Workshop bezüglich Hilfestellungen für die Vermarktung innovativer Produkte
Einst dienten sie dem aufstrebenden Bürgertum als äußeres Zeichen des
wachsenden Selbstbewusstseins. Heute sind sie vielfach energietechnische
Sanierungsfälle: Gründerzeitbauten, Gebäude also, die vor 1919 errichtet wurden
und in denen sich allein in Wien knapp 30 Prozent aller Hauptwohnsitzwohnungen
befinden. Sie sind oft unzureichend isoliert, haben veraltete, schlecht dämmende
Fenster.
"In diesen Gebäuden befinden sich rund 240.000 Wohnungen. Vorsichtigen
Schätzungen zufolge gibt es 500.000 Fenster in diesen Wohnungen, die saniert
werden müssten", sagte Geza Mozsner von Pos Architekten auf dem Themenworkshop
"Industrielle Umsetzung von Gebäudetechnologien". Dieser fand vergangene Woche
im Rahmen der Workshop-Reihe "Haus der Zukunft in der Praxis" in der Austria
Wirtschaftsservice (AWS) statt. "Haus der Zukunft" ist ein Forschungs- und
Technologieprogramm des Verkehrsministeriums, das neue Konzepte für das Bauwesen
entwickeln soll. Mozsner stellte das Gründerzeit-Fassade-Fenster plus, kurz
Grueff, vor, eine passivhaustaugliche Fensterlösung für Gründerzeitbauten. Diese
entstand im Zuge des "Haus der Zukunft plus"-Leitprojekts "Gründerzeit mit
Zukunft".
Dessen Ziel: die gesamtheitliche Modernisierung von Gründerzeitgebäuden zu
forcieren. Die Anwendung innovativer Lösungen soll die Qualität von Sanierungen
deutlich verbessern und damit einen Beitrag zu einem CO2-neutralen Gebäudesektor
leisten.
Fenster für alte Fassaden
"Davor standen für die Sanierung keine ästhetisch und energetisch
hochwertigen Fenster zur Verfügung", schilderte Mozsner. Das sollte sich mit
Grueff ändern. Gemeinsam mit Fensterherstellern, Statikern, Bauphysikern und
Haustechnikern forschten die Architekten an zwei auch gestalterisch
anspruchsvollen Systemlösungen, die moderne Standards hinsichtlich
energieeffizienter Fenstertechnik, Steigerung des Wohnwertes und baulicher
Performance aufweisen. Mozsner war einer von drei Referenten, die ihre
innovativen "Haus der Zukunft"-Produkte vorstellten. Allen gemeinsam ist, dass
sie seit kurzem auf dem Markt sind oder kurz vor dem Markteintritt stehen. "Wir
sehen hohes Marktpotenzial für unsere Produkte", betonte Mozsner und blickt
dabei auch über die österreichischen Staatsgrenzen hinweg nach Bratislava bzw.
Budapest. Man wolle Grueff international als Marke etablieren.
Hilfestellung dabei könne das AWS bieten, erklärte Schutz- und
Markenrechtexperte Gerald Ruppert. Er stellte fest: "Nur 0,6 Prozent aller Ideen
für Innovationen sind am Markt erfolgreich." Wolle man erfolgreich sein, sei
zunächst eine Marktrecherche wesentliche Voraussetzung, sagte er. Hinzu komme
dann der Patentschutz - der Schutz vor Nachahmung würde das Risiko des
Scheiterns weiter minimieren, dozierte er, bevor er auf die einzelnen
Schutzrechte einging.
AWS-Mann Ruppert stellte die Dienstleistungen der Förderbank für KMUs in
diesem Zusammenhang vor, die im Wesentlichen sind: Beratung, Evaluierung,
Zuschüsse zur Patentierung, Vernetzung, aber auch die Durchsetzung der Rechte -
Stichwort China. Denn dort liege noch vieles im Argen. "Zu den Hausaufgaben gehört jedenfalls", schloss Ruppert seinen
Vortrag, "den Markt ständig zu beobachten."
Sein Kollege Bernd Litzka referierte schließlich über das Thema Investoren
und wie das AWS Start-ups mit sogenannten Business-Angels vernetzen könne. Ganz
wichtig dabei: ein Businessplan. Dieser müsse zwar nicht lang sein, aber vor
allem eines enthalten, sagte Litzka: "Fakten, Fakten, Fakten." (DER STANDARD, Printausgabe, 28.09.2011)
Die Ausschreibung Haus der Zukunft plus (eCall der FFG) ist noch bis 12. 10. 2011, 12Uhr offen.
Links