislava bzw. Budapest. Man wolle Grueff international als Marke etablieren.

Hilfestellung dabei könne das AWS bieten, erklärte Schutz- und Markenrechtexperte Gerald Ruppert. Er stellte fest: "Nur 0,6 Prozent aller Ideen für Innovationen sind am Markt erfolgreich." Wolle man erfolgreich sein, sei zunächst eine Marktrecherche wesentliche Voraussetzung, sagte er. Hinzu komme dann der Patentschutz - der Schutz vor Nachahmung würde das Risiko des Scheiterns weiter minimieren, dozierte er, bevor er auf die einzelnen Schutzrechte einging.

AWS-Mann Ruppert stellte die Dienstleistungen der Förderbank für KMUs in diesem Zusammenhang vor, die im Wesentlichen sind: Beratung, Evaluierung, Zuschüsse zur Patentierung, Vernetzung, aber auch die Durchsetzung der Rechte - Stichwort China. Denn dort liege noch vieles im Argen. "Zu den Hausaufgaben gehört jedenfalls", schloss Ruppert seinen Vortrag, "den Markt ständig zu beobachten."

Sein Kollege Bernd Litzka referierte schließlich über das Thema Investoren und wie das AWS Start-ups mit sogenannten Business-Angels vernetzen könne. Ganz wichtig dabei: ein Businessplan. Dieser müsse zwar nicht lang sein, aber vor allem eines enthalten, sagte Litzka: "Fakten, Fakten, Fakten." (DER STANDARD, Printausgabe, 28.09.2011)


Die Ausschreibung Haus der Zukunft plus (eCall der FFG) ist noch bis 12. 10. 2011, 12Uhr offen.

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