Reform statt Beschränkung

Kommentar der anderen | 27. September 2011, 18:37

"Die Rektoren tun so, als wäre die Uni eine überfüllte Disco, und fordern den brutalen Türsteher" - SPÖ-Botschaft an Töchterle: Den Hochschulen fehlt es nicht an Geld, wohl aber an Innovationswillen - Von Christoph Matznetter

Stellen Sie sich vor: Sie haben 2,8 Milliarden Euro jährlich zur Verfügung - und Sie haben keine Ahnung, was Sie damit machen sollen. Das gibt es gar nicht, werden Sie jetzt denken! Doch fragen Sie die österreichischen Universitäten, denen passiert das gerade.

Österreich ist mit einer Akademikerquote von 19 Prozent ein akademisches Entwicklungsland. Das schädigt den Wirtschaftsstandort Österreich im internationalen Wissenswettbewerb massiv. Ein Land, das keine andere Ressource hat als Bildung, kann es sich nicht leisten, die Bevölkerung davon fernzuhalten. Wir alle sind uns bewusst, wir brauchen um ein Vielfaches mehr Uni-Absolventen. Die logische Schlussfolgerung (auch wenn in der Politik selten logische Dinge passieren): Wir geben den Universitäten Jahr für Jahr mehr Geld, damit sie mehr Studierenden den Abschluss ihres Studiums ermöglichen können.

In Summe stieg das Budget der Universitäten seit Regierungseintritt der SPÖ ab Jänner 2007 um 48,8 Prozent. Aber die Universitäten wissen nicht, was sie damit tun sollen. Zumindest lässt sich bei einer Bestandsaufnahme nichts anderes ableiten, denn auf den Unis hat sich nichts geändert: Kapazitäten wurden nicht aufgestockt, Qualität nicht verbessert, Akademikerquote nicht erhöht. Und: Man beschwert sich weiter, dass zu wenig Geld da ist und fordert Zugangsbeschränkungen. Die Rektoren tun so, als wären die Uni eine überfüllte Disco und schreien nach dem brutalen Türsteher.

Digitalisierung ausbauen!

Also alles beim Alten! Das beste Beispiel dafür lieferte Prof. Aigner in seinem Kommentar vom 22.9. 2011. Was neu ist? Die Pro-Kopf-Kosten sind laut OECD-Bericht (Education at a glance 2011) am vierthöchsten unter allen Industriestaaten. Berechtigte Frage: Was passiert mit dem Geld? Ja stimmt, die Zahlen der Neuzugänge steigen, wenn auch seit Anfang 2007 mit 27 Prozent deutlich geringer als die Budgetmittel. Doch niemand hat von den Universitäten verlangt, dass sie jetzt 300 Professoren mehr aufnehmen oder ein neues Gebäude bauen müssen, nur weil aus vielen Lehrveranstaltungen in den letzten 20 Jahren Pflichtveranstaltungen wurden. Denn das braucht es nicht und entspricht auch nicht den Bedürfnissen der Studierenden, ganz im Gegenteil:

Die Studenten von heute brauchen dringend Möglichkeiten, ihr Studium zu absolvieren und dabei weniger als mehr Zeit auf den Universitäten zu verbringen. So sind die meisten von ihnen Werksstudenten und haben berufliche Verpflichtungen. Und das ist gut so. Nicht nur, weil wir wollen, dass sich die Bevölkerung ihr ganzes Leben lang weiter bildet, was bedeutet, dass sie lediglich einen kleinen Teil ihrer "Bildungszeit" ausschließlich Vollzeitstudierende sind und den Großteil als Werksstudenten, die Beruf und Weiterbildung unter einen Hut bringen müssen, zu absolvieren haben.

Das heißt aber auch, dass dringend Ideen und Innovationen gefragt sind, um den Unialltag nicht zwingend an das Gebäude "Universität" mit seinen Vorlesungen und Seminaren zwischen 9 und 18 Uhr zu binden. Dies ist eine wichtige Vorbedingung für lebenslanges Lernen, die der Bevölkerung Teilhabe an universitärer Forschung und Lehre ermöglicht.

Im 21. Jahrhundert muss es möglich sei,n dass die Studierenden von heute ihr Wissen dort erweitern, wo es ihren Lebensumständen entsprechend gerade möglich ist. Sei es zuhause, im Büro, im Zug, mit einer Gruppe Studierender im Caféhaus oder eben auf der Universität. Fernstudium darf auf den heimischen Universitäten keine Ausnahme sein, sondern flächendeckendes Angebot.

Die technologischen Möglichkeiten ließen genau dies zu. Mit einem massiven Digitalisierungsausbau an unseren Universitäten, müssten unsere Rektoren nicht über den massiven Zulauf an Studierenden weinen, sondern könnten sich dessen erfreuen. Sie müssten nicht mehr ihre Zeit damit verschwenden, Studenten von Unis und tertiärer Ausbildung fern zu halten, sondern könnten sich ganz darauf konzentrieren so viele Studenten und wissenshungrige Leute auf die Unis zu holen. Das heißt: Kooperationen mit High-Tech Unternehmen starten, um ein umfassendes, modernes E-Learning-Programm (das bitte über Moddle hinausgeht) und die Digitalisierung der Bibliotheken rasch auf Schiene zu bringen. Und wenn wir sicher sein können, dass wirklich alle, unabhängig von Einkommen, sozialen Status, Berufstätigkeit oder Kapazität der Hörsäle die Möglichkeit bekommen, ihr Leben lang Bildung an den österreichischen Universitäten zu genießen, steht die Erhöhung Forschungsquote auf zwei Prozent des BIP außer Frage.

Und über Studiengebühren, die einfach eine Bildungssteuer sind, möchte ich, wenn überhaupt dann erst wieder diskutieren, wenn Österreich bei der Akademikerquote den OEDC-Schnitt erreicht hat. (Christoph Matznetter, DER STANDARD, Printausgabe, 28.9.2011)

Autor

Christoph Matznetter ist Wirtschaftssprecher der SPÖ.

  • Wilfried Datler

    Uni und ÖBB - kein Vergleich! [7]

    Vom Umgang mit öffentlichen Geldern in staatsnahen Betrieben - und die Frage, was das mit der viel beklagten Budgetsituation der Hochschulen zu tun hat: Leseerlebnisse eines Bildungswissenschafters - Von Wilfried Datler

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Virtuell
00
3.10.2011, 05:22
Hirnlos

Setzen wir die Kinder doch vor den Fernseher statt sie in die Schule gehen zu lassen! Brezina und Co. werden sie schon bilden! Bei Matznetter hats ja auch geklappt, Kasperl sei Dank!

achleitner78
00
2.10.2011, 19:50
Zum Thema Fernlehre in Österreich!

http://www.mba-fernlehre.at/

vertex
00
30.9.2011, 19:12
Jesus Christ! Treten Sie ab, Herr "Dr."Matznetter!

...

Soulman
00
29.9.2011, 16:05
Dieser typisch österreichisch-provinzielle...

...Parteikasperl namens Matznetter, der das letzte mal (s)eine Uni vor 30 Jahren von innen gesehen hat - ist der lebendige Beweis dafür, dass die SPÖ-Unipolitik nur als gemeingefährliche Drohung aufgefasst werden kann.

Polemischer geht es kaum mehr. Wie die gleiche Zahl von Lehrenden ach so tolle E-Learning-Veranstaltungen vorbereiten und durchführen soll, bei gleichzietig steigenden Studentenzahlen, wobei jeder quasi ein armer Werkstudent ist, der etwa ein Recht auf einen Titel im Vorbeigehen hat - das ist alles so jämmerlich.

In keinem anderen entwickelten Land würde ein Spitzenpolitiker einer Regierungspartei so einen niveaulosen Schund zur Uni in einem Qualitätsblatt absondern.

Aus Fairnessgründen: auch von der ÖVP kommt nix Besseres

clementinchen
00
28.9.2011, 18:10

#OECD
#Moodle
#sozialem Status

Kurt Bayer
00
28.9.2011, 18:00
Innovation ja - Werksstudenten nein

Matznetter hat recht, wenn er Innovation einfordert, dennoch: Werksstudententum als Regelstudium hinzunehmen und sogar hochzuloben ist falsch. Das Hauptstudium benötigt Vollzeit, Weiterbildung mag dann später in Teilzeit erfolgen. Um möglichst Vielen Vollzeitstudium zu ermöglichen, braucht es daher ein Stipendien-, ein Kreditsystem, das meinetwegen spätere Rückzahlungen vorsieht.
Aber wer ein Studium nicht als Vollzeitbeschäftigung propagiert, nimmt die Bildungs- und Ausbildungsfunktion der Universitäten nicht ernst.

Christoph Karl Steininger
31
28.9.2011, 16:58
Ein sehr guter Kommentar!

Viele Lehrende, Rektoren, Dekane usw. leben wie im 19. Jh.
Ich war bei einer Abschlußfeier der Med-Uni. Die war im Konferenzzentrum.
Der Rektor trug einen Talar - um 2 Nummern zu klein- es sah einfach lächerlich aus. Aber, wichtig, er trug die Amtskette, und die schwere Keule, das Zepter der Uni lag auf einem kleinen Tischchen.
Es war schwer zu ertragen. Die absolut prosaische Umgebung der Halle mit der gräßlichen 70er Jahre Architektur - die Profs in ihren Roben, die Amtskette und Geschwafel!

MartinB
00
30.9.2011, 12:19

Wenn sie wuessten dass Abschlussfeiern eigentlich vollkommen un-notwendig sind, und nur fuer die Eltern, Tanten usw. der Absolventen veranstaltet werden, dann koennten sie sich auch denken dass es sich diese Gruppe von Leuten auf so Klimbim wie Zepter und Talare stehen. Ohne den Rektor persoenlich zu kennen traue ich mich sagen dass der aufs tragen eines zwei nummern zu kleinen Talars ebenso gerne verzichten wuerde wie ich auf das Lesen ihres Kommentars.

Saint Simon
20
28.9.2011, 22:20

Mein Gott, was sind Sie nur für ein Würstl. Kapieren Sie irgendwann mal den Unterschied zwischen relevant und Peanuts?
Und so was postet zu Hochschulthemen!!!

Saint Simon
10
28.9.2011, 22:47

Wo sind denn Sie entlaufen?

Sabrine Grünbaum
00
28.9.2011, 22:32
wieso können die K(r)ampfposter aus dem Töchterle-Ressort nur schimpfen?

Wenn Sie auf die Ausführungen von Steininger nur so reagieren können, dass Sie unflätig schimpfen, dann ersparen Sie allen anderen diese Ausführungen. Sie deuten mehr auf ihren denn auf den Geisteszustand jenes Posters, auf den Sie reagieren, hin!

Hinsetzen, beide Kommentare ansehen, und Sie werden gleich erkennen, dass die Bezeichnung "Würstl" wohl eher jemanden gebührt, der so wie Sie postet ;)

Saint Simon
01
28.9.2011, 15:36
Wie wär's mit großen Abschnitts- und Abschlussprüfungen?

Seit den Firnberg'schen Reformen in den 70-ern sind an Österr. Unis große Schlussprüfungen so gut wie tabu. Eine immer größere Zahl Studierender absolviert eine mit jeder Reform (UniStG97, UG2002) erhöhte Zahl von Pflichtlehrveranstaltungen. Leider wuchs das Budget nicht gleich schnell.
Man könnte sich natürlich überlegen, die Curr. zu entlasten und mehr Selbststudium mit großen Prüfungen zuzulassen.
Aber das Sinnloseste wäre wohl, die derzeitige Verschulung beizubehalten und die Unmengen Pflicht-LVs dann im Café via iPad zu absolvieren.
Wie ich weiter unten schon anmerkte: Matznetter hat von Unis wirklich keinen Schimmer.

verinus
22
28.9.2011, 14:21

bitte sofort zurücktreten!

deutlicher kann mans ja gar nicht machen, dass man überhaupt keine ahnung hat!

immer dies lächerliche akademikerquote...als ob das irgendwas aussagen würde...

wären die österreichischen arbeitskräfte wirklich so schlecht ausgebildet würds unserer wirtschaft nicht so gut gehen...aber damit kann man wohl nicht polemisieren... echt zum speiben

desteufelsbeitrag
03
28.9.2011, 13:56
Wozu studieren?

Gibt doch eh Wikipedia und Google, wo man ca alles über alles findet.

War der E-Learning Vorschlag ein ernstgemeinter? Dann gute Nacht. Auf der WU war dieses System seit jeher eine, wenn auch nur als übergangslösung angedachte, Katastrophe. Und während bei Schulen die Höchstschülerzahlen für Schulklassen diskutiert werden, sollen universitäte Veranstaltungen im überschaubaren Rahmen (VU, KV, PS,...) durch noch überschaubarere Rahmen namens "Selbststudium" ersetzt werden?

Das gegenseitige intellektuelle Befruchten mit Studienkollegen im Café ist nett und vor Prüfungen äußerst zielführend. Ersetzen kann es den Kontakt mit Lehrenden aber sicherlich genausogut wie Wikipedia, sprich: Gar nicht, außer man sucht nach Oberflächlichichkeit.

vandermonde
03
28.9.2011, 13:35
Die Akademikerquote muss..

...man relativieren, da Österreich, Deutschland und die Schweiz ein duales Ausbildungssystem besitzen, so dass ein Teil der Leute z.B. über die Berufsschule und die Lehre ausgebildet wird. Berücksichtigt man das, steht Österreich nicht schlechter da, als andere vergleichbare Länder.

Es wäre ja auch seltsam, wie Österreich mit angeblich so schlecht ausgebildeten Arbeitskräften seine Produktivität und sein BIP (PPP 2009: an 11ter Stelle weltweit) auf einem derart hohen Niveau halten könnte.

Zum Vergleich: Trotz hoher Akademikerquote in den USA hinkt die Arbeitsstundenproduktivität weit hinter europäischen Maßstäben hinterher, wobei die Arbeitslosigkeit in den USA noch dazu etwa europäisches Niveau erreicht hat.

Taschenkalender
02
28.9.2011, 13:30
MoDDle..

sagte Herr MatzEnetter^^

obwohl das E bekam er damals eh vom Kaiser dazu..

Taschenkalender
01
28.9.2011, 13:29
Matznetter..Matznetter..?

Aja - etwa der, der der WU empfahl, man solle doch mal Anfangen, auch E-learning anzubieten?

Ein (Selbst)Studium aus/in der Besenkammer vorschlagen, um damit die bestehenden Probleme zu ignorieren und zu umgehen - so ein Vorschlag kann nur von der Politik kommen!

was ich immer schon sagen wollte ...
01
28.9.2011, 13:14
imho gutes kommmentar ...

... aber die umstellung auf das neue bachelor/master studienplangeschichtl haben doch genau das gegenteil bewirkt: die uni wurde verschult - mit anwesenheitspflicht und teilweise extremen aufwand fuer nix - stichwort: bakkalaureatsabschluss der nix zaehlt.

ueber die budget-zahlen liese sich sicher streiten - obs nun 50 doer 30 oder xx% sind - aber eines ist ganz klar: digitalisierung, fernstudium etc. ist sicher die zukunft.

und den vergleich der zugangsbeschraenkungen/studiengebuehren mit dem brutalen tuersteher finde ich sehr nett ;))

Christ in der Zeit
00
28.9.2011, 13:23
Fernstudium wird sicher in Zukunft ausgebaut werden müssen.

Meinereiner absolvierte schon in der Vergangenheit eines.

http://www.fernuni-hagen.de/studium/s... enangebot/

keywords
20
28.9.2011, 12:24

hm. eigentlich ein gedanke wert.

studiengebühren für jene, die auf der uni sind. keine für die studierenden, die nur die prüfungen auf der uni absolvieren und den rest zuhause lernend verbringen.

das forciert auch gute e-learning unterlagen, mit denen prüfungen schaffbar werden.

Saint Simon
00
28.9.2011, 15:12

und die e-learning Unterlagen - Inhalt und Aufbereitung - fallen einfach so vom Himmel, oder wie? Fragen Sie mal in einer Buchhandlung nach, wieso die die Bücher nicht einfach verschenken.

Vergib ihnen
60
28.9.2011, 11:53
sachlich, klartext, endlich!!!! danke!!!!!

andkos
01
28.9.2011, 10:44
gibts ja schon?

an die "gibts ja schon" poster hier (damit schließ ich rektor badelt von der WU ein), nur weil es manches in einzelfällen schon gibt, heißt das nichts für den gesamtzustand

ich habe während der bolognaumstellung studiert (studienfach mit 5 jahrend mindeststudiendauer) und hatte während der ersten 3 jahr den alten studienplan mit allen freiheiten, wobei mir schon leute gesagt haben, dass früher alles noch freier war. jetzt gibts einen bachelor der komplett verschult ist mit einem fixen studenplan und exakt 15ECTS sub-freien Fächern.

freiheiten im studium, dahin. selbstverantwortung? dahin und bloß nicht mehr lernen, als in der vorlesung vorgetragen wurde! für mich absolut erschreckend.

Christ in der Zeit
01
28.9.2011, 10:29
diese forum wird "gut" zensuriert!

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